E-Books für Wikisource mit KF8-Support

Ab sofort biete ich die E-Books, die ich aus den Beständen von Wikisource erstelle, auch im neuen Kindle-Format 8 an, kurz KF8 genannt. Das KF8 ist eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Mobipocket-Formats und bietet eiune wesentlich bessere Unterstützung der aktuellen Technologien. Amazon beschreibt die Vorteile folgendermassen auf der oben verlinkten Webseite:

Kindle Format 8 is Amazon’s next generation file format offering a wide range of new features and enhancements – including HTML5 and CSS3 support that publishers can use to create all types of books. KF8 adds over 150 new formatting capabilities, including drop caps, numbered lists, fixed layouts, nested tables, callouts, sidebars and Scalable Vector Graphics

Hinzu kommt, dass Bilder nicht mehr so arg kleingerechnet und in schwarz-weiß umgerechnet werden, da mit diesem Format auch der Kindle Fire umgehen kann, der eine größere Auflösung bietet und auf Grund des verwendeten LCD-Bildschirms auch farbige Bilder anzeigen kann. Wenn also das Gerät irgendwann auch in Europa angeboten wird, profitieren Besitzer dieses Gerätes sofort von dem neuen Format. Außerdem ist die Liste der unterstützten HTML-Tags und CSS-Eigenschaften wesentlich größer als noch beim alten Kindle-Format. Und da der seit ein paar Tagen in Deutschland erhältliche Kindle Touch dieses neue Format unterstützt, habe ich mich entschlossen, die E-Books auch in diesem Format anzubieten.

Amazon zieht damit gleich zur aktuellen EPUB-Version 3, die einen ähnlichen Funktionsumfang seit Anfang 2011 definiert.

Den Unterschied in der wesentlich besseren Darstellung auf dem Kindle Touch mit KF8 im Gegensatz zum Kindle 4 kann man den beiden Screenshots entnehmen.

Screenshot Kindle 4
Screenshot Kindle 4
Screenshot Kindle Touch
Screenshot Kindle Touch

Auch wenn die generierten Dateien im KF8 dasselbe E-Book im alten Format (KF6) enthält und damit eigentlich auch zum Kindle 4 und dessen Vorgängern kompatibel ist, biete ich weiterhin einen Download nur im alten Format an. Das hat schlicht zwei Gründe: Ersten ist ein E-Book nur im alten Format wesentlich kleiner, da eben die Bilder kleiner gerechnet werden und auch keine herausgeberspezifischen eingebetteten Fonts enthalten sind, die alleine meist 1-2 MB umfassen. Und da das Wikisource-Export-Tool seit kurzem freie gut lesbare Fonts in das EPUB einbettet und ich diese auch nicht entfernen möchte, sind halt auch im resultierenden KF8-Buch diese enthalten. Ein E-Book im KF8 Format ist u.a. deshalb schlicht doppelt so groß wie das EPUB aus dem es erzeugt wird. Für den zweiten Grund muss ich etwas weiter ausholen und meinen bisherigen Workflow kurz schildern.

Zuerst exportiere ich die Texte aus Wikisource mit dem Export-Tool für Wikisource. Das liefert mir ein EPUB-Dokument. Wenn ich einen Sammelband erstellen möchte, muss ich zusätzlich noch die einzelnen Texte als XHTML-Datei exportieren, was auch durch das Export-Tool unterstützt wird.

Danach wird das exportierte EPUB-Dokument mit Sigil weiterbearbeitet, da doch noch zuviele Artefakte darin enthalten sind, die man in einem E-Book nicht haben möchte, aber in Wikisource sinnvoll sind bzw. aus der Historie bedingt sind und oft auch mit exportiert werden. Bei einem Sammelband müssen in das Manteldokument, die oben beschriebenen XHTML-Dateien eingefügt werden. Zu den typischen Aufgaben bei der Bearbeitung gehören dabei:

  • Aufbau eines Inhaltsverzeichnis soweit noch nicht vorhanden bzw. sinnvoll. Die Darstellung von Überschriften in Wikisource erfolgt nämlich meist nicht semantisch mittels HTML-Header-Tags (h1, h2 usw.) sonder nur per Schriftauszeichnung (fett, größer etc.) und lehnt sich an das Layout der Vorlage an.
  • Entfernen überflüssiger Leerzeilen
  • Überarbeiten und Ergänzung der Metadaten
  • Tabellen, die für das Layout verwendet werden entfernt. Da lange Tabelle Probleme im Kindle machen, versuche ich diese mit anderen Mitteln darzustellen.
  • So in Wikisource kein Bild zum Text mitgegeben wird (meist das Titelblatt des Textes), dass auch für das Coverbild des E-Books verwendbar ist, erstelle ich ein neues in einem schlichten, aber hoffentlich ansprechenden Layout und binde dieses in das E-Book ein. Im folgenden ein Beispiel für einen Text der in der Gartenlaube veröffentlicht wurde:
Beispiel generisches Titlebild
Beispiel generisches Titelbild
  • Entfernen von Seitenzahlen und Einzügen die mit Leerzeichen realisiert wurden, dafür ist die Suchen-Ersetzen-Funktion von Sigil mittels Regular Expressions sehr hilfreich.
  • Ich entferne Anmerkungen und Fußnoten, die nur Druckfehler korrigieren. Die sind wichtig in Wikisource, damit nicht der nächste Korrekturleser über den gleichen Fehler stolpert und weiß, dass an dieser Stelle von der Vorlage abgewichen wurde. Für den Leser des E-Books sind diese Anmerkungen m.E. unwichtig. Sachanmerkungen belasse ich allerdings.
  • Entfernt werden weiterhin Verlinkungen im Text, die aus dem E-Book herausführen, also zu Wikipedia-Artikeln oder zu anderen Texten auf Wikisource.
  • Weiterhin füge ich in die vom Export-Tool generierte Titelseite die Textdatenbox aus Wikisource ein, um diese Informationen dem Leser auch über die Metadaten des E-Books hinaus zur Verfügung zu stellen.

Anschließend wird das mit Sigil bearbeitete EPUB in Calibre, einem E-Book-Verwaltungs- und Konvertierungs-Programm, importiert und in das Mobipocket-Format konvertiert. Und hier kommt jetzt der Unterschied im bisherigen Workflow. Das EPUB-Dokument wird nun auch noch zusätzlich mit Hilfe des Kommandozeilen kindlegen von Amazon in das neue Format konvertiert. Wenn man sich das Gehacke auf der Kommandozeile sparen will oder nicht ganz so firm ist damit, verwendet man einfach den KindlePreviewer, der eigentlich zur Vorschau von Kindle-E-Books auf verschiedenen Geräten gedacht ist, aber auch EPUB, DOC und HTML entgegennimmt und diese vorab per kindlegen in das KF8 konvertiert. Neben dem von Calibre konvertierten Dokument importiere ich in Calibre zusätzlich noch das per kindlegen erzeugte Dokument.

Warum mache ich nun aber diese zusätzlich Konvertierung und erzeuge zwei Mobi-Dateien, obwohl ja die von kindlgen erzeugte auch das E-Book im alten Format enthält? Schlicht, weil die Konvertierung von Calibre wesentlich besser und näher am Ausgangs-EPUB ist, trotz der limitierten Fähigkeiten des älteren Formats. Kindlegen erzeugt zwar sehr schöne und gutaussehende E-Books im KF8 aber eben nicht im älteren Format. So werden z.B. Gedichte die in Wikisource gesetzt wurden nicht korrekt formatiert. Deshalb einmal die Version von Calibre erzeugt für Kindle 4 und dessen Vorgänger und dann für Kindle Touch und Fire die Version mit KIndlegen erzeugte Version.

Damit Calibre die beiden Versionen für den Kindle auseinander halten kann, die normalerweise beide die Dateiendung mobi tragen würden, bekommen die mit Kindlegen erzeugten von mir die Dateiendung prc verpasst, welche äquivalent zur Dateiendung mobi ist und von den Readern problemlos als E-Book erkannt werden.

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