Schlagwort-Archiv: Wikimedia

Mrz 23 2012

Do what you can do – Eine Replik

Southpark hat heute in seinem Blog einen Beitrag gepostet, dessen Zielrichtung ich nicht verstehe und auch nicht verstehe was der Autor uns damit sagen möchte. Nun gut er möchte reflektieren über das was Freies Wissen im Allgemeinen und Wikipedia im Besonderen für die Welt bedeutet und worin die Zukunft der Wikimedia-Bewegung bestehen sollte. Da die Kommentarspalte eher für kürzere Texte geeignet ist, ich aber doch etwas genauer auf einige seiner Gedanken eingehen möchte, nehme ich seine Anregung zur Diskussion in Form dieser Replik auf.

In einem ersten Beitrag hatte sich Southpark bereits mit der Bedeutung Freier Lizenzen beschäftigt und zieht trotz der Kritik an seinen These weiterhin die Schlussfolgerung, dass diese für das Projekt eher randständig seien. Dass ich dies anders sehe, habe ich bereits ausführlich in den Kommentaren dargelegt. Deshalb nun zur Kritik des aktuellen Beitrages.

Katze als Entenmutter

Southpark stellt eine erste Grundthese auf:

 Grundthese: das, was Wikipedianer und Wikimedianer können, und was sie positiv von allen anderen abhebt, ist es eine Onlineenzyklopädie zu schreiben. Das mag jetzt auf den ersten Blick banal klingen, ist aber praktisch gar nicht so einfach.

Ich versteht das nicht (liegt vermutlich an mir). Beziehungsweise versteh ich nicht was er mir damit sagen möchte. Zumal er nicht vertieft was daran nicht so banal ist. Ich vermute was er sagen möchte, aber leider gibt es keine Hinweise, ob ich richtig liege.

Was mich aber wesentlich mehr stört ist der Umkehrschluss, der angeblich natürlicherweise möglich sei.

Und die Aussage erlaubt natürlich auch den Umkehrschluss, darüber was Wikipedianer und WIkimedianer nicht besser können als alles andere, und wo sie über keine besondere Kompetenz verfügen: alles außer eine Online-Enzyklopädie schreiben. Dann allerdings stellt sich die Frage: warum sollten sie es machen? Also jetzt nicht als Hobby, sondern mit großen Aufwand und quasi professionell?

Dieser Umkehrschluss ist aber eben nicht möglich, denn selbstverständlich sind Leute, die die Wikipedia schreiben in der Lage andere Dinge ebenso gut zu machen. Der erste Grund ist, weil diese Enzyklopädie zum aller größten Teil nicht von ausgebildeten und in der Wolle gefärbten  Enzyklopädieschreibern gemacht wird. Viele haben einen Job, in dem sie hoffentlich proffesionell arbeiten oder sind über ihr Hobby zur Wikipedia gekommen. Oftmals ein Hobby, das sehr intensiv und en detail ausgeübt wird. Es gibt bereits eine riesige Bandbreite an Kompetenzen, die die in der Wikipedia Mitarbeitenden besitzen, was man bei einem simplen Besuch eines Stammtisches herausfinden kann.

Hinzu kommt, dass sich viele der Wikimedianer Fähigkeiten angeeignet haben, die weit über das Schreiben von Enzyklopädie hinausgehen: Fotografieren als Offensichtlichstes, Recherchieren, Riesige Datenmengen sortieren, kategorisieren und einordnen, Programmieren bis hin zu eher exotischere Fähigkeiten wie Handschriften der Frühen Neuzeit lesen. Da stellt sich eher die Frage, warum diese neu erworbenen und die bereits vorher vorhandenen Fähigkeiten und Kenntnisse nicht besser und effektiver nutzen? Wissen erschöpft sich eben doch nicht nur in Enzyklopädie.

Und nur am Rande sei angemerkt, dass für Southpark alle Wikimedianer irgendwie äquivalent mit Wikipedianern  nur Enzyklopädie schreiben oder fallen die (zugegebenermassen wesentlich kleineren) Schwesterprojekte unter die Frage: Warum sollten sie es machen?

simba-wikipedia

Anschließend führt Southpark einige Erfolgsfaktoren für die Wikipedia auf, denen ich weitestgehend zustimmen kann, auch wenn der letzte Punkt schlicht das Resultat der Entscheidung ist, ein Wiki zu verwenden und (so meine ganz private Vermutung) Google zumindest anfänglich das Ranking der Wikipedia ein wenig angehoben hat, auch wenn sie es nie zugeben werden.

Southpark schlussfolgert daraus aber wieder sehr steil und auch wieder ohne Begründung:

Das können Wikip/medianer, und darum sollten sie es machen. Bei allen anderen Aktivitäten, bedarf es schon erheblicher Rechtfertigung, warum ausgerechnet Wikip/media sich dafür zuständig fühlen sollte.

und

 Bei allen Tätigkeiten, die nichts mit Online-Enzyklopädie zu tun haben, unterscheiden sich Wikipedianer nicht groß von ihren Mitmenschen. Sie sind auch nicht kompetenter als eine zufällig in der nächsten Uni zusammengesammelte Auswahl wäre.

Aber wie oben ziehe ich eher den gegenteiligen Schluß daraus, dass Wikimedianer sich nicht groß von der Umwelt unterscheiden, alles andere fände ich eher erschreckend, als den Fakt dass Wikimedianer nicht nur Lexikon schreiben.

Wie bereits gesagt Wikip/medianer haben über das Enzyklopädieschreiben Kompetenzen die auch für die Schaffung freien Wissens genutzt werden können und  werden. Zumal viele dieser Kompetenzen in einem langen und erfahrungsreichen Berufsleben erworben wurden und das Enzyklopädieschreiben erst in den letzten Jahren mühsam erlernt wurde. Ich für mich kann ziemlich gut einschätzen, ob ich ein besserer Programmierer, Enzyklopädieschreiber oder Transkriptor frühneuzeitlicher Handschriften bin.

Real Life. Wissen hinterhertragen. Es pädagogisch organisieren. Dafür Lobbying zu betreiben. Stände zu betreuen. Auf Messen zu gehen. Kompetente Ansprechpartner finden. Natürlich sind wir keine Totalversager in den Bereichen, und mittlerweile gibt es ja auch professionelle Hilfe. Aber wenn man in einem Bereich das weltbeste ist, fällt Brot-und-Butter-Arbeit in den anderen Bereichen natürlich viel mehr auf.
Sind wir pädagogisch besser als echte Pädagogen? Keinesfalls. Haben wir besondere Erfahrungen damit, Wissen offline zu vermitteln?

Gegenfrage:Vermitteln wir wiklich das Wissen, dass in der Wikipedia steht oder vermitteln wir nicht das Wissen über Wikipedia? Organsieren wir wirklich das Wissen pädagogisch oder wollen wir nicht eher dafür sorgen, das Pädagogen das gesammelte Wissen für ihre  Arbeit nutzen? Tragen wir das Wissen aus der Wikipedia/Wikisource/Wiktionary wirklich jemandem hinterher oder  versuchen wir nicht eher, dass Menschen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in die Projekte tragen? Vermitteln wir nicht eher Wissen ÜBER die Wikipedia und die anderen Projekte als Wissen AUS der Wikipedia und den anderen Projekten?

Da stellt sich eher die Frage: Wer soll denn sonst das Wissen ÜBER Wikipedia und Co. vermitteln, als denn wir? Und das wir das nicht so gut machen, wie ausgebildte Ausbilder, ist klar. Aber er erkläre mir, wie es denn sonst gehen soll.

Blödes Fernsehprogramm

Mein Fazit aus diesem Blogbeitrag von Southpark ist, dass dieser die Diskussion meines Erachtens nicht voranbringt.

Erstens wird der Einfluss und die Wichtigkeit der Freien Lizenzen für das ganze Projekt schlicht geleugnet, anstelle weiter zu diskutieren, ob das eigene Postulat wirklich stimmt und wie groß der Einfluss Freier Lizenzen wirklich ist oder eben nicht ist.

Zweitens wird der altbekannte Fehler gemacht Freies Wissen im Wikimedia-Universum auf Wikipedia und Enzyklopädie einzugrenzen. Dabei geht mal wieder die riesige Bandbreite an Wissensinhalten (Bilder, Texte, Wörterbuch, Lehrbücher etc.) flöten und die gezogenen Schlussfolgerungen können nur auf eher wackligen Füssen stehen.

Drittens erinnert mich die ganze Argumentation irgendwie an die Argumentation von Verlagen, Musik- und Filmunternehmen in Bezug auf das Internet. Weil es doch so wunderbar funktioniert und wir die Weltbesten sind, sollten wir uns am Besten nicht mehr ändern und alles so bleiben wie es ist. Und am besten sollte es in ein paar Jahren ein Wikipediaschutzrecht eingeführt werden und jeder der nicht innerhalb der letzten zwei Monaten mindestens einmal in der Wikipedia (die Schwesterprojekte gülden nicht) nachgeschlagen hat, sollte verwarnt werden und beim dritten Mal sollte sein Internet-Anschluss gesperrt werden.

Kurz und gut: Die Gedanken von Southpark sind in meinen Augen schlicht Wikipedia-Konservatismus und Wikipedia-Elitarismus. Keine Ahnung ob er das ernst meint oder nur provozieren möchte. Ich hoffe mal zweiteres und er hat ja offenbar sein Ziel erreicht. Und ich gebe zu die Bildauswahl von Southpark ist natürlich wesentlich subtiler :-)

Sep 26 2011

Sie dürfen diese Arbeit missbilligen oder Es gibt nichts zu editieren

Poetry Slam über freies Wissen anläßlich der Vorstellung des Wikipedia-Buches gestern in Berlin:

Text und Vortrag: Khesrau Behroz,  CC-BY-SA 3.0

Mehr Infos zu diesem großartigen Vortrag und den vollständigen Text gibt es im entsprechenden Blogbeitrag bei Wikimedia Deutschland.

Sep 14 2011

WikiTV

Heute wurde die erste Folge von WikiTV veröffentlicht, die aus Interviews von der WikiCon besteht. Leider aber auch nur aus Interviews, wobei man bei den meisten Interviewten  über den reinen Namen oder Nick leider nicht viel erfuhr. Ein paar sonstige  Eindrücke oder Erklärungen was die Wikicon war und was dort passierte, wären darüberhinaus auch schön gewesen. Ärgerlich auch, dass hier und da einige der Fragen nicht zu den Antworten passten. Da ist wohl beim Schnitt was schief gegangen.

