Hüllt das Schiff in Sack und Asche

Erinnerungen einiger Wikipedianer an Seebeer:

Mit Seebeer haben wir nicht nur einen engagierten Mitarbeiter verloren, sondern auch ein Stück von dem, was ich das Herz des Projektes nennen würde. Mock dat goot…

früher konnten wir dich mit erdbeeren auf deiner benutzerseite immer wieder zurückholen, es ist sehr traurig, dass das nun nicht mehr helfen wird. deine erzählungen beim stammtisch fehlen schon jetzt.

Seebeer, Du wirst mir fehlen, genauso wie Deine Geschichten und Dein herzliches Lachen. Ich wünsche Deiner Familie viel Kraft. Ich bin traurig!

sein treffender Benutzername war bei ihm Programm und Lebenseinstellung zugleich. Ich werde ihn jedenfalls mit diesem bleibenden Eindruck in Erinnerung behalten.

Mönsch Seebeer, nun segelst Du vor uns allen Deine letzte Reise. Erstmals gesehen habe ich Dich auf einem meiner ersten Stammtische in 2005, kennengelernt über viele weitere. Und es hat immer Spaß mit dir gemacht. Ob wir Seemannsgarn gesponnen haben oder ob wir uns ernsthaft über dies und jenes unterhalten haben. Du fehlst mir. Mien Captein, halt die Ohren stief up den ewgen Weltmeern, dien Mogeltahn ward di nich‘ vergeeten.

Du warst der allererste, den ich vom Wikipediastammtisch kennengelernt habe und Du kamst immer als erstes. Nun fährt Dein Boot als erstes über den Styx. Es tut weh. *heul* Du wirst uns fehlen! Wi ward di nich‘ vergeeten!

Ich erinnere und werde mich immer gerne erinnern an unsere Zusammenarbeit bei der Piraterie, an das Treffen beim bremischen Stammtisch. Mit Dir ging einer der liebenswertesten Mitarbeiter.

So viele echte Originale hat die Wikipedia nicht. Ich glaube nicht an den Spruch, dass bei uns jeder ersetzbar ist. Einer wie Seebeer schonmal gar nicht. Ein großer Verlust und eine Lücke, die so schnell keiner schließen wird.

Vielleicht tröstet der Gedanke etwas, dass solange es die Wikipedia gibt, auch ein Teil von ihm bestehen bleiben wird. Danke Seebeer! Unzählige Menschen werden noch an deinem Wissen und deiner Arbeit Spaß und Nutzen haben.

Er hatte angemustert für große Fahrt, für ganz große Fahrt … der Große Kapitän hatte ihn gemustert. (B.Traven)

Mehr Erinnerungen finden sich hier.

Seebeer

Soeben habe ich erfahren, dass einer unserer liebsten und produktivsten Wikipedianer vor einigen Tagen verstorben ist. Ich möchte der Familie und seinen Angehörigen mein tiefstes Mitgefühl und mein Beileid ausdrücken.

Seebeer hatte anonym begonnen in der Wikipedianer auf dem Gebiet der Seefahrt mitzuarbeiten. Und auf einem der Hamburger Stammtische tauchte er zum ersten mal auch mit einem Zettel auf, auf dem seine IP-Adresse notiert war.

Er wurde schnell einer derjenigen hier in Hamburg, die man immer gerne wiedersehen mochte. Sein Seemanngarn, das er als alter Fahrensmann wunderbar erzählen konnte, wurde schnell legendär und wir führten sogar einen Seebeer-Wahrscheinlichkeits-Faktor ein, um zu bemessen wie wahr denn seine Geschichten waren.  

In der Wikipedia schrieb er viele Artikel zur Seefahrt und zur Geschichte der Seefahrt und war ein wichtiges Mitglied des Wiki-Projektes Schifffahrt.

Seebeer, du wirst uns fehlen.

 

Oh Captain, mein Captain,

Oh Captain, mein Captain,
die schwere Fahrt ist aus
das Schiff hat jedem Sturm getrotzt
nun kehren wir stolz nach Haus
der Hafen grüßt mit Glockenschall
und tausend Freudenschreien
vor aller Augen rauschen wir auf sicherem Kiel herein
aber Herz ach Herz ach Tropfen blutig rot
wo auf dem Deck mein Captain liegt
gefallen, kalt und tot.

Oh Captain, mein Captain
steh auf und hör den Schall
steh auf, Dir gilt der Flaggengruß
dir gilt das Jauchzen all
die Sträuße dir, die Kränze dir
und weit entlang am Strand
das Menschenmeer, das Gesichtermeer,
dir freudig zugewandt
hier Captain, liebster Vater,
hier ist mein Arm als Halt
es ist nur Traum, dass du hier liegst,
gefallen tot und kalt.

