Warum Geisteswissenschaftler für die Wikipedia schreiben sollten

Kersten Knipp vom Deutschlandfunk hat einen sehr interessanten Beitrag über die Academy und die Wikipedia gemacht. Interviewt wurden Gudrun Gersmann, Markus Mueller und Maha. Dass der Autor anfänglich Maha und Markus verwechselt und Markus zum Historiker macht, tut dem intelligent gemachten Beitrag aber keinen Abbruch.

[display_podcast]

Academy 2007 – Tag 2

Also nach etwas kurzer Nacht da ich meinen Vortrag über Wikisource noch etwas tunen musste und da die Leichtatheltik-Weltmeisterschaft angefangen hatte, hielt mich das auch noch etwas vom zu Bett gehen ab. Erwähnte ich schon, dass die Plüschigkeit des Zimmers keinerlei negative Auswirkungen auf den Erholungswert des Bettes hatte? Wenn nicht tue ich es hiermit.

Am zweiten Tag waren zuerst die drei parallelen Workshops zu den Themen „Wissen teilen leicht gemacht: Eine kurze Einführung für Wikipedia-Einsteiger“, „Freie Lizenzen und ihre Rolle in der derzeitigen und zukünftigen Online-Publikationskultur“ und „Webbasierte kooperative Editionsverfahren am Beispiel des Projektes Wikisource“ auf dem Plan. Da ich den Vortrag über Wikisource gehalten habe, kann ich logischerweise nichts über den Verlauf der anderen beiden anderen Wokrshops sagen. Vielleicht geben ja Kurt und Matthias die diese Workshops ausrichteten, noch irgendwo einen Stimmungsbericht ab.

In der festen Annahme, dass mein Workshop der mit dem geringsten Interesse sein dürfte, wählte ich als Vortragsort die kleine nette Bibliothek der Akademie aus, in der auch schon Maha sein Interview gegeben hatte (Einen Eindruck davon gewinnt man auf dem Bild unten und in dem Beitrag im Nachtmagazin). Der Ort hätte hätte zum Thema auch sehr schön gepasst. Zuerst sah es auch so aus, als ob der Zuhörerkreis sehr übersichtlich bliebe, kurz vor Beginn strömten aber soviele Leute in den kleinen Raum, dass wir in den grossen Plenarsaal umziehen mussten.

Wer sich den sperrigen Titel meines Vortrages ausgedacht hat, weiß ich zwar nicht, aber ich ließ mich davon nicht weiter beendrucken. Ziel meines Vortrages war es, die versammelten Wissenschaftler davon zu überzeugen, dass auch unser kleines feines Projekt beachtenswert ist und von Wissenschaftlern genutzt werden kann und natürlich vll. auch einige der Zuhörer dazu bringen könnte uns zu unterstützen. Ich hatte mich darauf gefasst gemacht, dass sehr kritische Fragen und Bemerkungen kommen würden, wie sich Laien anmassen könnten Texte einfach so zu edieren und auch noch den Anspruch haben, dass sie das richtig gut und wissenschaftlich tun. Aber nichts dergleichen. Im Gegenteil. Mir schien, dass die Damen und Herren recht beeindruckt waren, was wir innerhalb kurzer Zeit und mit vergleichweisen primitiven Mittel zustande gebracht haben. Auf jeden Fall hat mir die Reaktion gezeigt, dass wir mit unserem Credo gleichzeitig wissenschaftlich zu arbeiten, aber auch für den interessierten Leser die Texte aufzubereiten voll ins Schwarze getroffen haben.

Und in etlichen Gesprächen nachher, wurde uns von vielen Seiten Hilfe und Unterstützung zugesagt. Und mein Eindruck war, dass einige der Wissenschaftler überlegt haben, wie sie Wikisource in ihre editorische Arbeit einbeziehen können.

Leider gibt es von den Workshops keine Fotos. Aber es gibt bewegte Bilder. Die zur Academy anreisenden Wikipedianer aus Berlin darunter auch unsere Video-Filmerin Julica waren auf der Anreise mehrfach im Stau steckengeblieben, so dass sie erst zum Ende des ersten Tages ankamen.