Aber ich will nicht zu viel meckern. Es ist ein erster interessanter Versuch, der aber auf jeden Fall noch wesentlich mehr Potential bietet. Ich bin gespannt was in Zukunft draus wird. Leider funktioniert das Embedding des Videos hier im Blog nicht. Deshalb muss ein Link nach Commons genügen:

WikiTV Folge 1

Jul 22 2011

19-1-2038

Jul 08 2011

Infobroschüre für Wikisource in Vorbereitung

Heute hat Michael Jahn von Wikimedia Deutschland einen ersten Grobentwurf zur geplanten Infobroschüre für Wikisource vorgestellt. Wer mag, kann auf einer seiner Benutzerseite bei Wikisource in den Entwurf reinschauen und vielleicht Verbesserungsvorschläge und Hinweise auf der Diskussionsseite hinterlassen.

Solche Infobroschüren gibt es bereits für die Wikipedia, Wikimedia Commons und Wikiversity.

Jun 24 2011

Wikipedia Projekt Hamburgische Bürgerschaft – Tag 2

Eigentlich wollte ich ja heute etwas länger schlafen, nachdem ich in der letzten Nacht mehr Zeit am Rechner verbracht habe, um den ersten Teil meines kleinen Erlebnisberichtes fertigzustellen, was durch diverse technische Probleme doch arg verzögert wurde. Leider wurde dieses Vorhaben durch die recht lautstarken Sanierungsarbeiten am Dach des Hotels zur Reichskrone (Achtung arg angestaubter Insiderwitz!) zunichte (schreibt man das so?) gemacht.

Also dann etwas früher aufstehen als geplant, den gestrigen Artikel noch etwas tunen und auf zur Bürgerschaft. Auf dem Rathausmarkte begegnete mir dann erstmal eine hingrige und bettelnde Graugans die sich aus der nur wenige Meter entfernten Kleinen Alster aufmachte leichtere Futterquellen aufzutun, als auf fütternde Touristen zu warten. Diese musste erst mal, zwar etwas unscharf, fotografisch festgehalten werden und dient nun als Eröffnungsbild dieses Blogbeitrages.

Der fotografische Ablauf war im Prinzip wie gestern, gegen 14:30 Uhr trudeldeten die ersten Abgeordneten in der Bürgerschaft und auch in unserem “Fotoatelier” ein. Um Punkt 15 Uhr wurde die Sitzung durch die Präsidentin der Bürgerschaft mit Hinweis eröffnet, dass vor dem Plenarsaal nun auch ein Wasserspender bereitstünde und man doch bitte die gebrauchten Becher in die entsprechenden Behälter entsorgen möge.

Im Laufe der Sitzung kamen dann doch recht viele Abgeordnetet, so dass es gelegentlich zu kürzeren Wartezeiten kam. Einige nahmen das eher stoisch hin und waren auch auflockernden Fragen und Bemerkungen nicht wirklich zugetan, andere, meist weibliche Abgeordnete, erfüllten den kleinen Raum mit fröhlichem Lachen. Um die noch fehhlenden Abgeordneten dazu zu bewegen sich noch für die Wikipedia ablichten zu lassen, wurden  verschiedene Taktiken angewendet. Olaf rief beispielsweise die jeweiligen Fraktionsgeschäftsführe an, um sie zu bitten die noch fehlenden Abgeordneten zu uns zu schicken. Abgeordneten die sich fotografieren lassen hatten wurden gebeten ihre Sitznachbarn, die noch nicht bei uns waren anzusprechen. Das ging in einem Fall gründlich daneben. Auf diese Bitte hin antwortete ein Abgeordneter sinngemäß: “Das kann ich nicht machen, der mag mich nicht. Den habe ich vor kurzem aufgefordert zurückzutreten.” Nun gut, aber ihren Fraktionskollegen vor Ihnen, den könnten Sie doch vielleicht ansprechen. “Nein das geht leider auch nicht. Dem hab ich letztens eine Abmahnung geschickt. Sie müssen wissen ich bin Anwalt.”

Leider konnten wir rund 30 Abgeordnete nicht fotografieren und von den Mitgliedern des Senats war auch niemand bei uns. Einige entschuldigten sich sogar noch, nachdem wir bereits abgebaut hatten, dass leider sehr wenig Zeit gewesen wäre. Das bestätigte dann auch unseren allgemeinen Eindruck, dass man in solch einem Feierabendparlament anders planen und vorgehen muss, als in einem Parlament dessen Abgeordnete diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben. Auch heute kam es deshalb nur zu sehr wenigen inhaltlichen Gesprächen, aber die waren sehr gut und können erste Kontakte in die Hamburgische Bürgerschaft sein.

Fazit der zwei Tage: Für mich als Wikipedia gab hochinteressante Einblicke in die Arbeitsweise der Bürgerschaft und vieler andere Beteiligter drumherum. Es hat viel Spaß gemacht und die Wikipedia wird durch viele Bilder und Verbesserungen an Artikeln bereichert. Bei weiteren Projekten in Landtagen und Bürgerschaften hier im Norden, und die sind ja geplant, zB wird ja Anfang 2012 in Schleswig-Holstein gewählt, bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

Die heutigen Bilder sind eine kleine Ergänzung zu meinen gestrigen Bilder, und zeigen auch in einigen Bildern das Making-of dieses tollen Projektes.

Jun 23 2011

Wikipedia Projekt Hamburgische Bürgerschaft – Tag 1

In Nachfolge der beiden Landtagsprojekte in Hannover und Erfurt, gab es heute die dritte Auflage, diesmal in der Hamburgischen Bürgerschaft. Angetreten waren rund 10 Wikipedianer und einige Angestellte von Wikimedia Deutschland um die Abgeordneten zu fotografieren und mit Informationen rund um die Wikipedia zu versorgen.

Ankunft 12 Uhr im Hamburger Rathaus, das einerseits die Bürgerschaft und andererseits den Senat beheimat. Das Rathaus ist also gemeinsames Parlaments- und Regierungsgebäude von Hamburg. Nach dem Empfang des Besucherausweises, der uns berechtigte alle Bereiche innerhalb der Bürgerschaft zu betreten, sogar den Plenarsaal während der Sitzung, ging es erstmal an den Aufbau der Blitzanlage, wobei sich meine Mitarbeit im Hochtragen des Kastens erschöpfte. Untergebracht waren wir in zwei recht kleinen Räumen, die normalerweise von Journalisten für ihre Arbeit genutzt werden. An der Eingangstür prangte auch groß der Schriftzug “Nur für Rathaus-Korrespondenten”. In gewisser Weise waren wir das ja auch. Es war also noch genug Zeit, um sich in den noch leeren Räumen der Bürgerschaft umzusehen und Bilder zu machen (siehe Galerie unten).

Gegen 14 Uhr trudelten die ersten Abgeordneten ein und die ersten Abgeordneten wollten noch vor der Sitzung fotografiert werden. Der Beginn der Sitzung war für 15 Uhr angesetzt. Nun mögen sich einige fragen, warum dieser ungewöhnliche Beginn einer Parlamentssitzung. Aus dem Bundestag kennt man das doch etwas anderes. Im Gegensatz zum Bundestag und zu anderen Landesparlamenten erfolgte die Ausübung der Abgeordnetentätigkeit bis zur Bürgerschaftswahl 1997 als Ehrenamt. Dennoch wird die Bürgerschaft noch gelegentlich als Feierabendparlament bezeichnet, da das Bürgerschaftsmandat seitdem als nebenamtliche Tätigkeit gilt, die die Ausübung eines anderen Berufes nicht ausschließt. Und da wohl die meisten Abgeordneten noch einer anderen beruflichen Tätigkeit nachgehen, wurde und wird der Beginn der Sitzungen auf den Nachmittag gelegt und die Bürgerschaft tagt dann bis in den frühen Abend, heute bis kurz nach 21 Uhr. Das späte Ende dürfte auch der Grund gewesen sein, dass sich nach Schliessung der Sitzung die Bürgerschaft quasi schlagartig leerte.

Bis zum Ende der Sitzung konnten knapp die Hälfte der Abgeordneten fotografiert werden, wobei vertiefende Gespräche zu unseren Anliegen und dazu wer wir sind und warum wir das machen leider Mangelware blieben. Die meisten Abgeordneten erschienen kurz und verschwanden wieder, weil beispielsweise die nächste Abstimmung anstand. Auch dies dürfte u.a. dem ungewöhnlichen Charakter der Hamburgischen Bürgschaft geschuldet sein. Aber der Geschäftsführer einer der kleineren Fraktionen erkundigte sich mehrfach, wie denn der Stand bei den Fotografien seiner Schäfchen sei und brachte nachdem sich noch keiner “seiner” Abgeordneten bei uns eingefunden hatte, mehrfach Abgeordnete seiner Fraktion persönlich zu uns. Erste Ergebnisse gibt es auf der Projektseite in der Wikipedia und auf Commons.

Ansonsten geht es in den Räumen und Gängen der Bürgerschaft fast familiär und kuschlig zu. Das Rathaus wurde im Jahr 1886 gebaut und seitdem kaum an die Bedürfnisse eines modernen Parlaments angepasst. So stehen die Journalisten mit ihren Foto- und Video-Kameras neben und hinter den Abgeordneten im Plenarsaal. Die Ausstattung insgesamt ist recht antiquiert und Besucher und Journalisten müssen doch mit recht spartanischen Plätzen vorlieb nehmen.

Ein kleinen Eindruck von der Bürgerschaft und dem heutigen Projekt bieten die obigen Bilder. Wenn notwendig werde ich noch einige der Bilder auf Commons hochladen. Da aber viele gute Fotografen mit einer wesentlich besseren Ausrüstung ebenfalls in Hamburg sind dürfte dies kaum notwendig sein.

Apr 18 2010

Wir klamüsern eine Satzung auseinander (6)

Dieser Eintrag ist Teil 6 von 6 in der Artikelserie Satzung Wikimedia Deutschland

Weiter geht es heute mit dem §10 zum Vorstand des Vereins.

