Wikisource -Themen und Projekte, Teil 2

Nun hat der dritte Teil meiner kleinen Serie zu Wikisource leider etwas länger gedauert, als ich eigentlich geplant hatte. Heute möchte ich mich dem Thema Literatur bei Wikisource widmen natürlich ist die Auswahl wie immer subjektiv und völlig unrepräsentativ. Es gibt noch vielmehr schönes bei uns zu entdecken. Und auch hier wieder meine Schmöker- und Stöber-Empfehlung: Zuerst sind da unsere Kategorien Versdichtung, Erzählprosa und Drama zu nennen. Aber auch in Blick in die Kategorie Autoren kann sich lohnen, wenn man Werke eines bestimmten Autors sucht.

Aber erstmal eine Bemerkungen vorneweg. Leider sind die sogenannten Klassiker, wie Goethe, Schiller und Co. recht wenig bei Wikisource vertreten. Wir mussten im Laufe der Zeit leider einige Texte löschen, da für diese keine vernünftigen Textgrundlagen vorlagen. Wie im ersten Teil erläutert, wären dies Scans oder E-Texte einer Erstausgabe oder einer anderen maßgeblichen Edition. Und da mussten wir eben in den sauren Apfel beissen und die Texte löschen, was aber zu einigen Auseinandersetzungen und auch zu einem Sturm im Wasserglas im internationalen Wikisource-Skriptorium führte. Da die meisten der Werke aber sowieso von gutenberg.de oder von woanders im Internet nach Wikisource kopiert wurden, ist kein wirklicher Verlust eingetreten. Und die kleinen gelben Heftchen kosten ja nun auch nicht Welt.

Trotzdem kommt auch der Klassikerfreund bei uns auf seine Kosten. So finden sich zum Beispiel die von Friedrich Schiller herausgegebenen Zeitschriften Thalia und Neue Thalia, sein Geschichtswerk Geschichte des 30jährigen Kriegs, aber auch Kabale und Liebe, Ritter Toggenburg, Maria Stuart und noch einiges mehr. Bei Goethe sieht es leider etwas weniger gut aus, denn die meisten der aufgeführten Werke beruhen auf einer unbekannten Textgrundlage. Sie entsprechen damit zwar nicht unseren hohen Qualitätsansprüchen, für die Lektüre in der Schule oder zum Schmökern, sind die Texte natürlich trotzdem ok.

Ein Schwerpunkt unserer Literaturabteilung bilden die sogenannten „Verbrannten Dichter“. Die Werke dieser Dichter, die als „undeutsch“ und „schädlich“ gebrandmarkt wurden, wurden von den Nazis erstmals am 10. Mai 1933 auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Von diesen Dichtern können wir bei Wikisource Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und den von den Nazis ermordeten anarchistischen Dichter Erich Mühsam präsentieren. Bekannt ist sicherlich der Kuttel Daddeldu von Ringelnatz. Empfehlenswert ist auch die Satire Hitler und Goethe – Ein Schulaufsatz von Kurt Tucholsky. Die meist kämpferischen Gedichte von Erich Mühsam sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack, sind aber auch als Zeitdokumente aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit seinen Auseindersetzungen und Kämpfen hochinteressant. Als kleine Auswal ein eher poetisches Gedicht von Erich Mühsam, das mir sehr gut gefällt:

Spruch

Juni 1916

Wenn ihr mich weinen seht,
fragt nicht, warum.
Leid, das in Tränen steht,
tröstet sich stumm.

Wenn ihr mich fluchen hört,
stimmt mich nicht mild.
Zorn, der sich laut empört,
schmilzt, wenn er schilt.

Doch wenn ich trink und lach,
lad ich euch ein.
Freude wird grau und schwach,
bleibt sie allein.

Die Fabeln und Erzählungen von Christian Fürchtegott Gellert verdanken wir dem unermüdlichen Einsatz der bereits erwähnten Dame aus der historischen Gymnasialbibliothek hier in Hamburg. Das besondere daran ist, dass wir die Texte nach der Ausgabe von Gellerts Schriften aus dem Jahre 1769 transkribiert haben. Auch wenn moderne Ausgaben relativ wenig von dieser abweichen, finde ich es sehr schön wenn wir auch solch alte Ausgaben präsentieren können. Lese- und Schmunzelttipp: Das Gespenst

Eine Gedichtsammlung der etwas anderer Art und damit fast schon eine kleine Überleitung zum nächsten Teil meiner Serie ist die Gedichtsammlung Die deutschen Kaiser von Max Barack vorstellen. Dieses Buch aus dem Jahre 1888 enthält Gedichte über alle Kaiser von Karl dem Großen bis zum ollen Wilhelm 2. Und zu jedem der Herren gibt es noch ein hübsches Bildchen im typischen heroischen Stil des 19. Jahrhunderts. Hohe Dichteskunst ist sicherlich was anderes und für heutige Leser entwickelt die Reimeskunst auch eher unfreiweillige Komik, aber trotzdem eine nette Lektüre für den historisch interessierten Gedichtfreund.

Da sich natürlich literarische Texte hervorragend zum Vertonen eignen, ist der Anteil solcher Texte innerhalb unseres kleinen, leider etwas eingeschlafenen Projektes Gesprochene Wikisource sehr hoch. Und einige Perlen sind dort bereits zu finden Empfehlen kann ich insbesondere die von Kellerkind und Phantomkommando gesprochenen Werke. Hier zwei Links zu zwei gesprochenen Gedichten, die mir besonders gut gefallen (OGG-Format): An Land und Die Bürgschaft. (Eigentlich wollte ich die beiden hier mit so einem netten Player einbinden, was mir aber noch nicht so recht gelungen ist. Deshalb auf diesem etwas unbequemeren Wege.)

Und noch eine Empfehlung zum Schluss. In den letzten Wochen wurde eine spezielle Seite für Autorinnen aufgebaut, die Texte in Wikisource und andere Digitalisate im Internet auflistet. Da ist bereits einiges zusammengekommen. Viel Spaß beim Schmökern.

Wie immer konnte dieser Beitrag nur einen winzigen Ausschnitt über die Bandbreite an literarischen Texten bei Wikisource zeigen. Man hätte noch viel mehr Dichter und Autoren nennen müssen, wie z.B. Dante, Fontane, Annette von Droste-Hülshoff u.v.a.m.

Hinweis:

Leider habe ich mir mit Einstellen dieses dritten Teils den zweiten Teil (der war über die wissenschaftlichen Texte) zerschossen. Ich konnte den Text zum Glück aus einem Backup wiederherstellen, aber leider sind die Kommentare weg. Und die Bewertungen dieses Teils sind nun hier. Kann man leider nichts machen. Aber besser so, als wenn der Text komplett verschwunden wäre.

2 Gedanken zu „Wikisource -Themen und Projekte, Teil 2“

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