Academy 2007 – Tag 2

Also nach etwas kurzer Nacht da ich meinen Vortrag über Wikisource noch etwas tunen musste und da die Leichtatheltik-Weltmeisterschaft angefangen hatte, hielt mich das auch noch etwas vom zu Bett gehen ab. Erwähnte ich schon, dass die Plüschigkeit des Zimmers keinerlei negative Auswirkungen auf den Erholungswert des Bettes hatte? Wenn nicht tue ich es hiermit.

Am zweiten Tag waren zuerst die drei parallelen Workshops zu den Themen „Wissen teilen leicht gemacht: Eine kurze Einführung für Wikipedia-Einsteiger“, „Freie Lizenzen und ihre Rolle in der derzeitigen und zukünftigen Online-Publikationskultur“ und „Webbasierte kooperative Editionsverfahren am Beispiel des Projektes Wikisource“ auf dem Plan. Da ich den Vortrag über Wikisource gehalten habe, kann ich logischerweise nichts über den Verlauf der anderen beiden anderen Wokrshops sagen. Vielleicht geben ja Kurt und Matthias die diese Workshops ausrichteten, noch irgendwo einen Stimmungsbericht ab.

In der festen Annahme, dass mein Workshop der mit dem geringsten Interesse sein dürfte, wählte ich als Vortragsort die kleine nette Bibliothek der Akademie aus, in der auch schon Maha sein Interview gegeben hatte (Einen Eindruck davon gewinnt man auf dem Bild unten und in dem Beitrag im Nachtmagazin). Der Ort hätte hätte zum Thema auch sehr schön gepasst. Zuerst sah es auch so aus, als ob der Zuhörerkreis sehr übersichtlich bliebe, kurz vor Beginn strömten aber soviele Leute in den kleinen Raum, dass wir in den grossen Plenarsaal umziehen mussten.

Wer sich den sperrigen Titel meines Vortrages ausgedacht hat, weiß ich zwar nicht, aber ich ließ mich davon nicht weiter beendrucken. Ziel meines Vortrages war es, die versammelten Wissenschaftler davon zu überzeugen, dass auch unser kleines feines Projekt beachtenswert ist und von Wissenschaftlern genutzt werden kann und natürlich vll. auch einige der Zuhörer dazu bringen könnte uns zu unterstützen. Ich hatte mich darauf gefasst gemacht, dass sehr kritische Fragen und Bemerkungen kommen würden, wie sich Laien anmassen könnten Texte einfach so zu edieren und auch noch den Anspruch haben, dass sie das richtig gut und wissenschaftlich tun. Aber nichts dergleichen. Im Gegenteil. Mir schien, dass die Damen und Herren recht beeindruckt waren, was wir innerhalb kurzer Zeit und mit vergleichweisen primitiven Mittel zustande gebracht haben. Auf jeden Fall hat mir die Reaktion gezeigt, dass wir mit unserem Credo gleichzeitig wissenschaftlich zu arbeiten, aber auch für den interessierten Leser die Texte aufzubereiten voll ins Schwarze getroffen haben.

Und in etlichen Gesprächen nachher, wurde uns von vielen Seiten Hilfe und Unterstützung zugesagt. Und mein Eindruck war, dass einige der Wissenschaftler überlegt haben, wie sie Wikisource in ihre editorische Arbeit einbeziehen können.

Leider gibt es von den Workshops keine Fotos. Aber es gibt bewegte Bilder. Die zur Academy anreisenden Wikipedianer aus Berlin darunter auch unsere Video-Filmerin Julica waren auf der Anreise mehrfach im Stau steckengeblieben, so dass sie erst zum Ende des ersten Tages ankamen.

Nach einer kleinen Pause ging es dann weiter mit der Podiusmdiskussion „Perspektiven breitenwirksamer Wissenschaftskommunikation in den Neuen Medien“. Als Moderator der Diskussion konnten wir den ZDF-Journalisten Volker Panzer gewinnen. Und ich muss sagen diese Wahl war hervorragend. Man erkannte, dass er sich auf das Thema vorbereitet hatte und stellte kluge und interessante Fragen, so dass sich doch eine recht angeregte Diskussion über die Wikipedia im Allgemeinen, die Mitarbeit von Wissenschaftlern, die explizite Namensnennung von Fachleuten bei von diesen geschriebenen Artikeln und die Einbindung von Wissenschaftlern in die Wikipedia-Arbeit entwickelte. Worüber ich besonders verblüfft war, dass es ausser einem älteren Herrn, dessen Kritikpunkte sich mir nicht so recht erschliessen wollten, keinerlei prinzipielle Kritik an der Wikipedia mehr gab. Leider scheinen aber die Ängste der Wissenschaftler, dass ihre Namen nicht über den Einträgen in der Wikipedia stehen noch etwas grösser zu sein scheint, als ihr Interesse ihre Erkenntnisse und ihr Wissen auch der breiten Öffentlichkeit mitzuteilen. In der Diskussion wurde deutlich gemacht, dass der Name vll. nicht darüber aber zumindest darunter stünde, wenn z.B. Wissenschaftler ihre Arbeiten interessierten Wikipedianer zur Verfügung stellen würden, so dass diese Arbeiten zur Grundlage von Artikeln werden.

Aus all den Diskussion dieser zwei Tage ergab sich, dass es neben dem reinen Artikelschreiben durch Wissenschaftler viel mehr Möglichkeiten gibt uns zu helfen und damit das Wissen was diese zusammengetragen haben, zu propagieren und der breiten Öffentlichkeit darzubieten. Und wir haben ihnen gezeigt, dass dieses Projekt genauso ernsthaft arbeitet, wie ein Wissenschaftler in seinem stillen Kämmerlein. Ein wichtiger Anfang ist gemacht.