§ 10 Vorstand

(1) Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

  • ein Erster Vorsitzender
  • ein Zweiter Vorsitzender
  • ein Schatzmeister
  • ein Schriftführer
  • bis zu sechs Beisitzer

In diesem Absatz wird definiert welche Mitglieder der Vorstand hat. Glücklicherweise wurde beim Verfassen der Satzung darauf geachtet, dass der Vorstand bei Ausscheiden eines Mitgliedes nicht sofort handlungs- bzw. entscheidungsunfähig wird. Das wird durch die Formulierung „bis zu sechs Beisitzer“ und die Nachrückreglung im Abs. 5 dieses Paragraphen gewährleistet. Später dazu mehr.

(2) Die Amtszeit des alten Vorstands endet mit dem Tag, an dem die Wahl des neuen Vorstands erfolgt ist. Die Geschäfte des Vorstands werden bis zur Übergabe der Amtsgeschäfte an den neuen Vorstand vom alten Vorstand weitergeführt. Die Übergabe hat nach Wahl des neuen Vorstandes innerhalb von vier Wochen ab der Neuwahl zu erfolgen.

Auch diese Regelung mag zwar auf den ersten Blick normal und selbstverständlich erscheinen. Hätten aber die Satzungsmütter und -väter eine Formulierung wie „Die Amtszeit des alten Vorstands dauert ein Jahr.“ o.ä. gewählt, könnte es zu Problemen kommen, wenn der Abstand zwischen zwei Mitgliederversammlungen länger als eine eventuell angegebene Amtszeit ist. Dann wäre der Vorstand, und damit der Verein, handlungs- und entscheidungsunfähig, bis zur Neuwahl des Vorstandes. Da ist diese Regelung natürlich vorzuziehen.

Dabei fällt aber auf, dass über die (Mindest- bzw. Höchst-)Amtszeit des Vorstandes keine Aussage in der Satzung getroffen wird. Eine Mitgliederversammlugn könnte nach meiner Meinung also beschließen, keinen neuen Vorstand zu wählen und den aktuellen bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Amt zu lassen. Möglich wäre wohl auch zu entscheiden einen Vorstand durch Beschluss der Mitgliederversammlung für länger als ein Jahr zu wählen.

Im besten Fall kann man indirekt schliessen, dass die Amtszeit in etwa ein Jahr beträgt. Das könnte man daraus schliessen, dass §8 Abs. 1 Anführung 1 aussagt, dass die Mitgliederversammlung den Vorstand wählt, im Zusammenhang mit §8 Abs. 5 dass eine Mitgliederversammlung im ersten Halbjahr einzuberufen ist. Dies wird m.E. verstärkt durch die Aussage in §11, dass die Kassenprüfer einmal jährlich zu wählen sind.

Hier sollte also unbedingt ergänzt werden, wie lange die Amtszeit eines Vorstandes ist, oder ob dieses jedes mal neu durch die Mitgliederversammlung bestimmt wird.

(3) Vorstand im Sinne des § 26 BGB sind der Erste Vorsitzende, der Zweite Vorsitzende, der Schatzmeister und der Schriftführer. Jeweils zwei Vorstände gemeinsam vertreten den Verein gerichtlich und außergerichtlich. Für bestimmte Rechtsgeschäfte im Rahmen des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs bei der Erledigung der satzungsgemäßen Aufgaben des Vereins kann durch Vorstandsbeschluss einem Vorstandsmitglied Einzelvertretungsvollmacht erteilt werden. Der Vorstand ist berechtigt, zur Führung laufender Geschäfte im Aufgabenbereich des Vorstands einen Geschäftsführer zu bestellen. Der Geschäftsführer kann als besonderer Vertreter gemäß § 30 BGB bestellt werden.

Jetzt wird es etwas kompliziert. Denn der Vorstand aus Abs. 1 ist gar nicht der Vorstand nach dem Gesetz, sondern nur der 1., 2. Vorsitzende, der Schriftfüher und der Schatzmeister sind es, der sogenannte BGB-Vorstand. Diese vier dürfen den Verein jeweils im Zweierpack nach außen vertreten. Zusammen mit den Beisitzern bildet der BGB-Vorstand einen „erweiterten Vorstand“ oder „Gesamtvorstand“, der das Beschlußorgan des Vereins ist. Der BGB-Vorstand  kann also nur nach außen handeln, wenn der (Gesamt-)Vorstand zugestimmt hat. Im Gegenzug können Beisitzer nach außen keinerlei rechtlich wirksame Handlungen vornehmen, selbst wenn es einen gültigen Beschluß des Vorstandes gäbe.

Die Mustersatzung bei vereinsrecht.de sagt zu dieser Konstruktion zusammenfassend:

Im Innenverhältnis werden bei einer solchen Konstruktion die Beschlüsse von dem erweiterten Vorstand (Vorstandschaft, Vereinsausschuss) getroffen, im Außenverhältnis jedoch nur von dem vertretungsberechtigten Vorstand (im Sinne des BGB) verantwortet und umgesetzt.

Siehe dazu auch die Diskussion in den Kommentaren im vorhergehenden Teil dieser Serie.

Die Einzelvertretungsvollmacht in Satz 2 dürfte sich im Normalfall nur auf die Mitglieder des BGB-Vorstandes beziehen und nur im Ausnahmefall auf Beisitzer. Leider wird nicht klar, ob sich der Begriff „Vorstandsmitglied“ auf den BGB-Vorstand in Satz 1 oder auf den Gesamtvorstand nach Abs. 1 bezieht.

(4) Der Vorstand beschließt mit einfacher Stimmenmehrheit. Der Vorstand ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte seiner Mitglieder an der Abstimmung teilnimmt. Bei Stimmengleichheit gilt der Antrag als abgelehnt. Beschlüsse des Vorstands werden in einem Sitzungsprotokoll niedergelegt.

Der Begriff einfache Stimmenmehrheit wurde bereits geklärt. Der besseren Verständlichkeit wegen, wurde in die aktuelle Geschäftsordnung des Vorstandes folgende Formulierung aufgenommen „Ein Beschluss gilt als angenommen, wenn mehr Ja- als Nein-Stimmen abgegeben wurden. Enthaltungen und ungültige Stimmen gelten als nicht abgegeben.“ Wie bereits gezeigt, ist diese rechtlich äquivalent zur Formulierung in der Satzung.

(5) Scheidet ein Vorstandsmitglied nach §26 BGB vor Ablauf seiner Wahlzeit aus, rückt ein Beisitzer nach. Die Reihenfolge, in der die Beisitzer nachrücken sollen, wird bei deren Wahl festgelegt. Der nachrückende Beisitzer ist für die restliche Amtszeit Mitglied des Vorstands gem. §26 BGB. Sollte dies nicht möglich sein, ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung für die Nachwahl einzuberufen.

Dieser Absatz ist zusammen mit Absatz 1 der Grund weshalb der Vorstand von Wikimedia Deutschland wohl nur in Aussnahmefällen handlungs- und/oder beschlußunfähig werden kann. Wenn ein Mitglied des BGB-Vorstandes, also der 1., 2. Vorsitzende, der Schriftfüher oder der Schatzmeister, auscheiden, dann rückt automatisch ein Beistzer nach, so denn ein solcher zur Verfügung steht. Welcher Beisitzer nachrückt, wird jedes Jahr auf der Mitgliederversammlung neu bestimmt. Bisher war es immer derjenige Beisitzer, der bei seiner Wahl die meisten Stimmen erhielt.

Damit wird auch klar warum der Vorstand nicht so schnell handlungsunfähig werden kann. Der BGB-Vorstand kann ohne Verzögerung durch einen Beisitzer aufgefüllt werden. Wäre dies nicht möglich, wäre der Verein durch einen unvollständigen BGB-Vorstand handlungsunfähig, könnte also keinerlei Rechtsgeschäfte nach außen mehr vornehmen. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung für eine Neuwahl wäre unumgänglich.

Durch die Formulierung „bis zu sechs Beisitzer“ bleibt der Vorstand auch beschlussfähig, da nicht festgelegt ist wieviele Mitglieder der (Gesamt-)Vorstand insgesamt hat. Der Vorstand nach der Satzung muss zwischen 4 und 10 Mitgliedern haben, um Beschlüsse fassen zu können. Das Ausscheiden eines Beisitzers oder Aufrücken eines Beisitzers in den BGB-Vorstand beeinträchtigt also nicht die Beschlussfähigkeit des Vorstandes.

Handlungs- und/oder Beschlussunfähigkeit des Vorstandes wären im Normalfall immer ein Grund eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Durch die Formulierung der Satzung kann dies wohl weitestgehend ausgeschlossen werden. Unbenommen davon ist natürlich das Recht einer Minderheit eine Mitgliederversammlung einzuberufen. Bei sehr vielen Rücktritten aus dem Vorstand könnte ich mir vorstellen, dass die Mitglieder einen neuen Vorstand wählen möchten, selbst dann wenn der Vorstand nicht beschluß- und/oder handlungsunfähig geworden ist

(6) Der Vorstand wird ermächtigt, solche Satzungsänderungen selbstständig vorzunehmen, die das Registergericht oder die Finanzbehörden aus vereins- oder steuerrechtlichen Gründen fordern. Über entsprechende Änderungen sind die Mitglieder spätestens auf der folgenden Mitgliederversammlung zu informieren.

Ich vermute, dass solche Änderungen nur sehr selten und wenn eher in der Anfangsphase des Vereins auftreten sollten, um den Verein eintragen zu lassen oder die Gemeinnützigkeit zu erhalten. Derzeit sehe ich keinen Grund solch eine Änderung durch Vorstand vornehmen zu lassen.

(7) Die Haftung des Vorstands beschränkt sich auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.

Da verweise ich einfach mal auf die Ausführungen der Arbeitsgruppe Verwantwortungsstruktur. Hinzu kommt, dass seit 2009 für ehrenamtliche Vorstände dies ebenso gesetzlich festgeschrieben wurde. Allerdings gilt dies nur für Haftungsfragen, die nicht Steuern und Sozialabgaben betreffen. Ich vermute mal, dass dies auch für diese Klausel in der Satzung zutreffen würde.

Als Abschluss der Serie dann die letzten drei Paragraphen, die aber nicht mehr sooo ausführlich behandelt werden müssen. Aber auch danach wird diese Serie nicht enden. Erstens möchte ich nach der Mitgliederversammlung eventuelle Satzungsänderungen (der Vorstand wird drei Satzungsänderungsanträge einbringen) analysieren und erläutern und heute hat Nadine auf der Vereins-Mailingsliste Vorschläge bzw. Denkansätze für weitere Änderungen vorgebracht, die ich auch gern in Ruhe auseinanderklamüsern möchte.

