Das Blog in der Nachbarschaft

Seit gestern ist das Blog des Vereins online gegangen. Sinn und Zweck der Aktion ist es häufiger und genauer über die Arbeit des Vereins im Allgemeinen und des Vorstandes im Speziellen zu berichten. Ich werde also in Zukunft nicht nur spinnen, sondern auch seriös in der Nachbarschaft bloggen.

Natürlich wird mein kleines privates Blog weiterhin mit seinem Schwerpunkt Wikisource existieren und mit Beiträgen versorgt. 

RTL und die Wikipedia

Wie berichtet war ja heute ein Reporter von RTL bei mir, um mich zum Stern-Artikel zu befragen. Davon übrig geblieben im Beitrag im Nachtjournal sind eine Nahaufnahme meines Gesichtes (Ich habe mich erst gar nicht erkannt. Man sieht sich halt selten von der Seite.) und meiner Nutzerseite. Ob meine Aussagen wirklich sendefähig waren weiß ich nicht, aber offenbar war die Aussage einer unbekannten Studenten, dass jemand einen Fake einstellte, der immer noch in der WP schlummert, wichtiger.

Immer wieder verwunderlich, dass den Medien nicht wirklich was Neues einfällt. Aber alle halbe Jahre kann man wohl aus welchem Anlass auch immer, die selbe alte Suppe neu aufwärmen. Und dass sie dem Herrn Güntheroth vom Stern den falschen Namen verpasst haben, passt da ganz gut ins Bild. Insgesamt gesehen aber einer der besseren Fernsehbeiträge über unser kleines Hobbyprojekt.

Nun gut, da YoutTube mit dem Mitschnitt meines MediaCenters nicht zurechtkam, musste ich auf das Original (hier MSN Video) zurückgreifen. Nachdem MSN Video auch nur Gekrissel hinbekommen hat (Da hofft man, dass MS wenigstens zu sich selbst kompatibel ist, aber nix ist. Aber immerhin haben sie Gekrissel hinbekommen. YouTube hat die Waffen ganz gestreckt), hier nun das ganze nach Konvertierung in MPG in ansehbarer Qualität:

 
PS: Nach einer schöpferischen Pause, der königlichen Muse sei Dank, werde ich in Zukunft diesen Blog (und auch den in der Nachbarschaft, Infos folgen) wieder regelmäßig mit Beiträgen versorgen.

Sternlein prangen

Nu wissen es ja mittlerweile fast alle, dass der Stern morgen eine Titelstory über die Wikipedia bringen wird. Über den Inhalt des Artikels hat avatar schon ausführlich berichtet, so dass ich mir das hier sparen kann.

Vor einigen Wochen war ja der Reporter vom Stern bei mir und hatte mir ein paar Fragen über die Wikipedia, die Gründe warum Leute dort mitarbeiten, was Administratoren für eine Rolle spielen und über einige weiter Themen gestellt. Auch wenn ich nicht direkt im Text auftauche, wurden ein paar neckische Fotos von mir im Magdeburger Dom gemacht. Es war allerdings eine Scheiß-Idee bei 4 Grad Außentemperatur in einem Dom ein Fotoshooting zu veranstalten. Zum Glück sieht man mein Zittern auf den Bildern aber nicht. Und gerade eben ist RTL bei mir aus der Wohnung marschiert, die mich zu dem Artikel interviewt haben, ohne allerdings genau zu wissen, was drinne steht. Das Interview oder besser gesagt der übliche 10-Sekunden-Schnipsel soll heute im Nachtjournal gesendet werden. Ich werde drüber berichten.

Update (9. Dezember):

Für alle, die den Artikel noch nicht gelesen haben, hier das Ganze als PDF: Stern-Artikel (2,5 MB).

Der Correspondent in Südafrika

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Frank befindet sich derzeit als offizieller Vertreter der Foundation in Johannesburg zur dortigen ersten Wikipedia Academy. Er berichtet darüber auch in seinem Blog: Abreise und Ankunft in Südafrika. Da er eine Videokamera mit dabei hat werden hoffentlich in Kürze auch die ersten visuellen Eindrücke auf YouTube zu sehen sein.

Update 10. November 2007: Wikipedia Academy

Update 11. November 2007: Afrikaans-Wikipedia

Neue Spendenseite bei wikimedia.de

Heute haben wir eine neue, wesentlich ansprechendere, Spendenseite auf der Homepage des Vereins online gestellt. Die Alte war auch wirklich nicht wirklich nett. Nun wird nicht einfach nur Geld eingesammelt, sondern dem potentiellen Spender werden Beispiele geboten wie sein Geld verwendet wird und in der Vergangenheit die Spenden verwendet wurden. Den meisten dürfte z.B. kaum bewusst sein, dass der Verein 2006 74.000 Euro in Server investiert hat, um die Wikimedia Foundation zu unterstützen. Auch sind die Tätigkeits- und Finanzberichte der letzten Jahre verlinkt.

Wer mag kann in sein Blog, Webseite, was auch immer, obiges formschöne und ansprechend gestaltete Banner ;-) einbauen. Es ist in drei Größen auf Commons zu finden:

http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Jetztspenden-200x120.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Jetztspenden-160x96.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Jetztspenden-100x60.jpg

 

Update (23.10.2007):

Soeben wurde auch die alljährliche Spendenkampagne der Foundation gestartet. Als Tenor der Kampagne steht der Gedanke freies Wissen überall in der Welt zur Verfügung zu stellen. Dafür wurde auch ein Promotion-Video mit Jimbo Wales produziert:

[display_podcast]

 

Update (23.10.2007):

Mittlerweile ist der formschöne Werbebanner auch in den deutschsprachigen Projekten eingeschaltet worden. Ich weiß nicht, ob die da überm Teich ein anderes Farbenverständnis haben, aber schweinchenrosa würde mich nicht gerade zum Spenden animieren.

Bisher unbekannter Druck bei Wikisource

Wie sich vor einigen Tagen herausstellte, beherbergt Wikisource einen bisher unbekannten Druck der Hundert Grab-Schrifften von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, einem berühmten Dichter des 17. Jahrhunderts aus Breslau.

