Do what you can do – Eine Replik

Southpark hat heute in seinem Blog einen Beitrag gepostet, dessen Zielrichtung ich nicht verstehe und auch nicht verstehe was der Autor uns damit sagen möchte. Nun gut er möchte reflektieren über das was Freies Wissen im Allgemeinen und Wikipedia im Besonderen für die Welt bedeutet und worin die Zukunft der Wikimedia-Bewegung bestehen sollte. Da die Kommentarspalte eher für kürzere Texte geeignet ist, ich aber doch etwas genauer auf einige seiner Gedanken eingehen möchte, nehme ich seine Anregung zur Diskussion in Form dieser Replik auf.

In einem ersten Beitrag hatte sich Southpark bereits mit der Bedeutung Freier Lizenzen beschäftigt und zieht trotz der Kritik an seinen These weiterhin die Schlussfolgerung, dass diese für das Projekt eher randständig seien. Dass ich dies anders sehe, habe ich bereits ausführlich in den Kommentaren dargelegt. Deshalb nun zur Kritik des aktuellen Beitrages.

Katze als Entenmutter

Southpark stellt eine erste Grundthese auf:

 Grundthese: das, was Wikipedianer und Wikimedianer können, und was sie positiv von allen anderen abhebt, ist es eine Onlineenzyklopädie zu schreiben. Das mag jetzt auf den ersten Blick banal klingen, ist aber praktisch gar nicht so einfach.

Ich versteht das nicht (liegt vermutlich an mir). Beziehungsweise versteh ich nicht was er mir damit sagen möchte. Zumal er nicht vertieft was daran nicht so banal ist. Ich vermute was er sagen möchte, aber leider gibt es keine Hinweise, ob ich richtig liege.

Was mich aber wesentlich mehr stört ist der Umkehrschluss, der angeblich natürlicherweise möglich sei.

Und die Aussage erlaubt natürlich auch den Umkehrschluss, darüber was Wikipedianer und WIkimedianer nicht besser können als alles andere, und wo sie über keine besondere Kompetenz verfügen: alles außer eine Online-Enzyklopädie schreiben. Dann allerdings stellt sich die Frage: warum sollten sie es machen? Also jetzt nicht als Hobby, sondern mit großen Aufwand und quasi professionell?

Dieser Umkehrschluss ist aber eben nicht möglich, denn selbstverständlich sind Leute, die die Wikipedia schreiben in der Lage andere Dinge ebenso gut zu machen. Der erste Grund ist, weil diese Enzyklopädie zum aller größten Teil nicht von ausgebildeten und in der Wolle gefärbten  Enzyklopädieschreibern gemacht wird. Viele haben einen Job, in dem sie hoffentlich proffesionell arbeiten oder sind über ihr Hobby zur Wikipedia gekommen. Oftmals ein Hobby, das sehr intensiv und en detail ausgeübt wird. Es gibt bereits eine riesige Bandbreite an Kompetenzen, die die in der Wikipedia Mitarbeitenden besitzen, was man bei einem simplen Besuch eines Stammtisches herausfinden kann.

Hinzu kommt, dass sich viele der Wikimedianer Fähigkeiten angeeignet haben, die weit über das Schreiben von Enzyklopädie hinausgehen: Fotografieren als Offensichtlichstes, Recherchieren, Riesige Datenmengen sortieren, kategorisieren und einordnen, Programmieren bis hin zu eher exotischere Fähigkeiten wie Handschriften der Frühen Neuzeit lesen. Da stellt sich eher die Frage, warum diese neu erworbenen und die bereits vorher vorhandenen Fähigkeiten und Kenntnisse nicht besser und effektiver nutzen? Wissen erschöpft sich eben doch nicht nur in Enzyklopädie.