Nach einer kleinen Pause ging es dann weiter mit der Podiusmdiskussion „Perspektiven breitenwirksamer Wissenschaftskommunikation in den Neuen Medien“. Als Moderator der Diskussion konnten wir den ZDF-Journalisten Volker Panzer gewinnen. Und ich muss sagen diese Wahl war hervorragend. Man erkannte, dass er sich auf das Thema vorbereitet hatte und stellte kluge und interessante Fragen, so dass sich doch eine recht angeregte Diskussion über die Wikipedia im Allgemeinen, die Mitarbeit von Wissenschaftlern, die explizite Namensnennung von Fachleuten bei von diesen geschriebenen Artikeln und die Einbindung von Wissenschaftlern in die Wikipedia-Arbeit entwickelte. Worüber ich besonders verblüfft war, dass es ausser einem älteren Herrn, dessen Kritikpunkte sich mir nicht so recht erschliessen wollten, keinerlei prinzipielle Kritik an der Wikipedia mehr gab. Leider scheinen aber die Ängste der Wissenschaftler, dass ihre Namen nicht über den Einträgen in der Wikipedia stehen noch etwas grösser zu sein scheint, als ihr Interesse ihre Erkenntnisse und ihr Wissen auch der breiten Öffentlichkeit mitzuteilen. In der Diskussion wurde deutlich gemacht, dass der Name vll. nicht darüber aber zumindest darunter stünde, wenn z.B. Wissenschaftler ihre Arbeiten interessierten Wikipedianer zur Verfügung stellen würden, so dass diese Arbeiten zur Grundlage von Artikeln werden.

Aus all den Diskussion dieser zwei Tage ergab sich, dass es neben dem reinen Artikelschreiben durch Wissenschaftler viel mehr Möglichkeiten gibt uns zu helfen und damit das Wissen was diese zusammengetragen haben, zu propagieren und der breiten Öffentlichkeit darzubieten. Und wir haben ihnen gezeigt, dass dieses Projekt genauso ernsthaft arbeitet, wie ein Wissenschaftler in seinem stillen Kämmerlein. Ein wichtiger Anfang ist gemacht.

Academy 2007 – Tag 1

Zuerst muss ich mich bei meinen Lesern entschudligen. Leider habe ich es nicht mehr geschafft direkt von der Academy zu berichten, wie ich eigentlich versprochen hatte. Aber das Programm war so dicht gepackt und die Gespräche so hochinteressant, dass ich keine Zeit gefunden habe, noch einen Beitrag zu schreiben.

Deshalb nun die ganzen zwei Tage im Rückblick, nachdem ich gestern abend wieder zuhause eingetrudelt bin. Über die Vorbereitungen und unsere Anreise hatte ich ja schon ein wenig berichtet, deshalb der sofortige Einstieg in das Programm.

Eröffnet wurde die Academy durch Grußansprachen von der Präsidentin der Akademie  der Wissenschaften und Literatur in Mainz Frau Lütjen-Drecoll, der Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz Doris Ahnen und Frank. Außer der Aussage der Ministerin, dass sie auch fast täglich in die Wikipedia schaut und stolz drauf ist, dass die Veranstaltung in Mainz stattfindet, ist mir davon nicht viel erinnerlich. Das übliche zur Eröffnung solch einer Veranstaltung eben.

Danach hielt der Trendforscher und Kommunikationsdesigner Peter Wippermann einen Vortrag unter dem Titel „Wikipedia – Wirkungsbeschreibung, Rezeption und Relevanz“. Ehrlich gesagt kam die die Wikipedia nur am Rande vor. Mir kam es vor als ob hier ein Vortrag zum Thema Web 2.0 gehalten wurde, dem ein neuer Titel vorangestellt wurde. Die Wikipedia kam nur am Rande vor und das auch noch fehlerhaft. Der rhetorisch brilliant gehaltene Vortrag schürte Ängste und Befürchtungen über das Internet und seine aktuellen Möglichkeiten, was sich auch in der anschließenden Diskussion niederschlug

Zum Glück kam direkt danach Markus Mueller mit seinem Vortrag zum  Qualitätsmanagment innerhalb der Wikipedia. Und ich hatte den Eindruck und andere Wikipedianer auch, dass die Darstellung der mittlerweilen doch recht ausgeklügelten Qualitätssicherungs-Mechanismen angefangen bei der Eingangskontrolle, SLA,  QS, LA und Löschprüfung bis hin zu den Qualitätsprädikaten Lesenswert und Exzellenz die Zuhörer beeindruckt hat. Von der anfangs noch spürbaren Skepsis blieb nach diesem Vortrag kaum noch etwas übrig und man sah bei manchem Zuhörer regelrecht die Kinnlade runterklappen, als Markus zum Schluss den gesamten Prozess der Qualitätssicherung nochmal in der Überischt schematisch darstellte. Von der Vorstellung da darf jeder reinkritzeln was er möchte, war spätestens da nicht mehr viel übriggeblieben.