Wie kam es zu diesem Fund? Felistoria hatte vor einiger Weile den Artikel zu diesem Dichter in der Wikipedia überarbeitet und wusste, dass in der historischen Bibliothek des Gymnasiums in dem sie arbeitet, ein Druck dieses Dichters mit diesen Grabschriften schlummerte. Da sie gelegentlich auch mal bei Wikisource vorbeischaut, scannte sie eben nicht nur das Titelblatt für den Artikel, sondern gleich das 24seitige Heftchen. Eine Weile lungerten die Scans etwas unbeachtet auf Commons, da schlicht vergessen wurde sie zu transkribieren. Bis nun aus einem anderen Anlaß die Sprache wieder auf diese Scans kam. Da 24 Seiten schnell gemacht sind, wurde also zügig das kleine Projekt in Angriff genommen und die Seiten transkribiert. Und Felistoria füllte entsprechend der Angaben im Bibliothekskatalog die Textdaten für den Druck aus. Darunter auch den Druckort Breslau. Das Problem ist nur: auf dem Druck ist kein Druckort angegeben, was natürlich zu Nachfragen seitens anderer Wikisourcler führte, wie sie denn auf Breslau käme.

Die Recherche von Felistoria in diversen Onlinekatalogen wie VD17, KVK etc. ergab, dass dieser Druck mit der Jahreszahl 1662 nirgend verzeichnet ist. Mmh, handelte es sich gar nicht um einen Druck von Hoffmannswaldau? Immerhin ist auf dem Druck auch kein Autor angegeben. War es vielleicht ein Nachdruck oder sogar ein Nachahmer? Eine Nachfrage bei Gerhard Dünnhaupt, der die bislang einzige kommentierte Bibliographie zur deutschen Barock-Literatur verfasste und im übrigen auch in der Wikipedia als Autor aktiv ist, ergab aber, dass es sich tatsächlich um den Text von Hoffmanswaldau handelt, der Dünnhaupt bisher nur in vier anderen Drucken vorlag. Es ist aber der einzige Druck mit der Jahreszahl 1662. Es ist nach ihm nicht auszuschließen, dass es sich hier um den Erstdruck dieses kleinen Werkes handelt. Das muss aber die weitere Forschung ergeben.

Wie der Druck in den Besitz der Gymnasialbibliothek gekommen ist, ist in der kleinen Einleitung des Textes bei Wikisource erläutert. Sicherlich ist der Fund keine große wissenschaftliche Sensation, aber eine wunderschöne kleine Perle für Wikisource. Und vielleicht findet sich ja auch mal ein Student der über diesen Druck eine Arbeit schreiben möchte und bestätigen oder widerlegen kann, dass es sich bei diesem Druck um den Breslauer Erstdruck der Hundert Grab-Schrifften handelt oder eben nicht.

Launch bei zeno.org

Leicht verspätet (die Party war am Samstag, dem 29. September), aber noch nicht outdated kommt hier noch eine kleine Impression von der Zeno.org-Launch-Party. Achim Raschka hat mich eingeladen, dort dem Countdown zum offiziellen Start des Projekts im Netz beizuwohnen. Wellen geschlagen hat das Ereignis zum Beispiel im Heise-Newsticker.

Anwesend waren Verlagsangehörige und deren Bekannte, geladene Gäste aus der Berliner Verlagsszene (mein Onkel mit seinem Weltbühne-Digitalisierungsprojekt war zufällig auch da; die Welt ist klein!), und natürlich: Wikipedianer. Der Abend war also prädestiniert für einen Austausch der Erfahrungen. Im Gespräch mit den Geschäftsführer Erwin Jurschitza wurde mir wieder einmal bewusst, dass die Formatierung mit MediaWiki mindestens problematisch, eigentlich aber stümperhaft ist. XML-Standards bieten weitaus diffizilere Mittel der Textauszeichnung.

Zeno.org [spricht: zeno dot org] stellt wie Wikisource Volltexte gemeinfreier Literatur bereit, meist mit Scans. Aber diese Arbeit wird nicht von Freiwilligen geleistet, sondern von Dienstleistern. Dadurch kann Zeno.org viel größere Mengen wesentlich schneller bearbeiten. Dass die Qualität bei Wikisource immer noch höher ist, und dass Dienstleister bei Sütterlinschrift oder gotischen Minuskeln versagen, muss ich hier nicht erwähnen :). Ein besonders löblicher Ansatz: Die Digitalisate bei Zeno.org sind gemeinfrei und bleiben es auch.

Zeno.org möchte nach dem Vorbild ihres Namenspatrons Zenodot von Ephesos die größte Bibliothek im Internet aufbauen. Dieses Vorhaben ist schon der wesentliche Grund, warum Zeno.org kein Rivale für Wikisource ist. Konkurrenz im wörtlichen Sinne eines Mit-Läufer-tums (lat. con-currere „mit-laufen“) ist es trotzdem, aber ein Neben-Laufen, kein Gegen-Laufen. Schließlich will Wikisource lediglich ausgewählte Texte in besonders hoher Qualität anbieten.

Eine Kooperation zwischen den Projekten wäre sehr wünschenswert. Immerhin verlinkt Wikisource bereits den großen Fundus von Zeno.org auf zahlreichen Autoren-, Text- und Projektseiten.

Am Rande sei noch erwähnt, dass professionelle Bibliothekare immer noch die Metadaten-Präsenz in Wikisource kritisieren. Angeblich liefert Wikisource bei den Texten keine ausreichenden bibliographischen Metadaten. Allein wer sich die Vorlage Diskussion:Textdaten ansieht, müsste eines Besseren belehrt werden.

Walther von der Vogelweide

Nach gemeinsamem Lesen im Chat haben wir es heute geschafft ein Liebes-Gedicht von Walther von der Vogelweide in Wikisource einzustellen. Auch wenn auf den ersten Blick alles recht klar aussieht, ist es doch schwieriger als erwartet ein Gedicht aus dem Codex Manesse zu transkribieren. Ich kannte es bisher nicht, aber es scheint eines der bekanntesten mittelalterliche Gedichte zu sein. Ich persönlich finde es sehr schön, auch wenn man sich in das Mittelhochdeutsche einlesen muss. Ich weiß nicht wem es ursprünglich gewidmet war, für mich ist einer Königin würdig.

Das Gedicht beginnt links unten in der letzten Zeilen. Wer mag kann ja vergleichen. Hier unsere Transkription:

Vnder der linden
an der heide
da vnser zweier bette was
da mugent ir vinden
schone beide
gebrochen bluomen vnde gras
vor dem walte in einem tal
tandaradai schone sanc dui nahtegal.

