Schießbefehl

Nun ist der sogenannte Schießbefehl, der die letzten Tage durch die Presse geisterte, bei Wikisource im Volltext verfügbar. Da ich aus der DDR stamme und selbst drei Jahre in der NVA gedient habe, ist mir vieles von dem in dem Befehl verwendeten DDR-Sprech noch sehr vertraut. Und um ein besseres Verständnis für solch ein Dokument zu schaffen, habe ich es mit einigen Anmerkungen und Erläuterungen versehen.

Das Dokument ist offensichtlich ein Befehl der einem Mitarbeiter (einen Inoffizellen Mitarbeiter schließe ich eher aus, dafür enthält es zuviele MfS-Vokabeln) des MfS vorgelegt wurde, bevor dieser seinen Schnüffel-Dienst in den Grenztruppen der DDR antrat und den dieser unterscheiben musste. Dieses Dokument ist also kein allgemeiner Schieß-Befehl an die Soldaten der Grenztruppen, wie gelegentlich in der Presse suggeriert wurde. Ein solcher wurde m.W. bisher auch noch nicht gefunden. Mit Sicherheit dürfte dieser Auftrag aber für alle MfS-Agenten gleich gewesen sein und wurde sicherlich von ganz oben im Ministerium in dieser Form abgesegnet.

Auch wenn es jetzt nicht DER Schießbefehl ist, ein die Denkweise der in der DDR politisch Verantwortlichen enthüllendes Dokument ist es trotzdem. Neben der schon durch die Presse mehrfach erwähnten Erlaubnis auch auf Frauen und Kinder zu schiessen, hat mich noch eine andere Passagen besonders erschreckt. Um die Flucht eines Grenzsoldaten zu verhindern, solle die Schußwaffe konsequent eingesetzt werden um den Flüchtenden zu „liquidieren“ und der Tote bzw. Verletzte sollte „der Einsichtmöglichkeit des Gegners“ entzogen werden. Das heisst erst sollte der Körper des Angeschossenen aus dem Blickfeld westlicher Beobachter gezerrt und dann Erste Hilfe geleistet werden. Menschenverachtender geht es kaum noch.

5 Gedanken zu „Schießbefehl“

  1. Eine Sache ist in meinen Augen aber noch wichtig: Es steht dort nicht, man soll Frauen und Kinder erschießen. Da steht „nut“ (schlimm genug) man solle sich von denen nicht abschrecken lassen, von der Waffe gebrauch zu machen. Das schlimme ist, daß die Medien aus der Sache viel mehr und etwas noch extremeres machen und dadurch die Glaubwürdigkeit aller Erkenntnisse untergraben. Bei dieser Sache werden selbst seriöse Medien zur Bild-Zeitung. Es reicht aus und ist schlimm genug, wenn man sich der ganzen Sache sachlich nähert.

  2. Angesichts dieser grauenhaften Forderungen wird mir erst recht klar, warum mein Vater jedesmal sagt, wenn wir an der Berliner Mauer vorbeikommen: „Diese Verbrecher!“

    Was mich als Philologen erschreckt, ist die schlechte Qualität des Textes. Tippfehler, Grammatikfehler, Interpunktionsfehler… ein Lektor wäre hier hilfreich gewesen. Da frage ich mich doch allen Ernstes, ob das BILD-Digitalisat die offizielle Version repräsentiert.

  3. Ich denke schon dass das Dokument echt ist. Dafür spricht m.E. die „sozialistische“ Sprache. Auf solche Formulierungen wie z.B. „feindlich-negative Kräfte“ würde heute kein Mensch mehr kommen. Und die Fehler sind wohl noch der Schreibmaschine geschuldet, man hatte wohl schlicht keine Lust das Ding neu zu tippen.

  4. Da ich Befehle in derselben technischen Qualität – nicht desselben Inhalts – auch aus dem Westen kenne, bin ich mir ziemlich sicher das dies kein Hinweis auf eine Fälschung ist. Dies dürfte die offizielle Version sein. Es ist im Endeffekt nur ein Arbeitspapier das von irgend jemand lustlos abgetippt wurde und den entsprechende Mitarbeitern zur Unterschrift vorgelegt wurde.

  5. Ich würde sogar sagen, wenn die Person richtig schreiben gekonnt hätte, hätte sie nie so einen Befehl geschrieben…

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