Meilenstein bei der ADB

Der Einfachheit halber zitiere ich einfach mal die Jubelmeldung auf der Wikisource-Hauptseite:

Heute wurde ein enormer Meilenstein erreicht: Alle 26.380 Artikel der Allgemeinen Deutschen Biographie(„ADB“) sind mindestens einmal korrekturgelesen worden. Begonnen am 24.08.2005, hat es also 6 Jahre bis zu diesem Meilenstein gedauert. Momentan sind aber auch schon fast 5.000 Artikel im Bearbeitungsstand „fertig“, das heißt, sie sind

a) zweimal korrekturgelesen
b) sofern vorhanden, mit dem Wikipedia-Artikel verlinkt
c) intern innerhalb der ADB verlinkt
d) sofern zutreffend, mit einer PND-Nummer versehen.

     Hoffen wir mal, dass es nicht bis September 2017 dauert, bis dieses Projekt abgeschlossen wird.

Gratulation und ein großes Dankeschön an alle Beteiligten für die enorme Arbeit, die hier geleistet wurde.

Jowinix‘ Gedicht des Tages und die WTFPL

Nachdem Jowinix ja bereits ein [intlink id=“1056″ type=“post“]Gedicht über die Katzenorgel[/intlink] für diesen Blog beigesteuert hat, gibt es heute eines seiner neuesten Meisterwerke:

Die Zeiger drehen ihre Runde
und schleichen sich zur Geisterstunde
der Tag hat sich zum End geneigt
wenn kurz und lang nach oben zeigt

Autor: Jowinix
Datum:4. August 2011, ca. 23 Uhr 55 im Wikisource-Chat (Urlesung)
Lizenz: „mach was du willst“ (Do What The Fuck You Want To Public License) in unbestimmter Version

(via Wikisource-Nutzerseite von Itu)

Und da sieht man wieder mal, das auch abendliches chatten lehrreich sein, was es so alles an Freien Lizenz gibt.

Kinderbücher bei Wikisource

Enomil hat ein paar schön illustrierte Kinderbücher aus dem 19. Jahrhundert ausgegraben und heute bei Wikisource eingestellt (nein, nicht sowas pädagogisch zweifelhaftes wie den Struwwelpeter). Und die möchte ich hier kurz vorstellen:

Schneewittchen. Ein Märchen in zwölf Bildern. von Lothar Meggendorfer:

Was soll ich werden? Ein lehrreiches Bilderbuch. von Franz Bonn und Lothar Meggendorfer:

Der Ball der Tiere von Elise Bake:

Viel Spaß beim Lesen.

Das Mysterium FAL

Ich habe [intlink id=“1170″ type=“post“]mich vermutlich geirrt bzw. bin vermutlich der mangelhaften deutschen Übersetzung[/intlink] der License Art Libre aufgesessen. Eine Diskussion in Commons hat mir aber gezeigt, dass sich die Situation bei der FAL mittlerweilen etwas geändert hat.

Wie bereits gepostet steht in der deutschen Übersetzung, auf die ich mich verlassen habe, in §3 folgender Satz:

Alle Elemente dieses Werkes müssen frei bleiben ; aus diesem Grunde ist es Ihnen untersagt, die Originale in andere Werke einzufügen, welche der Lizenz nicht obliegen.

Allerdings bezieht sich diese Übersetzung auf die Version 1.1. Mittlerweile gibt es aber die Version 1.3, die in diesem Punkt ergänzt wurde. Und das hatte ich übersehen. In dieser Version wurde der §3 um folgenden §4 ergänzt (englische Übersetzung, wie gesagt eine deutsche Übersetzung der Version 1.3 existiert nicht):

Incorporating this work into a larger work that is not subject to the Free Art License shall not challenge the rights granted by this license.

If the work can no longer be accessed apart from the larger work in which it is incorporated, then incorporation shall only be allowed under the condition that the larger work is subject either to the Free Art License or a compatible license.

Eine grobe Übersetzung meinerseits:

Das Einfügen dieses Werkes in ein größeres Werk, dass nicht der Free Art License unterliegt, darf die Ausübung der mit dieser Lizenz erteilten Rechte nicht behindern.

Wenn  das Werk nicht mehr einzeln vom größeren Werk in das es eingefügt wurde, verwendet werden, dann ist das Einfügen nur erlaubt, wenn das größere Werk selbst der Free Art License oder einer kompatiblen Lizenz unterliegt.

Damit sieht die Situation natürlich wesentlich anders aus, als noch von mir beschrieben. Da zumindest innerhalb der Wikipedia auf ein Bild noch getrennt vom größeren Werk zugegriffen werden kann, ist also ein Einfügen von Bildern unter der FAL in Wikipedia-Artikel zulässig. Und da zumindest bei dem Bild, was von mir als Beispiel angegeben wurde, nur die Lizenz ohne Versionsnummer angegeben wurde, sollte auch die Verwendung außerhalb der Wikipedia keine größeren Probleme darstellen.

Vermutlich werden die entsprechenden Fotografen bei neuen Bilder explizit die Version  1.1 auswählen, die Lizenz lässt dies zu, was dann auch wieder die beschriebenen Nachnutzungsschwierigkeiten, auch in der Wikipedia, hervorrufen würde.