Ich kan gegangen
zvo der ovwe
do was min fridel komene
da wart ich enpfangen
here frowe
dc ich bin selig iemer me.
er kuste mich wol tvsent stunt.
tandaradei seht wie rot mir ist der munt.

Do hat er gemachet
also riche
von bluomen ein bette stat
des wirt noch gelachet innekliche
kvmt iemen an dc selbe pfat
bi den rosen er wol mac
tandaradei merken wa mirs havbet lac.

Das er bi mir lege
wesses iemen
nvn welle got so schamt ich mich
wes er mit mir pflege
niemer niemen
bevinde dc wan er vnd ich
vnd ein kleines vogellin
tandaradei dc mac wol getruiwe sin.

Update 30. Januar 2009:

Das mittelhochdeutsche Original nach dem Codex Manesse und einige neuhochdeutsche Übersetzung befinden sich auf der Themenseite Under der linden bei Wikisource.

Wikipedia-Tag in Bern

Mittlerweile bin ich ja wieder seit einigen Stunden in den großen Kanton im Norden zurückgekehrt. Gestern abend habe ich es nicht mehr geschafft meine Eindrücke hier im Blog niederzuschreiben. Aber das hat auch seine Vorteile denn mittlerweilen liegen alle Vorträge des Tages als Podcast vor, so dass man sich diese, falls man den Livestream verpasst hat, anhören kann. Zusätzlich gibt es einen Mitschnitt einer Livesendung für das Radio Kanal Ratte, die im Anschluss an die Veranstaltung aus Bern gesendet wurde.

Im folgenden gehe ich einfach mal das Programm durch und werde die Links zu den Vorträgen einstreuen, so dass ich mir viele Worte über den Inhalt sparen kann und nur meine Eindrücke hier niederlegen werde. Aber zuvor möchte ich erstmal den Schweizer Vereinskollegen gratulieren zu einer tollen und sehr interessanten Veranstaltung. Leider war die zahlenmäßigen Resonanz nicht ganz so groß wie erhofft, aber ich denke die Leute die da waren, die haben einen guten Einblick in Wikipedia und angrenzenden Themen erhalten.

Zu Beginn hielt die jüngste Großrätin (Was das genau ist konnten mir nicht mal die Schweizer sagen. Es ist aber einfach nachzuschlagen: Grossrat) der Schweiz Nadine Masshardt eine Grußansprache in der sie sich als Vertreter der Gratis-Internet- und Wikipedia-Nutzer-Generation outete. (Podcast). Irmgard hielt einen Vortrag mit dem Titel „Arbeit in umstrittenen Wikipedia-Artikeln“ (Podcast). Delphine Ménard als Vertreterin der Wikimedia Foundation hielt ihren Vortrag über den Freiheitsbegriff, wie wir ihn verstehen, zwar in englisch, aber das äußerst witzig und sehr kurzweilig (Podcast). Der Vortrag war ein Highlight des Tages.

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einem Vortrag zu den Erfahrungen der Geschichtswissenschaft mit der Wikipedia (Podcast) und einem Vortrag zum Urheberrecht (Podcast). Im Anschluss habe ich Wikisource vorgestellt (Podcast).

Sehr interessant und auch sehr informativ war der Vortrag von Dr. Marco Jorio zum Historischen Lexikon der Schweiz. Die Macher dieses Projektes haben bereits in den frühen 1990er Jahren begonnen, das Lexikon komplett elektronisch zu erstellen und haben auch sehr früh erkannt, dass das Internet eine wichtige Publikationsform für sie darstellt. Das Lexikon kostet den Steuerzahler in der Schweiz rund 100 Millionen Franken (etwa 60 Mill. Euro). Auch deshalb entschloss man sich sehr frühzeitig die Texte online zu stellen und damit der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das HLS ist sehr stolz auf die Qualität des Lexikon, man freut sich aber weniger über Mails des Inhaltes „Ich fand ihren Artikel zu dem und dem Thema sehr interessant und gut geschrieben deshalb habe ich ihn die Wikipedia kopiert“. Da man aber nicht wusste wie man mit solchen Urheberrechtsverletzungen umgehen soll, hat man es erstmal geduldet. Der erwähnte Artikel ist aber mittlerweile gelöscht und neu erstellt worden. Außerdem habe ich Herrn Jorio die Mail-Adresse des OTRS gegeben, so dass solche Sachen in Zukunft schnell geklärt werden können. Für mich als Deutscher war aber noch ein anderer Aspekt den Herr Jorio ansprach sehr verblüffend.

Wie sicherlich die meisten wissen ist die Schweiz ein multilinguales Land. Neben Deutsch, wird dort auch Französisch, Italienisch und Rätoromanisch gesprochen. Ein Großteil der Kosten für dieses Projekt wird deshalb für die Übersetzungen der Texte in die jeweils anderen Sprachen verwendet. Auch das Webportal des HLS ist viersprachig. Herr Jorio befürchtet aber, dass die Wikipedia mit ihrer strikten Trennung der Sprachen und der unterschiedlichen Qualität der Artikel (wenn sie denn überhaupt vorhanden sind) in den verschiedenen Sprachen, zur Desintegration der Schweiz beitragen könnte. Für mich als jemand der in einem Land lebt, indem faktisch nur eine Sprache gesprochen, ist das ein hochinteressanter Aspekt (Podcast).

Dr. Donat Agosti hielt einen Vortrag über das Projekt Antbase.org. Herr Agosti ist Ameisenforscher und arbeitet bei einem Projekt mit, in dem alle wissenschaftlichen Arbeit bzw. Beschreibungen über Ameisenarten erfasst und durchsuchbar gemacht werden. Das Projekt insgesamt steht zwar unter einer freien Lizenz, kämpft aber mit dem Umstand, dass viele der Arbeiten nicht frei sind. Alle Arbeiten werden z.B. per OCR erfasst und die gewonnen Informationen in einer Datenbank gespeichert. Die Arbeiten, die entweder gemeinfrei sind oder unter einer freien Lizenz stehen sind auch im Volltext einsehbar. Wichtig für unsere Biologen in der Wikipedia ist aber, dass quasi per Bot aus den in dieser Datenbank stehenden Informationen Artikel zu allen 22.000 Ameisenarten erstellt werden könnten, da es zu dieser frei verfügbare Schnittstellen gibt. Wenn ich Herrn Agosti richtig verstanden habe, würde er dies sehr begrüssen und steht auch für Anfragen und Informationen zur Verfügung (Podcast).

