Episoden, Charaktere und Pseudodeutsch

Vor einigen Tagen entspann sich im Blog nebenan eine Diskussion rund um das Thema Populärkultur in der Wikipedia. In den Kommentaren äußerte AndreasP folgendes (Hervorhebung, wie auch bei allen folgenden Zitaten, von mir):

Ich persönlich hätte auch in en.wikipedia viel lieber einen guten Sammelartikel über Serien, der über die üblichen DVD-Veröffentlichungsdaten, Einschaltquoten und Trivia hinausgeht, und dann vielleicht noch einen Sammelartikel über die Figuren (pseudodeutsch: Charaktere) und je einen über alle Folgen (pseudodeutsch: Episoden) einer Staffel, anstatt mich durch hunderte, oft genug redundante Kurzartikel über einzelne Figuren und Folgen durchklicken zu müssen.

Den Inhalt seines Kommentars kann ich insgesamt sogar zustimmen, aber stutzig machte mich seine Kennzeichnung der Worte Charakter für eine Figur in einem Film oder einer Fernsehserie und Episode für eine Fernsehfolge als pseudodeutsch. Nach seiner Meinung gibt es diese Worte in diesen Bedeutungen nicht und seien nur schlechte Übersetzungen aus dem Englischen, also vermeintlich schlechte Anglizismen, und sollten deshalb auch nicht in diesen Bedeutungen in der Wikipedia verwendet werden, dafür gäbe es bessere. Auch seien diese Bedeutungen nicht im gedruckten Duden zu finden (zum Online-Duden siehe weiter unten).

Da ich aber irgendwie das Gefühl beide Worte in den inkriminierten Bedeutungen auch weit vor Wikipedia-Zeiten gelesen und gehört zu haben, habe ich mich einfach mal auf die Suche gemacht und bin fündig geworden.

Charakter

Kommen wir zuerst zum Wort Charakter in der Bedeutung einer Figur, Person, Rolle in einem Film, einem literarischen Wern oder ähnlichem. Schauen wir also zuerst mal in die etwas älteren Lexika und Wörterbücher, um zu schauen, ob dieses Wort in der beanstandeten Bedeutung bzw. einer naheliegenden nicht schon etwas länger in Gebrauch ist. Zuerst lesen wir im Zedler:

Character, Kennzeichen, Merckmahl; solche sind nichts anders als von denen Künstlern erdichtete Figuren, die etwas bedeuten.

Das Wort Charakter in einem Satz mit Figur die von Künstlern erschaffen wurden. So weit ist das von der heutigen Verwendung nicht weg. Grimms Wörterbuch kennt das Wort in der Bedeutung einer fiktiven Figur allerdings nicht.

Aber in einem Artikel in der Allgemeinen Deutschen Biografie über den Schriftsteller Heinrich Laube wird für die Darstellung seiner Werke selbstverständlich Charakter für die Figuren in einem seiner Romane verwendet:

„Die Poeten“ nannte sich dieser Roman, der erste Theil der Trilogie „Das junge Europa“. Er ist völlig der breiten Entwicklung der einzelnen Charaktere gewidmet, die Briefform des Ganzen muß als primitives [766] Hülfsmittel dienen, die Erlebnisse der Einzelnen werden dürftig mit einander verflochten, die Einheit wird nur erzielt durch den Mittelpunkt jenes Schlosses, dem sie Alle zustreben; eine sicher arbeitende Hand bewies L. bereits in der Skizzirung derCharaktere, bei denen unter der Perspective einer Trilogie die Möglichkeit einer Entwicklung sorgsam vorgesehen ist, und der Roman schließt einheitlich damit, daß gewissermaßen jeder einzelne Charakterad absurdum geführt wird, einen völligen Wandel durchmacht und ganz neue Sphären sich öffnen müssen.

Auch sonst wurde im 19. Jahrhundert das Wort im Sinne von Figur oder Rolle verwendet. Das Werk „Ueber den Charakter Richard’s III. bei Shakespeare“ ist ein schönes Beispiel dafür. Und dass nicht der Charakter der Figur Richards III. gemeint ist, sondern die Figur selbst zeigt diese Seite. Ein Beispiel:

Mannichfaltigkeit der Charaktere! — Es ist wahr, wer den Versuch macht, alle Gestalten, die dieser Geist geboren, aufzurufen und vor sich zu versammeln — er vermag sie kaum zu überschauen, so erweitert sich vor seinen Blicken der Horizont und scheint sich in’s Unendliche zu verlieren.