Terese für Korrekturlesen von OCR-Texten

Screenshot Terese

Gestern wurde auf der Wikisource-Mailingliste auf Terese aufmerksam gemacht. Das Programm ist wohl noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase (aktuelle Version 0.0.2) und steht unter der {de:GNU General Public License} und kann bei Sourceforge  heruntergeladen werden. Dort befindet sich auch eine ausführliche Installations- und Bedienungsanleitung.

Der Programmautor beschreibt das Programm folgendermaßen (Übersetzung von mir):

Terese is a tool which can be used to facilitate proofing the outcome of OCR programs, such as Tesseract. The basic idea is to try to map the OCR text to the original image. Differences, i.e. errors in the OCR text, are then easily identifiable.

(Deutsch: Terese ist ein Tool für Unterstützung beim Korrekturlesen der Ausgabe von OCR-Programmen, z.B. von Tesseract. Die grundlegende Idee dabei ist, den OCR-Text auf den  originalen Scan abzubilden. Unterschiede, z.B. Fehler im OCR-Text, sind somit leicht zu identifizieren.)

Ich habe Terese nicht ausprobiert, da ich Finereader benutze, wo die Funktionalität ja bereits eingebaut ist. Aber vll. kann ja jemand seine Erfahrungen mit Terese mitteilen.

Dank an die ULB Düsseldorf

Seit Anfang des Jahres gibt es auf Wikisource einen Account namens Ulbd digi. Dahinter verbergen sich offenbar eine oder mehrere Personen der Digitalen Sammlungen der Universitäts- und Landesbibliothek der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Mit Hilfe dieses Accounts werden seitdem fleißig die Digitalisate der ULBD auf den entsprechenden Autoren- und Themenseiten verlinkt und bereichern damit das Angebot von Wikisource. Da das nicht selbstverständlich ist, ganz im Gegenteil, wollte ich für diese Arbeit einfach mal Danke sagen.

Infobrief des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages über Wikipedia und Co.

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat Anfang Juli 2011 eine Analyse des ehrenamtlichen Engagements für frei verfügbares Wissen in Internet, insbesondere in Form der Wikipedia,  erstellt. Der Infobrief ist eine lesenswerte, allerdings nicht allzu tief schürfende, Lektüre. Offenbar gemeint als eine erste Einführung für nicht ganz so Wikimedia-affine Abgeordnete. Daran mitgearbeitet hat auch ein recht bekannter Wikipedianer, einfach mal bei den Autoren nachschauen.

Ein Zitat die unsere Volksvertreter hoffentlich zum Nachdenken anregt, von wegen Urheberrecht, Open Data, staatlichen Inhalten unter freien Lizenzen und Ahnlichem:

Derartige weltweite Wissensangebote stiften zweifellos einen großen gesellschaftlichen Nutzen. Es sind Angebote, die in dieser Art –Vielfalt, Tiefe und Weite – vielfach nicht kommerziell angeboten werden können. Es gibt sie dennoch. Sie tragen ganz offensichtlich maßgeblich zum Erfolg des Internets und zum Weltgemeinwohl bei.

Download (PDF): [download id=“19″]

[Via Avatar bei Google+]

Warum Bilder aus Commons in der Wikipedia nicht nutzbar sind

oder wie man mit freien Lizenzen Nachnutzung verhindert

Dieser Artikel ist zumindest teilweise fehlerhaft. Siehe deshalb auch meinen ergänzenden Artikel [intlink id=“1211″ type=“post“]Das Mysterium FAL[/intlink].

Die Überschrift mag erstmal merkwürdig klingen. Aber ich denke, dass bestimmte Bilder aus Commons zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia nicht nutzbar sind und damit nicht in Artikel eingebunden werden können.

Eigentlich wurde doch Commons genau dafür eingerichtet, um alle Wikimedia-Projekte mit Medien zu versorgen und eigentlich sollte man sich doch gerade bei Commons-Bildern keine Sorgen machen müssen. Und auf Commons werden doch nur Medien geduldet, die unter einer freien Lizenz stehen bzw. Gemeinfrei sind. So werde keine Bilder die unter Fair Use stehen und keine Logos geduldet, die zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia als problemlos eingestuft werden. Wo ist also das Problem? Das Problem ist eine bestimmte Kombination von freien und unfreien Lizenzen, was auf Commons möglich ist.

Zum Hintergrund:  In den letzten Tagen sind RaymondAchim und Gnu1742 auf einige Aspekte Freier Lizenzen eingegangen, u.a. die schwierige Nachnutzung, fehlende Lizensierung bei Nachnutzern und die Unmöglichkeit bestimmte Lizenzen in einigen Medien überhaupt verwenden zu können.

Achim schreibt zwar:

Viele Bilder sind allerdings de fakto für so ein Blog wie dieses oder für Printmedien gar nicht nutzbar, weil sie als Lizenz die GFDL-1.2-only angeben

übersieht aber meines Erachtens einen wichtigen Punkt. Je nach dem gewählten Lizenzen-Mix wird nicht nur die Nachnutzung in bestimmten Medien behindert, sondern es kann sogar soweit gehen, das bestimmte Bilder auch in der deutschsprachigen Wikipedia nicht genutzt werden können.