Die von Manuel Schneider im Anschluss an den Wikipedia-Tag live produzierte einstündige Radio-Sendung ist meines Erachtens sehr gut gelungen, wenn auch akustisch hier und da etwas gestört, was aber dem mehr als improvisierten Studio geschuldet ist. Auch ich wurde vor das Mikro gezerrt und habe ein paar Bemerkungen zur Wikipedia und zu Wikisource abgeben dürfen. Die Sendung ist eine Stunde lang, aber die Musikeinspielungen darf man getrost überspringen. (Podcast)

Zum Schluß möchte ich mich bei Corin und Robin für die Gastfreundschaft und die herzliche Aufnahme danken. Ich habe mich bei euch sehr wohl gefühlt und freue mich euch kennengelernt zu haben.

Und zum allerletzten erlaube ich mir noch ein paar persönliche Eindrücke in Stichworten wiederzugeben:

  • Man sollte nicht um zwei Uhr ins Bett gehen, wenn man weiß, dass man um 5:30 wieder aufstehen muss.
  • Schweizer Geldscheine sind schrecklich bunt, zeigen aber keine Königinnen aber auch keine Kartoffeln
  • Ich war verblüfft, wie schnell Schweizer zwischen verschiedenen Sprachen wechseln können. Beim Mittagstisch wurde wild zwischen hochdeutsch, schwyzerdütsch, französisch und englisch gewechselt.
  • Schweizer lernen mindestens zwei Fremdsprachen, eine davon ist zumindest für deutschprachige Schweizer immer hochdeutsch.
  • Ich habe gelernt, dass selbst für Schweizer der Anblick von Männer auf Fahrrädern und in der Straßenbahn mit Gewehren (wohlgemerkt es geht nicht um irgendwelche Schrotflinten), die noch schnell zu ihrem jährlichen Schießtraining fahren, nicht unbedingt normal ist.
  • Käsefondue ist lecker und macht richtig satt, danke für das leckere Abendmahl
  • Soooo langsam sind Schweizer auch nicht, wenn die erstmal in Schwyzerdütsch loslegen, verstehe ich nur Bahnhof

Kurz und gut, auch wenn es nur sehr kurz da war, es hat richtig Spaß gemacht und ich werde gern wiederkommen.

 Update (1. Oktober 2007) :

Reaktionen zum Wikipedia-Tag in anderen Blogs finden sich auf der Webseite zum Wikipedia-Tag. Darunter auch ein Beitrag von Jan Hodel, der u.a. auf meinem Vortrag zu Wikisource eingeht.

HH-GÖ-HH-ZH

Ich habe mich ja in den letzten Tagen hier und in Projekten und hier im Blog etwas rar gemacht. Ursache waren einerseits die Hintergründe für meine Namensumbenennung und andererseits Kartoffeln auf einem Grab und eine Königin. Ab sofort werde ich aber wieder wie gewohnt meine mehr oder minder wichtigen Beiträge hier im Blog schreiben.

Nach dem gestrigen Stammtisch in Göttingen mit dem Herrn vom SWR der eine Reihe von Wikipedianern für eine Sendung am übernächsten Sonntag mit dem Arbeitstitel „Vom Brockhaus bis zu Wikipedia“ interviewte und vielen Gesprächen mit den Göttingern, sitze ich nun in Zürich bei Robin und trinke leckereres belgisches Bier. Ich wurde ja vom Schweizer Verein eingeladen auf dem diesjährigen Schweizer Wikipedia-Tag in Bern einen Vortrag über Wikisource zu halten. Und damit ich nicht erst morgen auf den letzten Drücker ankomme, war Robin so freundlich mir Asyl zu gewähren. 

Und die ersten Gespräche mit Robin waren schon sehr interessant. Zum Beispiel hat er mir sein Gewehr gezeigt, das jeder Schweizer zu Hause hat. Und der Austausch darüber wie, was im Schweizer und im deutschen Verein funktioniert und was nicht funktioniert ist äußerst anregend.

Wer sich dafür interessiert, der gesamte Wikipedia-Tag wird von Radio Kanal Ratte von 10 bis 19 Uhr live ins Internet übertragen. Als Ogg-Stream unter http://radio.kanal-ratte.de:8000/wpd.ogg und als Audio-Stream unter http://radio.kanal-ratte.de:8000/wpd. Und wie immer werde ich euch natürlich mit Bildern und Texten über die Veranstaltung der Schweizer Kollegen informieren.

Patriotismus im Licht der Zeit

Das Folgende ist der Auszug aus einer E-Mail, die ich heute verschickt habe. Ich finde aber, dass es auch einen ganz guten Blogeintrag abgibt.

Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff

Dass mir der gute Wilamowitz in der folgenden Rede nicht in einem neuen Lichte erscheint, muss ich nicht betonen. Sein deutscher Patriotismus blieb ja bis zum Ende ungetrübt. Ein Bekannter von mir hat eine Rede aus der Anfangszeit des Ersten Weltkriegs bei Wikisource eingestellt, die ich beim Korrekturlesen ein wenig auseinandergenommen habe.

Was mich erschreckt, ist die Hetze gegen den Feind, die Stereotypen. Aber noch ärger trifft mich die Lüge, der das deutsche Bürgertum aufgesessen war: „Wir haben den Krieg nicht gewollt, niemand, kein König, kein Staatsmann, kein Feldherr. Wir waren in unseren Grenzen zufrieden.“

Aber dann wurden mir eins bewusst, was im Geschichtsunterricht nicht gelehrt wird: Jeder ist ein Kind seiner Zeit. Wilamowitz ist der Sohn reicher preußischer Juncker und lebt in der Zeit der Großreiche. Die Zeitgeschichte ist geprägt von dem nationalen Rivalismus in Europa, von Deutschlands glorreichen Siegen des 19. Jahrhunderts, die zur Reichsgründung in Versailles führten. Eine Zeit, in der der Krieg ruhmreich und glänzend hieß, eine Zeit ohne Geschütze, Flieger, Tanks, ohne Bomben, die ganze Stadtteile zerstören, ohne Millionen Tote. Diese neuen Schrecken des Krieges erfährt die Welt erst in den Tagen, die dieser Rede vorausgingen! Wilamowitz selbst stellt sie mit Schaudern fest. „Ja, der Krieg, in den jene Wallensteiner so gerne hinausziehen, ist etwas Herrliches; etwas Fürchterliches ist er auch, und er ist fürchterlicher jetzt, als er je gewesen ist, grauenvoller durch die Macht, die der Mensch gewonnen hat über die Mächte der Natur, die Mächte der Zerstörung. Wir wollen uns über das Grauen nicht täuschen.“ Und: „Kommt’s denn nicht bloß auf die Menschenmassen an, auf die künstlichen Waffen, und werden die nicht entscheiden und auch die beste Sache niederwerfen können?“

