Auf zur Wikipedia Academy

Morgen geht es also los. Ich werde morgen früh in den Zug steigen und nach Mainz fahren. In Göttingen schnappe ich mir in den drei Minuten Aufenthalt den Frank und ab geht es. Der doch in den letzten Tagen etwas arg gestresste Frank hat dann hoffentlich vor dem Rummel noch ein paar entspannte Stunden bis zu seinem großen Auftritt am Freitag zur Eröffnung der Zweiten Wikipedia-Academy. Es haben sich immerhin eine Ministerin, ein Staatssekretär und diverse Medien angemeldet. Also nichts wirklich weltbewegendes.

Was ist meine Rolle bei dem Ganzen? Eigentlich nur eine ganz kleine. Im Vorfeld habe ich Frank ein wenig mit Rat und eher weniger Tat beiseite gestanden. Der Großteil der Organisation lag aber Frank. Und ich wurde gebeten einen Workshop über Wikisource zu gestalten, was ich natürlich mit Freuden tue, und ich wurde gebeten viele, viele Fotos zu machen. Weshalb ich mich auch stolz „Offizieller Wikipedia-Academy-Fotograf“ nennen darf ;-) Und bewegte Bilder wird es auch geben. Die sind dann aber nicht von mir. 

In diesem Blog werde ich die nächsten Tagen sozusagen in Echtzeit die Academy dokumentieren und über Berichtenswertes berichten. Für alle die nicht dabeisein können, wird es viele Bilder geben und vll. schaffen wir es auch die ersten Videos online zu stellen. Ansonsten natürlich Informationen über die Vorträge, die Verleihung der Zedler-Medaille, die Gespräche mit den angereisten Gästen und natürlich auch viele persönliche Eindrücke.

Fortsetzung folgt

Frühe Arbeit über den Stein von Rosette

Jonathan Groß hat ein, wie mir scheinen möchte, sehr interessantes Buch über den Stein von Rosette aus dem Jahre 1823 bei Google Books gefunden. Kleiner Auszug aus dem Text den Jonathan der Edition voranstellt:

Dieser Stein ermöglichte dem Sprachwissenschaftler Jean-François Champollion 1822 die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, deren System seit einem Jahrtausend verloren war.

Im Lichte dieser Entdeckung befasste sich Wilhelm Drumann, Professor der Geschichte in Königsberg, mit dem griechischen Text der Inschrift. Seine kritische Edition enthält wertvolle Ergänzungen der beschädigten Stellen des Textes und erhellt den Hintergrund seiner Abfassung.

Die Edition steckt zwar noch in den Anfängen, aber sie wird mit Sicherheit eine Bereicherung für Wikisource darstellen. Und die wenigen Seiten, die schon da sind, geben eine spannenden Einblick in die frühe Zeit der Ägyptologie.

Siehe auch die Themenseite zum Stein bei Wikisource: Stein von Rosette.

Schießbefehl

Nun ist der sogenannte Schießbefehl, der die letzten Tage durch die Presse geisterte, bei Wikisource im Volltext verfügbar. Da ich aus der DDR stamme und selbst drei Jahre in der NVA gedient habe, ist mir vieles von dem in dem Befehl verwendeten DDR-Sprech noch sehr vertraut. Und um ein besseres Verständnis für solch ein Dokument zu schaffen, habe ich es mit einigen Anmerkungen und Erläuterungen versehen.

Das Dokument ist offensichtlich ein Befehl der einem Mitarbeiter (einen Inoffizellen Mitarbeiter schließe ich eher aus, dafür enthält es zuviele MfS-Vokabeln) des MfS vorgelegt wurde, bevor dieser seinen Schnüffel-Dienst in den Grenztruppen der DDR antrat und den dieser unterscheiben musste. Dieses Dokument ist also kein allgemeiner Schieß-Befehl an die Soldaten der Grenztruppen, wie gelegentlich in der Presse suggeriert wurde. Ein solcher wurde m.W. bisher auch noch nicht gefunden. Mit Sicherheit dürfte dieser Auftrag aber für alle MfS-Agenten gleich gewesen sein und wurde sicherlich von ganz oben im Ministerium in dieser Form abgesegnet.