Und nur am Rande sei angemerkt, dass für Southpark alle Wikimedianer irgendwie äquivalent mit Wikipedianern  nur Enzyklopädie schreiben oder fallen die (zugegebenermassen wesentlich kleineren) Schwesterprojekte unter die Frage: Warum sollten sie es machen?

simba-wikipedia

Anschließend führt Southpark einige Erfolgsfaktoren für die Wikipedia auf, denen ich weitestgehend zustimmen kann, auch wenn der letzte Punkt schlicht das Resultat der Entscheidung ist, ein Wiki zu verwenden und (so meine ganz private Vermutung) Google zumindest anfänglich das Ranking der Wikipedia ein wenig angehoben hat, auch wenn sie es nie zugeben werden.

Southpark schlussfolgert daraus aber wieder sehr steil und auch wieder ohne Begründung:

Das können Wikip/medianer, und darum sollten sie es machen. Bei allen anderen Aktivitäten, bedarf es schon erheblicher Rechtfertigung, warum ausgerechnet Wikip/media sich dafür zuständig fühlen sollte.

und

 Bei allen Tätigkeiten, die nichts mit Online-Enzyklopädie zu tun haben, unterscheiden sich Wikipedianer nicht groß von ihren Mitmenschen. Sie sind auch nicht kompetenter als eine zufällig in der nächsten Uni zusammengesammelte Auswahl wäre.

Aber wie oben ziehe ich eher den gegenteiligen Schluß daraus, dass Wikimedianer sich nicht groß von der Umwelt unterscheiden, alles andere fände ich eher erschreckend, als den Fakt dass Wikimedianer nicht nur Lexikon schreiben.

Wie bereits gesagt Wikip/medianer haben über das Enzyklopädieschreiben Kompetenzen die auch für die Schaffung freien Wissens genutzt werden können und  werden. Zumal viele dieser Kompetenzen in einem langen und erfahrungsreichen Berufsleben erworben wurden und das Enzyklopädieschreiben erst in den letzten Jahren mühsam erlernt wurde. Ich für mich kann ziemlich gut einschätzen, ob ich ein besserer Programmierer, Enzyklopädieschreiber oder Transkriptor frühneuzeitlicher Handschriften bin.

Real Life. Wissen hinterhertragen. Es pädagogisch organisieren. Dafür Lobbying zu betreiben. Stände zu betreuen. Auf Messen zu gehen. Kompetente Ansprechpartner finden. Natürlich sind wir keine Totalversager in den Bereichen, und mittlerweile gibt es ja auch professionelle Hilfe. Aber wenn man in einem Bereich das weltbeste ist, fällt Brot-und-Butter-Arbeit in den anderen Bereichen natürlich viel mehr auf.
Sind wir pädagogisch besser als echte Pädagogen? Keinesfalls. Haben wir besondere Erfahrungen damit, Wissen offline zu vermitteln?

Gegenfrage:Vermitteln wir wiklich das Wissen, dass in der Wikipedia steht oder vermitteln wir nicht das Wissen über Wikipedia? Organsieren wir wirklich das Wissen pädagogisch oder wollen wir nicht eher dafür sorgen, das Pädagogen das gesammelte Wissen für ihre  Arbeit nutzen? Tragen wir das Wissen aus der Wikipedia/Wikisource/Wiktionary wirklich jemandem hinterher oder  versuchen wir nicht eher, dass Menschen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in die Projekte tragen? Vermitteln wir nicht eher Wissen ÜBER die Wikipedia und die anderen Projekte als Wissen AUS der Wikipedia und den anderen Projekten?

Da stellt sich eher die Frage: Wer soll denn sonst das Wissen ÜBER Wikipedia und Co. vermitteln, als denn wir? Und das wir das nicht so gut machen, wie ausgebildte Ausbilder, ist klar. Aber er erkläre mir, wie es denn sonst gehen soll.

Blödes Fernsehprogramm

Mein Fazit aus diesem Blogbeitrag von Southpark ist, dass dieser die Diskussion meines Erachtens nicht voranbringt.

Erstens wird der Einfluss und die Wichtigkeit der Freien Lizenzen für das ganze Projekt schlicht geleugnet, anstelle weiter zu diskutieren, ob das eigene Postulat wirklich stimmt und wie groß der Einfluss Freier Lizenzen wirklich ist oder eben nicht ist.