Wie kommt es nun, dass das, was heute wie giftige Hetze, Anmaßung, dummer, vorurteilserfüllter Hass klingt, damals für voll genommen wurde? Weil die Menschen im Jahr 1914 noch keinen Feuersturm kannten, keine Bombenteppiche, keine Materialschlachten mit hunderttausenden Toten, keine kalte Grausamkeit gegen Unschuldige, gegründet auf blinde Verfeindung und Rassendenken, keine maschinell vernichteten Menschen – keinen Holocaust!

Wir Menschen von heute, die diesen schrecklichen Auswuchs menschlicher Schwäche und Boshaftigkeit kennen, gerade wir in dem schuldigsten Land, wissen, wozu der Krieg, wozu der Hass fähig ist. Eben darum verachten wir, fürchten wir ihn, und haben kein Verständnis für die Zeitkinder, die solche Schrecknisse noch nicht kannten.

Unser Gewissen ist belastet von der Vergangenheit. Aber darum sind wir auch klüger als unsere Vorfahren. Ich hoffe nur, die Menschheit braucht nicht noch mehr Superlative der Gewalt, um endlich erwachsen zu werden. Guantanamo Bay, Afghanistan, Irak, Sudan… müssen wir dort unseren schleichenden Dritten Weltkrieg austragen?

Sprachübergreifende Professionalisierung von Wikisource?

Das Projekt Wikisource zur Sammlung gemeinfreier Texte in sämtlichen Sprachen der Welt ist in zahlreiche Subdomains nach vielen Sprachen unterteilt. Die größte Sprachversion ist (natürlich) die englische, gefolgt von der französischen, der spanischen und der deutschen. Diese Aufteilung sorgt für eine große Diskrepanz der Standards. Ich schmeichle nicht, wenn ich dem deutschsprachigen Projekt die höchte Professionalität zuschreibe: Die Texte sind nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten kategorisiert, überwiegend mit Scans versehen und werden nach strengen Richtlinien gegengelesen. Dadurch wird das Wachstum des Angebots natürlich verlangsamt, aber dafür sind die Texte ausgesprochen zitierfähig. Sogar Kritiker der Wikipedia haben sich mir gegenüber positiv über dieses Projekt geäußert.

Auf der Wikipedia Academy wurde mit bewusst, welche Bedeutung der professionelle Aufzug von Wikisource hat: Finanzers Michails Vortrag hat die anwesenden Wissenschaftler derart angeregt, dass sie nachher mit mir über mögliche Kooperationen der Universitätsbibliotheken mit Wikisource gesprochen haben (!). Dabei fiel auch die Frage, ob Wikisource in mehreren Sprachen existiert. Ich antwortete getreu dem Sender Jerewan: „Im Prinzip ja, aber alle mit unterschiedlichen Standards.“ Das war noch beschönigend formuliert. Zwar gibt es in der französischen Wikisource Ansätze, wenigsten das Korrekturlesen per Software-Erweiterung zu ermöglichen (ein Feature, das in der dt. Wikisource schon kurz nach der Auskoppelung aus dem mehrsprachigen Projekt existierte), und die engl. Version bietet für einen Bruchteil ihrer Werke auch Scans an, aber andere Aspekte, wie eine sinnvolle Systematik zur Erfassung der Texte, zentrale Editionsrichtlinien und bibliografische Angaben sind bislang sträflich vernachlässigt worden.

Aus diesem Grund habe ich mir ein Herz gefasst und durch einen Beitrag im zentralen Scriptorium eine Diskussion angeregt, in welcher Weise auch andere Sprachversionen als die deutsche vergleichbare Standards einführen können. Ich persönlich habe ohnehin keine Zeit, ein paar Dutzend Riesenprojekte zu studieren, zu analysieren und umzukrempeln, und würde mir dabei auch sicher die Schnauze einrennen, aber ich hoffe auf individuelle Eingebungen. Leute, die mutig genug sind, zu den Schwächen ihres Projektes zu stehen und an ihnen zu arbeiten.

[00:07] Nachtrag: In den letzten dreieinhalb Stunden hatte ich ein aufschlussreiches Gespräch mit Admins der englischen Wikisource. Es gibt dort bereits Ansätze zu einer Professionalisierung, aber sie sind noch nicht überall zu sehen. Immerhin existiert dort ein Verantwortungsbewusstsein und eine Dialogbereitschaft, die mich sehr hoffnungsvoll stimmen, dass aus dieser Sprachversion noch was werden wird!

[10:45] Noch ein Nachtrag: Auch auf der italienischen Wikisource existiert ein solches Verantwortungsbewusstsein und eine erfreuliche Dialogbereitschaft. Es sieht so aus, als hätte ich einen Stein einen Abhang hinabgeworfen, und schaute einer Lawine beim Entstehen zu :)

Vorlage:Meiner

Liebe Elian, du magst mit deiner Kritik sogar Recht haben, wenn man das Problem auf das rein Formale eingrenzt. Tobnu hat seinen „eigenen“ Artikel gesperrt und dem Editor deutlich zu verstehen gegeben, dass er sich woanders eine Beschäftigung suchen solle. Vll. sollte er dafür sogar bestraft werden. Das zu entscheiden bin ich viel zu voreingenommen.

Schauen wir uns aber mal die inhaltliche Ebene an. Da rauscht ein stadtbekannter Account seit Tagen durch die Wikipedia und versucht das Wort „leider“ in solchen Sätzen wie „Leider wurde dieses Kunstwerk, auf dessen Stirnseite Kaiser Otto II. abgebildet war, im Jahr 1794 zerstört, als es vor französischen Plünderern in Sicherheit gebracht werden sollte.“ zu beseitigen. Ob der Stil nun so brilliant ist, sei mal dahingestellt. Nein es sei nicht neutral. Auf den Revert von Tobnu mit einer eindeutigen Begründung, die nichts aber auch gar nichts mit einer allgemeinen Gutheissung von persönlichen Meinungen zu tun hat, bekommt er an den Kopf geknallt „Leider hat Nazi-Deutschland den Krieg verloren.“ Huch wo sind wir denn hier gelandet.

