Ohne von wirklichem Vorteil für die Allgemeinheit?

Heise Online verweist heute in einem Newsartikel auf ein Positionspapier der VG Wort in dem diese zuerst behauptet, dass im aktuellen Urheberrecht alles knorke sei. So wird zwar zu Recht daraufhingewiesen, dass es Schranken im Urheberrecht gibt, die es ermöglichen auf geschützen Werken aufzubauen und diese frei zu verwenden. Dass diese Schranken arg eng gesteckt sind, wird aber verschwiegen. Außerdem gibt es ja Creative Commons Lizenzen, mit denen man sowas explizit erlauben würde. Auch seien ja analoge und digitale Privatkopien erlaubt, ohne allerdings zu erwähnen, dass ein Kopierschutz diese Schrankenregelung wieder aushebelt.

Am dreistesten wird es aus meiner Sicht als Wikipedia-Autor und Wikisource-Mitarbeiter aber im Abschnitt 3 mit dem Namen „Hände weg von Schutzfristen“. Zitat:

. Eine Schutzfristenverkürzung würde das
geistige Eigentum der Urheber deutlich entwerten ohne von wirklichem Vorteil für die
Allgemeinheit zu sein.

Bei dieser Behauptung kräuselt es mir die Fußnägel hoch. Dazu gehört auch der Umstand, dass die Schutzfrist derzeit bis 70 Jahre nach dem TOD des Urhebers läuft und eine Verkürzung das „Eigentum“ der Urheber also überhaupt nicht entwerten kann, weil es nicht mehr sein Eigentum ist, sondern dass seiner Erben. Geschenkt.

Wichtiger ist mir aber der zweite Teil der Behauptung, der für mich überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Dafür zähl ich einfach nur mal ein paar Dinge aus meiner langjährigen Erfahrung bei Wikipedia und Wikisource auf, die der Allgemeinheit sehr wohl nutzen würden:

  • In der Wikipedia klafft eine riesige Lücke bei der Bebilderung von Artikeln zu Themen, die das 20. Jahrhundert betreffen. Sei es der Erste und Zweite Weltkrieg, moderne Kunst oder Politik und Gesellschaft der letzten Jahrzehnte. Mit einer drastischen Verkürzung der Fristen, könnten viel mehr Artikel mit den Werken von Künstlern illustriert werden, könnten Fotos und Zeichnungen der Ereignisse in die entsprechenden Artikel eingebaut werden. Und das wäre kein wirklicher Vorteil für die Allgemeinheit?

Im Artikel bei Heise wird auf eine Studie verwiesen, die zeigt, dass die langen Schutzfristen die Verfügbarkeit von Werken sehr wohl behindern und damit von Nachteil für die Allgemeinheit sind. Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der bei Amazon vorhandenen Werke, gruppiert nach Jahrzehnt des Erscheines.

Die gleiche Situation, natürlich mit dem Unterschied bei Werken aus den letzten Jahrzehnten, ergibt sich bei Wikisource, wie die folgende Tabelle zeigt:

Jahrzehnt des Erscheines Anzahl Werke bei Wikisource
1900er 1930
1910er 1187
1920er 1209
1930er 529
1940er 16
1950er 8
1960er 12

Die weiteren Jahrzehnte spare ich mir mal, da es da nicht besser wird. Die wenigen Werke aus den Jahrzehnten nach 1940 sind zudem fast alles Gesetze und Gerichtsurteile.

Ein paar wenige absurde Beispiel, was uns derzeit auf Wikisource nicht möglich ist:

  • Eine im Jahr 1901 erschienene Doktorarbeit über ein historisches Thema, wird erst im Jahr 2026 gemeinfrei, da der Autor diese im Alter von 19 Jahren schrieb und später als Gymnasiallehrer und -direktor arbeitete und nie wieder als Historiker auftauchte. Diese Arbeit ist sicherlich nur von wissenschaftshistorischem Interesse, immerhin wird aber von bekannten Historikern der Zeit auf diese Arbeit verwiesen. Vermutlich sind sich die Erben dieses Gymnasialdirektors überhaupt nicht bewusst, dass sie die Urheberrechte an dieser Arbeit besitzen, kommerziell auswertbar wären sie ohnehin nicht mehr. Ein Themengebiet bei Wikisource könnte mit dieser Arbeit aber abgerundet werden. Kein wirklicher Vorteil für die Allgemeinheit?
  • Die Werke der von den Nazis im Jahr 1944 ermordeten Frauenrechtlerin und Dichterin Frida Spandow, können bis zum Jahr 2015 nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Bei Amazon gibt es überhaupt keine Werke von ihr und bei Google Books sind die Werke nicht einsehbar. Vermutlich sind ihre Werke verwaist, aber derzeit ist es nicht möglich ihre Werke bei Wikisource einzustellen. Wir würden es gerne tun und an sie und an viele andere von den Nazis Ermordeten erinnern. Das wäre kein wirklicher Vorteil für die Allgemeinheit?
  • Bei einigen Werken können wir nur den Text aber z.B. nicht die Illustrationen oder den künstlerischen Einband des Werkes zur Verfügung stellen, da diese weiterhin geschützt sind. Hier würden wir natürlich gern diese Werke in ihrer ganzen Pracht abbilden. Kein wirklicher Vorteil für die Allgemeinheit?
  • Bei Wikisource gibt es einige Texte zur Geschichte der Relativitätstheorie. Zitat Wikipedia: „Einsteins Hauptwerk, die Relativitätstheorie, machte ihn weltberühmt. Im Jahr 1905 erschien seine Arbeit mit dem Titel Zur Elektrodynamik bewegter Körper, deren Inhalt heute als spezielle Relativitätstheorie bezeichnet wird. 1916 publizierte Einstein die allgemeine Relativitätstheorie.“ Die Veröffentlichung dieser Arbeiten ist also mitllerweile rund 100 Jahre her. Nur wir können diese Arbeiten bei Wikisource nicht veröffentlichen, da diese erst im Jahr 2026 gemeinfrei werden. Die vollständige Darstellung der Geschichte eines der wichtigsten und folgenreichsten physikalischen Forschungsergebnisse, der Rezeption und Diskussion dieser Ideen wäre also kein wirklicher Vorteil für die Allgemeinheit?

Natürlich gibt es einige wenige Autoren deren Werke immer noch geschützt sind und die weiterhin aufgelegt und vertrieben werden, die allergrößte Masse der Werke steht derzeit aber der Allgemeinheit nicht zur Verfügung und Projekt wie Wikisource, die dies ermöglichen wollen, können dies schlicht nicht. Und ich empfinde es als eine Schande für  eine Kulturnation, dass so viele Werke auf Grund absurd langer Schutzfristen dem Vergessen anheimfallen.

Ab jetzt will ich immer brav sein, versprochen

So glimpflich dürfte es auch damals wohl nur für die allerwenigsten abgelaufen sein:

1388. August 12. Gerhard Stein Grifvogel, Mönch zu Nienburg, gelobt von nun an ruhig im Kloster zu bleiben, dem Abte zu gehorsamen und Beschädigung, Raub und Brand zu unterlassen, wofür er Bürgen stellt.

gefunden im Codex diplomaticus Anhaltinus, Band 5, Seite 87.

Schwüle Zeit

Gestern bin ich beim Korrigieren eines Textes auf Wikisource mal wieder über eine ungewohnte Formulierung gestolpert, die ich versuchen möchte zu erkunden. Konkret geht es um eine Stelle in dem geschichtswissenschaftlichen Aufsatz Untersuchungen zur Geschichte Wallenstein’s (1625-1629) von Moriz Richter:

Erschreckt durch diesen Anzug, traf Kurfürst Maximilian wieder die Anordnung, dass das Ligaheer zur eventuellen Verwendung gegen die kaiserliche Armee bereit zu halten sei; und Mainz schrieb an Baiern: nichts werde vielleicht helfen, als eine Verbindung der Liga, der Kurfürsten, sämmtlicher Kreisobersten zum Schutz der Reichsverfassung und zur Beschneidung der absoluten Gewalt des kaiserlichen Feldherrn.

In dieser schwülen Zeit besorgt sich Maximilian abermals Italienisch geschriebene Berichte über persönliche Verhältnisse und Absichten der kaiserlichen Regierung, besonders über Wallenstein’s Pläne und seine Stellung zum kaiserlichen Hof.