Zweitens wird der altbekannte Fehler gemacht Freies Wissen im Wikimedia-Universum auf Wikipedia und Enzyklopädie einzugrenzen. Dabei geht mal wieder die riesige Bandbreite an Wissensinhalten (Bilder, Texte, Wörterbuch, Lehrbücher etc.) flöten und die gezogenen Schlussfolgerungen können nur auf eher wackligen Füssen stehen.

Drittens erinnert mich die ganze Argumentation irgendwie an die Argumentation von Verlagen, Musik- und Filmunternehmen in Bezug auf das Internet. Weil es doch so wunderbar funktioniert und wir die Weltbesten sind, sollten wir uns am Besten nicht mehr ändern und alles so bleiben wie es ist. Und am besten sollte es in ein paar Jahren ein Wikipediaschutzrecht eingeführt werden und jeder der nicht innerhalb der letzten zwei Monaten mindestens einmal in der Wikipedia (die Schwesterprojekte gülden nicht) nachgeschlagen hat, sollte verwarnt werden und beim dritten Mal sollte sein Internet-Anschluss gesperrt werden.

Kurz und gut: Die Gedanken von Southpark sind in meinen Augen schlicht Wikipedia-Konservatismus und Wikipedia-Elitarismus. Keine Ahnung ob er das ernst meint oder nur provozieren möchte. Ich hoffe mal zweiteres und er hat ja offenbar sein Ziel erreicht. Und ich gebe zu die Bildauswahl von Southpark ist natürlich wesentlich subtiler :-)

Gedanken zu Ingenieuren und Freiem Wissen

Gerade wurde von Gustavf im Wikisource ein Vergleich gezogen, der mir sehr gefällt:

Die Naturwissenschaften sind, anders als z. B. die Jurisprudenz oder die Theologie, „akkumulativ“, d. h. jeder Fortschritt, den Sie erarbeiten, geht in das kollektive Menschheitswissen unverlierbar ein und befruchtet weiteren Fortschritt. (Zitat aus http://www.ingenieur-kultur.de/sources/vorwort.pdf)

Freies Wissen ist also nichts anderes als eine Weiterentwicklung des Ingenieursgedanken.

Das freies Wissen und unser kulturelles Gedächtnis nicht nur durch aktuelle Gesetze wie SOPA bedroht ist, zeigt eine Diskussion zu einem US-Gesetz aus dem Jahr 1996 auf Wikimedia Commons, unter dem nicht nur Commons leiden würde, sondern auch die Wikipedia, Wikisource und die anderen Projekte, die Medien aus Commons einbinden. Hinzu käme, dass die entsprechenden Texte auf Wikisource ebenfalls gelöscht werden müssten.

Zitat von Achim Raschka auf der Mailingliste des deutschen Wikimedia-Vereins:

[S]ollte es wirklich in der Folge zur Löschung von tausenden Bildern (von tausenden nach deutschem Recht gemeinfreien Bildern!), u.a. von zahlreichen Künstlern der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert und eigentlich des gesamten Bildmaterials seit 1915, dann haben wir – ganz konkret WIR – das Ziel, wofür wir stehen, verfehlt. Wenn wir nicht in der Lage sind, Liebermanns Selbstbildnisse und Corinths Spätwerk in der deutschsprachigen WP zu zeigen, obwohl es vollkommen unzweifelhaft nach deutschem Recht legal und gemeinfrei ist, sollten wir das Thema „Förderung Freien Wissens“ aus unserer Agenda streichen.

Sie dürfen diese Arbeit missbilligen oder Es gibt nichts zu editieren

Poetry Slam über freies Wissen anläßlich der Vorstellung des Wikipedia-Buches gestern in Berlin:

[vimeo]http://vimeo.com/29614524[/vimeo]

Text und Vortrag: Khesrau Behroz,  CC-BY-SA 3.0

Mehr Infos zu diesem großartigen Vortrag und den vollständigen Text gibt es im entsprechenden Blogbeitrag bei Wikimedia Deutschland.