Und für mich persönlich und auch einige andere ist es klar dem Bedauern über Verlust von Kulturgut und Quellenmaterial auch in einem enzyklopädischen Text Ausdruck verleihen zu dürfen. In einem Projekt, das sich den Werten des Humanismus, der Aufklärung und der Wissenschaftlichkeit verpflichtet fühlt, muss dies selbstverständlich sein. Eine sachliche Darstellung schließt nicht aus, dass negative Phänomene wie der Verlust von Kulturgut auch als solche benannt werden. Die Hysterie, der hier neuerdings in Bezug auf das (falschverstandene) NPOV-Prinzip Einzug hält, ist kontraproduktiv und schadet diesem Projekt.

Und wenn bei solch einer Debatte mit etlichen prophylaktisch angelegten Socken agiert werden muss, dann lässt das bei mir ein paar Alarmisrenen aufheulen. Irgendwie scheint mir, dass hier Artikel zur Geschichte und Aussagen über den Verlust von Kulturgut als Vehikel benutzt werden sollen, um an anderer Stelle, POV einbringen zu können. Nach dem Motto „die dürfen das ja auch“, obwohl es sich um grundverschiedene Dinge handelt.

Aber nehmen wir einfach mal an, dass dies einfach nur NPOV-Hysterie ist. Was schlimm genug wäre.

Achja

Für mich ist ein Admin Tobnu untragbar, weil sein Status als Admin die Seriosität von Wikipedia in Frage stellt.

Wenn es um die Seriosität der Wikipedia ginge, könnten wir mühelos ein paar mehr Tobnus vertragen.

Auch ein bisschen Wikipedia Inside

Nun gut, nachdem ich das Büchlein des Herren Insiders durchgelesen habe, wollte ich mal eine andere Art Insider-Bericht präsentieren. Aber zuvor möchte ich einen Kommentar von Andreas zum Buch auch hier darstellen:

Wer ausgerechnet _mich_ im Kapitel Rechtsextremismus prominent unterbringt, der muss schon bösartig, ideologisch verblendet, oder schlichtweg komplett merkbefreit sein.

Dem ist, außer, dass die Aussage auch auf Anneke, Marcus und die Anderen zutrifft, die in ähnlicher Weise in die rechte Ecke gestellt werden, nichts weiter hinzuzufügen.

Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Beitrages. Vor einer geraumen Weile wurden Achim Raschka, Frank Schulenburg und ich gebeten einen Beitrag für die Zeitschrift Bibliothek. Forschung und Praxis über das Qualitätsmanagement in der Wikipedia zu schreiben. Der Beitrag ist sicherlich ein wenig dezenter geschrieben, hat aber einen wesentlich reisserischeren Titel: „Der McDonald’s der Informationen? Ein Blick hinter die Kulissen des kollaborativen Wissensmanagements in der deutschsprachigen Wikipedia“. Da der Artikel von uns unter die cc-by-sa 2.0 gestellt wurde, ist er auch als PDF auf Commons zu finden: McDonalds der Informationen.pdf. Auf der Webseite der Zeitschrift kommt man nur mit einem Abo dran ;-)

Proofread in Aktion

Finanzer hat im August die neue Methode des Projektsbaus bei Wikisource vorgestellt, bei der die Einzelseiten als Vorlage auf der zentralen Textseite eingebunden werden. Ich möchte nun gern meine Erfahrungen als Wiki-Fortgeschrittener und Nicht-Informatiker hier kundtun.

Ich hab vorgestern die neue Funktion ausprobiert und nach einigen Anfangsschwierigkeiten auch anhand eines Beispiels kapiert. Eine Schwierigkeit war, dass der Bearbeitungsstand in der Kopfzeile der Einzelseite eingebunden wird, und diese Kopfzeile nicht leicht, für Anfänger gar nicht zu finden ist. Dieses Problem wurde nach einem kurzen Meinungsbild im Skriptorium und einer zusätzlichen Betreuung durch Xarax und Finanzer behoben. Nun ist die Kopfzeile von vornherein eingeblendet und kann wie vorher mit dem linken Editbutton neben den drei Lupen (oben links auf der Bild-Vorlage) ein- und ausgeschaltet werden. Per Monobook kann der angemeldete Wikisource-Mitarbeiter diese standardmäßige Anzeige auch unterdrücken und hat dann mehr Platz für die Vorlage und das Bearbeitungsfenster.

Die kleine Schrift mit dem Titel „Über mechanische Copieen von Inschriften“ ist vollständig eingestellt, ich habe auch schon den Rohtext korrigiert. Mein Eindruck des neuen Systems ist: Nicht ganz leicht für Einsteiger, aber ökonomisch-technisch äußerst sinnvoll und empfehlenswert. Ich teile meine Erfahrungen gern, falls irgendjemand Fragen hat.

Wikipedia inside?

Eigentlich wollte ich eine eigene Rezension zu dem Buch von Günther Schuler schreiben. Aber Poupou ist mir zuvorgekommen. Da die Rezension von Poupou auch meinen Eindruck beim Lesen gut wiedergibt, belasse ich es bei diesem Hinweis. Und sprachlich hätte ich es auch nicht besser hinbekommen.

Eine Sache möchte ich aber noch ergänzen. Hochinteressant ist die Behandlung der Bildlizenzen speziell der GNU FDL in diesem Buch, also der GNU Free Document License. Obwohl sich Schuler in einem Kapitel mit der GFDL auseinandersetzt, schafft er es auf der anderen Seite nicht die Bildlizenzen korrekt anzugeben. Im Bildverzeichnis finden sich einige Bilder von Wikipedianer und darunter auch eines meiner Bilder. Der lapidare Eintrag zu meinem Bild von Anneke lautet:

117 Wikipedia; Foto: Michail Jungierek; Lizenz: GNU 1.2

Was zum Geier ist GNU? Meint er die GFDL oder vll. doch die GNU General Public License oder sogar die GNU Lesser General Public License. Man weiß es nicht. Auch wurde der Text der GFDL nicht mitabgedruckt oder wenigstens ein Link zur GFDL mit angegeben. Um es deutlich zu sagen, die Verwendung der Bilder unter GFDL stellt so eine Urheberrechtsverletzung dar.

