Jowinix‘ Gedicht des Tages (2)

Jowinix hat mal wieder ein bisschen was gedichtet und er hat das kleine Gedicht mir und meiner [intlink id=“1298″ type=“page“]E-Book-Produktion[/intlink] gewidmet:

Ich bin ein E-Book Fabrikant

und fabrizier so allerhand

Geschichte, Märchen und Romane

gewichtige und auch profane;

zuweilen muß ich mich auch plagen

mit etwas Wissenschaft und Sagen.

Doch tu ich dies, weils mir gefällt

mich kostets Mühe – dich kein Geld.

Danke schön dafür :-)

Jowinix‘ weihnachtliches Gedicht des Tages

Ich wünsche diesmal fröhliche Weihnachten mit einem „besinnlichen“ Gedicht von Jowinix:

Ein neues Hoppereiterpferd
wurde dem kleinen Fritz beschert
es weihnachtete gerade
das war ganz furchtbar schade
denn gerne machte Fritzchen
was er so hielt für Witzchen
und ritt wild durch den Raum
sprang lachend in den Baum
da war er noch sehr froh
danach nicht mehr ganz roh
denn mit dem Baum zusammen
stand er sogleich in Flammen
die Eltern saßen stumm
und kuckten etwas dumm
als da ihr wildes Bübchen
gebraten wurd im Stübchen
das weihnachtlich geschmückt
und waren nicht beglückt.

Da Jowinix befürchtete, dass ihm zu Weihnachten nichts mehr einfallen könnte, hat er dieses Gedicht bereits Anfang Oktober im Wikisource-Chat dargeboten.

Jowinix‘ Gedicht des Tages und die WTFPL

Nachdem Jowinix ja bereits ein [intlink id=“1056″ type=“post“]Gedicht über die Katzenorgel[/intlink] für diesen Blog beigesteuert hat, gibt es heute eines seiner neuesten Meisterwerke:

Die Zeiger drehen ihre Runde
und schleichen sich zur Geisterstunde
der Tag hat sich zum End geneigt
wenn kurz und lang nach oben zeigt

Autor: Jowinix
Datum:4. August 2011, ca. 23 Uhr 55 im Wikisource-Chat (Urlesung)
Lizenz: „mach was du willst“ (Do What The Fuck You Want To Public License) in unbestimmter Version

(via Wikisource-Nutzerseite von Itu)

Und da sieht man wieder mal, das auch abendliches chatten lehrreich sein, was es so alles an Freien Lizenz gibt.

Sommeranfang 2011

Aus aktuellem Anlass gibt es heute ein Gedicht von Joachim Ringelnatz:

Deutsche Sommernacht

Wenn die Pfirsichpopos
Sich im Sekt überschlagen.
Und der Teufel legt los,
Uns mit Mücken zu plagen.
Und wir füllen einmal reichlich bloß
Einem Armen Tasche und Magen.

Doch es blähn sich Männerbäuche.
Tabakblau hängt sich an Sträuche.
Wenn wir dann die Jacken ausziehn,
Und ein Bratenduft poussiert Jasmin – –

In das dunkle Umunsschweigen
Senden zwei entfernte Geigen
Schwesterliche Melodie.
Uns durchglüht ein Urgedanke.
Und es wechseln runde, schlanke
Frauenbeine Knie um Knie.

Und auf einmal lacht die Runde,
Weil ein Herr aus einem Hunde
Hinten einen Faden nimmt.
Wenn dann wirklich alles, alles lacht,
Dann ist jene seltne deutsche Nacht,
Da mal alles stimmt.