Auch wenn es jetzt nicht DER Schießbefehl ist, ein die Denkweise der in der DDR politisch Verantwortlichen enthüllendes Dokument ist es trotzdem. Neben der schon durch die Presse mehrfach erwähnten Erlaubnis auch auf Frauen und Kinder zu schiessen, hat mich noch eine andere Passagen besonders erschreckt. Um die Flucht eines Grenzsoldaten zu verhindern, solle die Schußwaffe konsequent eingesetzt werden um den Flüchtenden zu „liquidieren“ und der Tote bzw. Verletzte sollte „der Einsichtmöglichkeit des Gegners“ entzogen werden. Das heisst erst sollte der Körper des Angeschossenen aus dem Blickfeld westlicher Beobachter gezerrt und dann Erste Hilfe geleistet werden. Menschenverachtender geht es kaum noch.

Open Library

Torsten Kleinz, ja genau der der immer im Heise Newsticker über die Wikipedia schreibt, berichtet in einem Zeit-Artikel über das Open-Library-Projekt. Keine Angst die sind noch keine wirkliche Konkurrenz zu Wikisource, die wollen erstmal „nur“ sämtliche Bücher der Menschheit bibliografisch erfassen. Aber irgendwann sollen die Bücher auch im Volltext zur Verfügung gestellt werden. Nun gut, schauen wir mal wie dieses, sagen wir mal, sehr ambitionierte Projekt so laufen wird. Ich bin sehr gespannt.

Neuigkeiten aus Wikisource

Soeben frisch eingetroffen ist ein Gerichts-Urteil aus dem Jahre 2004 eine Sammlung gemeinfreier Gedichte betreffend. Diese Zusammenstellung soll in großen Teilen von einem auch den Wikipedianern bekannten Verlag übernommen worden sein. Das Gericht sah die Freiburger Anthologie als urheberrechtlich geschütztes Sammel- und Datenbankwerk an, die dem Urheberrechtsschutz unterliegt und untersagte dem Verlag die weitere Verbreitung der CD. Bei Wikisource ist das Urteil zu finden unter: Landgericht Mannheim – Freiburger Anthologie.

Die Arbeit an Schwere, Elektricität und Magnetismus von Bernhard Riemann, einer Vorlesungsmitschrift aus dem Jahre 1880, ist seit einigen Tagen abgeschlossen. Die Arbeit an diesem Werk hat damit rund 9 Monate gedauert und war durch die vielen mathematischen Formeln sehr aufwendig.

Von Andreas wurde in den letzten Tagen der mir unbekannte Roman Käthe – Der Roman eines Dienstmädchens von Gabriela Zapolska, einer polnischen Schriftstellerin und Dramatikerin, hochgeladen. Der Anfang liest sich recht interessant. Vielleicht hat ja jemand ein paar Informationen zu dem Werk, leider gibt auch die Wikipedia kaum etwas zur Dame und ihrem Werk her.

Und zum Schluß noch ein Hinweis auf das ultimative Wannengedicht: Mein Wannenbad.

Update:

Als Monopolisierung von Daten und Unsinn bezeichnet Klauf Graf bei Archivalia das Urteil. Eine Diskussion darüber ist auch im Skriptorium entstanden.

Der Roman Käthe ist ein Teil eines Projektes zurSammlung von Sachtexten und Belletristik über Dienstboten und Gesinde. Danke an Andreas für den Hinweis

Wer schreibt in der Wikipedia?

Für den Paranoiker in uns verweise ich mal auf diesen Artikel im Heise Newsticker. Vermutlich wird es nicht lange dauern, bis es das Ding auch für die deutschsprachige Wikipedia gibt.

Update:

Schön, dass es mittlerweile auch hier, hier und hier gefunden wurde. Nur erwähnt mal wieder keiner der heroischen IT-Journalisten, dass es das Ding nur für die englische Wikipedia gibt.

Update 2:

Und manche meinen der Ruf der Wikipedia sei im Keller. Belege dafür werden natürlich nicht gebracht. Und wieder vergisst man zu erwähnen, dass das Ding derzeit nur für die englische Wikipedia vorhanden ist. Was aber einige Trolle Personen nicht weiter interessiert und dieses Machwerk diesen Artikel als Beleg für alle Schlechtigkeiten der WP-Admins anführen.