Es geht um die Formulierung „In dieser schwülen Zeit“. Bisher war mir das Wort schwül nur im Zusammenhang mit dem Wetter untergekommen bzw. solch ein Formulierung bezog sich darauf, dass in einer bestimmten Zeit das Wetter schwül ist, wie man an diesem Beispiel aus einer Reiseinformation sieht:

Ab dem Sommer beginnt die heisse und schwüle Zeit.

Also schauen wir erstmal, ob ein Wörterbuch weiterhilft, was das schwül mit Zeit zu tun haben könnte. Das Wiktionary sagt zur Bedeutung des Wortes folgendes, kennt aber auch nur die Bedeutung in Bezug auf das Wetter:

das Wetter und die Luft betreffend: unangenehm heiß und feucht

Also schauen wir weiter bei Grimm, die ja auch zeitlich etwas näher dran sind, ob es vll. eine ältere Bedeutung gibt, die so nicht mehr verwendet wird. Eigentlich kennt das Grimmsche Wörterbuch das Wort schwül auch nur für Wetter, gibt aber weiter an, dass

im eigentlichen hochd. gebiete ist schwul oder schwül nicht heimisch […],sondern eingeführt, meist nur im übertragenen sinne: es ist mir ganz schwul, mir ist heisz oder bänglich

Aha, da haben wir doch schon mal einen ersten Anhaltspunkt. Heiß könnte im übertragenen Sinne für unsere Formulierung passen, auch wenn man nicht so recht weiß, ob es das nun ist.

Also schauen wir weiter im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache nach und finden dort als dritte Bedeutung angegeben:

beängstigend, beklommen, spannungsgeladen

Ich denke, dass spannungsgeladen dem Sinn der Formulierung von Moriz Richter am nächsten kommt. Den fraglichen Satz könnte man also in modernes Deutsch übersetzen als:

In dieser spannungsgeladenen Zeit besorgt sich Maximilian ….

Berlin, Hauptstadt der DDR (2)

Manchmal kann Aufräumen sehr nützlich sein. Insbesondere dann, wenn man lange Gesuchtes endlich aus den Tiefen längst vergessener Kartons zu Tage fördert.

Im konkret vorliegenden Fall wünschte sich Mrs. Finanzer einen begehbaren Kleiderschrank. Auserkoren wurde dafür der von mir der bis dato als GerümpelAbstellkammer genutzte kleine Raum in unserer Wohnung. Darin fanden sich alle möglichen Kisten und Kartons, die ich seit meinem letzten Umzug unbesehen und ungeöffnet dort vergessen aufbewahrt hatte. Den allergrößten Anteil des Inhalts dieser Kisten konnte man ohne größere Bedenken einfach in die nächstgelegene Abfalltonne werfen. Aber gut, dass ich in einem Karton mit einer alten Lampe und alten Büchern doch etwas tiefer gegraben habe. Es fand sich nämlich ein etwas feuchtigkeits- geschädigter A4-Umschlag mit alten Fotos und Negativen, die ich schon lange gesucht hatte. Darunter auch weitere Bilder aus dem Sommer des Jahres 1990, deren Veröffentlichung ich vor ziemlich genau einem Jahr bereits angedroht hatte. Dank Mrs. Finanzer ist es nun soweit.

Diese Bilder umfassen ein paar Impressionen vom Alexanderplatz mit den medialen Vorbereitungen für die Währungsunion, einen DDR-Geldautomaten mit entsprechender Mitteilung und eine der letzten Akkreditierungen eines Botschafters in der DDR. Ein zweiter Teil mit Schwarzweiß-Bilder, die ich noch vom Negativ scannen muss, folgt demnächst.

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Tutanchamun in Hamburg

Mrs. Finanzer und ich waren vor ein paar Tagen in der Ausstellung Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze, die noch bis April hier in Hamburg gastiert. In der Ausstellung werden ausschließlich Nachbildungen der im Grab des vermutlich berühmtesten Pharaos gezeigt. Das aber in beeindruckender Art und Weise. Z.B. da dadurch alle Objekte, die ja über mehrere Museen verstreut sind, zusammen gezeigt werden können und weil ein und dasselbe Objekt in verschiedenen Zusammenhängen gezeigt werden kann.

Da in der Ausstellung das Fotografieren erlaubt ist, was für eine Sonderausstellung eher ungewöhnlich ist, möchte ich euch die Bilder natürlich nicht vorenthalten.