Moderne Verwendungen, auch in Fachliteratur, liefert Google Books haufenweise. Einige wenige Beispiele:

Mode im Film: zur Kulturanthropologie zweier Medien – Seite 301 (Populärwissenschaftliches Werk von Daniel Devoucoux, Historiker, (frz.) Germanist und Skandinavist, lehrt an der Uni Dortmund)

In einer Kultur der dauernden Veränderung liefert der Film, vor allem der Un- terhaltungsfilm, noch relativ stabile Bilder, in denen die Welt klar geordnet erscheint und wo jeder Charakter klar gekennzeichnet und zu erkennen ist.

Contemporary costume design: Dress Codes und weibliche Stereotype … – Seite 15 (Dissertation)

 Obwohl generell alle Charaktere im Film unabhängig von ihrem Geschlecht „kostümiert“ sind, schreibt Jane Gaines speziell den weiblichen Kostümen eine prominentere Indikatorrolle zu.

„Man wird halt wieder Lieschen Müller.“- Der Weg deutschsprachiger … – Seite 44 (Magisterarbeit)

Das Rollenspektrum und seine Ausprägungen im Film waren so klar strukturiert, daß ein ambivalent gespielter Charakter den Zuschauer verunsicherte, wenn dieser am Ende des Films feststellte, daß sein Sympathieträger der Bösewicht war.

Und viele weitere Fundstellen mehr.

Und zum Schluss klappern wir noch die etwas jüngeren Wörterbücher ab:

Wiktionary führt auf [4] Theater: Rolle, die einen besonders ausgeprägten Charakter [2] aufweist. Duden.de kennt diese Bedeutung nicht. Das Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache auch nicht. Hingegen findet sich im Pons die Bedeutung: 3. LIT (Figur). Auch das Wortschatz-Portal der Uni Leipzig führt als signifikante Konkurrenz und als Bedeutungsgruppe Figur auf.

Bei den Wörterbüchern ist das sicherlich ein etwas uneinheitliches Bild, aber nicht so, dass man behaupten könnte diese Bedeutung sei nun etwas völlig ungewöhnliches.

Insgesamt bleibt zu konstatieren, dass die hier untersuchte Bedeutung des Wortes Charakter in der deutschen Sprache bereits seit mindestens 250 Jahren etabliert ist und seitdem regelmäßig verwendet wird. Es mag sein, dass die Verwendung in letzter Zeit durch den Einfluss der amerikanischen und japanischen Popkultur (Computerspiele, Film, Fernsehen und Manga) wieder zugenommen hat, aber deshalb ist dies noch lange kein Pseudodeutsch und auch kein schlecht übersetztes Englisch.

Episode

Beim zweiten Wort Episode als Synonym für Serienfolge im Fernsehen oder in ähnlichen Medien, ist aus meiner Sicht ein Blick in das Spiegel-Archiv völlig ausreichend (Disclaimer: Der Spiegel-Verlag ist mein Arbeitgeber und Teile der Archivfunktion sind von mir programmiert worden. Deshalb weiß ich auch, dass man da vernünftig drin suchen kann ;-). Ich hatte auch ebenfalls versucht das Archiv des gedruckten Stern und der gedruckten  Zeit zu durchsuchen, was mir aber mangels angebotener Funktionalität nicht gelang (mag auch sein, dass ich einfach zu blöd bin die entsprechenden Funktionen zu finden).

Hier nur die frühesten Treffer aus dem Spiegel für den Suchterm „episode fernsehen“. Viele weitere lassen sich mühelos finden:

Der Spiegel 46/1972: Das Prinzip Unheil:

Deshalb ist das Grundprinzip aller Seifen-Opern zutiefst pessimistisch. Es kommt immer noch schlimmer, bevor es besser werden kann, und die als Möglichkeit stets vorhandene glückliche Lösung wird Tag für Tag weiter in eine unbestimmte Zukunft hinausgeschoben. Jede Tagesepisode — am Montag dieser Woche beispielsweise die 5499. von „As the world turns“ — endet mit einer dunklen Prophezeiung weiteren Unglücks.