Den offziellen Abschluss des ersten Tages bildete dann die erstmalige Verleihung der Zedler-Medaille. Prof. Ulrich Schneider hielt einen sehr amüsanten und kurzweiligen Vortrag über das Werk Johann Heinrich Zedler und zog einige Parallelen zur Wikipedia. So forderte z.B. Zedler seine Leser auf Artikel einzusenden, die dann auch veröffentlicht werden würden. Dementsprechend gibt es in der Enzyklopädie Zedlers auch Einträge über kleinere Städte in epischer Breite, Selbstdarsteller und Fancruft. Nach einer kleinen Laudatio wurde dann dem Feuerbach-Experten Josef Winiger die Zedler-Medaille für seinen Artikel über Ludwig Feuerbach verliehen.  Die Jury, der die Namen der Autoren erst nach ihrer Entscheidung bekanntgegeben wurden, hatte dessen Arbeit einstimmig als die Beste angesehen. Und die Wikipedia kann stolz darauf sein, solch einen Autor, dessen Artikel mittlerweile über 20 teils euphorische Stimmen in der Exzellenz-Diskussion gesammelt hat, in ihren Reihen zu haben. Hoffen wir, dass er in der Wikipedia weiter mitarbeiten wird.

Zum Tagesausklang gab es bei einem leckeren Wein und gutem Essen zahlreiche Gespräche zwischen Wikipedianern und den Wissenschaftlern, wobei immer wieder erklärt werden mussten, warum wir das machen und wie das Ganze funktioniert.

Mehr Bilder von der Academy gibt es auf der Commonsseite zur Academy 2007. Und einen wesentlich seriösen Beitrag über die Academy gab es dann noch spätabends im Nachtmagazin. Zu der Zeit sassen die Wikipedianer unter anderem mit Josef Winiger schon längst im bereits gestern erwähnten Weinlokal, das im übrigen kein Imitat ist, wie mir die sehr süße Bedienung glaubhaft versicherte. Ich nehme das also zurück.

Update:

Mein Vortrag bzw. die Folien dazu sind mittlerweile auf Commons: Wikisource Academy 2007.pdf

Das Interview mit Frank mit dem SWR zur Academy und natürlich darf der WikiScanner auch nicht fehlen, aber klasse gemeistert von Frank: SWR2 Impuls

Interviews und letzte Vorbereitungen

Überraschenderweise habe ich wunderbar geschlafen. Der letzte Schlummertrunk

gestern abend hat natürlich auch seinen Anteil daran.

 

Und heute morgen beim Frühstück riefen schon der erste Journalisten an, die partout noch im Hotel ein Radiointerview machen wollte. Mit Mühe konnte er auf um 11:00 vertröstet werden, was dann aber im lauschigen Innenhof der Akademie wesentlich entspannter ablief. Das Interview wird um 16:30 auf SWR 3 gesendet.

 

Und gerade befindet sich Martin Hase im Fernsehinterview mit der ARD für die Tagesschau um 5. Eventuell wird das Interview auch nochmal im Nachtmagazin wiederholt.

 

Ansonsten treffen langsam die ersten Gäste ein und wir erledigen letzte Arbeiten.

Update 18:40:

Beitrag in der Tagesschau um 5 zur Academy. (Links auf Wikipedia klicken, dann gelangt man direkt dorthin ohne sich die ganze Sendung ansehen zu müssen)

Plüschigkeit kennt keine Grenzen

Ich sitze hier gerade mit Frank zusammen in einem Hotel der gehobenen 2-Sterne-Kategorie und freue mich, dass zumindest ein kleiner Teil der modernen Welt hier Einzug gehalten hat. Aber dazu später mehr.Modernes Wohnambiente

Heute morgen also in den Zug nach Frankfurt und in Göttingen Frank auflesen. Der kam etwas verschwitzt bei mir an, da er durch den ganzen Zug latschen musste, weil der Bahn halt einfiel die Waggons genau andersherum fahren zu lassen, als vorgesehen. In Frankfurt angekommen mussten wir erstmal die Video-Ausrüstung abholen. Also rein in die rasende Strassenbahn Nummer 11 und zum Filmhaus Frankfurt fahren, die solche Ausrüstungen verleihen. Die guckten uns zwar etwas an, wie wir das Zeugs zusätzlich zu unserem eigenen Gepäck tragen wollten, aber wir konnten sie beruhigen. Und als sie hörten, dass das für eine Veranstaltung der Wikipedia, brubbelte einer was von „unzuverlässig“ und „Brockhaus“.