Schauen wir uns als Beispiel dieses Bild auf Commons vom Miniaturwunderland in Hamburg an. Warum ich das Bild hier nicht einbinde sollte im Lauf meiner Erörterungen klar werden. Dieses und eine ganze Reihe weiterer Bilder weist einen, sagen wir mal, interessanten Lizenz-Mix auf. Als erstes die {de:Lizenz Freie Kunst|Licence Art Libre } (deutsch: Lizenz freie Kunst), dann noch die GFDL 1.2 only und die CC-BY-NC-ND. Nach meiner Meinung ist ein Bild mit solch einem Lizenzmix in der deutschsprachigen Wikipedia, von einer Nachnutzung in der großen weiten Welt ganz zu schweigen, nicht verwendbar. Dafür muss man sich die einzelnen Lizenzen einzeln und im Zusammenspiel anschauen.

1. Die in Frankreich entstandene Licence Art Libre ist extrem viral. Sie verlangt in §3 des Lizenztextes folgendes:

3. Eingliederung des Werkes
Alle Elemente dieses Werkes müssen frei bleiben ; aus diesem Grunde ist es Ihnen untersagt, die Originale in andere Werke einzufügen, welche der Lizenz nicht obliegen.

Was mit dieser etwas kruden deutschen Übersetzung aus dem Französischen gemeint ist, wird sehr klar im {de:Lizenz Freie Kunst|Wikipedia-Artikel} erläutert:

Dazu [zu den Lizenzbedingungen] zählt, dass jedes größere Werk, das das lizenzierte Werk enthält, ebenfalls unter diese Lizenz gestellt werden muss.

Da ein Wikipedia-Artikel in den allermeisten Fällen als eigenes Werk anzusehen ist, folgt daraus, dass ein Artikel in der Wikipedia in dem dieses Bild eingebunden ist auch unter der Licence Art Libre stehen müsste, wenn nicht sogar die gesamte Wikipedia, was schlicht unmöglich ist. Wenn ein Bild nur unter dieser Lizenz steht, kann es wohl in keinem Wikimedia-Projekt vernünftig verwendet werden. Fazit: Unter der Licence Art Libre  nicht verwendbar in der deutschsprachigen Wikipedia.

Nachtrag zur FAL: Eventuell bin ich hier einer Missinterpretation aufgessen, da die deutsche Übersetzung auf der Webseite der FAL einen wichtigen Satz unterschlägt. Ich hab gerade eine Mail losgeschickt, mit der Bitte mir die folgende Passage aus dem französischen Original zu übersetzen. Vll. kann ja aber auch hier jemand helfen:

3. DROITS CONNEXES.
Les actes donnant lieu à des droits d’auteur ou des droits voisins ne doivent pas constituer un obstacle aux libertés conférées par cette licence.
C’est pourquoi, par exemple, les interprétations doivent être soumises à la même licence ou une licence compatible. De même, l’intégration de l’oeuvre à une base de données, une compilation ou une anthologie ne doit pas faire obstacle à la jouissance de l’oeuvre telle que définie par cette licence.

2. Dass die CC-BY-NC-ND, also keine Bearbeitungen erlaubt, keine kommerzielle Nutzung erlaubt, keine völlig freie Lizenz ist, sollte unstreitig sein. Da aber die Wikipedia in ihren {de:Wikipedia:Grundprinzipien|Grundprinzipien} unter dem Punkt Freie Inhalte verlangt, dass:

die Inhalte […] unter einer Lizenz stehen, die eine Weiternutzung unter der Bedingung der Autorennennung und der weiteren Verbreitung unter gleichen Bedingungen (Copyleft) erlaubt

ist eine Nutzung unter der CC-BY-NC-ND  nicht möglich, da diese Lizenz Einschränkungen besitzt, die mit der Definition freier Inhalte nicht kompatibel ist. Fazit:  Unter der CC-BY-NC-ND nicht verwendbar in der deutschsprachigen Wikipedia.

3. Die dritte der Lizenzen ist eine besondere Zierde der privaten Rechtsfortschreibung: Die GFDL 1.2 only. Eine Lizenz die es so gar nicht gibt, denn die GFDL kennt nur diese zwei Anwendungsfälle: „GFDL, eine bestimmte Version oder jede spätere“ und „GFDL, ohne bestimmte Version“. (siehe Abschnitt 10 „FUTURE REVISIONS OF THIS LICENSE“ des Lizenztextes). Im zweiten Fall darf sich der Nutzer eine beliebige Version für die Nutzung aussuchen. Das Festnageln auf eine bestimmte Version ist nicht vorgesehen. Ich sehe darin eine unzulässige Veränderung der Lizenz, was im Endeffekt zu einer ungültigen Lizenz führt.

Aber mir geht es gar nicht nur um die Diskussion rechtlicher Feinheiten, denn da werde ich sicherlich kein allgemeingültiges Urteil vorgeben können. Was meines Erachtens ebenso die Nutzung in der deutschsprachigen Wikipedia verhindert, ist ein {de:Wikipedia:Meinungsbilder/GFDL_1.2-only_für_Dateien|Meinungsbild vom Dezember 2008}. In diesem hat sich die Community eindeutig gegen die Nutzung der GFDL 1.2 only ausgesprochen. Warum es möglich sein sollte den Willen der Community über den kleinen Umweg über Commons eine lange Nase drehen zu können, will sich mir nicht erschließen. Konsequenterweise dürften solche Bilder in der deutschsprachigen Wikipedia nicht mehr eingebunden werden. Fazit: Unter der GFDL 1.2 nicht verwendbar in der deutschsprachigen Wikipedia, da keine gültige Lizenz und nicht in der deutschsprachigen Wikipedia erwünscht.

