Das Kölner Stadtarchiv und Archivalia

Ich wollte nur kurz darauf hinweisen, dass das Blog rund um Archivthemen Archivalia derzeit sehr ausführlich über die Arbeiten und Rettungsmaßnahmen der Kulturgüter des eingestürzten Kölner Stadtarchivs berichtet.

In meinen Augen ist diese Blog für alle die sich über das Thema informieren wollen, derzeit die erste Anlaufstelle.

Sie dürfen hier fotografieren

Wie eins drunter angekündigt, haben Frank und ich am Freitag auf unserem Weg nach Marienthal einen kurzen Abstecher zu Farina gegenüber gemacht, der im Jahre 1709 gegründeteten heute weltältesten Parfumfabrik und dem Erfinder des Kölnisch Wassers. Wir waren von Herrn Farina eingeladen uns das Duftmuseum anzuschauen und anschließend ein Gespräch mit ihm zu führen. (Marcus gräme dich nicht, insgesamt waren wir nicht mal vier Stunden in Köln. Wir melden uns aber, wenn wir mal wieder länger da sind.)

Auf dem Weg von Hannover nach Köln fragten wir uns ernsthaft warum so viele Städte vor Köln liegen, die es wert sind, dass dort ein ICE hält. Irgendwie braucht man aus fast allen Richtungen, doppelt solange nach Köln, wie für dieselbe Strecke in anderen Gegenden unserer schönen Heimat. Die Weg der Bahn sind halt unergründlich.

In Köln angekommen, suchten wir die Köln Info und fanden sie am Fuße des Domes. Leider erwischten wir bei unserem Auskunftsersuchen nicht die hübsche junge Dame ganz links, sondern die etwas ältere ganz rechts, was eine minutenlange Suche im Stadtplan nach dem ominösen Platz dem gegenüber Farina liegen soll zur Folge hatte. Erst die Erwähnung des Wortes Farina brachte sie auf die Idee uns eine Broschüre des Hauses in die Hand zu drücken, auf der der Weg klar und präzise eingezeichnet war. Und der wie sich heraustellte in fünf Minuten gemütlichen Spazierganges mühelos zu bewältigen war. Und da wir etwas zu früh waren, schauten wir noch einige Minuten den Ausgrabungen junger Menschen auf dem Platz vor und einer Hochzeitsgesellschaft zu, die gerade aus dem Historischen Rathaus der Stadt Köln gekommen war (Wieso hat das Rathaus eigentlich keinen Artikel?). Zwar lese ich gerade in der Wikipedia, dass das Rathaus aus dem Mittelalter sein soll, nun denn. Uns kam es irgendwie aus verschiedenen Stilen des Mittelalters wie in Disneyland zusammengestoppelt vor.

Wie sich heraustellte, ist das Duftmuseum kein Museum im eigentlichen Sinne, Flacon Kandinsky Farina sondern ist nur durch das Ladengeschäft zu erreichen, dass sich im Erdgeschoß des Unternehmenssitzes befindet. Wir wurden schon erwartet und gebeten eine Etage höher zu warten bis die Führung begänne. In dem Raum befanden sich ein paar Stuhlreihe und viele Porträts von Vorfahren des jetzigen Firmeninhabers. Ich wurde sofort beauftragt diese zu fotografieren, was ich natürlich tat. Wenige Minuten später öffnete sich eine Tür und eine äußerst attraktive junge Dame erschien, die uns mit den Worten begrüßte: „Herr Farina hat sie schon gesehen. Aber sie dürfen hier fotografieren.“ Denn normalerweise ist in den Räumen fotografieren verboten. Und wie uns Herr Farina gesehen hatte, erfuhren wir dann etwas später auch. Wie sich heraustellte war die junge Französin unsere Führerin durch die Ausstellungsräume. Ich muss zugegeben, ich hätte fast das Weiterfotografieren vergessen.

Nach einem kurzen Vortrag zur Geschichte des Hauses und den Produkten, wurden wirRussisch Leder Farina in den Keller geführt, in dem früher das Kölnisch Wasser produziert wurde und der nun das eigentliche Museum beinhaltete. Zu sehen waren Flacons aus der gesamten Geschichte des Hauses, Werbezettel, Fässer in denen das Parfüm reifte, Destillationsapparate, der Originalschreibtisch des Gründers und Informationen zum Kampf des Unternehmens gegen Plagiatoren und Fälscher. Und die Plagiate und Fälschungen waren schon immer ein Problem für Farina. Eine imposante Liste aus dem 19. Jahrunderten von 114 Firmen alleine in Köln, die sich mit ähnlichen Namen an den Erfolg von Farina dranhängen wollten, zeigte dies deutlich. Ich denke in einigen Tagen wird die fotografische Ausbeute des Museumsrundganges auf Commons zu sehen sein.

Im anschließenden Gespräch mit Herrn Farina stellte sich heraus, dass dieser ein großer Fan der Wikipedia (sinngemäß „Vergessen sie den Brockhaus, der ist oft veraltet und hat reihenweise Fehler.“) und geschichtlich sehr interessiert ist. Wir erfuhren noch so einiges zur Geschichte des Hauses, zum Marketinggag Ende des 19. Jahrhunderts in dessen Folge es Männer- und Frauendüfte gab, über den Zweck des Farina-Archives und was man damit auch vor Gericht anfangen kann. Und für uns recht verblüffend war auch die Aussage, dass ein ausgebauter WP-Artikel nicht der Werbung für das Unternehmen dienen würtde, sondern ihm viel mehr daran liegt, dass dieser korrekt ist und nicht all die Legenden enthielte, die sonst so durch die Gegend geistern. Und er würde in Zukunft die vielen Anfragenden, die sich für die Geschichte Farinas interessierten, auf den Artikel in der Wikipedia verweisen. Und vll. wird er den Artikel auch durch seine Mitarbeiter in einige andere Sprachen übersetzen lassen. Wir durften ihm kurz erklären wie das mit dem Qualitätsmanagement in der Wikipedia funktioniert, wer die Autoren in der Wikipedia sind und die „Letzten Änderungen“ haben wir auch gezeigt. Leider mussten wir uns nach anderthalb Stunden sehr angeregten Gespräches verabschieden, da wir mit elya am Hauptbahnhof zur Weiterfahrt nach Marienthal verabredet waren. Zum Abschied erhielten wir noch eine etwas größere Duftprobe, die wohl einige Zeit reichen wird und gern im Hotel zur Reichskrone geruchsprobiert werden darf ;-)

Achja, das Produkt des Hauses riecht äußerst angenehm und hat mit dem wesentlich bekannteren Produkt eines Unternehmens das eine Nummer im Namen führt so überhaupt nichts zu tun. So schnell werde ich dieses Erlebnis nicht vergessen. Und Frank hat für den Artikel viele Bilder und wird von Herrn Farina noch mit einigem Material versorgt. Und was bisher schon da ist, verspricht eine äußerst anregende Lektüre. Hoffentlich bekommt er den Artikel für den Schreibwettbewerb fertig.

Morgen berichte ich dann über die Klausurtagung des Vorstandes.