Mehr Texte zum Sommer auf der Themenseite bei Wikisource

Katzenorgel – Das Gedicht

Jowinix, der mich heute im Chat bei der Recherche zur Katzenorgel unterstützt hat, dichtete dann noch das ultimative Gedicht zur Katzenorgel (hier wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung des Autors):

Der Katzenorgelorganist beginnt am frühen Morgen
verschiedne Katzen-Stimmen für die Orgel zu besorgen.
Er packt sich eine Katze, tut sie in den Verschlag
sogleich gibt es Spektakel, weil die das garnicht mag.
Und während er sich müht, die Zweite einzufangen
gelingt es schon der Ersten ins Freie zu gelangen.
Er ist schon arg zerkratzt, gerät auch schon ins Schwitzen;
die Katzen in der Orgel bleiben da nicht lange sitzen.
So fängt er Katzen ein, die springen wieder raus,
der Tag neigt sich zum Ende und das Konzert fällt aus.

Zwei hochwertige Stücke deutscher Poesie

Als kleine Ergänzung für den neuesten Artikel von Felistoria Datei:Kladderadatsch1878.423..reichshund.2.jpgüber den Reichshund, habe ich mich bereit erklärt zwei kurze Gedichtlein über die Hunde von Bismarck abzutippseln. Und wie von ihr angedroht, sind es wahrlich zwei hochwertige Exemplare der deutschen Dichtkunst des 19. Jahrhunderts.

Als erstes das Gedicht An den Reichshund aus der Satirezeitschrift Kladderadatsch. Die Hintergründe zu dem Gedicht sind im Artikel gut erklärt.

Aedler Sultan, Hund der Hunde,
Von dem das Wochenblättlein spricht
Im kleinsten Nest der Erdenrunde,
O Sultan, du gefällst mir nicht!
Ich kann das Beißen gar nicht leiden,
Das dir im wilden Blute steckt;
Und läßt es sich ganz vermeiden,
So wähl’ doch besser dein Object.

Man weiß, wie beim Congreß dolose
Getrieben du dein schlimmes Spiel,
Und wie dir Rußlands Gala-Hose,
Die stattliche, zum Opfer fiel.
Vor Knickebeinen, die zum Gehen
Zu schwach sind, wichst du nicht zurück;
O Sultan, du mußt selbst gestehen,
Fürwahr, das war kein Heldenstück!

Dann hast mit frevelhaften Bissen
Der Herrin, die dir wild gebeut,
Du tückisch das Gewand zerrissen
Und zähnefletschend sie bedräut.
Die Dame, welche du vor Allen
Ein Freund und Schützer solltest sein,
In blindem Wüthen anzufallen,
Das, Sultan, scheint mir recht gemein!

Als du den Herrn zur salz’gen Quelle
Begleitet an der Saale Strand,
Schritt täglich über seine Schwelle
Ein Mann in schwärzlichem Gewand.
Zur Tafel war er mitgenommen;
Allein so oft dies auch geschah,
Nicht hat dein Herr ihn satt bekommen,
Stets war der Würd’ge wieder da.

Stets trat die prallste aller Waden
Im Seidenstrumpf zu dir herein;
Ach, diese Seidenstrümpfe laden
Zum Anbiß gar verlockend ein!
Doch nichts hört man von neuen Fehden,
Es sprach von dir nicht ein Gericht;
Du Krone aller Quadrupeden,
O Sultan, ich versteh’ dich nicht!

Kladderadatsch

und das zweite etwas kürzere von Karl Henckell aus der Abteilung Aus einem Notizbüchlein der Liebe:

Der Kaiser ist heiser, der Reichshund bellt,
Bald geht aus den Fugen die ganze Welt.

Wir sitzen auf freier Brüstung und schau’n
Auf lächelnde Thäler, auf sonnige Au’n.

Ein Blick in die Ferne, ein Blick nach dir,
Der Himmel dort oben, der Himmel hier.

In diese Himmel wollen wir lugen,
Und ginge die ganze Welt aus den Fugen.

Warum hier der Reichshund auftaucht und was uns dieses Gedichtlein sagen möchte, wird wohl ewig ein Geheimnis des Dichters bleiben.