Es ist also gar nicht so schwer Bilder oder andere Medien auf Commons unter eine freie Lizenz zu stellen, ohne dass diese in der Wikipedia verwendbar wären. Vermutlich betrifft dies eine gehörige Menge an Bildern, die dennoch in die Artikel eingebunden werden. Bis vor kurzem bin ich ja auch davon ausgegangen, dass man alle Bilder aus Commons problemlos verwenden könnte. Dem ist offensichtlich nicht so.

Ich sehe nur eine Lösung des Problems, jedes Medium muss mindestens eine Lizenz haben, die es ermöglicht diese Medien in allen Wikimedia-Projekten problemlos einzusetzen, also kompatibel zur CC-BY-SA der Wikipedia ist. Andere freie Lizenzen, die nicht dazu kompatibel sind, dürfen nur zusätzlich vergeben werden. Unfreie, nicht völlig freie Lizenzen und irgendwelche Privatlizenzen sollten hingegen überhaupt nicht geduldet werden.

Der hier diskutierte Lizenz-Mix, es gibt sicherlich noch andere interessante Ideen in diese Richtung, ist in meinen Augen auch kein Versehen, sondern auf Grund der gewählten Lizenzen eindeutig Absicht. Es geht hier darum, für die Nachnutzung möglichst hohe Hürden aufzubauen, so dass eine sinnvolle Nutzung nicht mehr möglich ist. Die Inhalte sollen möglichst exklusiv für die Wikipedia sein, ohne dass Andere daran partizipieren können.

Für mich ist das eine Verhöhnung der Grundsätze Freier Inhalte. Dass dabei auch die Möglichkeit der Nutzung der Inhalte in der Wikipedia als Kollateralschaden auf der Strecke bleibt, mag sicherlich unbeabsichtigt sein, wird aber offenbar in Kauf genommen. Dass damit auch viele nützliche und sinnvolle Verwendungen verhindert werden, scheint sowieso vollkommen egal zu sein.

Episoden, Charaktere und Pseudodeutsch

Vor einigen Tagen entspann sich im Blog nebenan eine Diskussion rund um das Thema Populärkultur in der Wikipedia. In den Kommentaren äußerte AndreasP folgendes (Hervorhebung, wie auch bei allen folgenden Zitaten, von mir):

Ich persönlich hätte auch in en.wikipedia viel lieber einen guten Sammelartikel über Serien, der über die üblichen DVD-Veröffentlichungsdaten, Einschaltquoten und Trivia hinausgeht, und dann vielleicht noch einen Sammelartikel über die Figuren (pseudodeutsch: Charaktere) und je einen über alle Folgen (pseudodeutsch: Episoden) einer Staffel, anstatt mich durch hunderte, oft genug redundante Kurzartikel über einzelne Figuren und Folgen durchklicken zu müssen.

Den Inhalt seines Kommentars kann ich insgesamt sogar zustimmen, aber stutzig machte mich seine Kennzeichnung der Worte Charakter für eine Figur in einem Film oder einer Fernsehserie und Episode für eine Fernsehfolge als pseudodeutsch. Nach seiner Meinung gibt es diese Worte in diesen Bedeutungen nicht und seien nur schlechte Übersetzungen aus dem Englischen, also vermeintlich schlechte Anglizismen, und sollten deshalb auch nicht in diesen Bedeutungen in der Wikipedia verwendet werden, dafür gäbe es bessere. Auch seien diese Bedeutungen nicht im gedruckten Duden zu finden (zum Online-Duden siehe weiter unten).

Da ich aber irgendwie das Gefühl beide Worte in den inkriminierten Bedeutungen auch weit vor Wikipedia-Zeiten gelesen und gehört zu haben, habe ich mich einfach mal auf die Suche gemacht und bin fündig geworden.

Charakter

Kommen wir zuerst zum Wort Charakter in der Bedeutung einer Figur, Person, Rolle in einem Film, einem literarischen Wern oder ähnlichem. Schauen wir also zuerst mal in die etwas älteren Lexika und Wörterbücher, um zu schauen, ob dieses Wort in der beanstandeten Bedeutung bzw. einer naheliegenden nicht schon etwas länger in Gebrauch ist. Zuerst lesen wir im Zedler:

Character, Kennzeichen, Merckmahl; solche sind nichts anders als von denen Künstlern erdichtete Figuren, die etwas bedeuten.

Das Wort Charakter in einem Satz mit Figur die von Künstlern erschaffen wurden. So weit ist das von der heutigen Verwendung nicht weg. Grimms Wörterbuch kennt das Wort in der Bedeutung einer fiktiven Figur allerdings nicht.

Aber in einem Artikel in der Allgemeinen Deutschen Biografie über den Schriftsteller Heinrich Laube wird für die Darstellung seiner Werke selbstverständlich Charakter für die Figuren in einem seiner Romane verwendet:

„Die Poeten“ nannte sich dieser Roman, der erste Theil der Trilogie „Das junge Europa“. Er ist völlig der breiten Entwicklung der einzelnen Charaktere gewidmet, die Briefform des Ganzen muß als primitives [766] Hülfsmittel dienen, die Erlebnisse der Einzelnen werden dürftig mit einander verflochten, die Einheit wird nur erzielt durch den Mittelpunkt jenes Schlosses, dem sie Alle zustreben; eine sicher arbeitende Hand bewies L. bereits in der Skizzirung derCharaktere, bei denen unter der Perspective einer Trilogie die Möglichkeit einer Entwicklung sorgsam vorgesehen ist, und der Roman schließt einheitlich damit, daß gewissermaßen jeder einzelne Charakterad absurdum geführt wird, einen völligen Wandel durchmacht und ganz neue Sphären sich öffnen müssen.