Update 3:

Und in den Fragen zur Wikipedia ist es nun auch angekommen. Und nach 3 Tagen hat es auch T-Online gefunden. Wow.

Warten wir einfach mal ab, welche Sau als als nächstes durchs virtuelle Wikipedia-Dörfchen getrieben wird.

Wikisource -Themen und Projekte, Teil 2

Nun hat der dritte Teil meiner kleinen Serie zu Wikisource leider etwas länger gedauert, als ich eigentlich geplant hatte. Heute möchte ich mich dem Thema Literatur bei Wikisource widmen natürlich ist die Auswahl wie immer subjektiv und völlig unrepräsentativ. Es gibt noch vielmehr schönes bei uns zu entdecken. Und auch hier wieder meine Schmöker- und Stöber-Empfehlung: Zuerst sind da unsere Kategorien Versdichtung, Erzählprosa und Drama zu nennen. Aber auch in Blick in die Kategorie Autoren kann sich lohnen, wenn man Werke eines bestimmten Autors sucht.

Aber erstmal eine Bemerkungen vorneweg. Leider sind die sogenannten Klassiker, wie Goethe, Schiller und Co. recht wenig bei Wikisource vertreten. Wir mussten im Laufe der Zeit leider einige Texte löschen, da für diese keine vernünftigen Textgrundlagen vorlagen. Wie im ersten Teil erläutert, wären dies Scans oder E-Texte einer Erstausgabe oder einer anderen maßgeblichen Edition. Und da mussten wir eben in den sauren Apfel beissen und die Texte löschen, was aber zu einigen Auseinandersetzungen und auch zu einem Sturm im Wasserglas im internationalen Wikisource-Skriptorium führte. Da die meisten der Werke aber sowieso von gutenberg.de oder von woanders im Internet nach Wikisource kopiert wurden, ist kein wirklicher Verlust eingetreten. Und die kleinen gelben Heftchen kosten ja nun auch nicht Welt.

Trotzdem kommt auch der Klassikerfreund bei uns auf seine Kosten. So finden sich zum Beispiel die von Friedrich Schiller herausgegebenen Zeitschriften Thalia und Neue Thalia, sein Geschichtswerk Geschichte des 30jährigen Kriegs, aber auch Kabale und Liebe, Ritter Toggenburg, Maria Stuart und noch einiges mehr. Bei Goethe sieht es leider etwas weniger gut aus, denn die meisten der aufgeführten Werke beruhen auf einer unbekannten Textgrundlage. Sie entsprechen damit zwar nicht unseren hohen Qualitätsansprüchen, für die Lektüre in der Schule oder zum Schmökern, sind die Texte natürlich trotzdem ok.

Ein Schwerpunkt unserer Literaturabteilung bilden die sogenannten „Verbrannten Dichter“. Die Werke dieser Dichter, die als „undeutsch“ und „schädlich“ gebrandmarkt wurden, wurden von den Nazis erstmals am 10. Mai 1933 auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Von diesen Dichtern können wir bei Wikisource Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und den von den Nazis ermordeten anarchistischen Dichter Erich Mühsam präsentieren. Bekannt ist sicherlich der Kuttel Daddeldu von Ringelnatz. Empfehlenswert ist auch die Satire Hitler und Goethe – Ein Schulaufsatz von Kurt Tucholsky. Die meist kämpferischen Gedichte von Erich Mühsam sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack, sind aber auch als Zeitdokumente aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit seinen Auseindersetzungen und Kämpfen hochinteressant. Als kleine Auswal ein eher poetisches Gedicht von Erich Mühsam, das mir sehr gut gefällt:

Spruch

Juni 1916

Wenn ihr mich weinen seht,
fragt nicht, warum.
Leid, das in Tränen steht,
tröstet sich stumm.

Wenn ihr mich fluchen hört,
stimmt mich nicht mild.
Zorn, der sich laut empört,
schmilzt, wenn er schilt.

Doch wenn ich trink und lach,
lad ich euch ein.
Freude wird grau und schwach,
bleibt sie allein.

