Beitragsersuch

Das Bremer Sprachblog berichtet in einem Beitrag über einen Fall der Theorietablierung, in diesem Falle muss man wohl eher von Begriffsetablierung sprechen, durch die Wikipedia. Wenn auch eher klein, ist das trotzdem ärgerlich. Der 17 zusätzliche Vorname eines neuen Wirtschaftministers fällt irgendwann auf, in randständigeren Themen setzt sich sowas alleine schon durch die zahlreichen Wikipedia-Klone im ganzen Netz fort.

Kurz zu den Hintergründen der Geschichte: Der Autor des Blogs, der Bremer Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, suchte gestern eine griffige Übersetzung für den englischen Ausdruck Call for Papers und fand im  Wikipedia-Artikel zu diesem Begriff dafür die deutsche Übersetzung Beitragsersuch. Stefanowitsch weist aber nach, dass dieser Ausdruck erst durch die Wikipedia in die Welt kam.

Mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass das seit längerem übliche Verlangen von Nachweise für Aussagen in Artikeln kein leeres Gerede gelangweilter Autoren und Admins ist.

Update:

Mittlerweile wurde das schöne Wort Beitragsersuch aus dem Artikel entfernt.

4 Gedanken zu „Beitragsersuch“

  1. Aber bitte nicht damit durch einander bringen, daß manchmal für Dinge/Vorgänge, wo es bislang noch gar keinen Namen gibt, für Artikel logische Begriffe/Begrifflichkeiten entwickelt werden. Irgendwie muß man Dinge ja benennen. Und wenn dadurch in der Wikipedia Begriffe etabliert werden, weil die Wissenschaft nicht in der Lage war, sehe ich das nicht als Problem. Denn dort macht es ja auch nur die Person, die „zuerst kommt“.

  2. Genau genommen wäre das auch begriffsetablierung. Dass es nicht immer vermeidbar ist, ist mir klar und wohl auch oft nicht wirklich schädlich. Dass Wikipedia durch ihre pure Existenz und Bekanntheit die Welt verändert, die sie ja eigentlich beschreiben will, st den Physikern als Unschärferelation bekannt. Der Fall dürfte hier ähnlich liegen.

  3. Sagen wir’s mal so:
    Wer wissenschaftlich arbeitet, sollte sich in der Wikipedia orientieren und sich in offiziell anerkannten, wissenschaftlichen Publikationen absichern.
    Wikipedia ist einfach noch zu jung und soll ja im Moment nur als „Orientierungshilfe“ dienen.
    Ich sehe das ebenfalls als Begriffsetablierung an. Der Volksmund und die Medien haben schon so manche Wörter „erfunden“, die mittlerweile im Sprachgebrauch sind.
    Da stimme ich marcus cyron zu: wenn Wikipedia schneller als die Wissenschaft ist….ist das doch eher als positiv für Wiki zu sehen.

  4. weist aber nach, dass dieser Ausdruck erst durch die Wikipedia in die Welt kam.Der Autor des Blogs, der Bremer Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch ?
    rucksackdeutscher?Bremer Sprachwissenschaftler?wer bezahlt die besserwisserei??

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