Der Spiegel 45/1972: Zyniker auf der Hundehütte:

Charlie Brown und seine Freunde sind da: Letzten Sonntag sendete das ZDF die erste Episode einer siebenteiligen „Peanuts“-Serie.

Der Spiegel 51/1970: Gute Partner:

Die ARD bestellt für ihr „vorabendliches Unterhaltungsprogramm“ jährlich 330 dieser verlogenen Sendungen bei in- und ausländischen Filmgesellschaften. Eine Auswahlkommission der sieben Regional-Programme vergibt die Aufträge und entscheidet, welche Episode — Stückpreis bis zu 150 000 Mark — ausgestrahlt wird.

Der Spiegel 18/1970: Wacht auf:

Zum Beginn einer geplanten Kuba-Serie präsentiert es den besten und längsten (160 Minuten) Spielfilm der Castro-Ära: „Lucia“ von Humberto Solás, 27 (Montag, 27. April, 21 Uhr). Das Drei-Episoden-Werk ist ein Lehrstück über kubanische Geschichte und die Freuden der gewonnenen Revolution

Und hier der früheste Treffer. Bei etwas abgewandeltem Suchterm fänden sich vielleicht auch frühere Belege für die Verwendung von Episode im Sinne einer Serienfolge, was aber am End-Ergebnis nicht viel ändern würde.

Der Spiegel 34/1969: Sprint nicht an:

Der Intendant, die bereits vollendete und vom Rundfunkrat genehmigte „Bergmann“-Episode „Der Autokauf“ belegt es, hat nicht übertrieben

Wie man also sieht ist das Wort Episode in dieser Verwendung schon seit mehr als 40 Jahren normaler Bestandteil der deutschen Sprache. Vielleicht nicht ganz so häufig, das habe ich nicht geprüft, wie das Wort Folge, aber dennoch so häufig verwendet, dass es mühelos als Bestandteil des deutschen Wortschatzes betrachtet werden kann.

Außerdem verstehe ich nicht was an diesem Wort in Zusammenhang mit einer Fernsehserie falsch sein soll. Zwar definiert auch der Online-Duden das Wort in Bedeutung 4 als einzelne Folge einer Fernsheserie, aber zuallerst als

flüchtiges Ereignis innerhalb eines größeren Geschehens; unbedeutende, belanglose Begebenheit 

Aber selbst wenn man nur diese Definition hinzuziehen würde, dann ist die Verwendung für die Bezeichnung einer Fernsehserienfolge nicht ganz abwegig. In vielen Fällen werden ja kein allzu tiefschürfenden Begebenheiten in den einzelnen Folgen einer Serie erzählt. Man denke, besonders wenn man den zweiten Teil der Definition beachtet, da nur an die ganzen Soaps und Ähnliches. Und selbst wenn man eine Tatortfolge als Episode bezeichnet, so ist doch der erzählte Fall im Leben des fiktiven Kommissar doch wohl meist auch nur eine Episode.

Zusammenfassend also auch hier kein Pseudodeutsch und erst recht kein neumodischer Anglizismus oder eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen.

Sommeranfang 2011

Aus aktuellem Anlass gibt es heute ein Gedicht von Joachim Ringelnatz:

Deutsche Sommernacht

Wenn die Pfirsichpopos
Sich im Sekt überschlagen.
Und der Teufel legt los,
Uns mit Mücken zu plagen.
Und wir füllen einmal reichlich bloß
Einem Armen Tasche und Magen.

Doch es blähn sich Männerbäuche.
Tabakblau hängt sich an Sträuche.
Wenn wir dann die Jacken ausziehn,
Und ein Bratenduft poussiert Jasmin – –

In das dunkle Umunsschweigen
Senden zwei entfernte Geigen
Schwesterliche Melodie.
Uns durchglüht ein Urgedanke.
Und es wechseln runde, schlanke
Frauenbeine Knie um Knie.

Und auf einmal lacht die Runde,
Weil ein Herr aus einem Hunde
Hinten einen Faden nimmt.
Wenn dann wirklich alles, alles lacht,
Dann ist jene seltne deutsche Nacht,
Da mal alles stimmt.