Die Fabeln und Erzählungen von Christian Fürchtegott Gellert verdanken wir dem unermüdlichen Einsatz der bereits erwähnten Dame aus der historischen Gymnasialbibliothek hier in Hamburg. Das besondere daran ist, dass wir die Texte nach der Ausgabe von Gellerts Schriften aus dem Jahre 1769 transkribiert haben. Auch wenn moderne Ausgaben relativ wenig von dieser abweichen, finde ich es sehr schön wenn wir auch solch alte Ausgaben präsentieren können. Lese- und Schmunzelttipp: Das Gespenst

Eine Gedichtsammlung der etwas anderer Art und damit fast schon eine kleine Überleitung zum nächsten Teil meiner Serie ist die Gedichtsammlung Die deutschen Kaiser von Max Barack vorstellen. Dieses Buch aus dem Jahre 1888 enthält Gedichte über alle Kaiser von Karl dem Großen bis zum ollen Wilhelm 2. Und zu jedem der Herren gibt es noch ein hübsches Bildchen im typischen heroischen Stil des 19. Jahrhunderts. Hohe Dichteskunst ist sicherlich was anderes und für heutige Leser entwickelt die Reimeskunst auch eher unfreiweillige Komik, aber trotzdem eine nette Lektüre für den historisch interessierten Gedichtfreund.

Da sich natürlich literarische Texte hervorragend zum Vertonen eignen, ist der Anteil solcher Texte innerhalb unseres kleinen, leider etwas eingeschlafenen Projektes Gesprochene Wikisource sehr hoch. Und einige Perlen sind dort bereits zu finden Empfehlen kann ich insbesondere die von Kellerkind und Phantomkommando gesprochenen Werke. Hier zwei Links zu zwei gesprochenen Gedichten, die mir besonders gut gefallen (OGG-Format): An Land und Die Bürgschaft. (Eigentlich wollte ich die beiden hier mit so einem netten Player einbinden, was mir aber noch nicht so recht gelungen ist. Deshalb auf diesem etwas unbequemeren Wege.)

Und noch eine Empfehlung zum Schluss. In den letzten Wochen wurde eine spezielle Seite für Autorinnen aufgebaut, die Texte in Wikisource und andere Digitalisate im Internet auflistet. Da ist bereits einiges zusammengekommen. Viel Spaß beim Schmökern.

Wie immer konnte dieser Beitrag nur einen winzigen Ausschnitt über die Bandbreite an literarischen Texten bei Wikisource zeigen. Man hätte noch viel mehr Dichter und Autoren nennen müssen, wie z.B. Dante, Fontane, Annette von Droste-Hülshoff u.v.a.m.

Hinweis:

Leider habe ich mir mit Einstellen dieses dritten Teils den zweiten Teil (der war über die wissenschaftlichen Texte) zerschossen. Ich konnte den Text zum Glück aus einem Backup wiederherstellen, aber leider sind die Kommentare weg. Und die Bewertungen dieses Teils sind nun hier. Kann man leider nichts machen. Aber besser so, als wenn der Text komplett verschwunden wäre.

Könige unter sich

Die Arbeit bei Wikisource kann einen auch mal zum Schmunzeln bringen, auch wenn man denkt eher einen langweiligen Text abzutippseln. Ich habe heute ein paar Chronik-Einträge abgeschrieben und diese kleine Geschichte dabei gefunden:

Item do man zalt. M.cccc.xc. Do hatten die deütsche nacion ein groß bewegung gegen den frantzosen von wegen der Hertzogin von Britannien / alß die Maximiliano Römschem Künig vermahlet was / vnd in deütsche land wolt ziehen durch Carolem den Künig von franckreich gefangen / vnd zuo der Ee genummen / vnd Margaritam die dochter wider Maximiliano gesant. Do durch. v. hundert deütscher knecht / bey einer stat genant Selyn bewegt vnd antzünt / gesigten. gegen. v. dausent frantzosen / die sie erschluogen vnd verjagten.

Ist aber auch gemein. Da sucht sich der Maximilian 1490  eine holde Adelsbraut aus der Bretagne aus und dann fängt der französische König diese auf der Reise an den Hof Maximilians ab und ehelicht sie einfach selbst. Stattdessen schickt er die Tochter Maximilians Margarete zurück, mit der er schon seit einigen Jahren verlobt war und die bereits am französischen Hof lebte.

