Hoch und teuer verpönter Frieden

"Häh?" werden sich viele beim Lesen der Überschrift vermutlich denken.  Oder auch: "der Finanzer spinnt jetzt wirklich". Aber sie ist ein wunderschönes kleines Beispiel für den Wandel der deutschen Sprache in den letzten Jahrhunderten. Das vollständige Zitat aus dem Prager Frieden von 1635 lautet:

auch hoch vnnd thewer verpönten Religion: vnnd ProphanFrieden

Da ich kein Sprachwissenschaftler bin, steht das folgende natürlich unter dem Vorbehalt der persönlichen Theoriefindung. Hier darf ich das aber zum Glück.

Das Wort verpönt wird heute meist in der Bedeutung auf Grund bestimmter Vorstellungen verachtet, für schlecht gehalten verwendet. Zumindest sagt dies das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts und mein Sprachgefühl sagt mir sowas ähnliches.

Im Wort verpönt steckt aber das heute völlig unbekannte Wort Pön. Das Deutsche Rechtswörterbuch gibt als Erklärung für dieses Wort:

wie bei lat. poena unspezifische Bez. für jede Art der Strafe oder Buße […], meist aber für eine Geldstrafe

Verpönt wird in unserem Vertrag, als das Wort Pön noch sehr häufig verwendet wurde, also schlicht im Sinne von unter Strafe stehen verwendet. Und nun wird auch klar wie etwas hoch und teuer verpönt sein kann. Das bedeutet einfach, dass eine hohe und teuere Strafe droht. Hier also natürlich nicht für den Frieden, sondern selbstverständlich für den Bruch desselben.

Und nachdem das Wort Pön außer Gebrauch kam, vergaß man offenbar auch den genauen Sinn des Wortes verpönt und es konnte den Wandel zur heutigen Bedeutung durchmachen, was die Wendung dann für heutige Leser etwas seltsam anmuten lässt.

Das ist aber nur ein Beispiel von vielen, auf die man beim Lesen, Abtippen und Korrigieren frühneuzeitlicher Texte stößt. So findet man bspw. viele doppelte Verneinungen die die Verneinung bekräftigen sollen und nicht wie man heute vermuten würde die Verneinung negieren. Die uns allen bekannte Formulierung samt und sonders hat einen heute unbekannten Partner sampt oder sonders, merkwürdige Sachen sind nicht unbedingt seltsam oder eigenartig, sondern nur würdig sie sich zu merken und vieles mehr.

1 Gedanke zu „Hoch und teuer verpönter Frieden“

  1. „Das bedeutet einfach, dass eine hohe und teuere Strafe droht. Hier also natürlich nicht für den Frieden, sondern selbstverständlich für den Bruch desselben“ – nun, nicht ganz so. In diesem Fall bedeutet dieses „verpönnen“ noch etwas anderes, und zwar: „erkämpfen“. Der Friedensvertrag besagt in diesem Puncto: „angewendet werden neben anderen die Bestimmungen des hart erkämpften Religions- und Profanfriedens“, und dass diese tatsächlich hart erkämpft wurden, brauche ich wohl nicht zu beweisen – es ist die Zeit des damaligen Weltkriegs: des Dreißigjährigen Kriegs. Fatal ist: dieser Prager Friede beendet den Krieg noch nicht, bis zum Westfälischen Frieden werden noch ein paar tausend Menschen ihr Leben verlieren…

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