Auch sonst wurde im 19. Jahrhundert das Wort im Sinne von Figur oder Rolle verwendet. Das Werk „Ueber den Charakter Richard’s III. bei Shakespeare“ ist ein schönes Beispiel dafür. Und dass nicht der Charakter der Figur Richards III. gemeint ist, sondern die Figur selbst zeigt diese Seite. Ein Beispiel:

Mannichfaltigkeit der Charaktere! — Es ist wahr, wer den Versuch macht, alle Gestalten, die dieser Geist geboren, aufzurufen und vor sich zu versammeln — er vermag sie kaum zu überschauen, so erweitert sich vor seinen Blicken der Horizont und scheint sich in’s Unendliche zu verlieren.

Moderne Verwendungen, auch in Fachliteratur, liefert Google Books haufenweise. Einige wenige Beispiele:

Mode im Film: zur Kulturanthropologie zweier Medien – Seite 301 (Populärwissenschaftliches Werk von Daniel Devoucoux, Historiker, (frz.) Germanist und Skandinavist, lehrt an der Uni Dortmund)

In einer Kultur der dauernden Veränderung liefert der Film, vor allem der Un- terhaltungsfilm, noch relativ stabile Bilder, in denen die Welt klar geordnet erscheint und wo jeder Charakter klar gekennzeichnet und zu erkennen ist.

Contemporary costume design: Dress Codes und weibliche Stereotype … – Seite 15 (Dissertation)

 Obwohl generell alle Charaktere im Film unabhängig von ihrem Geschlecht „kostümiert“ sind, schreibt Jane Gaines speziell den weiblichen Kostümen eine prominentere Indikatorrolle zu.

„Man wird halt wieder Lieschen Müller.“- Der Weg deutschsprachiger … – Seite 44 (Magisterarbeit)

Das Rollenspektrum und seine Ausprägungen im Film waren so klar strukturiert, daß ein ambivalent gespielter Charakter den Zuschauer verunsicherte, wenn dieser am Ende des Films feststellte, daß sein Sympathieträger der Bösewicht war.

Und viele weitere Fundstellen mehr.

Und zum Schluss klappern wir noch die etwas jüngeren Wörterbücher ab:

Wiktionary führt auf [4] Theater: Rolle, die einen besonders ausgeprägten Charakter [2] aufweist. Duden.de kennt diese Bedeutung nicht. Das Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache auch nicht. Hingegen findet sich im Pons die Bedeutung: 3. LIT (Figur). Auch das Wortschatz-Portal der Uni Leipzig führt als signifikante Konkurrenz und als Bedeutungsgruppe Figur auf.

Bei den Wörterbüchern ist das sicherlich ein etwas uneinheitliches Bild, aber nicht so, dass man behaupten könnte diese Bedeutung sei nun etwas völlig ungewöhnliches.

Insgesamt bleibt zu konstatieren, dass die hier untersuchte Bedeutung des Wortes Charakter in der deutschen Sprache bereits seit mindestens 250 Jahren etabliert ist und seitdem regelmäßig verwendet wird. Es mag sein, dass die Verwendung in letzter Zeit durch den Einfluss der amerikanischen und japanischen Popkultur (Computerspiele, Film, Fernsehen und Manga) wieder zugenommen hat, aber deshalb ist dies noch lange kein Pseudodeutsch und auch kein schlecht übersetztes Englisch.

Episode

Beim zweiten Wort Episode als Synonym für Serienfolge im Fernsehen oder in ähnlichen Medien, ist aus meiner Sicht ein Blick in das Spiegel-Archiv völlig ausreichend (Disclaimer: Der Spiegel-Verlag ist mein Arbeitgeber und Teile der Archivfunktion sind von mir programmiert worden. Deshalb weiß ich auch, dass man da vernünftig drin suchen kann ;-). Ich hatte auch ebenfalls versucht das Archiv des gedruckten Stern und der gedruckten  Zeit zu durchsuchen, was mir aber mangels angebotener Funktionalität nicht gelang (mag auch sein, dass ich einfach zu blöd bin die entsprechenden Funktionen zu finden).

Hier nur die frühesten Treffer aus dem Spiegel für den Suchterm „episode fernsehen“. Viele weitere lassen sich mühelos finden:

Der Spiegel 46/1972: Das Prinzip Unheil:

Deshalb ist das Grundprinzip aller Seifen-Opern zutiefst pessimistisch. Es kommt immer noch schlimmer, bevor es besser werden kann, und die als Möglichkeit stets vorhandene glückliche Lösung wird Tag für Tag weiter in eine unbestimmte Zukunft hinausgeschoben. Jede Tagesepisode — am Montag dieser Woche beispielsweise die 5499. von „As the world turns“ — endet mit einer dunklen Prophezeiung weiteren Unglücks.

Der Spiegel 45/1972: Zyniker auf der Hundehütte:

Charlie Brown und seine Freunde sind da: Letzten Sonntag sendete das ZDF die erste Episode einer siebenteiligen „Peanuts“-Serie.