Und warum sich Herr Schuler bei meinem Bild gerade die GFDL ausgesucht hat, obwohl es auch unter cc-by-sa 2.5 steht, erschließt sich mir auch nicht. Aber wenn er sich die GFDL aussucht, dann soll er sie zumindest so erfüllen, dass man es akzeptieren kann. Dies ist hier definitiv nicht der Fall.

Nicht neutrale Reichskrone

Über solche Edits kann ich nur den Kopf schütteln. Mal abgesehen von der doch recht kreativen Verwendung der deutschen Sprache: Was soll an der vorhandenen Formulierung nicht neutral sein? Oder gibt es jemanden, der den Verlust des erwähnten Verzeichnisses begrüßt? Oder hat da jemand das Konzept von NPOV nicht wirklich verstanden und reitet nur auf diversen Regeln durch die Gegend?

Diese Pseudo-POV-Wächter gehen mir in den letzten Wochen mächtig auf den Keks. Aber in Artikeln, die wirklich nicht neutral sind, werden sie nicht gesehen. Solche harmlosen Formulierungen werden aber gleich reihenweise aus Artikeln entfernt. 

[[Klausur (Kloster)]]

Klausur (von spätlat. clausura = Verschluss, claudere = schließen) bezeichnet den abgeschlossenen Teil eines Klosters. Als Wohn- und Lebensraum ist sie grundsätzlich nur der Klostergemeinschaft zugänglich, Außenstehende dürfen sie nicht betreten. Dieser Teil des Klosters dient als Ort des Rückzugs und der Besinnung für die Ordensmitglieder.

Auch wenn wir in einem ehemaligen Kloster, das nun eine Bildungseinrichtung des  Erzbistums Köln ist, getagt haben, ganz so streng war unser Wochenende nun doch nicht. Arbeitsreich war es auf jeden Fall. Was Internet und Mobilfunk anbetraf, taten die dicken Mauern und die etwas entlegene Lage aber ihren Teil, dass wir faktisch von modernen Kommunikationsmitteln abgeschlossen waren und uns tatsächlich irgendwie in Klausur fühlten.

Anreise der Vorstandsmitglieder (leider konnte drei Mitglieder des Vorstandes aus terminlichen und gesundheitlichen Gründen nicht) war am Freitag. Über den kleinen Abstecher in Köln berichtete ich ja bereits. Zusätzlich reiste unser Geschäftführer Arne und als Vertreter der Foundation die Chapters Koordinatorin Delphine Menard an. Da das Kloster kein Kloster mehr ist, gab es auch eine Kellerbar mit Selbstbedienung und Strichliste in der wir zuerst Angereisten die später Kommenden willkommen hiessen. Sowas hätten sich die Mönche wohl auch früher gewünscht. Aber wer weiß, Mönche sollen ja manchmal auch weltlichen Dingen nicht wirklich abgeneigt gewesen sein.

Ich möchte jetzt nicht lange über den Ablauf der Diskussionen und Beratungen referieren, sondern besser die Ergebnisse darstellen, die wahrscheinlich am meisten interessieren. Verständlicherweise kann ich hier nicht alle Punkte erwähnen, da natürlich auch vertrauliche Dinge beraten wurden.

Einig waren wir uns, dass wir unbedingt die Kommunikation mit den Mitgliedern und den Communitys der verschiedenen Projekte verbessern müssen. Da gab es in der Vergangenheit doch große Defizite. Erste Schritte in diese Richtung sind bereits gemacht. So ist am letzten Freitag der aktuelle Vereins-Newsletter erschienen (für Interessierte: Wikimedia News 09/2007 als PDF) und wird auch in Zukunft mindestens alle zwei Monate erscheinen. Eventuell schieben wir auch einige Sonderausgaben dazwischen. Der Umfang soll auf 4 Seiten, in Ausnahmefällen auch mehr erweitert werden. Mittelfristig ist auch der Druck von Papierausgaben denkbar.

Weiterhin soll bis Ende des Jahres die Webseite des Vereins aufgepeppt werden. Und wenn auch etwas absurd, aber der Verein goes Web 2.0 ;-) Bis Ende September wird es ein Vereins-Blog geben, auf dem die Vorstandsmitglieder aber auch andere interessierte Mitglieder Neuigkeiten, Kommentare, Meinungen usw. niederschreiben können. Die Kommunkation per Pressemitteilung sollte dann also endgültig der Vergangenheit angehören. Solche Beiträge wie dieser finden sich dann also in Bälde im Blog nebenan.

Außerdem haben  wir beschlossen Community-Aktivitäten wie den Schreibwettbewerb, Bilderwettbewerb, die diversen Workshops etc. systematischer und stärker zu fördern. Deshalbn haben wir für solche Aktivitäten ein festes Budget eingerichtet. Als Ansprechpartner steht in Zukunft elya zur Verfügung, die auch eigenständig über die Verwendung der Gelder entscheidet. Wenn also Bedarf an Zuschüssen für eine solche Veranstaltung oder die Übernahme von Reisekosten besteht, dann wendet euch bitte an sie. Da wir natürlich, wenn es um das liebe Geld geht, nicht ohne Bürokratie auskommen, wird sie euch das notwendige Prozedere mitteilen. Und der erfolgreiche Community-Tag im Vorfeld der diesjährigen Mitgliederversammlung wird im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholt.

Bis Ende des Jahres werden die bisherigen Informationsmaterialen (z.B. zur Wikipedia,  Wikisource) aktualisiert und um neue Broschüren und Flyer ergänzt. Geplant sind Informationen zum Verein und dessen Zielen, zu Commons und einigen anderen Themen. Gesprochen haben wir weiterhin über Ideen für die Academy der nächsten beiden Jahren, das Schulprojekt, das hoffentlich Anfang 2008 starten kann, wenn die Verhandlungen mit Sponsoren erfolgreich verlaufen. Die Zedler-Medaille soll nächstes Jahr natürlich wieder verliehen werden. Diesmal sogar in zwei Kategorien. Angedacht sind eine Medaille für Geisteswissenschaften und eine zweite für Naturwissenschaften und Mathematik. Hier sind wir in der glücklichen Lage bereits eine Zusage für die Bereitstellung des Preisgeldes zu haben.