Mein Captain gibt nicht Antwort,
seine Lippen sind bleich und still,
mein Vater fühlt nicht meinen Arm,
hat nicht mehr Kraft noch Will.
das Schiff liegt heil vor Anker nun,
die Reise ist nun aus.
von schwerer Fahrt, das Siegerschiff
kam vom Triumph nach Haus
jauchzet ihr Gestade, Glocken dröhnt
ich aber knie in Not,
wo auf dem Deck mein Captain liegt,
gefallen, kalt und tot.

Walt Whitman
(zum Tode Abraham Lincolns, 12. Februar 1809 – 15. April 1865)

Wikisource – Eine Einführung

Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Reihe über Wikisource eröffnen. Vielen dürfte dieses Schwesterprojekt der allseits bekannten Wikipedia noch unbekannt sein und auch vielen Wikipedianern ist nicht so recht klar, was wir da so treiben und was das Ganze soll. Wischen wir also mal den Staub von den alten Büchern weg und legen los. *hust*

Wikisource versteht sich selbst als eine Sammlung von Quellentexten, die entweder gemeinfrei sind oder unter einer freien Lizenz stehen. Zweiteres trifft meist auf Übersetzungen eigentlich gemeinfreier Texte zu. Nun mag man einwenden: „Sowas gibt es doch schon mehrfach im Internet, z.B. gutenberg.de. Braucht es sowas noch einmal?“ Nunja, es gibt bereits mehrere Projekte im Internet, die wie Wikisource alte, meist gemeinfreie Texte digitalisieren. Es gibt aber zwischen diesen Projekte teilweise sehr große Unterschiede und so hat sich Wikisource auch ein eigenes Profil geschaffen, was dieses Projekt unserer Meinung nach einzigartig macht ;-). Bevor ich aber dazu komme, erstmal ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit des Projektes.

Wikisource wurde am 24. November 2003 als multilinguales Projekt gestartet. Damals trug es noch den Namen Sourceberg, weshalb das Logo auch ein Eisberg ziert. Hintergrund der Grüpndung war, dass immer mehr versucht wurde reine Quellentexte, z.B. Gesetze, Gedichte, Lieder, Chroniken usw. in die Wikipedia einzustellen, was verständlicherweise auf wenig Gegenliebe stieß. Deshalb also das neue Projekt, das diese Texte aufnehmen sollte.

Irgendwann 2004 oder 2005 stieß ich auf das Projekt und es war auch auf Grund der verschiedenen Sprachen das reinste Kuddelmuddel. Jeder lud dort seine Texte ab, die er irgendwo, meist im Internet gefunden hatte und verschwand oft wieder. So faszinierend ich die Idee fand, so wenig begeisterte mich die Umsetzung. Ansprüche an die Qualität der Texte? Keine. Nachweise der Herkunft der Texte? Keine. Autorenangaben? Kaum bis gar nicht. Erläuterungen? keine. Kategorien? Das gleiche Chaos wie in der Wikipedia. (Mit dem heutigen Kategoriensystem in Wikisource beschäftige ich mich in einem gesonderten Beitrag). Irgendwelche sinnvollen Vorgaben und Hinweise wie man Texte ediert? Faktisch nicht vorhanden. Also machte ich mich erstmal wieder vom Acker.

Wohl auch auf Grund dieses Chaos gab es ab Anfang 2005 Bemühungen das gemeinsame Projekt ähnlich wie die Wikipedia nach Sprachen aufzutrennen. Nach einigem Hickhack wurde das dann auch so gemacht und so gibt es seit dem 23. August 2005 de.wikisource.org, das deutschsprachige Wikisource-Projekt. Anfänglich war die deutschsprachige Community sehr klein und teilweise waren nicht mal mehr Admins vorhanden, so dass ich gebeten wurde, da ich weiterhin alle Weile mal reinschaute Admin zu werden, um zumindest den gröbsten Blödsinn dort zu verhindern. Ein Konzept war allerdings noch nicht so wirklich in Sicht, auch wenn sich die zwei, drei Leute redlich bemühten die Texte die aus dem gemeinsamen Projekt übertragen worden waren, aufzuarbeiten und zumindest erst mal zu sichten, was denn alles so vorhanden war.

