Berlin, Hauptstadt der DDR (2)

Manchmal kann Aufräumen sehr nützlich sein. Insbesondere dann, wenn man lange Gesuchtes endlich aus den Tiefen längst vergessener Kartons zu Tage fördert.

Im konkret vorliegenden Fall wünschte sich Mrs. Finanzer einen begehbaren Kleiderschrank. Auserkoren wurde dafür der von mir der bis dato als GerümpelAbstellkammer genutzte kleine Raum in unserer Wohnung. Darin fanden sich alle möglichen Kisten und Kartons, die ich seit meinem letzten Umzug unbesehen und ungeöffnet dort vergessen aufbewahrt hatte. Den allergrößten Anteil des Inhalts dieser Kisten konnte man ohne größere Bedenken einfach in die nächstgelegene Abfalltonne werfen. Aber gut, dass ich in einem Karton mit einer alten Lampe und alten Büchern doch etwas tiefer gegraben habe. Es fand sich nämlich ein etwas feuchtigkeits- geschädigter A4-Umschlag mit alten Fotos und Negativen, die ich schon lange gesucht hatte. Darunter auch weitere Bilder aus dem Sommer des Jahres 1990, deren Veröffentlichung ich vor ziemlich genau einem Jahr bereits angedroht hatte. Dank Mrs. Finanzer ist es nun soweit.

Diese Bilder umfassen ein paar Impressionen vom Alexanderplatz mit den medialen Vorbereitungen für die Währungsunion, einen DDR-Geldautomaten mit entsprechender Mitteilung und eine der letzten Akkreditierungen eines Botschafters in der DDR. Ein zweiter Teil mit Schwarzweiß-Bilder, die ich noch vom Negativ scannen muss, folgt demnächst.

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Klicktipps (4)

P.S. Ich habe heute das Blog auf die Version 2.8 akutalisiert. Bisher sehe ich keine Probleme, falls es doch welche geben sollte, bitte Bescheid geben.

Die gute alte DDR

Am 1. April wurden die ersten rund 5000 Bilder, die von der Fotothek unter eine freie Lizenz gestellt wurden, auf Commons hochgeladen. Wenn ich es recht gesehen habe, sind es ausschließlich Bilder des Fotografen Eugen Nosko, der in den 1970er und 1980er Jahren Industriefotograf im Auftrag volkseigener Betriebe und Kombinate war.

Und genau dies zeigen diese Bilder: Menschen, Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Milieu der Industrie im einstigen „Arbeiter- und Bauernstaat“. Einige wenige Bilder, die mir als Ex-Ossi besonders ins Auge fielen, hab ich hier mal in einer kleinen Galerie zusammengestellt.

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Irritiert bin ich über die Kritik die hier und da aufkam. Die Bilder die von der Fotothek bereitgestellt wurden seien enttäuschend, unbrauchbar und unenzyklopädisch. Auch wenn man nicht unbedingt alle Bilder hätte hochladen müssen, da sich doch einige Motive stark ähneln bzw. wiederholen, muss ich der Kritik widersprechen. Erstens handelt es sich, wie bereits erwähnt, um einen winzigen Bruchteil der insgesamt 250.000 Bilder.

Zweitens sehe ich die Bilder als wichtige Zeitdokumente der DDR-Industrie und teilweise des Alltagslebens. Viele Bilder zeigen, auch erst durch die vermeintlichen Wiederholungen, sehr schön die Formensprache und die Ästhetik der „sozialistischen“ Kunst. Da sehen wir zum Beispiel auf vielen Bildern lachende Bauern bei der Apfelernte, zufriedene Arbeiter beim Essen in einer sauberen Kantine und glückliche Urlauber im Ferienheim. Genauso wie bei vielen Bildern aus dem Bundesarchiv, handelt es sich bei den meisten Bildern von Eugen Nosko auch nur um Propagandafotos. Die Realität sah wesentlich trister und trüber aus.

Und drittens ist, zumindest für mich, Commons keine Exklusiv-Veranstaltung der Wikipedia, wo jedes Bild unbedingt Platz in einem Enzyklopädie-Artikel finden muss. Ob hingegen auf Commons private Urlaubsbilder unter einer freien Lizenz ihren Platz finden sollen, ist eine ganze andere Frage.

