WikiTV

Heute wurde die erste Folge von WikiTV veröffentlicht, die aus Interviews von der WikiCon besteht. Leider aber auch nur aus Interviews, wobei man bei den meisten Interviewten  über den reinen Namen oder Nick leider nicht viel erfuhr. Ein paar sonstige  Eindrücke oder Erklärungen was die Wikicon war und was dort passierte, wären darüberhinaus auch schön gewesen. Ärgerlich auch, dass hier und da einige der Fragen nicht zu den Antworten passten. Da ist wohl beim Schnitt was schief gegangen.

Aber ich will nicht zu viel meckern. Es ist ein erster interessanter Versuch, der aber auf jeden Fall noch wesentlich mehr Potential bietet. Ich bin gespannt was in Zukunft draus wird. Leider funktioniert das Embedding des Videos hier im Blog nicht. Deshalb muss ein Link nach Commons genügen:

WikiTV Folge 1

Wikipedia-Tag in Bern

Mittlerweile bin ich ja wieder seit einigen Stunden in den großen Kanton im Norden zurückgekehrt. Gestern abend habe ich es nicht mehr geschafft meine Eindrücke hier im Blog niederzuschreiben. Aber das hat auch seine Vorteile denn mittlerweilen liegen alle Vorträge des Tages als Podcast vor, so dass man sich diese, falls man den Livestream verpasst hat, anhören kann. Zusätzlich gibt es einen Mitschnitt einer Livesendung für das Radio Kanal Ratte, die im Anschluss an die Veranstaltung aus Bern gesendet wurde.

Im folgenden gehe ich einfach mal das Programm durch und werde die Links zu den Vorträgen einstreuen, so dass ich mir viele Worte über den Inhalt sparen kann und nur meine Eindrücke hier niederlegen werde. Aber zuvor möchte ich erstmal den Schweizer Vereinskollegen gratulieren zu einer tollen und sehr interessanten Veranstaltung. Leider war die zahlenmäßigen Resonanz nicht ganz so groß wie erhofft, aber ich denke die Leute die da waren, die haben einen guten Einblick in Wikipedia und angrenzenden Themen erhalten.

Zu Beginn hielt die jüngste Großrätin (Was das genau ist konnten mir nicht mal die Schweizer sagen. Es ist aber einfach nachzuschlagen: Grossrat) der Schweiz Nadine Masshardt eine Grußansprache in der sie sich als Vertreter der Gratis-Internet- und Wikipedia-Nutzer-Generation outete. (Podcast). Irmgard hielt einen Vortrag mit dem Titel „Arbeit in umstrittenen Wikipedia-Artikeln“ (Podcast). Delphine Ménard als Vertreterin der Wikimedia Foundation hielt ihren Vortrag über den Freiheitsbegriff, wie wir ihn verstehen, zwar in englisch, aber das äußerst witzig und sehr kurzweilig (Podcast). Der Vortrag war ein Highlight des Tages.

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einem Vortrag zu den Erfahrungen der Geschichtswissenschaft mit der Wikipedia (Podcast) und einem Vortrag zum Urheberrecht (Podcast). Im Anschluss habe ich Wikisource vorgestellt (Podcast).

Sehr interessant und auch sehr informativ war der Vortrag von Dr. Marco Jorio zum Historischen Lexikon der Schweiz. Die Macher dieses Projektes haben bereits in den frühen 1990er Jahren begonnen, das Lexikon komplett elektronisch zu erstellen und haben auch sehr früh erkannt, dass das Internet eine wichtige Publikationsform für sie darstellt. Das Lexikon kostet den Steuerzahler in der Schweiz rund 100 Millionen Franken (etwa 60 Mill. Euro). Auch deshalb entschloss man sich sehr frühzeitig die Texte online zu stellen und damit der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das HLS ist sehr stolz auf die Qualität des Lexikon, man freut sich aber weniger über Mails des Inhaltes „Ich fand ihren Artikel zu dem und dem Thema sehr interessant und gut geschrieben deshalb habe ich ihn die Wikipedia kopiert“. Da man aber nicht wusste wie man mit solchen Urheberrechtsverletzungen umgehen soll, hat man es erstmal geduldet. Der erwähnte Artikel ist aber mittlerweile gelöscht und neu erstellt worden. Außerdem habe ich Herrn Jorio die Mail-Adresse des OTRS gegeben, so dass solche Sachen in Zukunft schnell geklärt werden können. Für mich als Deutscher war aber noch ein anderer Aspekt den Herr Jorio ansprach sehr verblüffend.