Apr 14 2010

Wir klamüsern eine Satzung auseinander (5)

Dieser Eintrag ist Teil 5 von 6 in der Artikelserie Satzung Wikimedia Deutschland

Nach einer kleinen schöpferischen Pause nun der fünfte Teil meines kleinen Projektes.

Weiter geht es mit dem §8 Abs 3.

(3) Spätere Anträge (jedoch keine Satzungsänderungen und auch keine Änderungen der Beitragsordung) – auch während der Mitgliederversammlung gestellte Anträge – müssen auf die Tagesordnung gesetzt werden, wenn in der Mitgliederversammlung die Mehrheit der erschienenen stimmberechtigten Mitglieder der Behandlung der Anträge zustimmt (Dringlichkeitsanträge).

Hiermit wird geregelt, dass sogenannte Dringlichkeitsanträge nur dann eingebracht werden können, wenn diese keine Fernwahl nach §8 Abs. 2 erforderlich machen. Beim Begriff  „Mehrheit der erschienenen stimmberechtigten Mitglieder“ taucht nun erstmals in dieser Satzung ein Mehrheitsbegriff auf, der zu Missverständnissen einlädt, da man annehmen könnte, dass die Formulierung wörtlich zu nehmen ist. Dem ist aber in dieser allgemeinen Formulierung nicht so. Der Bundesgerichtshof hat 1982 entschieden, wie diese Formulierung auszulegen ist. Demnach handelt es sich um das Gleiche wie die sogenannte „einfache Mehrheit“. Entscheidend ist das Verhältnis von Ja- zu Nein-Stimmen. Wenn also mehr Ja- als Nein-Stimmen abgegeben wurden, dann ist ein Antrag angenommen bzw. in diesem Fall der Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung zu setzen. Bis September 2009 enthielt der §32 des BGB auch noch diese Formulierung. Um Klarheit zu schaffen wurde mittlerweile die Formulierung in „die Mehrheit der abgegebenen Stimmen“ geändert.

(4) Als Beisitzer ist gewählt, wer die Stimmen von mindestens der Hälfte der abstimmenden Mitglieder auf sich vereint. Trifft dies auf mehr als sechs Kandidaten zu, gelten die sechs mit den meisten Stimmen als gewählt. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los.

Diese Formulierung wurde auf der MV 2009 eingefügt. Die Begründung des damaligen Satzungsänderungsantrages gibt die Intention dieses Absatzes sehr gut wieder:

Wahlverfahren und Anzahl der Beisitzer werden deswegen seit einiger Zeit auf jeder Mitgliederversammlung neu bestimmt. Dies geht vor allem zu Lasten der Briefwaehler, die bei Wahl das Wahlverfahren noch nicht kennen. Ein zweites Problem ist die Zahl der Beisitzer und damit die Groesse des Vorstandes, was auf den letzten beiden Mitgliederversammlungen kontrovers diskutiert wurde. Die Satzungsaenderung soll ein klares Wahlverfahren schaffen und gleichzeitig die Anzahl der Beisitzer dynamisch auf Basis der von den Mitgliedern gewollten Kandidaten regeln. Dazu wird Wahl durch Zustimmung genutzt und ein Quorum eingefuehrt.

Was nun aber auffällt ist, dass zwar für die Beisitzer die Wahlmodalitäten festgelegt wurden, aber nicht für den BGB-Vorstand [Update: Gemeint sind die vertretungsberechtigten Mitglieder des Vorstandes nach §10 Abs. 3 der Satzung, also der 1. und 2. Vorsitzende, Schatzmeister und Schriftführer]. Im Entwurf der Wahlordnung, die der Mitgliederversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll und in ein paar Tagen veröffentlicht wird, ist zwar eine Regelung für den BGB-Vorstand enthalten, eigentlich gehört dies aber auch in Satzung.

(5) Der Vorstand hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung unverzüglich und unter genauer Angabe von Gründen einzuberufen, wenn es das Interesse des Vereins erfordert oder wenn mindestens 10% der Mitglieder, jedoch mindestens 10 Mitglieder dies schriftlich unter Angabe des Zwecks und der Gründe vom Vorstand verlangt.

Hiermit wird erstens festgelegt, dass neben der regulären Mitgliederversammlung im ersten Halbjahr eine weitere (den Begriff außerordentliche Mitgliederversammlung kennt das BGB nicht) Mitgliederversammlung einzuberufen ist, wenn es das Interesse des Vereins erfordert. Ich lese dies so, dass es schon sehr wichtige und dringende Gründe geben muss, wenn der Vorstand von sich aus eine weitere Mitgliederversammlung einberufen kann.

Anders liegt es mit der Einberufung auf Verlangen der Minderheit nach §37 BGB. In diesem Fall ist der Vorstand verpflichtet eine Mitgliederversammlung einzuberufen. Unsere Satzung verschärft ein klein wenig das in §37 festgelegte Quorum in dem nicht nur 10% Mitglieder ausreichen, sondern auch mindestens 10 Mitglieder. Dies kam und kommt natürlich nur zum Tragen, wenn der Verein weniger als 100 Mitglieder hat. In diesem Fall erhöht sich der prozentual erforderliche Anteil an Mitglieder, die eine Mitgliederversammlung verlangen müssen.

(6) Beschlüsse der Mitgliederversammlung werden in einem Protokoll innerhalb von zwei Wochen nach der Mitgliederversammlung niedergelegt und von zwei Vorstandsmitgliedern unterzeichnet. Das Protokoll ist den Mitgliedern unmittelbar nach der Unterzeichnung zugänglich zu machen. Es wird gültig, wenn binnen sechs Wochen nach der Mitgliederversammlung kein Einspruch von einem Mitglied des Vorstands oder der Versammlungsleitung oder mindestens 10% der anwesenden Mitglieder erhoben wurde.

Hier wird festgelegt, dass das Protokoll den Mitgliedern nach der Mitgliederversammlung bekanntzumachen ist und die Mitglieder innerhalb von effektiv vier Wochen (sechs Wochen Gesamtfrist minus zwei Wochen für die Unterschrift) Einspruch erheben können. Der Gesetzgeber schreibt die Veröffentlichung des Protokolls nicht vor.

Nun zur Abwechslung mal wieder ein kurzer Paragraph, der neunte.

§ 9 Stimmrecht/Beschlussfähigkeit

(1) Jedes stimmberechtigtes Mitglied hat eine Stimme. Das Stimmrecht ist nicht übertragbar.

(2) Jede ordnungsgemäß einberufene Mitgliederversammlung ist beschlussfähig

(3) Die Mitgliederversammlung fasst ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit. Bei Stimmengleichheit gilt der gestellte Antrag als abgelehnt.

Diese drei Absätze müssten eigentlich nicht drin stehen, da dies der gesetzliche Normalfall ist. Der Klarheit wegen ist es aber ganz sinnvoll.

Die „einfache Mehrheit“ hier, ist das gleiche wie oben die „Mehrheit der erschienenen Mitglieder“. Was unter der einfachen Mehrheit zu verstehen ist, hatte 2007 das Oberlandesgericht München entschieden. Der besseren Verständlichkeit wegen sollten also all diese Formulierungen vereinheitlicht und klarer formuliert werden. Der zweite Satz von Abs. 3 könnte bspw. rückstandslos entfallen, wenn man es z.B. folgendermassen formuliert: Ein Antrag ist angenommen, wenn die Anzahl der abgegebenen Ja-Stimmen höher ist als die Anzahl der abgegebenen Nein-Stimmen.

(4) Für Satzungsänderungen und Beschlüsse zur Auflösung des Vereins ist eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich.

Hier wird die satzungsändernde Mehrheit und die für eine Auflösung erforderliche Mehrheit gegenüber dem BGB abgesenkt. Das BGB verlangt in §33 bzw. §41 dafür normalerweise eine Mehrheit von Dreiviertelmehrheit der Stimmen, gibt aber die Möglichkeit davon in der Satzung abzuweichen.

Apr 13 2010

Herr K. labert mal wieder

Ein in der Wikipedia allgemein bekannter Rechtsanwalt, Blogger und Telepolis-Autor (die Reihenfolge sagt nichts über die Wertigkeit seiner jeweiligen Tätigkeit aus) kommentiert in einem Telepolis-Artikel das aktuelle Urteil des Landgericht Hamburgs zur Störerhaftung von Wikimedia Deutschland für Inhalte in der deutschsprachigen Wikipedia. Dass er dabei wie üblich mehr oder minder komisches Zeugs erzählt, verwundert mich nicht wirklich.

Ein paar Zitate:

… denn faktisch dominiert Wikimedia e.V. sehr wohl die Inhalte der Wikipedia, weil das Führungspersonal des Vereins zu einem Großteil mit den deutschen Admins identisch ist

Wenn er mit Führungspersonal den Vorstand meint, dann ist es doch schon sehr verwunderlich, dass maximal 10 Hansel der Großteil der deutschen Admins sein sollen. Vll. meint er ja auch einfach bloß, dass der Großteil des Führungspersonal Admins sind. Dann soll er es aber hinschreiben.

Er [der Kläger, Finanzer] berief sich auf die von Wikimedia durchgeführte “Wikimedia Academy” zur Rekrutierung neuer Autoren mit Wikipedia-Karriere-Aussichten.

Ui, Wikipedia-Karriere-Aussichten. Ich wüsste nicht, dass sowas jemals Thema auf den Academys war. Aber man kann ja bekanntlich nicht überall sein und vielleicht habe ich ja einen wichtigen Vortrag verpasst.

… oder der vom Verein gepflegten Wikipedia-Stammtische.

Och ne. Dass der Hamburger Stammtisch vom BND unterwandert ist, wussten wir ja schon ne Weile. Das mit dem Verein ist zumindest mal ne neue Variante.

Update: Auf Grund einer Abmahnung habe ich zwei Kommentare zu diesem Beitrag gelöscht.

Apr 12 2010

Wir klamüsern eine Satzung auseinander (4)

Dieser Eintrag ist Teil 4 von 6 in der Artikelserie Satzung Wikimedia Deutschland

Damit ich bis zur Mitgliederversammlung am 8. Mai mit meiner Analyse fertig bin, nun also noch schnell ein vierter Teil.

Wir waren stehen geblieben beim §8 Abs. 2.