10 Gedanken zu „Academy 2007 – Tag 2“

  1. Ja, die Videos wird es natürlich zum Anschauen im Web geben. Mit Sicherheit auf Commons und zum Schnellen anschauen wird es die auch auf YouTube geben.

  2. Mich wundert ja auch, dass viele Wissenschaftler nicht mal die Arbeiten, über denen ihr Name unbestritten steht, einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachen wollen. Nur mal ein Beispiel: seit vielen Monaten grase ich die Uni-Publikationsserver nach RSS-Feeds ab und füge alles, was ich halbwegs einordnen kann (dazu gehört allerdings kaum etwas aus der Naturwissenschaft…), in die entsprechenden Literaturhinweise von Wikipeda-Artikeln hinzu. Diese einfache und bescheidene Arbeit hat wahrscheinlich schon mehr für die Publikationsserver und ihre Sichtbarkeit getan als vieles andere… (behaupte ich jetzt einfach mal). Es ist mir völlig rätselhaft, wie jemand jahrelang über einen minder berühmten Autor/Maler forschen kann (und damit ja auch zwangsläufig mal Google benutzt und zwangsläufig auf die Wikipedia stoßen muss), und dann, wenn die Dissertation/Habilitation fertig ist und sogar offen im Internet herumliegt, nicht mal einen Hinweis darauf in die Weblinks der Wikipedia schreibt… und womöglich einen Abstract als Artikel ablädt. Da wünscht man sich dann geradezu von Autoren- bzw. Universitätsverlagsseite mehr Selbstdarstellung und Werbung.

    Dass die Digitalisate- und Publikationsserver wohl nicht allzu häufig benutzt werden, kann man ja als User schon daran erahnen, wie viele grobe und gröbste Fehler fast überall in den Metadaten und Verlinkungen enthalten sind, wie schlecht die Interfaces sind und wie erratisch die Erreichbarkeit (Göttingen ist da ein schönes Negativbeispiel). Übrigens haben noch lange nicht alle deutschen Publikationsserver einen RSS-Feed für Neuheiten, und kaum eines der Digitalisierungsprojekte.

  3. AndreasP verweist darauf, dass das Verhältnis von Wissenschaftlern zur WP subtiler ist als seine grobkörnige Abbildung in „Eitelkeit“ oder ähnlichem. Diese Zunft zu gewinnen, allein ihre Publikationen unter „Literatur“ den entsprechenden WP-Artikeln zur Verfügung zu stellen, wäre bereits ein bemerkenswerter Erfolg, da sie ihn als „Ort“ für die Publikation ihrer Titel ja durchweg gar nicht auf der Rechnung hat. Das hat mit ganz normaler „Betriebsblindheit“ zu tun; man schreibt zuallererst für die „Kollegen“, der „Abstract“ gehört (auch online) allenfalls in die Ankündigung eines Symposions und dann in den Papierkorb. Dass daran auch außerhalb des eigenen beruflichen Gartens Interesse bestehen könnte, liegt dir fern. Ich könnte mir indes vorstellen, dass ein Vorstoß in die von AndreasP aufgezeigte Richtung, die WP für Wissenschaftler zunächst gar nicht als Ort des eigenen Schreibens, sondern vor allem als „Publikationsserver“ zu eröffnen, strategisch womöglich ganz gute Aussichten hätte.

  4. @Feli: Ich sehe auch in Wikisource z. B. große Möglichkeiten als recht brauchbaren Ersatz für das unsägliche ZVDD (Zentrale Verzeichnis Digitalisierter Drucke), bzw. als Ergänzung, sollte das doch noch mal in die Gänge kommen. Ich habe mich bisher in dieser Richtung nur um recht eng begrenzte Themen gekümmert (Dienstboten, Buchhandel, die Frauenliteratur auf der Seite Wikisource:Autorinnen, zuletzt noch Ludwig Feuerbach und Georg Wolfgang Panzer als Beispiele für kleinere Personaldigitalbibliographien), aber ich denke, das könnte man noch durchaus ausweiten. Wissenschaftlich brauchbare, korrigierte Volltexte sind schön und gut, aber man braucht wohl Jahrhunderte, um auf Wikisource-Art eine kritische Menge für wirkliche Sichtbarkeit im Netz herzustellen. Die Bibliographien sind einfacher herzustellen, können aber, wenn gut gemacht und thematisch interessant, a) sicherlich Schülern und Studenten wertvolle Recherchehilfe über Google hinaus geben und b) neue Wikisourcler gewinnen, die dann vielleicht doch mal so ein gefundenes und für interessant befundenes Digitalisat abtippen.

    Was mir da noch einfällt: Historiker und Sprachwissenschaftler fertigen doch oft Kopien und dann eine private Arbeits-Textedition bzw. -Übersetzung der Texte, mit denen sie arbeiten. Diese Schätze liegen dann auf den Festplatten oder im Papierkorb herum – Wikisource könnte so etwas aber durchaus brauchen (darf ja ruhig anonym sein, falls einem der Roh-Charakter peinlich sollte).

  5. Bibliographische „Arbeit“ wird traditionell unterschätzt. Johann Zedler ist deshalb ohne Frage besser ins Bewusstsein zu bekommen als Wolfgang Panzer. Daran wird sich auch nichts äündern. Die Idee, in die Papierkörbe zu schauen, scheint mir spielerischer – und deshalb a la longue für den Anspruch sowohl für die WP als auch für Wikisource erfolgversprechender. Da ist womöglich mehr Panzer drin, als Zedler sich hat träumen lassen.

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