Richtig eingestiegen bin ich dann bei Wikisource im Januar 2006, weil jemand auf die Schnapsidee kam, die Zimmerische Chronik zu digitalisieren, besser gesagt die Ausgabe von 1888. Das waren immerhin rund 2500 Seiten. Also versprochen und getan. OCR angeworfen und begonnen Seite für Seite hochzuladen. Daneben noch ein bisschen Werbung machen in der Wikipedia und anderswo für dieses konkrete Projekt und Wikisource insgesamt. Natürlich haben wir auch geholfen die Altbestände aufzuarbeiten und dabei festgestellt, ohne ein neues Konzept und die konsequente Umsetzung dieses Konzeptes wird Wikisource immer eine beliebige Textsammlung von aus dem Internet kopierten Texten bleiben und die Frage von oben müsste man folgendermassen beantworten: „Nein, sowas bräuchte es nicht nochmal.“

Wikisource hat seit dieser Neukonzeptionierung im Frühjahr 2006 den Anspruch, E-Texte wissenschaftlich verwertbar zu präsentieren. Dies beinhaltet korrekte Angaben der Textquellen, also aus welcher Ausgabe eines Buches oder einer Zeitschrift wurde der Texte entnommen oder wurden beispielsweise die Scans einer Universitätsbibliothek zugrundegelegt. Es müssen immer Verfasser, Entstehungszeit, Erscheinungsort und -zeit angegeben werden. Weiterhin kommentieren wir die Texte und bieten z.B. durch die Identifizierung von in den Texten erwähnten Personen einen deutlichen Mehrwert zur reinen Textdarstellung. Oft finden sich auch kleine Einleitungen, die den Text in ihren historischen Kontext stellen oder auf bestimmte Merkmale des Textes hinweisen.

Weiterhin haben wir uns darauf verständigt, nur noch Texte aufzunehmen, zu denen eine gescannte Vorlage entweder auf Wikimedia Commons oder im Netz vorliegt. Warum das? Im Zuge der Arbeit an der Zimmerischen Chronik hat sich herausgestellt, dass ein durch eine OCR oder von der Vorlage abgetippter Texte mindestens zweimal korrekturgelesen werden muss, um eine akzeptable Qualität zu erreichen. Und dies geht eben nur wenn jeder Zugriff auf die Scans hat. Als schöner Nebeneffekt kann der Leser später jederzeit nachprüfen, ob wir richtig gearbeitet haben und vll. noch Fehler melden. Auf diese Weise soll die Zitierfähigkeit der Texte gewährleistet werden.

Außerdem finde ich persönlich die alten Drucke aus dem 15., 16. oder 17. Jahrhundert sehr interessant und meist auch ästhetisch ansprechend. Und auch der Leser kann sehen wie Drucke oder Briefe zu dieser Zeit aussahen. Von den meist sehr schönen, informativen oder skurrilen Stichen und Holzschnitten mal ganz zu schweigen. Sowas unseren Besuchern vorzuenthalten würde ich als inakzeptabel empfinden.

Mittlerweilen sind rund 8600 Seiten von etwas über 20.000 Seiten bei Wikisource zweimal korrekturgelesen geworden und die kleine aber recht stabile Community umfasst ca. 30 Leute. Wobei viele der bei Wikisource Aktiven auch in der Wikipedia sehr bekannte Autoren sind, und Wikisource u.a. dafür nutzen, um die dortigen Artikel mit den Quellentexten zu ergänzen.

Zusätzlich zum wissenschaftlichen Anspruch, hat sich Wikisource auf die Fahnen geschrieben, insbesondere Texte vorzustellen, die sonst nirgends im Netz zu finden sind. Also z.B. Flugblätter aus dem Dreißigjährigen Krieg, Texte aus der Wissenschafts- und Technikgeschichte, Dichter und Literaten, wie z.B. Erich Mühsam, die fast vergessen sind, Handschriften und Briefe. Und da bin ich schon fast beim Thema meines nächsten Beitrages.

Im nächsten Beitrag werde ich die thematische Bandbreite bei Wikisource vorstellen und auf verschiedene Projekte etwas genauer eingehen.