(2) Die Mitgliederversammlung ist einmal jährlich vom Vorstand einzuberufen und sollte im ersten Halbjahr stattfinden. Die Einladung muss mindestens sechs Wochen vorher schriftlich oder per E-Mail, unter Angabe der Tagesordnung und bereits vorliegender Anträge, erfolgen. Einsprüche gegen die Tagesordnung und Wahlvorschläge sowie eigene Anträge der Mitglieder müssen beim Vorstand spätestens vier Wochen vor der Mitgliederversammlung eingegangen sein.
Bei Wahlen, Satzungsänderungen und Änderungen der Beitragsordnung ist den Mitgliedern die Möglichkeit der Fernwahl zu geben. Die Unterlagen für diese Fernwahl sind auf Antrag des Mitgliedes spätestens zwei Wochen vor der Versammlung zu verschicken. Ihnen ist auch der Geschäftsbericht und der Finanzbericht beizufügen.

Viel auf einmal in einem Absatz. Themen sind die Einberufung der Mitgliederversammlung, diverse Fristen und die Fernwahl und mal wieder einige implizite Festlegungen. Hier sollte zur besseren Übersicht der Teil zur Fernwahl abgetrennt werden und in einen eigenen Absatz gesteckt werden.

Halten wir erst mal fest, die MV wird durch den Vorstand einberufen. Für den Fall, dass in Zukunft weitere Organe des Vereins (z.B. ehrenamtliches Präsidium bei hauptamtlichem Vorstand) geschaffen werden, ist zu überlegen, ob man diese Zuständigkeit beim Vorstand belässt.

Weiter lese ich den ersten Satz des Absatzes so, dass es regulär genau eine Mitgliederversammlung im Jahr geben soll. Ansonsten ergäbe die Zusatzeinschränkung, dass diese im ersten Halbjahr stattfinden soll keinen Sinn. Weiter werden drei Fristen festgeschrieben: sechs Wochen vorher muss die Einladung die inklusive einer vorläufigen Tagesordnung und der bereits bekannten Anträge versandt werden, vier Wochen vorab müssen Anträge, Kandidaturen (Wahlvorschläge) und Änderungsanträge (Einsprüche) für die Tagesordnung beim Vorstand vorliegen und zwei Wochen vorher müssen die Unterlagen an die Fernwähler versandt werden. Der besseren Übersicht wegen bietet es sich vll. sogar an die Fristen in einen weiteren Absatz auszulagern.

Was fehlt ist eine Mitteilung an die Mitglieder, die nicht per Fernwahl wählen bzw. abstimmen wollen, wie die Tagesordnung denn nun im einzelnen aussieht und welche Anträge vorliegen. Das kann zu rechtlichen Problemen führen und Beschlüsse und Satzungsänderungen unwirksam machen, da allgemeine Tagesordnungspunkte wie z.B. „Satzungsänderung“ o.ä. nach der Rechtssprechung nicht ausreichend sein können. In diesem Jahr (und so wurde das meiner Erinnerung auch in den vorhergehenden Jahren gehandhabt) werden deshalb alle Anträge allen Mitglieder vorab zugesandt, so dass sich alle Teilnehmer der MV und nicht nur die Fernwähler mit diesen vertraut machen können. Hier sollte also, um Probleme in der Zukunft zu vermeiden, ergänzt werden, dass zwei Wochen vor der MV die Anträge und eine aktualisierte Tagesordnung  allen Mitglieder mitgeteilt werden muss.

Implizit ist hier mal wieder etwas geregelt, das einige Auswirkungen hat. Nämlich der Fakt, dass Kandidaturen für Vorstandsämter, und wohl auch für das Amt der Kassenprüfer, gegenüber dem Vorstand angemeldet werden müssen. Eine Mitteilung an die Mitgliedschaft allein ist nicht ausreichend. Genauso sind Spontankandidaturen auf der Mitgliederversammlung dadurch ausgeschlossen. Was wiederum heißt, wenn man sich um ein Amt bewirbt und nicht gewählt wird, man aber vll. auch für andere Ämter zur Verfügung stünde, dass man in solch einem Fall die Kandidaturen für alle Ämter vorab bekanntgeben muss.  Also angenommen man bewirbt sich um das Amt des Schatzmeisters und man wird nicht gewählt, möchte aber in diesem Fall als Beisitzer im Vorstand mitarbeiten, dann müssen gegenüber dem Vorstand die Kandidaturen für das Amt des Schatzmeisters und für einen Beisitzerposten angegeben werden.

Und wenn man böswillig ist, darf man aus der Formulierung „sowie eigene Anträge der Mitglieder“ herauslesen, dass der Vorstand bis zum letzten Tag (mit der Restriktion fernwahlpflichtiger Anträge bis zwei Wochen vorher) einbringen darf, ohne auf die Möglichkeit des Dringlichkeitsantrages im folgenden Absatz zurückgreifen zu müssen.

Ob in weiser Voraussicht oder durch Zufall wurde im zweiten Teil des Absatzes der Begriff Fernwahl gewählt. Prinzipiell schließt dieser Begriff Satzung eine elektronische (oder sonst irgendwie geartete) Fern-Wahl nicht aus. Da aber derzeit solche Systeme noch nicht einsatzreif sind und auch auf der MV aus Gründen der Wahrung des Wahlgeheimnisses elektronisch gewählt werden müsste, läuft es praktisch darauf hinaus, dass auf absehbare Zeit die Fernwahl eine Briefwahl sein wird.

Die Möglichkeit der Fernwahl für Wahlen ist auf der einen Seite bei einem über ganz Deutschland verteilten Verein die Möglichkeit Mitglieder besser in die Willensbildung und Wahlen einzubinden. Auf der anderen Seite birgt diese Möglichkeit auch ein paar Probleme und Restriktionen. So können beispielsweise Anträge die den Briefwählern vorzulegen sind auf der Mitgliederversammlung nicht mehr geändert werden, zumindest wenn dies über rein redaktionelle Änderungen hinausgeht. Meiner Meinung nach, wiegt aber die Möglichkeit der besseren demokratischen Mitwirkung der Mitglieder die Probleme und den höheren Aufwand bei weitem auf.

Das war heute zu einem einzigen Absatz ein langer Text. Da dieser aber einer der zentralsten Absätze der Satzung mit vielerlei Auswirkungen ist, war dies leider nicht vermeidbar.

Morgen dann weiter mit den weiteren Absätzen des §8.

Apr 10 2010

Wir klamüsern eine Satzung auseinander (3)

Dieser Eintrag ist Teil 3 von 6 in der Artikelserie Satzung Wikimedia Deutschland

Heute auf Grund der fortgeschrittenen Stunde und da ich morgen früh raus muss, heute nur eine kurze Fortsetzung der beliebten Reihe zur Satzung unseres geliebten Vereins.

§ 7 Organe des Vereins

Organe des Vereins sind:

  • die Mitgliederversammlung
  • der Vorstand

Mehr jibbet bei uns nicht. Diese Regelung müsste eigentlich nicht in der Satzung stehen, da diese Organe vom Gesetzgeber mindestens gefordert werden. Sobald aber ein zusätzliches Organ hinzu kommt, wie zum Beispiel ein ehrenamtliches Präsidium, was einen hauptamtlichen Vorstand bestellt, dann muss dies hier erwähnt werden. Dass solch ein Konstrukt oder ein ähnliches denkbar ist, zeigen die Ergebnisse der AG Verantwortungsstruktur, in der ich auch mitgearbeitet habe.

Die  Regelungen im Absatz 1 des §8 bedürfen einer etwas genaueren Auseinanderklamüserung. Ergänzend zu meinen Kommentaren verweise ich erneut auf die Erläuterungen in der Mustersatzung bei vereinsrecht.de im dortigen §8 Abs. 1.

§ 8 Mitgliederversammlung

(1) Oberstes Organ des Vereins ist die Mitgliederversammlung. Die Mitgliederversammlung hat über grundsätzliche Fragen und Angelegenheiten des Vereins zu beschließen. Sie hat insbesondere folgende Aufgaben:

  • Den Vorstand sowie die Kassenprüfer zu wählen,
  • Über die Satzung, Änderungen der Satzung sowie die Auflösung des Verein zu bestimmen,

Diese ersten beiden Punkte (mit dem Zusatz der Wahl der Kassenprüfer, genauere Regelungen zu den Kassenprüfer trifft dann §11) weist bereits das BGB in den §§ 27 Absatz 1, 33 und 41 der Mitgliederversammlung zu. Hier macht die Satzung keinen Gebrauch von der Regelung in § 40, wo geregelt wird, dass die Regelungen in §27 Abs. 1 und in § 33 nur dann gelten, wenn die Satzung nichts anderes bestimmt.

  • Die Jahresberichte entgegen zunehmen und zu beraten,

Implizit wird hier festgeschrieben, dass es Jahresberichte geben muss. Sonst gäbe es ja nichts zu beraten. Da es nur ein weiteres Organ neben der Mitgliederversammlung gibt, können diese nur vom Vorstand kommen. Leider klärt uns dieser Punkt nicht darüber auf welche Berichte es geben muss. Glücklicherweise ist aber in Abs. 2 dieses Paragraphen erwähnt, dass den Briefwahlunterlagen der Geschäfts- und Finanzbericht beizulegen ist, woraus man schließen darf, dass mindestens diese beiden Berichte der Mitgliederversammlung vorzulegen sind. Ansonsten findet sich nichts weiter in der Satzung über die zu erstellenden Jahresberichte. Hier wäre eine explizite Erwähnung der Berichte wünschenswert, die der Mitgliederversammlung vorzulegen sind.

  • Den Vorstand sowie den Schatzmeister zu entlasten,

Auch hier wieder eine implizite Regelung, nämlich dass es eine Entlastung des Vorstandes geben kann. Von Gesetz wegen ist dies nicht vorgesehen. Warum der Schatzmeister, der ja auch Mitglied des Vorstandes ist, nochmal explizit erwähnt wird, ist mir nicht klar. Meiner Ansicht nach, darf man den hier auch einfach streichen.

  • Über vorliegende Anträge zu beraten und zu beschließen,

Das ist die Aufgabe der Mitgliederversammlung und steht eigentlich auch schon ganz oben. Faktisch nur eine Wiederholung des §32 des BGB.