Wie sicherlich die meisten wissen ist die Schweiz ein multilinguales Land. Neben Deutsch, wird dort auch Französisch, Italienisch und Rätoromanisch gesprochen. Ein Großteil der Kosten für dieses Projekt wird deshalb für die Übersetzungen der Texte in die jeweils anderen Sprachen verwendet. Auch das Webportal des HLS ist viersprachig. Herr Jorio befürchtet aber, dass die Wikipedia mit ihrer strikten Trennung der Sprachen und der unterschiedlichen Qualität der Artikel (wenn sie denn überhaupt vorhanden sind) in den verschiedenen Sprachen, zur Desintegration der Schweiz beitragen könnte. Für mich als jemand der in einem Land lebt, indem faktisch nur eine Sprache gesprochen, ist das ein hochinteressanter Aspekt (Podcast).

Dr. Donat Agosti hielt einen Vortrag über das Projekt Antbase.org. Herr Agosti ist Ameisenforscher und arbeitet bei einem Projekt mit, in dem alle wissenschaftlichen Arbeit bzw. Beschreibungen über Ameisenarten erfasst und durchsuchbar gemacht werden. Das Projekt insgesamt steht zwar unter einer freien Lizenz, kämpft aber mit dem Umstand, dass viele der Arbeiten nicht frei sind. Alle Arbeiten werden z.B. per OCR erfasst und die gewonnen Informationen in einer Datenbank gespeichert. Die Arbeiten, die entweder gemeinfrei sind oder unter einer freien Lizenz stehen sind auch im Volltext einsehbar. Wichtig für unsere Biologen in der Wikipedia ist aber, dass quasi per Bot aus den in dieser Datenbank stehenden Informationen Artikel zu allen 22.000 Ameisenarten erstellt werden könnten, da es zu dieser frei verfügbare Schnittstellen gibt. Wenn ich Herrn Agosti richtig verstanden habe, würde er dies sehr begrüssen und steht auch für Anfragen und Informationen zur Verfügung (Podcast).

Die von Manuel Schneider im Anschluss an den Wikipedia-Tag live produzierte einstündige Radio-Sendung ist meines Erachtens sehr gut gelungen, wenn auch akustisch hier und da etwas gestört, was aber dem mehr als improvisierten Studio geschuldet ist. Auch ich wurde vor das Mikro gezerrt und habe ein paar Bemerkungen zur Wikipedia und zu Wikisource abgeben dürfen. Die Sendung ist eine Stunde lang, aber die Musikeinspielungen darf man getrost überspringen. (Podcast)

Zum Schluß möchte ich mich bei Corin und Robin für die Gastfreundschaft und die herzliche Aufnahme danken. Ich habe mich bei euch sehr wohl gefühlt und freue mich euch kennengelernt zu haben.

Und zum allerletzten erlaube ich mir noch ein paar persönliche Eindrücke in Stichworten wiederzugeben:

  • Man sollte nicht um zwei Uhr ins Bett gehen, wenn man weiß, dass man um 5:30 wieder aufstehen muss.
  • Schweizer Geldscheine sind schrecklich bunt, zeigen aber keine Königinnen aber auch keine Kartoffeln
  • Ich war verblüfft, wie schnell Schweizer zwischen verschiedenen Sprachen wechseln können. Beim Mittagstisch wurde wild zwischen hochdeutsch, schwyzerdütsch, französisch und englisch gewechselt.
  • Schweizer lernen mindestens zwei Fremdsprachen, eine davon ist zumindest für deutschprachige Schweizer immer hochdeutsch.
  • Ich habe gelernt, dass selbst für Schweizer der Anblick von Männer auf Fahrrädern und in der Straßenbahn mit Gewehren (wohlgemerkt es geht nicht um irgendwelche Schrotflinten), die noch schnell zu ihrem jährlichen Schießtraining fahren, nicht unbedingt normal ist.
  • Käsefondue ist lecker und macht richtig satt, danke für das leckere Abendmahl
  • Soooo langsam sind Schweizer auch nicht, wenn die erstmal in Schwyzerdütsch loslegen, verstehe ich nur Bahnhof