Lizenz der Beiträge in diesem Blog

Seit heute habe ich alle Beiträge in diesem Blog und die Bilder unter die freie Lizenz CC-BY-SA 3.0 gestellt. Das bedeutet, dass die Beiträge und die Bilder von jedermann frei, kostenlos und für jeden (auch kommerziellen) Zweck verwendet werden können. Folgende Bedingungen dabei sind aber einzuhalten (entnommen und angepasst von http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de.):

  1. Namensnennung. Sie müssen meinem Namen bzw. meinen hier verwendeten Nick Finanzer nennen (wodurch aber nicht der Eindruck entstehen darf, Sie oder die Nutzung des Werkes durch Sie würden entlohnt).
  2. Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Wenn Sie die die Blog-Einträge oder die von mir hier hochgeladenen Bilder bearbeiten oder in anderer Weise umgestalten, verändern oder als Grundlage für ein anderes Werk verwenden, dürfen Sie das neu entstandene Werk nur unter Verwendung von Lizenzbedingungen weitergeben, die mit denen der von mir gewählten Lizenz identisch, vergleichbar oder kompatibel sind.

Hinzu kommen weitere Verpflichtungen aus der Lizenz , die aber für die meisten Verwendungen nicht relevant sind, die im Lizenzvertrag nachlesbar sind.

Falls die Bedingungen der Lizenz nicht eingehalten werden, z.B. weil jemand sein eigenes Copyright-Zeichen auf meine Bilder bappt, dann erlischt die Lizenz sofort und die Verwendung stellt eine Urheberrechtsverletzung dar.

Das klingt nun alles erstmal sehr drastisch. Der Clou bei den freien Lizenzen ist aber, dass dabei die Regeln des Urheberrechts ausgenutzt werden, um zu garantieren, dass Inhalte die unter einer freien Lizenz stehen, niemals mehr durch jemanden monopolisiert und damit unfrei gemacht werden können. Und wie im Beitrag über Skype dargestellt, sind solche Ansprüche gerichtlich durchsetzbar.

Struwwelpeter

Wikisource wird wohl langsam gefunden und verwendet. Ein anonymer Nutzer (vll. auch eine Nutzerin) hinterließ im Wikisource-Skriptorium folgende Nachricht:

als hörbuch bei http://www.vorleser.net/html/struwwelpeter.html „Die Bilder zur Geschichte finden Sie bei Wikisource.“

Mich freut es :-) Und die Einleitung des Wikipedia-Artikel zu Heinrich Hoffmann wurde auch gleich verwendet. Zwar nicht ganz lizenzkonform, aber entschuldbar. Der Text wurde von Johannes M. Ackner professionell gesprochen, steht aber leider unter keiner freien Lizenz [Update: Nachdem ich nochmal genauer hingeschaut habe: Für Privatleute kostenlos, aber eine kommerzielle Nutzung ist verboten. Also so eine Art NC-Lizenz.]. Schade, das hätte es perfekt gemacht.

Urteil gegen Skype wegen GPL-Verletzung

Erneut hat ein deutsches Gericht entschieden, dass auch freie Lizenzen einzuhalten sind, konkret hier die GPL und LPGL. Genaueres kann man dem Beitrag bei Heise entnehmen. Das läßt für eventuelle Klagen bei Verletzung der GFDL oder einer CC-Lizenz hoffen, dass Richter in solchen Fällen ähnlich entscheiden und freien Lizenzen die gleiche Wirksamkeit, auch wenn sie nicht explizit auf deutsches Recht angepasst wurden, zugestehen werden. 

Logos

Ich bekomme ja seit einiger Zeit den Newsletter des Pyramide Verlages. Dieser Verlag hat sich auf Literatur für Designer spezialisiert, die die betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte dieses Berufs behandelt. Nun mag man sich fragen warum ich diesen Newsletter bestellt habe. Wir diskutieren ja seit Jahr und Tag über die Bildrechte in der Wikipedia und dieser Newsletter berichtet vorrangig über Gerichtsentscheidungen und wichtige Entwicklungen im Bereich des Designrechts. Also auch Dinge die zumindest aus der deutschen bzw. europäischen Sicht für die Bildrechts-Poltik der Wikipedia von Interesse sein können.

Und der letzte Newsletter vom 27. Juli 2007 enthält einen Beitrag über ein Gerichtsurteil der unsere Logo-Politik nicht als ganz abwegig erscheinen lässt. Worum ging es bei diesem Rechtsfall. Der Maler Bernd Lepouse schuf ein Bild mit dem Namen „Die Mönchengladbacher und ihre Liebe zum Fußball“. Auf diesem Bild, das das Stadion der Borussia aus der Perspektive eines Fans zeigt, verwendet der Maler auch das Logos und verschiedene geschützte Markenbezeichnungen des Vereins. Da er das Bild auch als Kunstdruck vertreibt, klagte der Verein gegen ihn.