Aber wenn ich mir die Bilder der beiden Damen in der Wikipedia so anschaue, kann ich den guten Karl schon ein wenig verstehen. Und dass man sich hinterher deswegen ein wenig in die Haare geriet, ist ja nur allzu verständlich. So ging man unter Königs damals eben miteinander um.

Erweiterung für PDFs

Wie uns gerade Xarax im Chat stolz berichtet hat, hat er soeben eine Erweiterung für die Mediawiki-Software fertiggestellt, die die Möglichkeit bietet, auch in PDF-Dateien auf den Bildbeschreibungsseiten zu blättern, ohne vorher die Datei herunterzuladen und dann in einem externen PDF-Viewer anzuschauen. Eine ähnliche Funktion existiert bereits für DJVU-Dateien, so ähnlich hier hier schaut auch die Erweiterung für PDF aus. 

Und viel wichtiger für Wikisource: Damit können auch PDF-Dateien in die interne Korrekturlesefunktion eingebunden werden. Vorher mussten aus den PDF-Dateien die Bilder extrahiert werden und einzeln auf Commons hochgeladen werden. Hoffen wir, dass diese Funktionalität bald zur Verfügung steht.

Alpentour

Nach dem mich Snotty im Chat soeben mit diversen Bilder und Links zu barocken Highlights seiner Heimatstadt  angefixt hat, bin ich doch arg am Überlegen ein paar Tage meines Urlaubs Ende September für einen kleinen Ausflug in die salzburgischen Gefilde zu opfern. Erst recht da er sich schon als Stadtführer angeboten hat, sowas kann man natürlich nicht auschlagen.  Und da ich nun mal nicht leugnen kann, dass mich das ganze barocke Zeugs doch sehr fasziniert, würde ich sowas wie Stift Admont und die dortige Bibliothek oder Schloss Hellbrunn gerne in mal in echt sehen. Offenbar ist unser kleines Nachbarland nicht nur zum Skifahren recht gut geeignet ;-)

Wikimania, und?

Getsern ging ja die Wikimania in Taiwan zu Ende. Nur hierzulande ist irgendwie nicht wirklich was an Infos angekommen, zumindest so mein Eindruck. Während der englische Wikimedia-Planet förmlich überquoll vor Informationen, war in den deutschen Blogs Totenstille, obwohl sich auch einige Wikimedianer aus Deutschland in Taiwan befanden. Schade eigentlich. Aber vll. erreichen uns ja nach deren Rückkehr noch einige Informationen.

Update:

Unter http://picasaweb.google.de/mathias.schindler/Taiwan sind ein paar sehr schöne Bilder von Mathias Schindler zu bewundern. Danke für die Information und die Bilder.

Wikisource -Themen und Projekte, Teil 1

Kommen wir also heute zum zweiten Teil meiner kleinen Reihe über Wikisource. Wie beim letzten mal angedeutet möchte ich diesmal die in Wikisource vertretenen Themen und einige größere Projekte vorstellen.

Nach meiner Beobachtung bietet Wikisource eine wesentlich größere thematische Bandbreite an Texten als andere ähnliche Projekte. Die meines Erachtens drei großen Standbeine von Wikisource sind folgende Themengebiete:

  • Historische Texte (z.B. Flugschriften, Handschriften, Gesetze und Vorschriften, Chroniken, Beschreibungen) und wissenschaftliche Aufsätze zur Geschichte die mittlerweile gemeinfrei sind
  • literarische Texte, wie z.B. Gedichte, Novellen, Romane
  • naturwissenschaftliche Texte

Der dritte Punkt ist eines der ganz wichtigen Unterscheidungsmerkmale zu anderen Projekten und auch zu anderen Sprachausgaben von Wikisource, denn solche Texte sind woanders kaum zu finden. Dass wir mittlerweile einige historische wissenschaftliche Aufsätze vorweisen können, ist eher dem Zufall zuzuschreiben, denn einer bewussten Entscheidung. Seit Anfang an arbeiten nämlich einige Leute mit, die nicht aus der historischen Ecke kommen oder sich für Literatur interessieren, sondern die eine naturwissenschaftliche Ausbildung haben und damit wird auch klar, dass ihre Interessen eher bei mathematischen, biologischen oder physikalischen Texten liegen. Und wie es so oft ist, wenn man erst mal mit sowas anfängt, gibt es andere die dadurch angeregt werden mitzuarbeiten und weitere naturwissenschaftliche Texte einstellen.

