Könige unter sich

Die Arbeit bei Wikisource kann einen auch mal zum Schmunzeln bringen, auch wenn man denkt eher einen langweiligen Text abzutippseln. Ich habe heute ein paar Chronik-Einträge abgeschrieben und diese kleine Geschichte dabei gefunden:

Item do man zalt. M.cccc.xc. Do hatten die deütsche nacion ein groß bewegung gegen den frantzosen von wegen der Hertzogin von Britannien / alß die Maximiliano Römschem Künig vermahlet was / vnd in deütsche land wolt ziehen durch Carolem den Künig von franckreich gefangen / vnd zuo der Ee genummen / vnd Margaritam die dochter wider Maximiliano gesant. Do durch. v. hundert deütscher knecht / bey einer stat genant Selyn bewegt vnd antzünt / gesigten. gegen. v. dausent frantzosen / die sie erschluogen vnd verjagten.

Ist aber auch gemein. Da sucht sich der Maximilian 1490  eine holde Adelsbraut aus der Bretagne aus und dann fängt der französische König diese auf der Reise an den Hof Maximilians ab und ehelicht sie einfach selbst. Stattdessen schickt er die Tochter Maximilians Margarete zurück, mit der er schon seit einigen Jahren verlobt war und die bereits am französischen Hof lebte.

Aber wenn ich mir die Bilder der beiden Damen in der Wikipedia so anschaue, kann ich den guten Karl schon ein wenig verstehen. Und dass man sich hinterher deswegen ein wenig in die Haare geriet, ist ja nur allzu verständlich. So ging man unter Königs damals eben miteinander um.

8 Gedanken zu „Könige unter sich“

  1. Naja, die holde Adelsbraut wurde auch in einem weitaus früheren Statium ihres Lebens abgebildet – die andere war defacto sogar jünger. Also das muß kein Grund sein.

  2. Wahrscheinlich kam es entscheidend darauf an, mit welchen Repressionen man dem Maler bei besonders realistischer Darstellung drohen konnte…

  3. Nur gut, dass Finanzer die „Übersetzung“ hinzugefügt hat. Ich dachte nämlich bei der Lektüre des Originals nur die ganze Zeit: Hä?

  4. @Jonathan: Bei frühneuhochdeutsch hilft oft zumindest in Gedanken lautes Vorlesen und, wichtig, genauso wie es da steht. Man hat viel zu sehr die heutige Schrweibweise mit dem Klangbild verbunden. Durch das Vorlesen, kommt man aber recht schnell auf das Wort was gemeint ist.

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