Diese Klage wurde vom Landgericht Düsseldorf (LG Düsseldorf, Urteil vom 28. Februar 2007, NJW-RR 2007, 920 – Borussia Mönchengladbach) abgewiesen, mit der Begründung, dass der Künstler das Logo nicht im Rahmen des Absatzes eines Produktes von Waren oder Dienstleistungen eines anderen Unternehmens einsetzen würde. Eine markenrechtliche Verwendung des Logos und der Wortmarken findet nicht statt, zumal es sich auch um ein Kunstwerk handelt und ein solches die Freiheit der Kunst genießt.

Was heisst das jetzt für uns. Nach meiner unmaßgeblichen und unjuristischen Meinung stärkt dieses Urteil die Verwendung von Logos, die keine Schöpfungshöhe besitzen oder sonst keinen urheberrechtlichen Schutz geniessen, innerhalb der Wikipedia auch ohne Genehmigung des Markeninhabers. Wir verwenden die Logos ebenfalls nicht, um ein Produkt damit zu verzieren oder sonst den Eindruck zu vermitteln, wir seien ein Vertreter der Unternehmen oder der Einrichtung. Und zumindest für die Verwendung innerhalb der Wikipedia können wir uns ähnlich wie im vorliegenden Fall auf die Freiheit der Wissenschaft berufen. Ich nehme doch mal stark an, dass auch unserem gemeinsame Werk diese Freiheit zugestanden wird.

Verweis:

Wikipedia: Streit über die Weisheit der Massen [Update]

Was bei Heise so alles Streit wahrgenommen wird, erschließt sich mir nicht so recht. Und warum der Herr Kleinz aus einer Mücke immer einen Elefanten machen muss, weiß ich auch nicht. Herr Sanger hat mal wieder Werbung für sein Projekt gemacht. Man wundert sich wirklich, was in Bezug auf die Wikipedia in letzter Zeit von Heise als meldungswürdig erachtet wird.
 
Update:
 
Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Larry Sangers Beitrag auf den sich der Heise-Artikel bezieht siehe den Artikel beim Unpartheyischen Correspondenten.

Qualität in der Wikipedia

Dank eines Eintrags bei Archivalia bin ich auf diese zwei sehr interessanten Beiträge in einer Sonderausgabe von kommunikation@gesellschaft zum Thema „Wikis-Diskurse, Theorien und Anwendungen“ gestossen. Also zumindest mir waren die beiden Arbeiten bisher nicht bekannt, was aber natürlich nix heissen muss.

Im ersten Beitrag „Qualitätsaspekte der Wikipedia“ fasst der Autor Rainer Hammwöhner verschiedene Beiträge zur Qualität in der Wikipedia zusammen und geht am Schluß auf eingene Arbeiten ein. In seiner eigenen Untersuchung aus diesem Jahr betrachtete Hammerwöhner 50 zufällige Lemmata aus Brockhaus und Wikipedia, die auch in der anderen Enzyklopädie enthalten waren. Sein Fazit: Bezüglich der thematischen Abdeckung und der formalen Absicherung durch Quellenangaben fällt das Urteil dieser Studie zugunsten der Wikipedia aus. Deren Artikel waren zudem ausführlicher. Die formale Korrektheit der Artikel – bis hin zur Orthographie – war hingegen im Brockhaus deutlich besser. Bei letzerem müssen mir viele auch hinterher räumen ;-)

Wenn ich es recht sehe, sind wir seit einiger Zeit von einem reinem Subjekt der Wissenschaft, das heisst einem Medium das Wissenschaft und Wissen reflektiert zum Objekt der Wissenschaft selbst geworden. Man fühlt sich irgendwie geadelt.

Einen sehr interessanten Ansatz präsentiert Hammerwöhner weiter unten. Er vergleicht den Themenkomplex Shakespeare in verschiedenen Wikipedien und vegleicht explizit die Qualität der Artikel in der englischen mit der deutschen WP. Wenig überraschend schneidet in diesem Bereich die en-WP besser ab. Da haben wir also noch ein wenig zu tun. Aber auch unsere Kollegen nebenan: Die Artikel sind jedoch, auch nach den Maßstäben der Wikipedia, nicht über dem Mittelmaß anzusiedeln.

In meinen Augen eine kenntnisreiche und sehr erhellende Arbeit. Da haben wir schon anderes gesehen. Auch die weiteren Beobachtungen zum Beispiel zu unserem genialen Kategoriensystem sind bedenkenswert.

Nun zur anderen Arbeit die ich mir durchgelesen habe: Machtvolle Wahrheiten. Diskursive Wissensgenerierung in Wikipedia aus Foucault’scher Perspektive. Ob des sehr hochtrabenden Titels war ich erst mal ein wenig skeptisch, was mich erwartet. Der Autor Christian Pentzold untersucht nicht die Qualität oder Verlässlichkeit, sondern legt seinen Schwerpunkt auf die Entstehung der Artikel.