Kommen wir zu den konkreten Texten díe wir mittlerweile bei Wikisource haben. Die Auswahl ist völlig subjektiv und zufällig und andere hätten sicherlich eine andere Auswahl getroffen. Trotzdem sollte diese ein gutes Bild über die Fülle an Texten bieten, die den Leser erwarten.

Fangen wir mit den Klassiker von Wikisource an. Das sind für mich die Projekte, die wir auch schon mal aktiv in Pressemitteilungen beworben haben und die meist auftauchen, wenn die Rede auf Wikisource kommt. Da müssen wir natürlich als allererstes Projekt die Zimmerische Chronik nennen. Dies ist die Familienchronik der schwäbischen Herren von Zimmern und stellt eine herausragende Quelle zur Adelskultur des 16. Jahrhunderts, deren Werte und Familienleben, aber auch zur Volkskultur und mit ihren vielen Schwänken und unterhaltsamen Geschichten aber auch zur Erzählforschung dar. Ursprünglich wurde diese Chronik in einer Handschrift niedergelegt. In Wikisource wurde die Ausgabe dieser Chronik von Karl August Barack transkribiert, die im Jahre 1880 erschien.

Die Chronik war im Februar 2006 das erste grosse Projekt von Wikisource und die Fertigstellung hat insgesamt über 10 Monate gedauert. Ich hatte die Ehre die 2500 Seiten durch meine OCR-Software zu jagen und die einzelnen Seiten hochzuladen. Viele andere fleissige Helfer haben sich hingesetzt und all diese Seiten zweimal korrekturgelesen. Und ich muss sagen, wir waren unheimlich stolz als das Werk geschafft war. Dieses Projekt hat gezeigt, dass Wikisource lebensfähig ist und auch eine kleine Truppe in der Lage ist Grosses zu stemmen.

Das zweite Projekt was im Frühsommer 2006 durch die Presse und auch durch den Heise-Newsticker gejagt wurde, war das Rechenbuch des Andreas Reinhardt. Das ist ein Mathematiklehrbuch aus dem 16. Jahrhundert, was interessanterweise als Handschrift vorliegt, obwohl zu dieser Zeit der Buchdruck schon längst seinen Siegeszug angetreten hatte. Das Original wurde uns freundlicherweise durch eine hamburgische historische Gymnasialbibliothek zur Verfügung gestellt und die Kosten der Digitalisierung in Göttingen hat der Verein Wikimedia Deutschland übernommen. Leider ist die Transkription des Werkes noch nicht abgeschlossen, aber das was bisher hier geleistet wurde, entspricht den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen an solch eine Edition und die Fertigstellung wird sicherlich auch nicht mehr allzulang auf sich warten lassen.

Und da ja das Korrekturlesen der Zimmerischen Chronik und das Entziffern einer alten Handschrift die nimmermüden Wikisourcler nicht wirklich ausfüllt, wurden natürlich auch neue Projekte begonnen und alte fortgesetzt. Deshalb nun eine kleine Übersicht über die naturwissenschaftlichen Texte in Wikisource

Naturwissenschaftliche Texte

Ein schon seit 2004 brachliegendes Projekt, im Wikisource-Jargon eine Projektruien, wurde dank der neu hinzukommenden Mitarbeiter fortgesetzt und zumindest einmal korrekturgelesen, die Insectenfressende Pflanzen. Vom deutschen Mathematiker Bernhard Riemann gibt es die Karl Hattendorf mitgeschriebenen, ausgearbeiteten und im Jahre 1880 veröffentlichten Mitschriften seiner Vorlesungen mit dem Titel Schwere, Elektricität und Magnetismus. Problematisch bei diesem Buch sind die vielen mathematischen Formeln, die sich einer OCR widersetzen und deshalb per Hand in Wiki-Tex nachgesetz werden mussten, was einerseits einiges an Tex-Kenntnissen aber auch an Fachkenntnissen erfordert.