Der Spiegel 51/1970: Gute Partner:

Die ARD bestellt für ihr „vorabendliches Unterhaltungsprogramm“ jährlich 330 dieser verlogenen Sendungen bei in- und ausländischen Filmgesellschaften. Eine Auswahlkommission der sieben Regional-Programme vergibt die Aufträge und entscheidet, welche Episode — Stückpreis bis zu 150 000 Mark — ausgestrahlt wird.

Der Spiegel 18/1970: Wacht auf:

Zum Beginn einer geplanten Kuba-Serie präsentiert es den besten und längsten (160 Minuten) Spielfilm der Castro-Ära: „Lucia“ von Humberto Solás, 27 (Montag, 27. April, 21 Uhr). Das Drei-Episoden-Werk ist ein Lehrstück über kubanische Geschichte und die Freuden der gewonnenen Revolution

Und hier der früheste Treffer. Bei etwas abgewandeltem Suchterm fänden sich vielleicht auch frühere Belege für die Verwendung von Episode im Sinne einer Serienfolge, was aber am End-Ergebnis nicht viel ändern würde.

Der Spiegel 34/1969: Sprint nicht an:

Der Intendant, die bereits vollendete und vom Rundfunkrat genehmigte „Bergmann“-Episode „Der Autokauf“ belegt es, hat nicht übertrieben

Wie man also sieht ist das Wort Episode in dieser Verwendung schon seit mehr als 40 Jahren normaler Bestandteil der deutschen Sprache. Vielleicht nicht ganz so häufig, das habe ich nicht geprüft, wie das Wort Folge, aber dennoch so häufig verwendet, dass es mühelos als Bestandteil des deutschen Wortschatzes betrachtet werden kann.

Außerdem verstehe ich nicht was an diesem Wort in Zusammenhang mit einer Fernsehserie falsch sein soll. Zwar definiert auch der Online-Duden das Wort in Bedeutung 4 als einzelne Folge einer Fernsheserie, aber zuallerst als

flüchtiges Ereignis innerhalb eines größeren Geschehens; unbedeutende, belanglose Begebenheit 

Aber selbst wenn man nur diese Definition hinzuziehen würde, dann ist die Verwendung für die Bezeichnung einer Fernsehserienfolge nicht ganz abwegig. In vielen Fällen werden ja kein allzu tiefschürfenden Begebenheiten in den einzelnen Folgen einer Serie erzählt. Man denke, besonders wenn man den zweiten Teil der Definition beachtet, da nur an die ganzen Soaps und Ähnliches. Und selbst wenn man eine Tatortfolge als Episode bezeichnet, so ist doch der erzählte Fall im Leben des fiktiven Kommissar doch wohl meist auch nur eine Episode.

Zusammenfassend also auch hier kein Pseudodeutsch und erst recht kein neumodischer Anglizismus oder eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen.

Infobroschüre für Wikisource in Vorbereitung

Heute hat Michael Jahn von Wikimedia Deutschland einen ersten Grobentwurf zur geplanten Infobroschüre für Wikisource vorgestellt. Wer mag, kann auf einer seiner Benutzerseite bei Wikisource in den Entwurf reinschauen und vielleicht Verbesserungsvorschläge und Hinweise auf der Diskussionsseite hinterlassen.

Solche Infobroschüren gibt es bereits für die Wikipedia, Wikimedia Commons und Wikiversity.

22.000 Werke bei Wikisource

Nach langer Zeit mal wieder eine Wasserstandsmeldung zu den Inhalten bei Wikisource. Wie in der Überschrift schon erkenntlich wurde heute die Marke von 22.000 Werken im deutschsprachigen Wikisource-Projekt geknackt. Und die Nr. 22.000 trägt: Ein kurtzweilig lesen von Dyl Vlenspiegel gebore vß dem land zu Brunßwick : wie er sein Leben vollbracht hatt ; XCVI seiner Geschichten. Wie der Name schon erahnen lässt, ist dies eine Ausgabe der Geschichten des Till Eulenspiegels aus dem Jahre 1515. Der Text ist noch in der Erstellung deshalb ist derzeit noch nicht soviel zu lesen.

Wir waren schon mal bei über 23.000 Werken, aber Ende letzten Jahres wurden korrekterweise rund 3.000 Lexikonartikel aus der Zählung herausgenommen.

Wie sich die Zahl auf die verschiedenen Werkarten und -gattungen momentan und in der Vergangenheit aufteilt, kann man der seit einiger Zeit gut gepflegten Wikisource-Statistikseite entnehmen. Ende 2008 wurde die Grenze von 10.000 Werken überschritten und im April 2010 waren es 20.000 Werke. Das folgende Diagramm zeigt den Verlauf seit Beginn der statistischen Erhebungen.

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Wikipedia Projekt Hamburgische Bürgerschaft – Die dritte

Auf Commons trudeln mittlerweile die ersten Bilder ein. Alle Bilder zu dem Projekt egal ob Abgeordnete, zum Gebäude oder zum Making-of finden sich in der Commons-Kategorie: Projekt Hamburgische Bürgerschaft.

