Nov 17

Wenn man den folgenden Text in ein etwas moderneres Deutsch bringen würde, dann könnte der sicherlich auch mühelos im Feuilleton einer großen Zeitung oder bei den Aktioneuren der Aktion Lebendiges Deutsch stehen.

[...] weil sie ihre Muttersprach villeicht nit vollkommen verstehen / oder reden können / sich frembder Wörter behelffen; [...] Aber die jenige welche auß Hoffart / und damit sie gesehen seyn möchten / einen Hauffen unteutsche Wörter einzumischen pflegen / welche weder sie selbsten noch andere die mit ihnen sprachen / verstehen / geschweige recht reden können / wollen wir den Sprachkündigen und Gelehrten [...] zu gefallen im Land lassen / nicht allein selbst ihre Kurtzweil an ihnen zuhaben / wann sie so werckliche Wörter vorbringen / sonder auch sich in ihren Reden zu spieglen und wahrzunehmen wie närrisch es stehe / wann ein Teutscher mit Fleiß und ohn alle Noth frembd redet / da er die Sach in seiner aignen Muttersprach viel verständlicher und zierlicher Vorbringen könte.

Der Text stammt im übrigen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist eine Klage des bekannte Schriftstellers Hans Jakob von Grimmelshausen in Deß Weltberuffenen Simplicissimi Pralerey und Gepräng mit seinem Teutschen Michel, dass ich derzeit auf Wikisource mithelfe zu korrigieren.

P.S. Der Artikel ist dem von mir hochgeschätzten und immer mit Genuß gelesenen Bremer Sprachblog gewidmet. Die Widmung ist natürlich als Empfehlung gemeint, sich auch dort lesend umzutun ;-)

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertungen vorhanden)
Loading ... Loading ...
Jan 14

"Häh?" werden sich viele beim Lesen der Überschrift vermutlich denken.  Oder auch: "der Finanzer spinnt jetzt wirklich". Aber sie ist ein wunderschönes kleines Beispiel für den Wandel der deutschen Sprache in den letzten Jahrhunderten. Das vollständige Zitat aus dem Prager Frieden von 1635 lautet:

auch hoch vnnd thewer verpönten Religion: vnnd ProphanFrieden

Da ich kein Sprachwissenschaftler bin, steht das folgende natürlich unter dem Vorbehalt der persönlichen Theoriefindung. Hier darf ich das aber zum Glück.

Das Wort verpönt wird heute meist in der Bedeutung auf Grund bestimmter Vorstellungen verachtet, für schlecht gehalten verwendet. Zumindest sagt dies das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts und mein Sprachgefühl sagt mir sowas ähnliches.

Im Wort verpönt steckt aber das heute völlig unbekannte Wort Pön. Das Deutsche Rechtswörterbuch gibt als Erklärung für dieses Wort:

wie bei lat. poena unspezifische Bez. für jede Art der Strafe oder Buße [...], meist aber für eine Geldstrafe

Verpönt wird in unserem Vertrag, als das Wort Pön noch sehr häufig verwendet wurde, also schlicht im Sinne von unter Strafe stehen verwendet. Und nun wird auch klar wie etwas hoch und teuer verpönt sein kann. Das bedeutet einfach, dass eine hohe und teuere Strafe droht. Hier also natürlich nicht für den Frieden, sondern selbstverständlich für den Bruch desselben.

Und nachdem das Wort Pön außer Gebrauch kam, vergaß man offenbar auch den genauen Sinn des Wortes verpönt und es konnte den Wandel zur heutigen Bedeutung durchmachen, was die Wendung dann für heutige Leser etwas seltsam anmuten lässt.

Das ist aber nur ein Beispiel von vielen, auf die man beim Lesen, Abtippen und Korrigieren frühneuzeitlicher Texte stößt. So findet man bspw. viele doppelte Verneinungen die die Verneinung bekräftigen sollen und nicht wie man heute vermuten würde die Verneinung negieren. Die uns allen bekannte Formulierung samt und sonders hat einen heute unbekannten Partner sampt oder sonders, merkwürdige Sachen sind nicht unbedingt seltsam oder eigenartig, sondern nur würdig sie sich zu merken und vieles mehr.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertungen vorhanden)
Loading ... Loading ...
Aug 02

Irgendwie scheint die Arbeit an den alten Texten auch auf die Nutzer bei Wikisource abzufärben. Mittlerweile gibt es schon zwei Nutzerseiten, die in einem etwas angestaubten Deutsch verfasst sind, aber witzig zu lesen sind und wo diese altertümliche Sprache dem Ganzen den gewissen Reiz verleiht. Viel Spaß beim Lesen und bei Verständnisproblemen einfach auf der Diskussionseite nachfragen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertungen vorhanden)
Loading ... Loading ...
preload preload preload