Also schwer bepackt wieder in die Strassenbahn und zur Geschäftstelle des Vereins am anderen Ende der Stadt gefahren. Dort trafen wir Arne und Matthias und erledigten ein paar Restarbeiten wie Namenschilder schnippeln und solch Zeugs. Nebenbei wurden von Frank noch 777 Interviewtermine mit allerlei wichtigen und unwichtigen Sendern des Landes und des europäischen Auslandes vereinbart. Irgendwie scheints hat der blöde WikiScanner die Gedanken der Journalisten vernebelt. Warum denen erst jetzt auffällt, dass jeder, ja wirklich jeder, die Texte in der Wikipedia bearbeiten kann, wird mir wohl auf immer ein Rätsel bleiben. Zumindest fing irgendwie fast jedes Telefonat was Frank mit Journalisten heute führte mit „Academy“ an und hörte sehr schnell mit „Wikiscanner“ auf. Ich bin gespannt was dann morgen noch für „investigative“ Fragen auf uns zu kommen. Nun gut.

Gegen 21 Uhr trafen wir dann in diesem lauschigen Hotel ein und machten uns auf in die Gutsschänke Bachhof, die wir am Wegesrand zum Hotel entdeckt hatten. Das Ding ist zwar ein mäßig gelungenes Imitat eines Weingutes inmitten eines Wohngebietes, aber die Pommes zum Almschnitzel waren einfach nur genial.Finanzer hat WLAN

Und nun sitzen wir beide hier bei einem Absackerbier aus der Minibar und finden was wir nie zu hoffen gewagt hätten. Das Hotel, dessen plüschiges Mobiliar seit seiner Erbauung in den 1970er Jahren nur sehr vorsichtig dem modernen Geschmack angepasst wurde, hat WLAN!!!! Denn ansonsten ist das Modernste in meinem Zimmer der mitgebrachte Laptop. Und da mir die liebe Telekom mittlerweile auf mein heimisches Telefon- und DSL-Paket eine Telekom-Hotspot-Flatrate gepackt hat, sind wir tatsächlich online.

Aber morgen geht dann wirklich der Ernst des Academy-Lebens los. Ich freue mich schon sehr auf die Veranstaltung. Und natürlich werde ich euch auf dem laufenden halten.

Auf zur Wikipedia Academy

Morgen geht es also los. Ich werde morgen früh in den Zug steigen und nach Mainz fahren. In Göttingen schnappe ich mir in den drei Minuten Aufenthalt den Frank und ab geht es. Der doch in den letzten Tagen etwas arg gestresste Frank hat dann hoffentlich vor dem Rummel noch ein paar entspannte Stunden bis zu seinem großen Auftritt am Freitag zur Eröffnung der Zweiten Wikipedia-Academy. Es haben sich immerhin eine Ministerin, ein Staatssekretär und diverse Medien angemeldet. Also nichts wirklich weltbewegendes.

Was ist meine Rolle bei dem Ganzen? Eigentlich nur eine ganz kleine. Im Vorfeld habe ich Frank ein wenig mit Rat und eher weniger Tat beiseite gestanden. Der Großteil der Organisation lag aber Frank. Und ich wurde gebeten einen Workshop über Wikisource zu gestalten, was ich natürlich mit Freuden tue, und ich wurde gebeten viele, viele Fotos zu machen. Weshalb ich mich auch stolz „Offizieller Wikipedia-Academy-Fotograf“ nennen darf ;-) Und bewegte Bilder wird es auch geben. Die sind dann aber nicht von mir. 

In diesem Blog werde ich die nächsten Tagen sozusagen in Echtzeit die Academy dokumentieren und über Berichtenswertes berichten. Für alle die nicht dabeisein können, wird es viele Bilder geben und vll. schaffen wir es auch die ersten Videos online zu stellen. Ansonsten natürlich Informationen über die Vorträge, die Verleihung der Zedler-Medaille, die Gespräche mit den angereisten Gästen und natürlich auch viele persönliche Eindrücke.

Fortsetzung folgt