WikiTV

Heute wurde die erste Folge von WikiTV veröffentlicht, die aus Interviews von der WikiCon besteht. Leider aber auch nur aus Interviews, wobei man bei den meisten Interviewten  über den reinen Namen oder Nick leider nicht viel erfuhr. Ein paar sonstige  Eindrücke oder Erklärungen was die Wikicon war und was dort passierte, wären darüberhinaus auch schön gewesen. Ärgerlich auch, dass hier und da einige der Fragen nicht zu den Antworten passten. Da ist wohl beim Schnitt was schief gegangen.

Aber ich will nicht zu viel meckern. Es ist ein erster interessanter Versuch, der aber auf jeden Fall noch wesentlich mehr Potential bietet. Ich bin gespannt was in Zukunft draus wird. Leider funktioniert das Embedding des Videos hier im Blog nicht. Deshalb muss ein Link nach Commons genügen:

WikiTV Folge 1

Das Mysterium FAL

Ich habe [intlink id=“1170″ type=“post“]mich vermutlich geirrt bzw. bin vermutlich der mangelhaften deutschen Übersetzung[/intlink] der License Art Libre aufgesessen. Eine Diskussion in Commons hat mir aber gezeigt, dass sich die Situation bei der FAL mittlerweilen etwas geändert hat.

Wie bereits gepostet steht in der deutschen Übersetzung, auf die ich mich verlassen habe, in §3 folgender Satz:

Alle Elemente dieses Werkes müssen frei bleiben ; aus diesem Grunde ist es Ihnen untersagt, die Originale in andere Werke einzufügen, welche der Lizenz nicht obliegen.

Allerdings bezieht sich diese Übersetzung auf die Version 1.1. Mittlerweile gibt es aber die Version 1.3, die in diesem Punkt ergänzt wurde. Und das hatte ich übersehen. In dieser Version wurde der §3 um folgenden §4 ergänzt (englische Übersetzung, wie gesagt eine deutsche Übersetzung der Version 1.3 existiert nicht):

Incorporating this work into a larger work that is not subject to the Free Art License shall not challenge the rights granted by this license.

If the work can no longer be accessed apart from the larger work in which it is incorporated, then incorporation shall only be allowed under the condition that the larger work is subject either to the Free Art License or a compatible license.

Eine grobe Übersetzung meinerseits:

Das Einfügen dieses Werkes in ein größeres Werk, dass nicht der Free Art License unterliegt, darf die Ausübung der mit dieser Lizenz erteilten Rechte nicht behindern.

Wenn  das Werk nicht mehr einzeln vom größeren Werk in das es eingefügt wurde, verwendet werden, dann ist das Einfügen nur erlaubt, wenn das größere Werk selbst der Free Art License oder einer kompatiblen Lizenz unterliegt.

Damit sieht die Situation natürlich wesentlich anders aus, als noch von mir beschrieben. Da zumindest innerhalb der Wikipedia auf ein Bild noch getrennt vom größeren Werk zugegriffen werden kann, ist also ein Einfügen von Bildern unter der FAL in Wikipedia-Artikel zulässig. Und da zumindest bei dem Bild, was von mir als Beispiel angegeben wurde, nur die Lizenz ohne Versionsnummer angegeben wurde, sollte auch die Verwendung außerhalb der Wikipedia keine größeren Probleme darstellen.

Vermutlich werden die entsprechenden Fotografen bei neuen Bilder explizit die Version  1.1 auswählen, die Lizenz lässt dies zu, was dann auch wieder die beschriebenen Nachnutzungsschwierigkeiten, auch in der Wikipedia, hervorrufen würde.

Infobrief des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages über Wikipedia und Co.

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat Anfang Juli 2011 eine Analyse des ehrenamtlichen Engagements für frei verfügbares Wissen in Internet, insbesondere in Form der Wikipedia,  erstellt. Der Infobrief ist eine lesenswerte, allerdings nicht allzu tief schürfende, Lektüre. Offenbar gemeint als eine erste Einführung für nicht ganz so Wikimedia-affine Abgeordnete. Daran mitgearbeitet hat auch ein recht bekannter Wikipedianer, einfach mal bei den Autoren nachschauen.