Und leider muss ich sagen, dass meine Skepsis bestätigt wurde. Seitenlang ergeht sich der Autor in den Theorien des französischen Philosophen Michel Foucault ohne das klar wird was das mit der Wikipedia zu tun hat. Für mich als Laie einfach nur ermüdend. Und um es böse zu sagen, es erinnert mich an einen Kandidaten für die Exzellenten Artikel der wegen des OMA-Tests durchfällt. Und er sucht sich den Artikel Verschwörungstheorie aus, um anhand dessen Diskussionsseite die Theorien von Foucault zu untersuchen. Ob das nun das Paradebeispiel für die Untersuchung wie ein Artikel im Diskurs entsteht, mögen andere beurteilen. Zumal er in keinster Weise begründet, warum er diesen Artikel wählt. Und auch erwähnt er nicht ob dies der Normalfall oder ein Extremfall ist. Diskurse gibt es auch in weniger trolligen Diskussionen. Naja, vll. kann mich jemand erhellen. Hihi, und ich bin auch dabei. Aber lest selber :-)

Die Darstellung der Diskussion und des Edit-Wars ist dann wieder ganz witzig und nicht ganz unspannend zu lesen. Erst recht wenn man sowas schon hundertfach erlebt hat. Aber sich selbst so als Objekt der Wissenschaft zu sehen, ist schon eine interessanter Erfahrung.

Und ehrlich an diese Diskussion aus 2005 kann ich mich nicht wirklich mehr erinnern.

Also zwei recht unterschiedliche Arbeiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln, die dem einen mehr dem anderen Leser weniger geben mögen.

Gute Nacht

Verweise:

  • Hammwöhner, Rainer (2007): Qualitätsaspekte der Wikipedia. In: Stegbauer, Christian / Schmidt, Jan
    / Schönberger, Klaus (Hrsg.): Wikis: Diskurse, Theorien und Anwendungen. Sonderausgabe von
    kommunikation@gesellschaft, Jg. 8. Online-Publikation: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B3_2007_Hammwoehner.pdf
  • Pentzold, Christian (2007): Machtvolle Wahrheiten. Diskursive Wissensgenerierung in Wikipedia aus
    Foucault’scher Perspektive. In: Stegbauer, Christian / Schmidt, Jan / Schönberger, Klaus (Hrsg.):
    Wikis: Diskurse, Theorien und Anwendungen. Sonderausgabe von kommunikation@gesellschaft, Jg.
    8. Online-Publikation: http://www.soz.uni-Frankfurt.de/K.G/B4_2007_Pentzold.pdf

Es wundert mich nicht wirklich

Da sitze ich also heute ruhig zu Hause, so recht keine Lust was in der Wikipedia zu schreiben, und erwarte an einem Ruhetag der Tour nix schlimmes und schaue Nachrichten.

Zuerst dachte ich ja es hätte Rasmussen erwischt oder Contador. So wie die zwei gestern den Berg hochgesprintent sind, hätte mich die Meldung ebenfalls nicht gewundert. Nun gut es war Winokurow (und wer sich jetzt über die ungewohnte Schreibweise wundert, dass ist die korrekte deutsche Schreibweise des Names Винокуров, was wir so tagtäglich in den Nachrichten und in der Berichterstattung sehen ist meist die französische, englische, italienische, spanische oder was auch immer für eine Transkription). So richtig verwunderlich ist das auch nicht. Gab ja schon genug Gerüchte über den Mann und sein Team.

Und ich bin richtig verärgert. Lernen die es nie. Ich will spannend Sport sehen und keine Freakshow. Der amerikanische Automat hat mir sieben Jahre lang gereicht. Nun haben wir einen dänischen und es ist nicht besser und Herr Wino hat nix begriffen. Ich gebe zu seine gestrige Fahrt hat mir gefallen, taktisch klug gefahren, im richtigen Augenblick angegriffen und mit viel Einsatz gewonnen. Nun hat sich die Freude in Ärger verwandelt.

Ich schaue die Tour und anderen Sport auch deshalb so gerne, weil ich den Einsatz, die Leidensfähigkeit und den enormen Fleiß der Sportler unheimlich schätze. Da spielt sicherlich eine Rolle, dass meinereiner dem sehr wenig entgegensetzen kann. Meine Stärken liegen auf anderen Gebieten, so hoffe ich zumindest. Warum die sich die Bewunderung ihrer Fans selbst kaputt machen, will nicht in meinen Kopf. Ob die nun mit 35 oder 30 kmh den Berg hochradeln ist mir schnuppe, ich bewundere die Jungs auch so.  Ich selbst würde mir das nie antun.