Wikipedia Projekt Hamburgische Bürgerschaft – Tag 2

[nggtags gallery=PHB2 template=caption]

Eigentlich wollte ich ja heute etwas länger schlafen, nachdem ich in der letzten Nacht mehr Zeit am Rechner verbracht habe, um den [intlink id=“1091″ type=“post“]ersten Teil meines kleinen Erlebnisberichtes[/intlink] fertigzustellen, was durch diverse technische Probleme doch arg verzögert wurde. Leider wurde dieses Vorhaben durch die recht lautstarken Sanierungsarbeiten am Dach des Hotels zur Reichskrone (Achtung arg angestaubter Insiderwitz!) zunichte (schreibt man das so?) gemacht.

Also dann etwas früher aufstehen als geplant, den gestrigen Artikel noch etwas tunen und auf zur Bürgerschaft. Auf dem Rathausmarkte begegnete mir dann erstmal eine hingrige und bettelnde Graugans die sich aus der nur wenige Meter entfernten {de:Kleine Alster|Kleinen Alster} aufmachte leichtere Futterquellen aufzutun, als auf fütternde Touristen zu warten. Diese musste erst mal, zwar etwas unscharf, fotografisch festgehalten werden und dient nun als Eröffnungsbild dieses Blogbeitrages.

Der fotografische Ablauf war im Prinzip wie gestern, gegen 14:30 Uhr trudeldeten die ersten Abgeordneten in der Bürgerschaft und auch in unserem „Fotoatelier“ ein. Um Punkt 15 Uhr wurde die Sitzung durch die Präsidentin der Bürgerschaft mit Hinweis eröffnet, dass vor dem Plenarsaal nun auch ein Wasserspender bereitstünde und man doch bitte die gebrauchten Becher in die entsprechenden Behälter entsorgen möge.

Im Laufe der Sitzung kamen dann doch recht viele Abgeordnetet, so dass es gelegentlich zu kürzeren Wartezeiten kam. Einige nahmen das eher stoisch hin und waren auch auflockernden Fragen und Bemerkungen nicht wirklich zugetan, andere, meist weibliche Abgeordnete, erfüllten den kleinen Raum mit fröhlichem Lachen. Um die noch fehhlenden Abgeordneten dazu zu bewegen sich noch für die Wikipedia ablichten zu lassen, wurden  verschiedene Taktiken angewendet. Olaf rief beispielsweise die jeweiligen Fraktionsgeschäftsführe an, um sie zu bitten die noch fehlenden Abgeordneten zu uns zu schicken. Abgeordneten die sich fotografieren lassen hatten wurden gebeten ihre Sitznachbarn, die noch nicht bei uns waren anzusprechen. Das ging in einem Fall gründlich daneben. Auf diese Bitte hin antwortete ein Abgeordneter sinngemäß: „Das kann ich nicht machen, der mag mich nicht. Den habe ich vor kurzem aufgefordert zurückzutreten.“ Nun gut, aber ihren Fraktionskollegen vor Ihnen, den könnten Sie doch vielleicht ansprechen. „Nein das geht leider auch nicht. Dem hab ich letztens eine Abmahnung geschickt. Sie müssen wissen ich bin Anwalt.“

Leider konnten wir rund 30 Abgeordnete nicht fotografieren und von den Mitgliedern des Senats war auch niemand bei uns. Einige entschuldigten sich sogar noch, nachdem wir bereits abgebaut hatten, dass leider sehr wenig Zeit gewesen wäre. Das bestätigte dann auch unseren allgemeinen Eindruck, dass man in solch einem Feierabendparlament anders planen und vorgehen muss, als in einem Parlament dessen Abgeordnete diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben. Auch heute kam es deshalb nur zu sehr wenigen inhaltlichen Gesprächen, aber die waren sehr gut und können erste Kontakte in die Hamburgische Bürgerschaft sein.

Fazit der zwei Tage: Für mich als Wikipedia gab hochinteressante Einblicke in die Arbeitsweise der Bürgerschaft und vieler andere Beteiligter drumherum. Es hat viel Spaß gemacht und die Wikipedia wird durch viele Bilder und Verbesserungen an Artikeln bereichert. Bei weiteren Projekten in Landtagen und Bürgerschaften hier im Norden, und die sind ja geplant, zB wird ja Anfang 2012 in Schleswig-Holstein gewählt, bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

Die heutigen Bilder sind eine kleine Ergänzung zu meinen gestrigen Bilder, und zeigen auch in einigen Bildern das Making-of dieses tollen Projektes.

Wikipedia Projekt Hamburgische Bürgerschaft – Tag 1

[nggtags gallery=PHB1 template=caption]

In Nachfolge der beiden Landtagsprojekte in Hannover und Erfurt, gab es heute die dritte Auflage, diesmal in der Hamburgischen Bürgerschaft. Angetreten waren rund 10 Wikipedianer und einige Angestellte von Wikimedia Deutschland um die Abgeordneten zu fotografieren und mit Informationen rund um die Wikipedia zu versorgen.

Ankunft 12 Uhr im Hamburger Rathaus, das einerseits die Bürgerschaft und andererseits den Senat beheimat. Das Rathaus ist also gemeinsames Parlaments- und Regierungsgebäude von Hamburg. Nach dem Empfang des Besucherausweises, der uns berechtigte alle Bereiche innerhalb der Bürgerschaft zu betreten, sogar den Plenarsaal während der Sitzung, ging es erstmal an den Aufbau der Blitzanlage, wobei sich meine Mitarbeit im Hochtragen des Kastens erschöpfte. Untergebracht waren wir in zwei recht kleinen Räumen, die normalerweise von Journalisten für ihre Arbeit genutzt werden. An der Eingangstür prangte auch groß der Schriftzug „Nur für Rathaus-Korrespondenten“. In gewisser Weise waren wir das ja auch. Es war also noch genug Zeit, um sich in den noch leeren Räumen der Bürgerschaft umzusehen und Bilder zu machen (siehe Galerie unten).