Ein Zitat die unsere Volksvertreter hoffentlich zum Nachdenken anregt, von wegen Urheberrecht, Open Data, staatlichen Inhalten unter freien Lizenzen und Ahnlichem:

Derartige weltweite Wissensangebote stiften zweifellos einen großen gesellschaftlichen Nutzen. Es sind Angebote, die in dieser Art –Vielfalt, Tiefe und Weite – vielfach nicht kommerziell angeboten werden können. Es gibt sie dennoch. Sie tragen ganz offensichtlich maßgeblich zum Erfolg des Internets und zum Weltgemeinwohl bei.

Download (PDF): [download id=“19″]

[Via Avatar bei Google+]

Warum Bilder aus Commons in der Wikipedia nicht nutzbar sind

oder wie man mit freien Lizenzen Nachnutzung verhindert

Dieser Artikel ist zumindest teilweise fehlerhaft. Siehe deshalb auch meinen ergänzenden Artikel [intlink id=“1211″ type=“post“]Das Mysterium FAL[/intlink].

Die Überschrift mag erstmal merkwürdig klingen. Aber ich denke, dass bestimmte Bilder aus Commons zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia nicht nutzbar sind und damit nicht in Artikel eingebunden werden können.

Eigentlich wurde doch Commons genau dafür eingerichtet, um alle Wikimedia-Projekte mit Medien zu versorgen und eigentlich sollte man sich doch gerade bei Commons-Bildern keine Sorgen machen müssen. Und auf Commons werden doch nur Medien geduldet, die unter einer freien Lizenz stehen bzw. Gemeinfrei sind. So werde keine Bilder die unter Fair Use stehen und keine Logos geduldet, die zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia als problemlos eingestuft werden. Wo ist also das Problem? Das Problem ist eine bestimmte Kombination von freien und unfreien Lizenzen, was auf Commons möglich ist.

Zum Hintergrund:  In den letzten Tagen sind RaymondAchim und Gnu1742 auf einige Aspekte Freier Lizenzen eingegangen, u.a. die schwierige Nachnutzung, fehlende Lizensierung bei Nachnutzern und die Unmöglichkeit bestimmte Lizenzen in einigen Medien überhaupt verwenden zu können.

Achim schreibt zwar:

Viele Bilder sind allerdings de fakto für so ein Blog wie dieses oder für Printmedien gar nicht nutzbar, weil sie als Lizenz die GFDL-1.2-only angeben

übersieht aber meines Erachtens einen wichtigen Punkt. Je nach dem gewählten Lizenzen-Mix wird nicht nur die Nachnutzung in bestimmten Medien behindert, sondern es kann sogar soweit gehen, das bestimmte Bilder auch in der deutschsprachigen Wikipedia nicht genutzt werden können.

Schauen wir uns als Beispiel dieses Bild auf Commons vom Miniaturwunderland in Hamburg an. Warum ich das Bild hier nicht einbinde sollte im Lauf meiner Erörterungen klar werden. Dieses und eine ganze Reihe weiterer Bilder weist einen, sagen wir mal, interessanten Lizenz-Mix auf. Als erstes die {de:Lizenz Freie Kunst|Licence Art Libre } (deutsch: Lizenz freie Kunst), dann noch die GFDL 1.2 only und die CC-BY-NC-ND. Nach meiner Meinung ist ein Bild mit solch einem Lizenzmix in der deutschsprachigen Wikipedia, von einer Nachnutzung in der großen weiten Welt ganz zu schweigen, nicht verwendbar. Dafür muss man sich die einzelnen Lizenzen einzeln und im Zusammenspiel anschauen.

1. Die in Frankreich entstandene Licence Art Libre ist extrem viral. Sie verlangt in §3 des Lizenztextes folgendes:

3. Eingliederung des Werkes
Alle Elemente dieses Werkes müssen frei bleiben ; aus diesem Grunde ist es Ihnen untersagt, die Originale in andere Werke einzufügen, welche der Lizenz nicht obliegen.