Eines der etwas grösseren Projekte das auf Grund der Faszination des Textes und des Themas in sehr kurzer Zeit fertig gestellt werden konnte, ist Die Ursache des Einschlagens vom Blitze von Johann Albert Heinrich Reimarus aus dem Jahre 1769. Dabei handelt es sich um die erste deutschsprachige Monografie zum Thema Blitz und Blitzableiter. Dieses wissenschaftliche Werk ist sehr gut lesbar und vermittelt einen sehr guten Eindruck über die Schäden die Blitze jahrein, jahraus in den Städten und Dörfern anrichtete und zeigt wunderbar den Kampf der naturwissenschaftlichen Erkenntnis gegen alten Aberglaube und Unwissen. Und für mich waren besonders interessant die Schilderungen Reimarus‘, wie er den Folgen von Blitzeinschlägen nachforscht. Anhand seiner Schilderungen hatte ich sofort das Bild eines Mannes im Kopf, der in der typischen Kleidung seiner Zeit, die wir ja aus diversen Filmen kennen, auf Kirchtürmen und anderen Gebäuden seiner Heimatsstadt Hamburg herumklettert und für seine Zeitgenossen wahrscheinlich ein wenig wunderlich wirkte.

Ich konnte hier nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus den naturwissenschaftlichen Texten bei Wikisource geben. Derjenige der in historischen naturwissenschaftlichen Texten weiterschmökern möchte , dem empfehle ich unsere Fachkategorien: Physik, Mathematik, Technik, Biologie, Chemie

So das war ein erster Streifzug durch die Texte bei Wikisource. Da dieser Beitrag ansonsten viel zu lang geworden wäre, werde ich das nächstemal fortsetzen mit der Vorstellung von historischen und literarischen Texten. Und wenn der Platz reicht auch ein paar amüsante, interessante und kuriose Texte vorstellen. Ansonsten gibt es eben noch einen dritten Teile von „Wikisource – Themen und Projekte“. Einen gesonderten Beitrag werde ich den bei Wikisource vertretenen Lexika und Enzyklopädien widmen und auch das Für und Wider innerhalb der Community versuchen darzustellen.

Bildernachweis:

  • „Hochauflösender Scan im Göttinger Digitalisierungszentrum“, Fotograf: Heiko Hornig, Lizenz: CC-BY-SA 2.5

Fußnoten

Bezüglich Fußnoten hatte ich ja in der wissenschaftlichen Literatur schon so einiges erlebt. Aber eine Seite die nur aus der Fortsetzung einer Fußnote einer vorhergehenden Seite besteht, war mir bis dahin auch neu. Zu finden ist diese im 5. Band von Posses „Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige“.

Warum die Jungs nicht einfach das was sie sagen wollen in den normalen Text einbauen oder ein extra Kapitel bauen oder ähnliches, sondern alles in die Fußnoten quetschen, so dass ein Text zu 90% nur noch aus Fußnote besteht, wird sich mir nie erschließen. 

Persönlichkeitsrechte vs. Meinungsfreiheit

Wie der Schutz der Würde des Menschen nach dem ersten Artikel unserer Verfassung immer mehr dazu missbraucht wird, die in meinen Augen ebenso wichtige Meinungsfreiheit einzuschränken, zeigt mal wieder wunderschön ein aktuelles Urteil gegen den Heise-Verlag. Wo in diesem konkreten Fall die Persönlichkeitsrechte des Klägers eingeschränkt wurden, wird für mich nicht ersichtlich.

Meines Erachtens völlig zu Recht wird der Verlag rechtliche Schritte gegen diese Enstcheidung des OLG München ergreifen. Zitat:

Unserer Ansicht nach wird der Verlag hier in seinem Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit unzulässig und in nicht nachvollziehbarer Weise beschnitten. Folgt man der Argumentation des OLG, so muss man zukünftig im Zweifelsfalle vor jeder Verlinkung alle auf der Seite abgebildeten Personen um ihre Erlaubnis bitten.

Und so ganz ohne Konsequenzen könnte dieses Urteil auch für die Wikipedia nicht bleiben, da sich mit einer ähnlichen Argumentation in Zukunft auch Links in Artikeln auf Bilder einer Person verhindern lassen, die diese aus irgendeinem Grunde nicht so gerne hat.