Mehr Texte zum Sommer auf der Themenseite bei Wikisource

Katzenorgel – Das Gedicht

Jowinix, der mich heute im Chat bei der Recherche zur Katzenorgel unterstützt hat, dichtete dann noch das ultimative Gedicht zur Katzenorgel (hier wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung des Autors):

Der Katzenorgelorganist beginnt am frühen Morgen
verschiedne Katzen-Stimmen für die Orgel zu besorgen.
Er packt sich eine Katze, tut sie in den Verschlag
sogleich gibt es Spektakel, weil die das garnicht mag.
Und während er sich müht, die Zweite einzufangen
gelingt es schon der Ersten ins Freie zu gelangen.
Er ist schon arg zerkratzt, gerät auch schon ins Schwitzen;
die Katzen in der Orgel bleiben da nicht lange sitzen.
So fängt er Katzen ein, die springen wieder raus,
der Tag neigt sich zum Ende und das Konzert fällt aus.

Schwüle Zeit

Gestern bin ich beim Korrigieren eines Textes auf Wikisource mal wieder über eine ungewohnte Formulierung gestolpert, die ich versuchen möchte zu erkunden. Konkret geht es um eine Stelle in dem geschichtswissenschaftlichen Aufsatz Untersuchungen zur Geschichte Wallenstein’s (1625-1629) von Moriz Richter:

Erschreckt durch diesen Anzug, traf Kurfürst Maximilian wieder die Anordnung, dass das Ligaheer zur eventuellen Verwendung gegen die kaiserliche Armee bereit zu halten sei; und Mainz schrieb an Baiern: nichts werde vielleicht helfen, als eine Verbindung der Liga, der Kurfürsten, sämmtlicher Kreisobersten zum Schutz der Reichsverfassung und zur Beschneidung der absoluten Gewalt des kaiserlichen Feldherrn.

In dieser schwülen Zeit besorgt sich Maximilian abermals Italienisch geschriebene Berichte über persönliche Verhältnisse und Absichten der kaiserlichen Regierung, besonders über Wallenstein’s Pläne und seine Stellung zum kaiserlichen Hof.

Es geht um die Formulierung „In dieser schwülen Zeit“. Bisher war mir das Wort schwül nur im Zusammenhang mit dem Wetter untergekommen bzw. solch ein Formulierung bezog sich darauf, dass in einer bestimmten Zeit das Wetter schwül ist, wie man an diesem Beispiel aus einer Reiseinformation sieht:

Ab dem Sommer beginnt die heisse und schwüle Zeit.

Also schauen wir erstmal, ob ein Wörterbuch weiterhilft, was das schwül mit Zeit zu tun haben könnte. Das Wiktionary sagt zur Bedeutung des Wortes folgendes, kennt aber auch nur die Bedeutung in Bezug auf das Wetter:

das Wetter und die Luft betreffend: unangenehm heiß und feucht

Also schauen wir weiter bei Grimm, die ja auch zeitlich etwas näher dran sind, ob es vll. eine ältere Bedeutung gibt, die so nicht mehr verwendet wird. Eigentlich kennt das Grimmsche Wörterbuch das Wort schwül auch nur für Wetter, gibt aber weiter an, dass

im eigentlichen hochd. gebiete ist schwul oder schwül nicht heimisch […],sondern eingeführt, meist nur im übertragenen sinne: es ist mir ganz schwul, mir ist heisz oder bänglich

Aha, da haben wir doch schon mal einen ersten Anhaltspunkt. Heiß könnte im übertragenen Sinne für unsere Formulierung passen, auch wenn man nicht so recht weiß, ob es das nun ist.

Also schauen wir weiter im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache nach und finden dort als dritte Bedeutung angegeben:

beängstigend, beklommen, spannungsgeladen

Ich denke, dass spannungsgeladen dem Sinn der Formulierung von Moriz Richter am nächsten kommt. Den fraglichen Satz könnte man also in modernes Deutsch übersetzen als:

In dieser spannungsgeladenen Zeit besorgt sich Maximilian ….

Böse Fremdwörter

Wenn man den folgenden Text in ein etwas moderneres Deutsch bringen würde, dann könnte der sicherlich auch mühelos im Feuilleton einer großen Zeitung oder bei den Aktioneuren der Aktion Lebendiges Deutsch stehen.