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Gesundheitsschädlicher Kaffee aufgetaucht

Zitat aus einer auflagenstarken Zeitschrift:

Man hat nicht mit Unrecht die grüne Farbe der Kaffeebohnen als ein Merkmal der Güte betrachtet, aber in neuester Zeit hat dieses Zeichen seinen Werth verloren, weil man häufig die schlechteren Sorten grün färbt, und leider geschieht dieses mit einer Kupfer enthaltenden Farbe, die unbedingt der Gesundheit nachtheilig ist.

und weiter

Daß der geröstete, gemahlene Kaffee zuweilen mit Cichorie gefälscht wird, ist bekannt, da dieser Zusatz billiger als der Kaffee ist, und […] diese Fälschung sich, wenn man darauf achtet, schon durch den Geruch kundgiebt

Aber keine Panik: Wie schon an der Rechtschreibung erkennbar ist, so ganz brandneu ist die Meldung nicht mehr. Datei:Die Gartenlaube (1875) 001.jpgDie Meldung stammt aus einem Artikel in der Gartenlaube des Jahres 1875. Sie zeigt aber sehr schön, dass Lebensmittelskandale keine Erfindung des 20. oder 21. Jahrhunderts sind. In der Vergangenheit wurde genauso gefälscht, gepanscht und der Verbraucher behumst, dass es ein wahres Grauen war.

Als Lektüre in diesem Zusammenhang empfehle ich auch den Artikel über Friedrich Accum in der Wikipedia, einem Chemiker der die Öffentlichkeit bereits im frühen 19. Jahrhundert vor den Gefahren gepanschter und verfälschter Lebensmittel warnte. Accum war der erste, der sich dieses Themas annahm und zugleich eine breite Öffentlichkeitswirkung erzielte.

Natürlich halte ich die geneigte Leserschaft auch weiterhin über neu auftauchende Lebensmittelskandale auf dem Laufenden.

Neues Neues Museum

Eigentlich wollten Mrs. Finanzer und ich heute nach Hannover zum Stammtisch fahren, was aber aus gesundheitlichen Gründen nicht ging. Stattdessen haben wir die Gelegenheit genutzt und uns unter die wahrscheinlich zehntausenden* Neugierigen gemischt, die an diesem Wochenende einen ersten Blick in das restaurierte Neue Museum in Berlin geworfen haben. Und ich muß sagen, wir haben es nicht bereut.

Wir sind uns einig, dass die Restaurierung sehr gut gelungen ist. Die alte Pracht des Museums wurde soweit noch vorhanden wiederhergestellt  und die Wunden der Vergangenheit sind mehr als deutlich zu sehen. Während ich nach den Berichten im Fernsehen dachte, dass vielleicht vereinzelte Schäden, wie z.B. Einschußlöcher, weiterhin zu sehen sind,  so verblüfft doch, dass einige Säle eher an restaurierte antike oder mittelalterliche Stätten erinnern. Andere wahrscheinlich vollständig zerstörte Säle wurden hingegen in einer modernen und klaren Architektur komplett neu gebaut. Gesamtfazit: Ein moderner Museumsbau der besonderen Art.

Einen kleinen Eindruck bieten die Bilder die Mrs. Finanzer und ich gemacht haben. Wie immer gilt auch hier am besten auf [Mit PicLens anzeigen], um die Bilder in hoher Auflösung und als Slideshow anzuzeigen. Natürlich landen die Bilder auch auf Commons zur Ergänzung des Artikels zum Neuen Museum.

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Zum Vergleich wie das Museum vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrig aussah, empfehle ich einen Blick in die entsprechende Commons-Seite mit Darstellungen des ursprünglichen Aussehens verschiedender Säle. Hier  nur beispielhaft der Vergleich zwischen dem Aussehen des Ägyptischen Hofs damals und heute:

Ägyptischer Hof um 1850
Ägyptischer Hof um 1850
neues-museum-20e-galerie-agyptischer-hof.jpg
Ägyptischer Hof 2009

* Update (8. März 2009):

Nach Presseberichten haben an den drei Tagen insgesamt 35.000 Besucher das Museum besichtigt.

Berlin, Hauptstadt der DDR

Wie vor einigen Tagen versprochen hier nun eine erste Galerie mit zehn Bildern, die ich im Juni 1990 in Berlin, damals noch Hauptstadt der DDR, gemacht habe. Auf Grund der Motive vermute ich stark, dass die alle am selben Tag irgendwann im Juni 1990 entstanden sein müssen. Aus dieser Reihe stammt auch das Bild, dass bei Heise verwendet wurde.