  • Genehmigungen aller Geschäftsordnungen für den Vereinsbereich,

Auch hier wieder eine implizite Regelung, nämlich die Genehmigung, nicht die Pflicht, dass sich die Vereinsorgane Geschäftsordnungen geben. Allerdings sind diese der Mitgliederversammlung zur Genehmigung vorzulegen. Das Wort Geschäftsordnung taucht im übrigen nur hier auf.

Wie sich erwiesen hat, eine eher unpraktische Regelung, da der neu gewählte Vorstand sich neue Geschäftsordnungen (reinrechtlich gesehen nur provisorische) geben kann bzw. die gerade genehmigten wieder ändern könnte. Insgesamt kein sehr sinniges Vorgehen. Mir fällt aber auch nicht ein, wie man dieses Dilemma lösen kann.

Vll. wäre es besser eine Verpflichtung aufzunehmen, dass Geschäftsordnungen des Vorstandes (und für den Fall das weitere Organe eingeführt werden auch dieser) nach Beschluss durch den Vorstand den Mitgliedern bekanntzugeben sind. Wenn eine GO partout gegen den Willen der Mitglieder verstößt, stünde dann die Möglichkeit offen eine Mitgliederversammlung auf Verlangen einer Minderheit einzuberufen.

  • Beschlüsse zur Beitragsordnung,

Darüber hatte ich bereits im zweiten Teil im Zusammenhang mit §6 etwas ausgeführt. Entweder ist dieser Anführungspunkt oder der letzte Halbsatz in §6 überflüssig, Zitat: die [gemeint ist die Beitragsordnung] von der Mitgliederversammlung beschlossen wird. Der Konsistenz wegen, sollte wohl der Halbsatz in §6 gestrichen werden.

  • Aufnahme von Darlehen ab 2.000 Euro zu beschließen.

Meines Erachtens ein Relikt aus den Anfangszeiten des Vereins und angesichts der Höhe des Budgets des Vereins und der Anzahl an festangestellten Mitarbeitern eine sehr gefährliche Regelung. Leider wurden die Anträge diesen Punkt anzupassen  von der Mitgliederversammlung abgelehnt. Man muss sich darüber klar werden, wenn der Verein  z.B. kurzzeitig in Liquiditätsengpässe (soll heißen, es kann nicht schnell genug Geld locker gemacht werden, obwohl es prinzipiell vorhanden ist) gerät, dass dann eine Insolvenz drohen kann. Z.B. die Sozialkassen sind gnadenlos, wenn Sozialabgaben nicht abgeführt wurden und sind berechtigt die Insolvenz zu beantragen. Durch eine Genehmigung wesentlich höhere Darlehen könnte solch ein vermeidbarer Fall abgewendet werden. Sinnvoll ist wohl eine Grenze die etwa bei drei Monaten der laufenden Geschäftskosten, inkl. Mitarbeitergehälter und -abgaben, liegt.

Da ich morgen den ganzen Tag unterwegs bin (Vorstandssitzung in Hannover) geht es mit unserem kleinen Exkurs in die Abgründe der Satzung wohl erst am Sonntag mit dem § 8 Abs. 2 weiter.

Apr 08 2010

Wir klamüsern eine Satzung auseinander (2)

Dieser Eintrag ist Teil 2 von 6 in der Artikelserie Satzung Wikimedia Deutschland

Machen wir weiter mit unserer kleinen Analyse der Satzung von Wikimedia Deutschland. Ich bedanke mich aber schon mal für die Anmerkungen, Korrekturen und Fragen zum ersten Teil und freue mich natürlich auch bei diesem zweiten Teil darüber.

Was ich beim ersten Teil vergaß zu erwähnen ist, dass die Satzung nur aus sich selbst heraus ausgelegt werden kann. D.h. es darf bspw. kein vermuteter oder vll. sogar bekannter Wille des Satzungsgebers herangezogen werden. Wichtig ist was drin steht und nicht was sich jemand dabei gedacht hat, wobei natürlich keine Auslegungen zulässig sind, die dem Vereinszweck oder anderen grundlegenden Regeln des Verein widersprechen.

Eine unklare Satzungsregel darf nur die Mitgliederversammlung auslegen. Zum Beispiel in Form von Beschlüssen. Daran halten müssen sich alle anderen Organe des Vereins, allerdings keine staatlichen Gerichte und nicht eine eventuell vorhandene vereinsinterne Gerichtsbarkeit.

Als Nächstes ist nun §4 dran.

§ 4 Rechte und Pflichten der Mitglieder

(1) Die Mitglieder sind berechtigt, an allen angebotenen Veranstaltungen des Vereins teilzunehmen. Sie haben darüber hinaus das Recht, gegenüber dem Vorstand und der Mitgliederversammlung Anträge zu stellen.

Die Teilnahme an Veranstaltungen des Vereins stehen nach der Rechtssprechung dem Mitglied sowieso zu. Umgekehrt müsste in der Satzung geregelt sein, wenn bestimmte Mitglieder NICHT an bestimmten Veranstaltungen des Vereins teilnehmen dürften. Den ersten Satz kann also vermutlich einfach gestrichen werden.

Unabhängig davon ob aktives, förderndes oder Ehrenmitglied hat jedes Mitglied das Recht Anträge an den Vorstand und die Mitgliederversammlung zu stellen. Wie wir sehen werden, ist dieser Satz, zumindest was die Mitgliederversammlung betrifft, überflüssig.

(2) Die Mitglieder sind verpflichtet, den Verein und den Vereinszweck – auch in der Öffentlichkeit – in ordnungsgemäßer Weise zu unterstützen sowie die laut gültiger Beitragsordnung zu leistende Zuwendung pünktlich zu zahlen. Sie sind außerdem dazu verpflichtet, dem Verein Änderungen ihrer Postadresse, E-Mail-Adresse und Bankverbindung umgehend mitzuteilen. Für Folgen, die sich daraus ergeben, dass das Mitglied dieser Pflicht nicht nachkommt, haftet das Mitglied und stellt den Verein von jeglicher Haftung frei.

Die Ziele des Vereins und den Vereinszweck zu unterstützen sollte selbstverständlich sein, ansonsten würde man nicht beitreten. Wenn diese Pflichten aber grob verletzt würden, also z.B. ein Mitglied öffentlichkeitswirksam gegen Freie Lizenzen polemisieren oder vll. gegen die rechtliche Gültigkeit freier Lizenzen klagen würde, dann wäre der Verein berechtigt dieses  Mitglied auszuschließen.

Den letzten Satz beziehe ich explizit nur auf die Pflicht dem Verein eine aktuelle Adresse mitzuteilen und soll den Verein wohl vor Klagen schützen, falls ein Mitglied auf Grund veralteter Daten nicht zu einer Mitgliederversammlung eingeladen werden konnte. Der Klarheit halber sollte dieser Passus (also die letzten beiden Sätze) von den allgemeinen Pflichten getrennt werden und als eigener Absatz gestaltet werden.

(3) Aktive Mitglieder besitzen das aktive und passive Wahlrecht sowie das Antrags-, Stimm- und Rederecht auf Mitgliedsversammlungen.

Das bereits allen Mitgliedern zugestandene Antragsrecht auf Mitgliederversammlungen wird hier erneut aufgeführt.

(4) Fördermitglieder besitzen das Rede- und Antragsrecht auf Versammlungen, jedoch kein Stimm- oder Wahlrecht.

Auch hier das bereits mehrfach erwähnte Antragsrecht auf Versammlungen. Ich denke, dass mit Versammlungen Mitgliederversammlungen gemeint sind. Alles andere ergäbe wenig Sinn. Dies sollte man im Rahmen von redaktionellen Änderungen der Satzung anpassen.

(5) Ehrenmitglieder sind von der Beitragszahlung befreit und haben ansonsten die gleichen Rechte und Pflichten wie aktive Mitglieder.

Fazit §4: Der Paragraph könnte etwas redaktionell überarbeitet werden, um kleinere Unklarheiten und Dopplungen zu beseitigen.

Wichtig auch zu erwähnen, dass nach Satzung Stimmrechtsübertragungen nicht zulässig sind. Dies müsste explizit erwähnt werden. [Update: Ich sollte erst die Satzung komplett durchflöhen und dann labern. Die Stimmrechtsübertragung ist sogar explizit in §9 ausgeschlossen. Wenn man also eine haben würde wollen, dann müsste man den §9 ändern.]

§ 5 Beginn und Ende der Mitgliedschaft

(1) Die Mitgliedschaft muss gegenüber dem Vorstand schriftlich beantragt werden. Über den Aufnahmeantrag entscheidet der Vorstand mit einfacher Stimmenmehrheit. Der Vorstand ist nicht verpflichtet, dem Antragsteller Ablehnungsgründe mitzuteilen. Der abgelehnte Antragsteller kann die Mitgliedsversammlung anrufen, abschließend über seinen Mitgliedsantrag zu entscheiden.

Der Absatz ist etwas inkonsequent formuliert. Einerseits entscheidet der Vorstand mit einfacher Stimmenmehrheit (der Begriff Stimmenmehrheit taucht auch nur in §5 zweimal auf, ansonsten ist nur von Mehrheit die Rede), die MV entscheidet einfach nur. Da später klar geregelt wird, wie beide Organe entscheiden, ist der Hinweis auf die einfache Mehrheit des Vorstandes hier überflüssig.

Persönlich fände ich es aus Transparenz- und Fairnessgründen besser, wenn der Vorstand verpflichtet wäre eine Ablehnung gegenüber dem Beitrittswilligen zu begründen. Auch wäre eine klarere Regelung besser, wie ein abgelehnter Antragsteller die MV anrufen kann und innerhalb welcher Fristen vor der MV diese Anrufung erfolgen muß. Ich könnte mir deshalb eine Regelung ähnlich der Folgenden vorstellen:

Der Vorstand ist verpflichtet eine Ablehnung eines Antrages gegenüber dem Antragsteller zu begründen. Widerspricht der Antragsteller der Ablehnung des Aufnahmeantrages durch den Vorstand, ist der Vorstand verpflichtet die Frage über die Aufnahme des Antragstellers der nächsten Mitgliederversammlung zur Entscheidung vorzulegen.