Schauen wir mal, ob sich da noch mehr auftut. Dem Radsport und der Tour wäre zu wünschen, dass die Jungs endlich begreifen würden, dass wir ihre Leistungen auch so hoch schätzen. Und T-Mobile, Gerolsteiner und andere die es ernst meinen sollten unbedingt dabeibleiben. Schöne glatte Werbung kann jeder haben, aber ich empfinde es als Feigheit und kurzsichtig nun auszusteigen. Wenn die Unternehmen wirklich an einer Änderung im Sport interessiert sind und dies auch tun, dann steigt meine Wertschätzung für diese Unternehmen ungemein. Und ich denke viele Fans sehen dies ähnlich.  

Lesenwerte Artikel

In der Wikipedia vergeben wir ja gerne solch nette Anstecker, Bapperl genannt, für Artikel. Da gibt es einerseits die Exzellenten Artikel. Die sind sozusagen das nonplusultra der Artikel. Ausführlich, ausgewogen, sachlich korrekt (zumindest zum allergrössten Teil), sprachlich brilliant, eben einfach perfekt. Und nach eigener Einschätzung, ich habe natürlich nicht alle derzeit 1110 Artikel gelesen, sind sie das auch.

Und dann haben wir da noch die „Lesenwerten Artikel“. Nun mag der geneigte Leser einwerfen: Nun gut das mit dem Namen für die Exzellenten Artikel kann ich ja noch zumindest als Anspruch erkennen, aber sollten denn nicht alle oder zumindest der größte Teil der Artikel in der Wikipedia des Lesens wert sein. Und der Leser hat recht.

Deshalb sei es mir gestattet einen kleinen Exkurs zur Entstehung dieser Kategorie und des Namens zu machen.

Es war im Ende des Jahres 2004. Meine Wenigkeit und einige andere Wikipedianer sassen bei einem guten Bier in einer Hamburger Kneipe. Die Sprache kam auf die Exzellenten Artikel. Anfänglich wurden mit diesem Qualitätsmerkmal Artikel ausgezeichnet, die aus der Masse herausstachen und ja einfach ok waren. Kurz nachdem der Medienhype die Massen, darunter auch mich und vor allem auch Leute mit Ahnung, in das Projekt spülte, kam es zu einem drastischen Anstieg der Ansprüche an Exzellente Artikel. Denn wenn man sich die Kriterien für Exzellente Artikel anschaut die sind faktisch seit Anfang an unverändert und wunderbar nebulös. Und wie ich gerade sehe ist das bisschen Kalrheit auch noch verschwunden. In der Einleitung bei den Kandidaten für Exzellente Artikel findet sich kein Hinweis mehr auf irgendwelche Kriterien. Das verwundert mich etwas, was aber ein Zeichen dafür ist, wie betriebsblind man nach einiger Zeit wird.

Na egal, damals in der guten alten Zeit war es halt noch anders. Es gab nur die Exzellenten Artikel. Southpark und ich sassen da halt beim Bier und sinnierten darüber, dass es doch doof wäre nur die Top-Artikel auszuzeichnen. Denn es gab noch viele andere Artikel, die nicht ganz so ausführlich, vielleicht sprachlich etwas holpriger und ein paar Lücken hatten, aber nichtsdestostrotz ordentliche, also erzsolide, Enzyklopädie-Artikel waren. Eben die Kategorie Artikel die ein Leser erwartet ohne gleich eine Doktorarbeit lesen zu müssen. Deshalb dachten wir uns die „Erz-Soliden Artikel“ aus und Finanzer, also ich, ließ sich dazu hinreissen, einen Kriterienkatalog für diese Erzsoliden zu schaffen, was ich auch einige Tage später tat. Das war aber natürlich noch lange nicht Wikipedia-Öffentlich sondern immer noch wohl verwahrt in meinem Beuntzernanmensraum. Es gab ein paar Diskussionen im Chat und im echten Leben. Und da der Name erzsolide nicht auf rechte Begeisterung stiess, benannte ich das ganze um, in „Lesenwerte Artikel“. Alles immer noch ein rein private spinnerte Idee.