Kurz und gut, auch wenn es nur sehr kurz da war, es hat richtig Spaß gemacht und ich werde gern wiederkommen.

 Update (1. Oktober 2007) :

Reaktionen zum Wikipedia-Tag in anderen Blogs finden sich auf der Webseite zum Wikipedia-Tag. Darunter auch ein Beitrag von Jan Hodel, der u.a. auf meinem Vortrag zu Wikisource eingeht.

Warum Geisteswissenschaftler für die Wikipedia schreiben sollten

Kersten Knipp vom Deutschlandfunk hat einen sehr interessanten Beitrag über die Academy und die Wikipedia gemacht. Interviewt wurden Gudrun Gersmann, Markus Mueller und Maha. Dass der Autor anfänglich Maha und Markus verwechselt und Markus zum Historiker macht, tut dem intelligent gemachten Beitrag aber keinen Abbruch.

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Wikisource -Themen und Projekte, Teil 2

Nun hat der dritte Teil meiner kleinen Serie zu Wikisource leider etwas länger gedauert, als ich eigentlich geplant hatte. Heute möchte ich mich dem Thema Literatur bei Wikisource widmen natürlich ist die Auswahl wie immer subjektiv und völlig unrepräsentativ. Es gibt noch vielmehr schönes bei uns zu entdecken. Und auch hier wieder meine Schmöker- und Stöber-Empfehlung: Zuerst sind da unsere Kategorien Versdichtung, Erzählprosa und Drama zu nennen. Aber auch in Blick in die Kategorie Autoren kann sich lohnen, wenn man Werke eines bestimmten Autors sucht.

Aber erstmal eine Bemerkungen vorneweg. Leider sind die sogenannten Klassiker, wie Goethe, Schiller und Co. recht wenig bei Wikisource vertreten. Wir mussten im Laufe der Zeit leider einige Texte löschen, da für diese keine vernünftigen Textgrundlagen vorlagen. Wie im ersten Teil erläutert, wären dies Scans oder E-Texte einer Erstausgabe oder einer anderen maßgeblichen Edition. Und da mussten wir eben in den sauren Apfel beissen und die Texte löschen, was aber zu einigen Auseinandersetzungen und auch zu einem Sturm im Wasserglas im internationalen Wikisource-Skriptorium führte. Da die meisten der Werke aber sowieso von gutenberg.de oder von woanders im Internet nach Wikisource kopiert wurden, ist kein wirklicher Verlust eingetreten. Und die kleinen gelben Heftchen kosten ja nun auch nicht Welt.

Trotzdem kommt auch der Klassikerfreund bei uns auf seine Kosten. So finden sich zum Beispiel die von Friedrich Schiller herausgegebenen Zeitschriften Thalia und Neue Thalia, sein Geschichtswerk Geschichte des 30jährigen Kriegs, aber auch Kabale und Liebe, Ritter Toggenburg, Maria Stuart und noch einiges mehr. Bei Goethe sieht es leider etwas weniger gut aus, denn die meisten der aufgeführten Werke beruhen auf einer unbekannten Textgrundlage. Sie entsprechen damit zwar nicht unseren hohen Qualitätsansprüchen, für die Lektüre in der Schule oder zum Schmökern, sind die Texte natürlich trotzdem ok.