(4) Der Ausschluss eines Mitglieds mit sofortiger Wirkung und aus wichtigem Grund kann dann ausgesprochen werden, wenn das Mitglied in grober Weise gegen die Satzung, Ordnungen, den Satzungszweck oder die Vereinsinteressen verstößt. Über den Ausschluss eines Mitglieds entscheidet der Vorstand mit zweidrittel Stimmenmehrheit. Vor dem Beschluss ist dem Mitglied unter Fristsetzung von zwei Wochen Gelegenheit zu geben, sich zu den erhobenen Vorwürfen zu äußern. Auf Wunsch erhalten ausgeschlossene Mitglieder die Gelegenheit, auf der dem Vereinsausschluss folgenden Mitgliederversammlung Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen. In diesem Fall entscheidet die Mitgliederversammlung abschließend.

Das was ich im vorigen Absatz kritisiert habe, ist hier wesentlich klarer und deutlicher geregelt. Bemerkenswert ist, dass der Ausschluss die einzige und zugleich die schwerste Vereinsstrafe ist, die ausgesprochen werden kann. Ob weitere mildere Strafen eingeführt werden sollten, wie z.B. das Aussprechen einer Rüge, das Ruhen der Mitgliedschaft bei Beitragsrückstand etc., sollte m.E. diskutiert werden.

In diesem Absatz taucht das Wort Stimmenmehrheit zum zweiten und letzten Mal auf.

(5) Bei Beendigung der Mitgliedschaft, gleich aus welchem Grund, erlöschen alle Ansprüche aus dem Mitgliedsverhältnis. Eine Rückgewähr von Beiträgen, Spenden oder sonstigen Unterstützungsleistungen ist grundsätzlich ausgeschlossen. Der Anspruch des Vereins auf rückständige Beitragsforderungen bleibt hiervon unberührt.

kein Kommentar.

(6) Die Mitgliedschaft endet durch Streichung, wenn trotz zweimaliger Mahnung im Mindestabstand von zwei Wochen die Mitgliedsbeiträge nicht entrichtet wurden. Die zweite Mahnung muss schriftlich erfolgt sein. Nach Verstreichen einer Erklärungsfrist von drei Monaten endet die Mitgliedschaft automatisch. Die Frist beginnt mit dem Absenden der zweiten Mahnung.

Hier wird ein vereinfachtes Auschließungsverfahren ausschließlich für Beitragsrückstände eingeführt. Nicht klar ist, was es mit der Erklärungsfrist auf sich hat und was vom Mitglied erklärt werden kann bzw. sollte und ob damit die Streichung abgewendet werden kann. Die Beitragsordnung macht diesbezüglich auch keine weiteren Ausführungen.

Fazit §5: Auch hier gibt es Bedarf den Paragraphen zumindest redaktionell zu überarbeiten.

§ 6 Mitgliedsbeiträge

Für die Höhe der jährlichen Mitgliedsbeiträge, Aufnahmegebühren und Umlagen ist die jeweils gültige Beitragsordnung maßgebend, die von der Mitgliederversammlung beschlossen wird.

Auch wenn es nicht explizit da steht, ist dies die Bestimmung, dass der Verein Beiträge und Umlagen erheben darf. Ansonsten würde der ganze Paragraph auch keinen Sinn ergeben bzw. es wäre bestimmt worden, dass keine Beiträge erhoben werden dürfen. Die Beitragsordnung ist im übrigen kein Bestandteil der Satzung, sonst müsste es mit erwähnt sein, so dass diese durch eine einfache Mehrheit der Mitgliederversammlung geändert werden, wie bereits 2007 geschehen.

So das war es wieder für heute. Morgen geht es mit §7 der Satzung weiter.

Apr 08 2010

Wir klamüsern eine Satzung auseinander (1)

Dieser Eintrag ist Teil 1 von 6 in der Artikelserie Satzung Wikimedia Deutschland

Da ich die Idee des Satzungsnerds die Satzung der Piratenpartei en Detail zu analysieren sehr interessant fand und ich mich durch meine Vorstandstätigkeit für Wikimedia Deutschland recht intensiv mit Vereinsrecht und der Satzung beschäftigt habe, will ich das ganze mal für die Satzung von Wikimedia Deutschland machen.

Ich schicke aber voraus, dass die Auslegungen bis auf die Fälle, wo ich Gerichtsurteile bzw. das BGB anführe meine persönliche Theoriefindung sind.

Fangen wir also an:

Die Präambel ist kein rechtlich wirksamer Bestandteil der Satzung deshalb überspringe ich diese. [Update: In Zweifelsfällen kann die Präambel wohl bei der Auslegung einer Vorschrift herangezogen werden. Danke an Gnom für den Hinweis. Siehe auch die Bemerkung zur Präambel in der Mustersatzung beí vereinsrecht.de.]

§ 1 Name, Sitz und Geschäftsjahr

(1) Der Verein führt den Namen “Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.” – im Folgenden “Verein” genannt.

(2) Der Verein hat seinen Sitz in Berlin und ist beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen.

(3) Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.

Aus der Festlegung, dass das Geschäftsjahr gleich dem Kalenderjahr ist, ergibt sich, dass eine Mitgliederversammlung möglichst schnell am Beginn des Jahres erfolgen sollte, wie es auch später festgelegt wird, um den Mitgliedern sinnvolle Mitwirkungsmöglichkeiten zu geben. Es ist wenig sinnvoll im Herbst über ein vergangenes Geschäftsjahr zu plaudern, wenn das laufende schon fast vorbei ist.

Wichtig: Der im folgenden Paragraphen beschriebene Vereinszweck darf nur mit der Zustimmung ALLER Mitglieder grundlegend geändert werden. Kleinere Erweiterungen und Ergänzungen im Rahmen des bisherigen Zweckes genauso wie redaktionelle Änderungen bedürfen allerdings nur einer satzungsändernden Mehrheit.

§ 2 Ziele und Aufgaben

(1) Zweck des Vereins ist es, die Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freier Inhalte (engl. Open Content) in selbstloser Tätigkeit zu fördern, um die Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und die Bildung zu fördern. Freie Inhalte im Sinne des Vereins sind alle Werke, die von ihren Urhebern unter eine Lizenz gestellt werden, die es jedem gestattet, diese Werke kostenlos zu verbreiten und zu bearbeiten. Dazu soll auch das Bewusstsein für die damit zusammenhängenden gesellschaftlichen und philosophischen Fragen geschärft werden.

Bei der Definition Freier Inhalte fehlen gemeinfreie Werke und Werke die in der Public Domain sind. Den ersten Schachtelsatz könnte man bei Gelegenheit auch mal besser formulieren. [Update: Zur Definition freier Inhalte siehe auch die Kommentare]

(2) Bei der Sammlung und Verbreitung der Freien Inhalte sollen in erster Linie, aber nicht ausschließlich, Wikis zum Einsatz kommen. Wikis sind über das Internet zugängliche Softwaresysteme, die Nutzern sowohl den Zugriff auf Inhalte als auch ihre Veränderung gestatten und so die gemeinschaftliche Schaffung derselbigen ermöglichen. Prominentestes Beispiel für dieses Prinzip ist die von Larry Sanger und Jimmy D. Wales initiierte und von der Wikimedia Foundation betriebene freie Enzyklopädie “Wikipedia”.

Durch die explizite Erwähnung der Wikipedia wird m.E. eine Fokussierung auf dieses Projekt festgeschrieben.

(3) Der Verein soll die Aufgaben einer Sektion (engl. Local Chapter) der Wikimedia Foundation Inc. (Florida, USA) wahrnehmen.

Hier sollte der Wunsch, dass der Verein Chapter sein soll, durch den Fakt, dass man es ist, ersetzt werden. Update: Arne weist in den Kommentaren darauf hin, dass man den Absatz auch als ständige Aufgabe lesen sollte. Insbesondere für den Fall. dass der Verein den Status als Chapter verlieren sollte. Ich stimme dem zu. Insbesondere, da ich im nächsten Absatz eine ähnliche Überlegung angestellt hatte.

Die Unabhängigkeit des Vereins ist hierdurch nicht beeinträchtigt.

Klingt für mich zwar erstmal seltsam, sollte aber wohl so gelesen werden, dass die Unabhängigkeit gewahrt bleiben muss, da ja sonst gegen diese Feststellung verstoßen wird.

Die Wikimedia Foundation fungiert als Dachorganisation aller nationalen Wikimedia-Sektionen, koordiniert die dem Vereinszweck entsprechenden Aktivitäten im internationalen Sektor und verwaltet den Namen Wikimedia sowie die Namen der verschiedenen internationalen Wikimedia-Projekte.

Für denjenigen, der nicht weiß was die Foundation ist. Wurde wohl für das Finanzamt oder das Registergericht als Erklärung aufgenommen, um unnötige Nachfragen zu ersparen. Müsste aber nicht unbedingt in der Satzung stehen.

(4) Dem Zweck des Vereins sollen namentlich dienen:

  • der Betrieb und die finanzielle Förderung des Betriebs von Internetsystemen
    zur Erstellung, Sammlung bzw. Verbreitung Freier Inhalte. Der Schwerpunkt
    soll dabei auf den verschiedenen internationalen Wikimedia-Projekten liegen.

Hard- und Software für die Wikimedia-Projekte steht ganz oben. Der Verein darf aber auch mal einen Server für andere Projekte betreiben, wie ja bereits für OpenStreetMap geschehen. Allerdings muss nach dieser Regelung ein Großteil weiterhin für die Wikimedia-Projekte aufgewendet werden.

die Verbreitung und die Förderung der Verbreitung Freier Inhalte auf
anderen Wegen, zum Beispiel in digitaler oder gedruckter Form, mit Schwerpunkt
auf den Inhalten der verschiedenen internationalen Wikimedia-Projekte.

Bücher dürfen wir auch drucken …

die Beschaffung, Bereitstellung und Verbreitung von Informationen sowie
die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Freie Inhalte, Wikis und den verschiedenen
Wikimedia-Projekten. Dies soll beispielsweise durch Veranstaltungen oder
Informationsmaterial geschehen.

oder Veranstaltungen durchführen oder uns an Messen beteiligen …

die Klärung wissenschaftlicher, sozialer, kultureller und rechtlicher
Fragen im Zusammenhang mit Freien Inhalten und Wikis zum Beispiel durch
Gutachten, Studien und Vergabe von Stipendien.

aber auch bspw. wissenschaftliche Arbeiten und rechtliche Gutachten über freies Wissen und freie Lizenzen finanzieren. Abseits der Satzung besteht hier noch großes Potential für die Arbeit des Vereines.