Nun begab es sich aber, dass sich ein paar Monate später ähnliche Diskussionen in der Wikipedia ergaben. Ich hatte das Projekt schon fast vergessen, da nicht wirklich auf grosse Begeisterung gestossen. Was mach ich also poste den Link zu meiner Ideen-Seite nach dem Motto: „Hier ist das schon mal ausformuliert, bedient euch“. Und zwei Tage später war Carbidfischer mutiger als ich, und macht es einfach öffentlich. Sozusagen, ab heute gibt es neben den Exzellenten auch Lesenswerte Artikel. Hui, den Aufstand werde ich nie vergessen. Meinen Arbeitgeber hat diese Aktion ca. 1 Arbeitstag gekostet, was der natürlich nicht wissen darf ;-), an dem ich nur in diversen Diskussionen, Löschanträgen etc. mein Projekt, denn das war es ja urspünglich, verteidigt habe. Und nun nach rund zweieinhalb Jahren sind die Lesenwerten ein anerkannes Qualitätsmittel der WP geworden, auch wenn sie natürlich mit dem ursprünglichen Konzept und dem Namen nicht mehr viel gemein haben. Aber das ist das Schöne an der WP. Irgendwer hat eine Idee und andere nehmen diese auf, entwickeln diese und machen sie manchmal zu was komplett anderem.

Das nun auch bei den Lesenswerten der Wahn ausbricht, dass ein Thema allumfassend beleuchtet werde muss, das lässt sich leider nur schwer verhindern. Ein klein wenig leisten da aber die von mir Kritererien eine Hilfestellung, wo all die Mängel aufgeführt sind, die bei den Lesenswerten toleriet werden. Aber leider lesen die Wenigsten die Kriterien. Geschweige denn, jemand weiß noch was die Intention des Ganzen war.

Ich glaub ich weiß nicht mehr wirklich, warum ich den Beitrag angefangen habe. Egal.

Gute Nacht

P.S. Mittlerweile habe ich den unten bereits erwähnten Christian Precht als Lesenswerten Artikel nominiert.

Heuchler

Da lese ich gestern, dass die ARD und das ZDF aus der Berichterstattung der diesjährigen Tour de France aussteigen. Für mich ist das pure Heuchlerei. Jahrelang bejubeln sie die deutsche Teams und auf einmal stellen sie sich als die großen Saubermänner hin. Selbstkritisch mit seiner eigenen Rolle in der Vergangenheit umzugehen, ist völlig ok, aber nun die große Entrüstung zu spielen, steht ihnen nicht zu.
 
Wie sagte ein Prof für Kimmunikationswissenschaften heute morgen, die AKtion ist auch deshalb unglaubwürdig, denn ausgerechnet, wo die verstärkte Sensibilität für das Thema Früchte trägt, da steigt man aus. Diese Aktion sei damit eher geeignet, dem Kampf gegen das Doping zu schaden als zu nutzen.
 
Und Sat1 reibt sich die Hände und sicherte sich schnell mal die brachliegenden Rechte. Und auch Eurosport dürfte sich freuen, da Sat1 nicht wirklich als Radsport-Sender bekannt sein dürfte. Und auf einmal kann auch Eurosport eine Live-Stream im Netz anbieten, oh Wunder. Habe ich aber natürlich nichts dagegen :-)
 
 

Christian Precht [Update]

Nun also bin ich auch in der Blogossphäre angekommen. Mal schauen wie lange ich es durchhalte und was es alles zu kommentieren gibt. Vorrangig wohl rund um die Wikipedia und meine Beiträge dort. Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen.

Mein aktuellster Beitrag für dieses geniale Projekt ist er  hier Christian Precht. Ein fast vergessener Hamburger Bildhauer des späten 17. Jahrhunderts. Ist zwar noch nicht ganz fertig, wird aber spätestens voraussichtlich morgen abend fertiggestellt.

Und neben vielen Kirchenausstattungen hat er auch diesen netten, melancholisch dreinschauenden Kollegen geschnitzt:

 

Das ist die Heckfigur des Hamburger Konvoischiffes „Admiralität von Hamburg“. Leider das einzigste was von dem Schiffchen übrig ist. Aber mir gefällt er. Und für dieses Schiffchen hat der Herr Precht auch was schönes geschnitzt. Im Laufe der Woche gibt es dann noch ein paar Bilder von Figuren aus der St. Jacobi Kirch in Hamburg. 

Update:

Jom war so freundlich in der Kirche St. Petri und Pauli in Bergedorf Bilder von dem von Precht geschaffenen Altar zu machen. Meinen herzlichen Dank dafür. Die Bilder sind auf Commons zu finden.

Foto: Joachim Müllerchen, CC-BY-SA 2.5, 2.0, and 1.0