Am 1. April wurden die ersten rund 5000 Bilder, die von der Fotothek unter eine freie Lizenz gestellt wurden, auf Commons hochgeladen. Wenn ich es recht gesehen habe, sind es ausschließlich Bilder des Fotografen Eugen Nosko, der in den 1970er und 1980er Jahren Industriefotograf im Auftrag volkseigener Betriebe und Kombinate war.
Und genau dies zeigen diese Bilder: Menschen, Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Milieu der Industrie im einstigen „Arbeiter- und Bauernstaat“. Einige wenige Bilder, die mir als Ex-Ossi besonders ins Auge fielen, hab ich hier mal in einer kleinen Galerie zusammengestellt.
Facharbeiter für Datenverarbeitung an DDR-Rechentechnik der 70er Jahre. Zum Aufnahmezeitpunkt 1983 war die DDR gerade erst dabei ihre eigene Mikroelektronik zu entwickeln, was ihr aber bis zum Ende nicht wirklich gelang.
Fotograf: Nosko, Eugen, CC-BY-SA 3.0 de
Offenbar der Weg der Herstellung eines Messers von Halbzeug zum fertigen Produkt. Das abgebildete Messer ist ein typisches Produkt der DDR-Konsumgüterproduktion und fehlte wohl in keiner Küchenschublade. Irgendwo schwirrt ein Messer dieser Sorte auch bei mir noch rum.
Fotograf: Nosko, Eugen, CC-BY-SA 3.0 de
Facharbeiter für chemische Produktion. Eigentlich nur in der Galerie, weil ich diesen Beruf auch mal gelernt habe. Die Aufnahme hier stammt aus dem Arzeimittelwerk Dresden. Im Stickstoffwerk Wittenberg wo ich gelernt habe, sah es aber nicht wesentlich anders aus.
Fotograf: Nosko, Eugen, CC-BY-SA 3.0 de
Typische DDR-Motorisierung vor einer Betriebsschule. Man beachte auch das Spruchbanner an der Fassade:"Wismutjugend. Stets an der Seite der SED!". Ein schönes Beispiel der allgegenwärtigen nervigen Propagandasprüche.
Fotograf: Nosko, Eugen, CC-BY-SA 3.0 de
Irritiert bin ich über die Kritik die hier und da aufkam. Die Bilder die von der Fotothek bereitgestellt wurden seien enttäuschend, unbrauchbar und unenzyklopädisch. Auch wenn man nicht unbedingt alle Bilder hätte hochladen müssen, da sich doch einige Motive stark ähneln bzw. wiederholen, muss ich der Kritik widersprechen. Erstens handelt es sich, wie bereits erwähnt, um einen winzigen Bruchteil der insgesamt 250.000 Bilder.
Zweitens sehe ich die Bilder als wichtige Zeitdokumente der DDR-Industrie und teilweise des Alltagslebens. Viele Bilder zeigen, auch erst durch die vermeintlichen Wiederholungen, sehr schön die Formensprache und die Ästhetik der „sozialistischen“ Kunst. Da sehen wir zum Beispiel auf vielen Bildern lachende Bauern bei der Apfelernte, zufriedene Arbeiter beim Essen in einer sauberen Kantine und glückliche Urlauber im Ferienheim. Genauso wie bei vielen Bildern aus dem Bundesarchiv, handelt es sich bei den meisten Bildern von Eugen Nosko auch nur um Propagandafotos. Die Realität sah wesentlich trister und trüber aus.
Und drittens ist, zumindest für mich, Commons keine Exklusiv-Veranstaltung der Wikipedia, wo jedes Bild unbedingt Platz in einem Enzyklopädie-Artikel finden muss. Ob hingegen auf Commons private Urlaubsbilder unter einer freien Lizenz ihren Platz finden sollen, ist eine ganze andere Frage.
Natürlich erhoffe auch ich mir noch andere Bilder, als nur glückliche Arbeiter und Bauern in der sozialistischen Produktion.
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