Um die Erstellung und Verbesserung von Artikeln in der Wikipedia zu unterstützen, ist  vorgesehen, entsprechende Fachliteratur anzuschaffen und diese den Autoren gegen die Verpflichtung zur Artikelgenerierung als „Literaturstipendien“ zur Verfügung zu stellen.

Der Toolserver hat ein Budget für 2008 bekommen und auch die vom Verein unterhaltenen Server in Amsterdam sollen aufgestockt werden. Den genauen Umfang müssen wir aber davon abhängig machen, wieviele Spenden uns bis Jahresende erreichen.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Klausurtagung erfolgreich war, da wir tatsächlich nicht nur Absichtserklärungen abgegeben haben, sondern für all die Dinge Verantwortliche und Termine benannt haben. Meine Aufgaben werden vorrangig im Bereich der Kommunikation liegen und da werde ich die nächsten Wochen und Monate gut zu tun haben. 

Und bevor ich es vergesse zu erwähnen, das Kölsch aus dem Fass in der Klosterkellerbar war köstlich. Und nach dem vielen Reden und Diskutieren tagsüber war das dann am späten Abend auch bitter nötig. 

Bildernachweis:

  • Kloster: Elke Wetzig, cc-by-sa 2.5
  • Vorstand: Delphine Menard, cc-by-sa 2.5

Schlossbesuch

Eine einleitende Bemerkung:

Damit keine Verwirrung aufkommt, möchte ich erwähnen, dass ab heute dieser Blog nicht nur von mir alleine mit Content versorgt wird. Ich freue mich wirklich, dass nun auch Jonathan Groß dem bisher einsamen Autor Gesellschaft leistet.

Finanzer

Nun lasse ich aber Jonathan zu Wort kommen:

Finanzers Bericht über seine Besichtigung der Parfumerie mit dem Wikipedia-freundlichen Geschäftsführer vom 10. September hat mich an ein ähnliches Erlebnis erinnert.

Es war Juli 2006. Ich verbrachte zwei meiner drei Wochen Jahresurlaub auf Rügen und hatte mich entschlossen, diesmal nicht nur am Strand zu So siehts von Süden ausliegen und durch die Wälder zu streifen, sondern auch den Rest der Insel kennenzulernen. Also fuhr ich mit dem Fahrrad mal hierhin, mal dorthin und kam auch nach Lietzow. Dieses kleine, verschlafene Dorf am Rand der B 96 war einst ein florierendes Seebad, in dem sich ein reicher Beamter sein Schlösschen errichtet hatte. Dieses Schlößchen muss nach 1945 seinem Besitzer entrissen worden sein, wurde nicht besonders pfleglich behandelt und bot nach der Wende dem Besucher keinen hübschen Anblick mit der grauen, verfallenen Fassade und den vernagelten Fenstern.

Aber ein Segen der Wende, die Sanierung der alten Bausubstanz, verirrte sich auch hierher. Das Schloss ging in Privatbesitz über und wurde nach und nach saniert. Seit einigen Jahren grüßt den Touristen wieder eine schneeweiße Fassade.

Jetzt aber zurück zu meiner Geschichte! Ich war also mit dem Fahrrad unterwegs und sah das Schloss vielleicht zum hundertsten Mal. Aber ich war ihm noch nie nahe gekommen, geschweige denn drin gewesen! Also fasste ich mir ein Herz, radelte den steilen Berg hoch und gelangte ans Tor. Dort vermittelten Bretter, Werkzeug, ein Betonmischer und ein Kiesberg den Eindruck, als wäre die Renovierung noch nicht abgeschlossen. Im Garten sah ich jemanden. Auf meinen Anruf kam er ans Gartentor und fragte mich nach meinem Begehr. Ich stellte mich als (Berliner) Autor der freien Enzyklopädie Wikipedia vor und fragte ihn, ob es möglich ist, dass ich vom Schlossturm aus die Landschaft fotografiere. Wikipedia war ihm unbekannt. Er empfahl mir, zwei Tage später wiederzukommen, wenn die Besitzerin da sei.

Zwei Tage später war ich wieder da. Weil ich niemanden im Garten sah, ging ich hinein und klingelte. Nach einer Weile öffnete sich die Tür, und ich stand der Hausherrin gegenüber. Etwas nervös trug ich mein Anliegen vor. Sie blickte etwas skeptisch, hat vielleicht schon schlechte Erfahrungen mit Trickbetrügern gemacht. Zum Glück kam in diesem Moment der Herr dazu, mit dem ich am Dienstag gesprochen hatte. Er war bei Aldi mit ein paar Berlinern ins Gespräch gekommen, die sich als Freunde von mir herausstellten. Er hatte ihnen von dem Berliner erzählt, der vor zwei Tagen bei ihm geklopft habe. Nur gut, dass ich meinen Freunden auch von meinem Besuch in Lietzow erzählt hatte! So kannten sie die Geschichte und konnten bestätigen, dass ich harmlos war und genau das wollte, worum ich gebeten hatte: Fotos vom Schloss. Also bat mich die Hausherrin herein und ließ sich von mir bei einer Tasse Tee alles über Wikipedia erzählen. Sie konnte leider nicht lange bleiben, aber meine Führung bekam ich trotzdem. Das Schloss war schon tadellos hergerichtet und sah sehr gemütlich aus. Wir stiegen zügig auf den Turm, dessen Treppe noch ein richtiges Abenteuer war (daher das Baumaterial, dachte ich mir).
Links der kleine, rechts der große Jasmunder Bodden

Oben angekommen bot sich mir ein wundervoller Anblick. Ich könnte mich noch heute schwarz ärgern, dass ich keine bessere Fotoausrüstung hatte und nur minderwertige Fotos knipsen konnte.

Lietzow liegt dort, wo vor hundert Jahren fleißige Eisenbahner einen Damm zwischen dem Kleinen (links) und dem Großen Jasmunder Bodden aufgeschaufelt hatten. Der Blick auf dem Foto geht nach Südwesten. Nach Süden sähe man die Granitz, im Südosten die Feuersteinfelder, im Osten die Fährhäfen von Sassnitz und Mukran. Leider habe ich diese Fotos irgendwo verschusselt.
Jedenfalls war mir diese Geschichte eine Lektion in Sachen Wikipedia und in Sachen „sei mutig!“