Gegen 14 Uhr trudelten die ersten Abgeordneten ein und die ersten Abgeordneten wollten noch vor der Sitzung fotografiert werden. Der Beginn der Sitzung war für 15 Uhr angesetzt. Nun mögen sich einige fragen, warum dieser ungewöhnliche Beginn einer Parlamentssitzung. Aus dem Bundestag kennt man das doch etwas anderes. Im Gegensatz zum Bundestag und zu anderen Landesparlamenten erfolgte die Ausübung der Abgeordnetentätigkeit bis zur Bürgerschaftswahl 1997 als Ehrenamt. Dennoch wird die Bürgerschaft noch gelegentlich als Feierabendparlament bezeichnet, da das Bürgerschaftsmandat seitdem als nebenamtliche Tätigkeit gilt, die die Ausübung eines anderen Berufes nicht ausschließt. Und da wohl die meisten Abgeordneten noch einer anderen beruflichen Tätigkeit nachgehen, wurde und wird der Beginn der Sitzungen auf den Nachmittag gelegt und die Bürgerschaft tagt dann bis in den frühen Abend, heute bis kurz nach 21 Uhr. Das späte Ende dürfte auch der Grund gewesen sein, dass sich nach Schliessung der Sitzung die Bürgerschaft quasi schlagartig leerte.

Bis zum Ende der Sitzung konnten knapp die Hälfte der Abgeordneten fotografiert werden, wobei vertiefende Gespräche zu unseren Anliegen und dazu wer wir sind und warum wir das machen leider Mangelware blieben. Die meisten Abgeordneten erschienen kurz und verschwanden wieder, weil beispielsweise die nächste Abstimmung anstand. Auch dies dürfte u.a. dem ungewöhnlichen Charakter der Hamburgischen Bürgschaft geschuldet sein. Aber der Geschäftsführer einer der kleineren Fraktionen erkundigte sich mehrfach, wie denn der Stand bei den Fotografien seiner Schäfchen sei und brachte nachdem sich noch keiner „seiner“ Abgeordneten bei uns eingefunden hatte, mehrfach Abgeordnete seiner Fraktion persönlich zu uns. Erste Ergebnisse gibt es auf der Projektseite in der Wikipedia und auf Commons.

Ansonsten geht es in den Räumen und Gängen der Bürgerschaft fast familiär und kuschlig zu. Das Rathaus wurde im Jahr 1886 gebaut und seitdem kaum an die Bedürfnisse eines modernen Parlaments angepasst. So stehen die Journalisten mit ihren Foto- und Video-Kameras neben und hinter den Abgeordneten im Plenarsaal. Die Ausstattung insgesamt ist recht antiquiert und Besucher und Journalisten müssen doch mit recht spartanischen Plätzen vorlieb nehmen.

Ein kleinen Eindruck von der Bürgerschaft und dem heutigen Projekt bieten die obigen Bilder. Wenn notwendig werde ich noch einige der Bilder auf Commons hochladen. Da aber viele gute Fotografen mit einer wesentlich besseren Ausrüstung ebenfalls in Hamburg sind dürfte dies kaum notwendig sein.

Sommeranfang 2011

Aus aktuellem Anlass gibt es heute ein Gedicht von Joachim Ringelnatz:

Deutsche Sommernacht

Wenn die Pfirsichpopos
Sich im Sekt überschlagen.
Und der Teufel legt los,
Uns mit Mücken zu plagen.
Und wir füllen einmal reichlich bloß
Einem Armen Tasche und Magen.

Doch es blähn sich Männerbäuche.
Tabakblau hängt sich an Sträuche.
Wenn wir dann die Jacken ausziehn,
Und ein Bratenduft poussiert Jasmin – –

In das dunkle Umunsschweigen
Senden zwei entfernte Geigen
Schwesterliche Melodie.
Uns durchglüht ein Urgedanke.
Und es wechseln runde, schlanke
Frauenbeine Knie um Knie.

Und auf einmal lacht die Runde,
Weil ein Herr aus einem Hunde
Hinten einen Faden nimmt.
Wenn dann wirklich alles, alles lacht,
Dann ist jene seltne deutsche Nacht,
Da mal alles stimmt.

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Katzenorgel – Das Gedicht

Jowinix, der mich heute im Chat bei der Recherche zur Katzenorgel unterstützt hat, dichtete dann noch das ultimative Gedicht zur Katzenorgel (hier wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung des Autors):

Der Katzenorgelorganist beginnt am frühen Morgen
verschiedne Katzen-Stimmen für die Orgel zu besorgen.
Er packt sich eine Katze, tut sie in den Verschlag
sogleich gibt es Spektakel, weil die das garnicht mag.
Und während er sich müht, die Zweite einzufangen
gelingt es schon der Ersten ins Freie zu gelangen.
Er ist schon arg zerkratzt, gerät auch schon ins Schwitzen;
die Katzen in der Orgel bleiben da nicht lange sitzen.
So fängt er Katzen ein, die springen wieder raus,
der Tag neigt sich zum Ende und das Konzert fällt aus.