(5) Der Verein kann Mittel, sofern sie ausschließlich für oben genannte Zwecke verwendet werden, auch für andere steuerbegünstigte Körperschaften bzw. Körperschaften des Öffentlichen Rechts beschaffen und an sie weiterleiten sowie sich an steuerbegünstigten Körperschaften beteiligen oder deren Mitglied werden.

Mit Zielen und Aufgaben wie der Paragraph überschrieben ist, hat das weniger zu tun. Dieser Punkt ist die Erlaubnis anderen Vereinen, Stiftungen, gGmbHs etc. finanzielle Mittel zukommen zu lassen bzw. anderen Vereinen beizutreten oder sich an Unternehmen zu beteiligen. Den Satz lege ich so aus, dass zwar Mittel nur an andere Körperschaften weitergeleitet werden dürfen, wenn die Mittel entsprechend unseren Zielen eingesetzt werden. Beteiligen an oder beitreten darf der Verein jeder gemeinnützigen (das ist wohl gemeint mit steuerbegünstigt) Körperschaft.

(6) Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts “steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung 1977 (§§51 ff. AO) in der jeweils gültigen Fassung. Er ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Ziele.

(7) Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwandt werden. Die Mitglieder erhalten in ihrer Eigenschaft als Mitglied keine Zuwendungen aus den Mitteln des Vereins. Die Mitglieder dürfen bei ihrem Ausscheiden oder bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins keine Anteile des Vereinsvermögens erhalten. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßige Vergütungen begünstigt werden.

Beides sind steuerlich notwendige Punkte, die gewährleisten, dass der Verein ausschließlich gemeinnützig arbeitet. Haben aber genau wie Absatz 5 in diesem Paragraphen nichts zu suchen. Für 5, 6 und 7 sollte ein eigener Paragraph geschaffen werden, der z.B. Gemeinnützigkeit heissen könnte.

§ 3 Mitgliedschaft

(1) Mitglied kann jede natürliche oder juristische Person werden.

Das heißt also, dass es völlig egal ist, ob ein Mitglied in Deutschland wohnt oder nicht, deutscher Staatsbürger ist oder nicht. Analog gilt dies für juristische Personen, wie andere Vereine, Unternehmen etc. Diese können auch ihren Sitz außerhalb Deutschland haben. Das Alter eines Mitglieds spielt auch keine Rolle. Dass dies für ein paar Probleme bei  Minderjährigen sorgen kann, gehe ich beim Thema Austritt aus dem Verein nochmal ein.

(2) Der Verein besteht aus aktiven Mitgliedern, Fördermitgliedern und Ehrenmitgliedern.

Definition der Arten der Mitgliedschaft. Damit wird die nachgiebige Regelung des §38 BGB erweitert. Im BGB ist allgemein nur von Mitgliedern die Rede.

(3) Aktives Mitglied kann jede natürliche Person werden, die im Verein oder einem von ihm geförderten Projekt aktiv mitarbeiten möchte. Fördermitglied kann jede natürliche oder juristische Person werden, die sich zwar nicht aktiv betätigen, jedoch die Ziele und den Zweck des Vereins fördern und unterstützen möchte.

Ob sich aus dem Wunsch als aktives Mitglied im Verein mitzuarbeiten auch eine Verpflichtung ergibt sich aktiv zu beteiligen, möchte ich verneinen, da dies im entsprechenden §4 nicht erwähnt wird. Fördermitglieder sind durch die Blume gesprochen reine Geldgeber.

(4) Zum Ehrenmitglied können natürliche Personen ernannt werden, die sich in besonderer Weise um den Verein verdient gemacht haben. Hierfür ist ein Beschluss der Mitgliederversammlung erforderlich.

Es gibt meines Wissens derzeit ein Ehrenmitglied: Jimbo Wales. Ehrenmitglieder darf nur die Mitgliederversammlung ernennen. Das Vorschlagsrecht ist offensichtlich nicht auf bestimmte Organe oder Gremien beschränkt. Da in §9 (2) bestimmt wird, dass die MV ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit trifft, so ist diese auch für die Ernennung eines Ehrenmitgliedes ausreichend. Zum Begriff „einfache Mehrheit“ später an entsprechender Stelle.

Morgen folgt der zweite Teil, fortfahrend mit §4 Rechte und Pflichte der Mitglieder

Mrz 20 2010

Kurz verlinkt

Apr 28 2009

Phorm Opt Out

Wikimedia Deutschland hat, ebenso wie die Wikimedia Foundation und Amazon, beschlossen ihre Domains von der Untersuchung des Traffics zu diesen Seiten durch das britische Unternehmen Phorm auzuschließen. Dies geschah da auch der Wikimedia Deutschland Webseiten betreibt, die von Nutzern aus Großbritannien abgerufen werden (hier ist vor allem der Toolserver zu nennen).

Weitere Hintergründe und Erklärungen zu diesem Thema finden sich im Wikimedia Blog.

Apr 15 2009

Interessensgemeinschaft der Wikipedia-AutorInnen

Vor wenigen Minuten hat der Wikipedia-Autor Andreas Kemper auf der Wikipedia-Mailingliste einen Aufruf zur Gründung einer Interessengemeinschaft der Wikipedia-AutorInnen veröffentlicht. Einen Entwurf der Ziele dieser IG findet sich in der Wikipedia.

Laut der Mail soll der neue Verein die Interessen der Autoren gegenüber der Foundation vertreten, aber auch Rechtsberatung und Aufgaben übernehmen, wenn Autoren auf Grund ihrer Tätigkeit in der WP rechtlichen Problemen gegenüber stehen.

Erste Interessenten haben sich bereits auf der Wikipedia-Seite eingetragen.

Mrz 24 2009

Wikimedium

Im Wikimedia-Blog wurde heute die neue Zeitung von Wikimedia Deutschland mit Namen WIKIMEDIUM vorgestellt. Die gedruckte Version wurde bereits am Wochenende auf der Mitgliederversammlung (Bericht darüber von Ziko im Kurier, dem ich allerdings nicht in allen Details zustimmen kann, aber egal) verteilt. Eine Online-Version im PDF-Format ist auch verfügbar.

Titel WIKIMEDIUM

In den Kommentaren wurde kritisiert, dass die anderen Projekte in der Erstausgabe praktisch nicht vorhanden waren. Das ist bedauerlich und auch nicht verwunderlich, kann aber leicht geändert werden, wenn man die Redaktion, insbesondere Catrin Schoneville, mit entsprechenden Infos zu den Projekten versorgt. Ich werde meinen Teil bezüglich Wikisource dazu beitragen.

Sehr löblich, dass die gesamte Zeitung unter der CC-BY-SA 3.0 steht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass es deswegen beim Vorgänger, dem Wikimedia Newsletter, noch einige Diskussionen gab.

P.S. Wenn denn nicht wirklich eine vergilbte Zeitung mit Wasserrändern war, was ich eher nicht glauben mag, die gescannt wurde, dann lassen wir diesen Pseudoantiken Look des PDF bei der nächsten Ausgabe doch besser. Olle Zeitungen kann Wikisource wesentlich besser und sogar in echt.

Mrz 05 2009

Inside Wikimedia

Vor wenigen Minuten wurde von der Wikimedia Foundation ein Video online gestellt, das einen kleinen Einblick in die Arbeit dort drüben überm großen Teich gibt. Derzeit liegt es nur auf englisch vor. An lokalisierten Versionen wird aber gearbeitet. Am besten klickt ihr nach Start des Videos auf den Button HQ, dann wird das Video in wesentlich besserer Qualität abgespielt.

YouTube Preview Image

Jay Walsh, der Pressesprecher Foundation, in einem Kurzinterview zu der Frage, ob für die Zukunft weitere solcher Videos geplant sind:

Diese Videos sind eine großartige Sache, um die Arbeit bei Wikimedia zu entmystifizieren. Also: Wer arbeitet hier? Warum tun die Angestellten genau das, was sie gerade tun? Was genau ist eigentlich die Aufgabe der Wikimedia Foundation?

Wir planen, noch weitere solcher Videos zu produzieren und vielleicht auch ein paar Podcasts. Ziel ist es, unsere Arbeit transparenter zu machen und den Benutzern der Wikimedia-Projekte und der Öffentlichkeit einen wirklichen Einblick darin zu geben, wie unsere gemeinnützige Organisation und wie die Wikipedia funktioniert.

Feb 18 2009

AntiCommonist 0.3.0

Dieser Eintrag ist Teil 5 von 8 in der Artikelserie AntiCommonist

Nach all den Bildern, Videos und langen Texten nun mal wieder ein einfaches und langweiliges Update des AntiCommonist.

Änderungen:

  • Die Auswertung der Kommandozeile wurde auf Apache Commons CLI 1.1 umgestellt, deshalb muss das Programm nun ein wenig anders aufgerufen werden. Im folgenden die möglichen Optionen:
usage: AntiCommonist [-c <categoryname>]
                     -d <localdirectory>
		     [-help]
		     [-m <true|false>]
		     [-t <textfile>]
                     [-w <wikiurl>]
 -c, --category <categoryname> download files from given
		               category, alternative
                               to option t
 -d, --dir <localdirectory>    local directory to save
                               downloaded files
 -help                         print this message
 -m, --makedir <true|false>    should local directory be
		               created if not exist,
                               default is true
 -t, --textfile <textfile>     name and path of file with
                               filenames to download from
                               wiki, alternative to
                               option c
 -w, --wiki <wikiurl>          url of wiki to download from,
                               if empty wikimedia commons
                               is used
  • Und wer nun aufmerksam das obige Kauderwelsch durchgelesen hat, wird festgestellt haben, dass eine Option hinzugekommen ist. AntiCommonist legt nun nämlich das lokale Verzeichnis für die heruntergeladenen Dateien an, wenn dieses noch nicht vorhandenen ist. Falls dies nicht gewünscht kann dies mit der neuen Option –m und dem Wert false abgeschaltet werden.

Die Umstellung des Programmaufrufes ist erforderlich geworden, da ich auch in Zukunft neue Optionen einfach hinzuzufügen möchte. Und da sich andere Leute schon einige Gedanken gemacht haben, wie man die Kommandozeile auswertet und ich das Rad nicht zum Millionstenmal neu erfinden muß, verwende ich ab sofort das Command Line Interface von Apache Commons. Daraus resultierend hat sich das Aufrufformat zum ersten und letzten Mal geändert. In Zukunft kommen nur neue Optionen hinzu.

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