Die über die reinen Urheberrechte an Bildern lebender Personen der Zeitgeschichte hinausgehende Bilderpolitik in der Wikidpedia ist derzeit, vollkommen zu Recht, sehr restriktiv. Soll heissen wir zeigen normalerweise nur Bilder, die die Person in der Rolle abbildet, die sie für uns erst enzyklopädiewürdig gemacht haben. Aber auch hier könnten sich Auswirkungen ergeben, die wir noch nicht absehen können.

Kleine Statistik

 Da Joergens.mi, einer unser aktivsten und fleißigsten Mitarbeiter bei Wikisource, gerade alle Texte erfasst, die wir mittlerweile als Scan nach Commons hochgeladen haben, hier mal die Zahlen die er dabei gewonnen hat:

  • auf Commons befinden sich die Scans von knapp 700 Büchern und rund 400 kürzeren Texten
  • diese liegen vor in Form von mindestens 75504 gescannten Seiten bzw. Dateien  (z.B. PDF, djvu)
  • damit stammen etwas über 4% der Dateien auf Commons vom deutschsprachigen Wikisource-Projekt

Man muss aber dazu sagen, dass wir noch längst nicht all diese Texte direkt in Wikisource als elektronischen Text verfügbar machen konnten. Es liegt also noch viel Arbeit vor uns.

Alle Scans auf Commons kann man in der  Liste der Scans auf Commons finden.

Update:

Wir haben noch mal ein bisschen rumgespielt, um noch ein paar Zahlen zu erhalten, wieviele Werke mittlerweile bei Wikisource vorhanden sind und sich in einem präsentablem Zusatnd befinden. Zu beachten ist dabei, dass ein Werk ein kurzes Gedicht oder auch ein komplettes Buch wie die Zimmerische Chronik umfassen kann. Hier die Zahlen:

  • rund 2900 Werke wurden bereits zweimal korrekturgelesen und befinden sich damit im Status „fertig“
  • etwa 1000 Werke wurden einmal korrekturgelesen und befinden sich im Status „korrigiert“
  • insgesamt umfasst Wikisource rund 5300 Werke

Da grosse Werke, wie z.B. Bücher auf Unterseiten verteilt werden, gibt die Zahl von 8.600 Wiki-Seiten die den Status „fertig“ tragen, wesentlich besser wieder, welche Arbeit in den letzten anderthalb Jahren bei Wikisource geleistet wurde.

Benutzerseiten bei Wikisource

Irgendwie scheint die Arbeit an den alten Texten auch auf die Nutzer bei Wikisource abzufärben. Mittlerweile gibt es schon zwei Nutzerseiten, die in einem etwas angestaubten Deutsch verfasst sind, aber witzig zu lesen sind und wo diese altertümliche Sprache dem Ganzen den gewissen Reiz verleiht. Viel Spaß beim Lesen und bei Verständnisproblemen einfach auf der Diskussionseite nachfragen.

Umzug

Nun bin ich also auf meiner eigenen neuen schicken Domain angekommen und werde ab sofort nur noch von hier bloggen. Ich freue mich drauf, dass hier alle Funktionalitäten wie es sich für ein Blog gehört hier funktionieren, z.B. Trackbacks u.ä. Microsoft hatte zwar eine recht schicke Sache da mit den Live Spaces geschaffen, es aber mal wieder versäumt, von der eigenen Beschränktheit und übertriebenen Fokussierung auf eigene Produkte loszukommen. Zwar funktionierte verwunderlicherweise die gesamte Ajax-Oberfläche auch mit dem Firefox, aber die Funktionalitäten des Blogs gingen über das Spaces-Universum nicht hinaus. Trackbacks konnte man nur zu anderen Blogs innerhalb Spaces senden und Kommentar erforderten eine Passport-ID. Da ich aber nicht nur mit Leuten aus Spaces kommunizieren möchte, war dies für mich inakzeptabel. Und da die finanzer.org-Adresse noch frei war, habe ich mir die schnell gesichert und den Blog hierher verlagert. Als Software nutze ich wie viele andere auch WordPress 2.2.1 und bin echt beeindruckt von den vielen Features und Möglichkeiten.