[…] weil sie ihre Muttersprach villeicht nit vollkommen verstehen / oder reden können / sich frembder Wörter behelffen; […] Aber die jenige welche auß Hoffart / und damit sie gesehen seyn möchten / einen Hauffen unteutsche Wörter einzumischen pflegen / welche weder sie selbsten noch andere die mit ihnen sprachen / verstehen / geschweige recht reden können / wollen wir den Sprachkündigen und Gelehrten […] zu gefallen im Land lassen / nicht allein selbst ihre Kurtzweil an ihnen zuhaben / wann sie so werckliche Wörter vorbringen / sonder auch sich in ihren Reden zu spieglen und wahrzunehmen wie närrisch es stehe / wann ein Teutscher mit Fleiß und ohn alle Noth frembd redet / da er die Sach in seiner aignen Muttersprach viel verständlicher und zierlicher Vorbringen könte.

Der Text stammt im übrigen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist eine Klage des bekannte Schriftstellers Hans Jakob von Grimmelshausen in Deß Weltberuffenen Simplicissimi Pralerey und Gepräng mit seinem Teutschen Michel, dass ich derzeit auf Wikisource mithelfe zu korrigieren.

P.S. Der Artikel ist dem von mir hochgeschätzten und immer mit Genuß gelesenen Bremer Sprachblog gewidmet. Die Widmung ist natürlich als Empfehlung gemeint, sich auch dort lesend umzutun ;-)

Hoch und teuer verpönter Frieden

"Häh?" werden sich viele beim Lesen der Überschrift vermutlich denken.  Oder auch: "der Finanzer spinnt jetzt wirklich". Aber sie ist ein wunderschönes kleines Beispiel für den Wandel der deutschen Sprache in den letzten Jahrhunderten. Das vollständige Zitat aus dem Prager Frieden von 1635 lautet:

auch hoch vnnd thewer verpönten Religion: vnnd ProphanFrieden

Da ich kein Sprachwissenschaftler bin, steht das folgende natürlich unter dem Vorbehalt der persönlichen Theoriefindung. Hier darf ich das aber zum Glück.

Das Wort verpönt wird heute meist in der Bedeutung auf Grund bestimmter Vorstellungen verachtet, für schlecht gehalten verwendet. Zumindest sagt dies das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts und mein Sprachgefühl sagt mir sowas ähnliches.

Im Wort verpönt steckt aber das heute völlig unbekannte Wort Pön. Das Deutsche Rechtswörterbuch gibt als Erklärung für dieses Wort:

wie bei lat. poena unspezifische Bez. für jede Art der Strafe oder Buße […], meist aber für eine Geldstrafe

Verpönt wird in unserem Vertrag, als das Wort Pön noch sehr häufig verwendet wurde, also schlicht im Sinne von unter Strafe stehen verwendet. Und nun wird auch klar wie etwas hoch und teuer verpönt sein kann. Das bedeutet einfach, dass eine hohe und teuere Strafe droht. Hier also natürlich nicht für den Frieden, sondern selbstverständlich für den Bruch desselben.

Und nachdem das Wort Pön außer Gebrauch kam, vergaß man offenbar auch den genauen Sinn des Wortes verpönt und es konnte den Wandel zur heutigen Bedeutung durchmachen, was die Wendung dann für heutige Leser etwas seltsam anmuten lässt.

Das ist aber nur ein Beispiel von vielen, auf die man beim Lesen, Abtippen und Korrigieren frühneuzeitlicher Texte stößt. So findet man bspw. viele doppelte Verneinungen die die Verneinung bekräftigen sollen und nicht wie man heute vermuten würde die Verneinung negieren. Die uns allen bekannte Formulierung samt und sonders hat einen heute unbekannten Partner sampt oder sonders, merkwürdige Sachen sind nicht unbedingt seltsam oder eigenartig, sondern nur würdig sie sich zu merken und vieles mehr.

Benutzerseiten bei Wikisource

Irgendwie scheint die Arbeit an den alten Texten auch auf die Nutzer bei Wikisource abzufärben. Mittlerweile gibt es schon zwei Nutzerseiten, die in einem etwas angestaubten Deutsch verfasst sind, aber witzig zu lesen sind und wo diese altertümliche Sprache dem Ganzen den gewissen Reiz verleiht. Viel Spaß beim Lesen und bei Verständnisproblemen einfach auf der Diskussionseite nachfragen.