Natürlich erhoffe auch ich mir noch andere Bilder, als nur glückliche Arbeiter und Bauern in der sozialistischen Produktion.

Berlin, Hauptstadt der DDR

Wie vor einigen Tagen versprochen hier nun eine erste Galerie mit zehn Bildern, die ich im Juni 1990 in Berlin, damals noch Hauptstadt der DDR, gemacht habe. Auf Grund der Motive vermute ich stark, dass die alle am selben Tag irgendwann im Juni 1990 entstanden sein müssen. Aus dieser Reihe stammt auch das Bild, dass bei Heise verwendet wurde.

Viel Spaß beim Angucken.

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Ich weiß, dass irgendwo in meinem Chaos noch mehr Bilder aus dieser Zeit existieren müssen. Und wenn ich die gefunden habe, werde ich die Euch natürlich nicht vorenthalten. [Update: Den zweiten Teil gibt es mittlerweile auch]

Ein Bild bei Heise

File:Nva-ehrenwache.jpg

Als ich im Sommer des Jahres 1990 dieses Bild gemacht habe, dachte ich garantiert nicht, dass es jemals in einem Artikel über das Funktionieren von Propaganda landen würde. Geschweige denn dass ich wusste wer oder was der Heise Verlag ist, den es immerhin schon damals gab, oder dass an das Internet oder die Wikipedia zu denken war.

Das Bild ist wie gesagt im Sommer 1990 in Berlin in der Straße Unter den Linden entstanden. Bis zum Ende der DDR standen vor der Neuen Wache, dem damaligen Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus, ständig zwei Soldaten der Nationalen Volksarmee als Mahnwache. Das Bild zeigt nun eine der stündlichen Wachablösungen bzw. den Marsch der neuen Wachposten zur Neuen Wachen. Die Wachablösung erfolgte stets im Stechschritt und war schon alleine deshalb eine kleine Touristenattraktion, erst recht in der sich allmählich auflösenden DDR.

Und da ich in diesem Sommer nichts weiter zu tun hatte, als auf den Beginn meines Studiums zu warten und in der Ahnung, dass die DDR nicht mehr lange existieren würde, habe ich in diesen Wochen einige Filme mit den letzten noch sichtbaren Zeichen der DDR vollgeknipst. Darunter ein Stau mit vielen Trabis in Ostberlin, eine Botschafterakkreditierung im Staatsratsgebäude, die ersten Werbeplakate aus dem Westen, Demos gegen den Anschluß an die BRD, die Geldtransporter die die Westmark brachten, ostdeutsche Geldautomaten und noch so einiges mehr.

In Gewöhnung an die digitale Fotografie wundere selbst ich mich, dass es nur so wenige Bilder sind, die ich noch habe. Aber es waren nie mehr. Farbfilme und deren Entwicklung waren in der DDR schweineteuer. Irgendwo habe ich auch noch eine Quittung mit dem Preis. Westmark und damit auch geringere Preise kam erst etwas später mit der Währungsunion. Und man erinnere sich: auf jedem Film waren nur 32 Bilder. Wenn man den Film nicht alle drei Minuten wechseln wollte, musste man sehr sparsam umgehen und sich genau überlegen, was man fotografiert. Und natürlich mißlangen Bilder, was man aber erst Wochen später nach der Entwicklung feststellte.

Und da es in der Anfangszeit der Wikipedia noch sehr wenige Bilder gab, erst recht für die Zeit der DDR und die NVA, habe ich das Bild im August 2004 (mein Gott ist das lange her) gescannt und damals noch in die de-Wikipedia hochgeladen. Mittlerweile befindet es sich auf Commons und wird in 14 Wikipedien verwendet und nun eben auch bei Heise. Keine Ahnung warum Heise genau dieses Bild genommen hat, freuen tut es mich natürlich trotzdem :-)

Nun aber Schluß mit den ostalgischen und WP-nostalgischen Gedanken. Die anderen Bilder werde ich demnächst mal digitalisieren und eine Auswahl hier in einer Galerie präsentieren.

Update (wenig später):

Habe gerade die Quittung gefunden. Es waren 40,55 Mark der DDR für 19 Bilder. Der Rest von dem Film war wohl nichts geworden. Zum Vergleich laut Wikipedia betrug die Miete 60-m²-Neubauwohnung inkl. aller Nebenkosten 70 Mark.