Ein Schwerpunkt unserer Literaturabteilung bilden die sogenannten „Verbrannten Dichter“. Die Werke dieser Dichter, die als „undeutsch“ und „schädlich“ gebrandmarkt wurden, wurden von den Nazis erstmals am 10. Mai 1933 auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Von diesen Dichtern können wir bei Wikisource Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und den von den Nazis ermordeten anarchistischen Dichter Erich Mühsam präsentieren. Bekannt ist sicherlich der Kuttel Daddeldu von Ringelnatz. Empfehlenswert ist auch die Satire Hitler und Goethe – Ein Schulaufsatz von Kurt Tucholsky. Die meist kämpferischen Gedichte von Erich Mühsam sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack, sind aber auch als Zeitdokumente aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit seinen Auseindersetzungen und Kämpfen hochinteressant. Als kleine Auswal ein eher poetisches Gedicht von Erich Mühsam, das mir sehr gut gefällt:

Spruch

Juni 1916

Wenn ihr mich weinen seht,
fragt nicht, warum.
Leid, das in Tränen steht,
tröstet sich stumm.

Wenn ihr mich fluchen hört,
stimmt mich nicht mild.
Zorn, der sich laut empört,
schmilzt, wenn er schilt.

Doch wenn ich trink und lach,
lad ich euch ein.
Freude wird grau und schwach,
bleibt sie allein.

Die Fabeln und Erzählungen von Christian Fürchtegott Gellert verdanken wir dem unermüdlichen Einsatz der bereits erwähnten Dame aus der historischen Gymnasialbibliothek hier in Hamburg. Das besondere daran ist, dass wir die Texte nach der Ausgabe von Gellerts Schriften aus dem Jahre 1769 transkribiert haben. Auch wenn moderne Ausgaben relativ wenig von dieser abweichen, finde ich es sehr schön wenn wir auch solch alte Ausgaben präsentieren können. Lese- und Schmunzelttipp: Das Gespenst

Eine Gedichtsammlung der etwas anderer Art und damit fast schon eine kleine Überleitung zum nächsten Teil meiner Serie ist die Gedichtsammlung Die deutschen Kaiser von Max Barack vorstellen. Dieses Buch aus dem Jahre 1888 enthält Gedichte über alle Kaiser von Karl dem Großen bis zum ollen Wilhelm 2. Und zu jedem der Herren gibt es noch ein hübsches Bildchen im typischen heroischen Stil des 19. Jahrhunderts. Hohe Dichteskunst ist sicherlich was anderes und für heutige Leser entwickelt die Reimeskunst auch eher unfreiweillige Komik, aber trotzdem eine nette Lektüre für den historisch interessierten Gedichtfreund.

Da sich natürlich literarische Texte hervorragend zum Vertonen eignen, ist der Anteil solcher Texte innerhalb unseres kleinen, leider etwas eingeschlafenen Projektes Gesprochene Wikisource sehr hoch. Und einige Perlen sind dort bereits zu finden Empfehlen kann ich insbesondere die von Kellerkind und Phantomkommando gesprochenen Werke. Hier zwei Links zu zwei gesprochenen Gedichten, die mir besonders gut gefallen (OGG-Format): An Land und Die Bürgschaft. (Eigentlich wollte ich die beiden hier mit so einem netten Player einbinden, was mir aber noch nicht so recht gelungen ist. Deshalb auf diesem etwas unbequemeren Wege.)

Und noch eine Empfehlung zum Schluss. In den letzten Wochen wurde eine spezielle Seite für Autorinnen aufgebaut, die Texte in Wikisource und andere Digitalisate im Internet auflistet. Da ist bereits einiges zusammengekommen. Viel Spaß beim Schmökern.

Wie immer konnte dieser Beitrag nur einen winzigen Ausschnitt über die Bandbreite an literarischen Texten bei Wikisource zeigen. Man hätte noch viel mehr Dichter und Autoren nennen müssen, wie z.B. Dante, Fontane, Annette von Droste-Hülshoff u.v.a.m.

Hinweis:

Leider habe ich mir mit Einstellen dieses dritten Teils den zweiten Teil (der war über die wissenschaftlichen Texte) zerschossen. Ich konnte den Text zum Glück aus einem Backup wiederherstellen, aber leider sind die Kommentare weg. Und die Bewertungen dieses Teils sind nun hier. Kann man leider nichts machen. Aber besser so, als wenn der Text komplett verschwunden wäre.