Viel Spaß beim Angucken.

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Ich weiß, dass irgendwo in meinem Chaos noch mehr Bilder aus dieser Zeit existieren müssen. Und wenn ich die gefunden habe, werde ich die Euch natürlich nicht vorenthalten. [Update: Den zweiten Teil gibt es mittlerweile auch]

Ein Bild bei Heise

File:Nva-ehrenwache.jpg

Als ich im Sommer des Jahres 1990 dieses Bild gemacht habe, dachte ich garantiert nicht, dass es jemals in einem Artikel über das Funktionieren von Propaganda landen würde. Geschweige denn dass ich wusste wer oder was der Heise Verlag ist, den es immerhin schon damals gab, oder dass an das Internet oder die Wikipedia zu denken war.

Das Bild ist wie gesagt im Sommer 1990 in Berlin in der Straße Unter den Linden entstanden. Bis zum Ende der DDR standen vor der Neuen Wache, dem damaligen Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus, ständig zwei Soldaten der Nationalen Volksarmee als Mahnwache. Das Bild zeigt nun eine der stündlichen Wachablösungen bzw. den Marsch der neuen Wachposten zur Neuen Wachen. Die Wachablösung erfolgte stets im Stechschritt und war schon alleine deshalb eine kleine Touristenattraktion, erst recht in der sich allmählich auflösenden DDR.

Und da ich in diesem Sommer nichts weiter zu tun hatte, als auf den Beginn meines Studiums zu warten und in der Ahnung, dass die DDR nicht mehr lange existieren würde, habe ich in diesen Wochen einige Filme mit den letzten noch sichtbaren Zeichen der DDR vollgeknipst. Darunter ein Stau mit vielen Trabis in Ostberlin, eine Botschafterakkreditierung im Staatsratsgebäude, die ersten Werbeplakate aus dem Westen, Demos gegen den Anschluß an die BRD, die Geldtransporter die die Westmark brachten, ostdeutsche Geldautomaten und noch so einiges mehr.

In Gewöhnung an die digitale Fotografie wundere selbst ich mich, dass es nur so wenige Bilder sind, die ich noch habe. Aber es waren nie mehr. Farbfilme und deren Entwicklung waren in der DDR schweineteuer. Irgendwo habe ich auch noch eine Quittung mit dem Preis. Westmark und damit auch geringere Preise kam erst etwas später mit der Währungsunion. Und man erinnere sich: auf jedem Film waren nur 32 Bilder. Wenn man den Film nicht alle drei Minuten wechseln wollte, musste man sehr sparsam umgehen und sich genau überlegen, was man fotografiert. Und natürlich mißlangen Bilder, was man aber erst Wochen später nach der Entwicklung feststellte.

Und da es in der Anfangszeit der Wikipedia noch sehr wenige Bilder gab, erst recht für die Zeit der DDR und die NVA, habe ich das Bild im August 2004 (mein Gott ist das lange her) gescannt und damals noch in die de-Wikipedia hochgeladen. Mittlerweile befindet es sich auf Commons und wird in 14 Wikipedien verwendet und nun eben auch bei Heise. Keine Ahnung warum Heise genau dieses Bild genommen hat, freuen tut es mich natürlich trotzdem :-)

Nun aber Schluß mit den ostalgischen und WP-nostalgischen Gedanken. Die anderen Bilder werde ich demnächst mal digitalisieren und eine Auswahl hier in einer Galerie präsentieren.

Update (wenig später):

Habe gerade die Quittung gefunden. Es waren 40,55 Mark der DDR für 19 Bilder. Der Rest von dem Film war wohl nichts geworden. Zum Vergleich laut Wikipedia betrug die Miete 60-m²-Neubauwohnung inkl. aller Nebenkosten 70 Mark.

Schweiz und Deutschland

Ein hochinteressantes Gespräch mit dem Schweizer Historiker Thomas Maissen über das Verhältnis der Schweiz und Deutschland in einer Sendung des Schweizerischen Fernsehens SF1. Darin geht er ausführlich auch auf die Geschichte des deutsch-schweizerischen Verhältnisses ein, unter anderem als Bestandteil des Heiligen Römischen Reich:

 

Via: Blogwiese