Zehn mal Tandaradei

Datei:Kaulbach Tandaradei.jpg
Zeichnung zum Lied von Wilhelm von Kaulbach

Vor einer geraumen Weile hatte ich mal über unsere Transkription des bekannten Gedichtes Under der Linden von Walther von der Vogelweide aus dem Codex Manesse und meine Begeisterung über dieses Gedicht berichtet.

Mittlerweile haben wir auf Wikisource von diesem Gedicht zehn Versionen zu bieten. Mit Unterm Lindenbaume von Adalbert Schroeter (vielen Dank an Paulis dafür) sind es nun acht Übersetzungen ins Neuhochdeutsche, die Edition des mittelhochdeutschen Textes von Karl Lachmann und eben die Transkription aus dem Codex Manesse.

Für mich bleibt aber die Originalfassung weiterhin die schönste. Wie sagte Poupou damals in den Kommentaren:

tandaradei eben

Der Schnupfen

Heute mal aus aktuellem Anlass ein Gedicht:

Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse
– und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.
Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!“
und hat ihn drauf bis Montag früh.

 Christian Morgenstern

Dieses Gedicht haben wir leider noch nicht auf Wikisource, kommt aber sicherlich irgendwann.

Guten Rutsch

Anneke hat mir gerade folgendes Gedicht auf meine Diskussionsseite gepackt. Ich nehme den damit verbunden Wunsch einfach mal auf und wünsche Allen einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr 2009:

Der Glückwunsch
 
Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr,
Ins Heute aus dem Gestern.
Man hörte ihn sylvestern.
Er war sich aber selbst nicht klar,
Wie eigentlich sein Hergang war
Und ob ihn die Vergangenheit
Bewegte oder neue Zeit.
Doch brachte er sich dar, und zwar
Undeutlich und verlegen.
 
Weil man ihn nicht so ganz verstand,
So drückte man sich froh die Hand
Und nahm ihn gern entgegen.
 
Joachim Ringelnatz

Walther von der Vogelweide

Nach gemeinsamem Lesen im Chat haben wir es heute geschafft ein Liebes-Gedicht von Walther von der Vogelweide in Wikisource einzustellen. Auch wenn auf den ersten Blick alles recht klar aussieht, ist es doch schwieriger als erwartet ein Gedicht aus dem Codex Manesse zu transkribieren. Ich kannte es bisher nicht, aber es scheint eines der bekanntesten mittelalterliche Gedichte zu sein. Ich persönlich finde es sehr schön, auch wenn man sich in das Mittelhochdeutsche einlesen muss. Ich weiß nicht wem es ursprünglich gewidmet war, für mich ist einer Königin würdig.

Das Gedicht beginnt links unten in der letzten Zeilen. Wer mag kann ja vergleichen. Hier unsere Transkription:

Vnder der linden
an der heide
da vnser zweier bette was
da mugent ir vinden
schone beide
gebrochen bluomen vnde gras
vor dem walte in einem tal
tandaradai schone sanc dui nahtegal.

Ich kan gegangen
zvo der ovwe
do was min fridel komene
da wart ich enpfangen
here frowe
dc ich bin selig iemer me.
er kuste mich wol tvsent stunt.
tandaradei seht wie rot mir ist der munt.

Do hat er gemachet
also riche
von bluomen ein bette stat
des wirt noch gelachet innekliche
kvmt iemen an dc selbe pfat
bi den rosen er wol mac
tandaradei merken wa mirs havbet lac.

Das er bi mir lege
wesses iemen
nvn welle got so schamt ich mich
wes er mit mir pflege
niemer niemen
bevinde dc wan er vnd ich
vnd ein kleines vogellin
tandaradei dc mac wol getruiwe sin.

Update 30. Januar 2009:

Das mittelhochdeutsche Original nach dem Codex Manesse und einige neuhochdeutsche Übersetzung befinden sich auf der Themenseite Under der linden bei Wikisource.