Was mit dieser etwas kruden deutschen Übersetzung aus dem Französischen gemeint ist, wird sehr klar im {de:Lizenz Freie Kunst|Wikipedia-Artikel} erläutert:

Dazu [zu den Lizenzbedingungen] zählt, dass jedes größere Werk, das das lizenzierte Werk enthält, ebenfalls unter diese Lizenz gestellt werden muss.

Da ein Wikipedia-Artikel in den allermeisten Fällen als eigenes Werk anzusehen ist, folgt daraus, dass ein Artikel in der Wikipedia in dem dieses Bild eingebunden ist auch unter der Licence Art Libre stehen müsste, wenn nicht sogar die gesamte Wikipedia, was schlicht unmöglich ist. Wenn ein Bild nur unter dieser Lizenz steht, kann es wohl in keinem Wikimedia-Projekt vernünftig verwendet werden. Fazit: Unter der Licence Art Libre  nicht verwendbar in der deutschsprachigen Wikipedia.

Nachtrag zur FAL: Eventuell bin ich hier einer Missinterpretation aufgessen, da die deutsche Übersetzung auf der Webseite der FAL einen wichtigen Satz unterschlägt. Ich hab gerade eine Mail losgeschickt, mit der Bitte mir die folgende Passage aus dem französischen Original zu übersetzen. Vll. kann ja aber auch hier jemand helfen:

3. DROITS CONNEXES.
Les actes donnant lieu à des droits d’auteur ou des droits voisins ne doivent pas constituer un obstacle aux libertés conférées par cette licence.
C’est pourquoi, par exemple, les interprétations doivent être soumises à la même licence ou une licence compatible. De même, l’intégration de l’oeuvre à une base de données, une compilation ou une anthologie ne doit pas faire obstacle à la jouissance de l’oeuvre telle que définie par cette licence.

2. Dass die CC-BY-NC-ND, also keine Bearbeitungen erlaubt, keine kommerzielle Nutzung erlaubt, keine völlig freie Lizenz ist, sollte unstreitig sein. Da aber die Wikipedia in ihren {de:Wikipedia:Grundprinzipien|Grundprinzipien} unter dem Punkt Freie Inhalte verlangt, dass:

die Inhalte […] unter einer Lizenz stehen, die eine Weiternutzung unter der Bedingung der Autorennennung und der weiteren Verbreitung unter gleichen Bedingungen (Copyleft) erlaubt

ist eine Nutzung unter der CC-BY-NC-ND  nicht möglich, da diese Lizenz Einschränkungen besitzt, die mit der Definition freier Inhalte nicht kompatibel ist. Fazit:  Unter der CC-BY-NC-ND nicht verwendbar in der deutschsprachigen Wikipedia.

3. Die dritte der Lizenzen ist eine besondere Zierde der privaten Rechtsfortschreibung: Die GFDL 1.2 only. Eine Lizenz die es so gar nicht gibt, denn die GFDL kennt nur diese zwei Anwendungsfälle: „GFDL, eine bestimmte Version oder jede spätere“ und „GFDL, ohne bestimmte Version“. (siehe Abschnitt 10 „FUTURE REVISIONS OF THIS LICENSE“ des Lizenztextes). Im zweiten Fall darf sich der Nutzer eine beliebige Version für die Nutzung aussuchen. Das Festnageln auf eine bestimmte Version ist nicht vorgesehen. Ich sehe darin eine unzulässige Veränderung der Lizenz, was im Endeffekt zu einer ungültigen Lizenz führt.

Aber mir geht es gar nicht nur um die Diskussion rechtlicher Feinheiten, denn da werde ich sicherlich kein allgemeingültiges Urteil vorgeben können. Was meines Erachtens ebenso die Nutzung in der deutschsprachigen Wikipedia verhindert, ist ein {de:Wikipedia:Meinungsbilder/GFDL_1.2-only_für_Dateien|Meinungsbild vom Dezember 2008}. In diesem hat sich die Community eindeutig gegen die Nutzung der GFDL 1.2 only ausgesprochen. Warum es möglich sein sollte den Willen der Community über den kleinen Umweg über Commons eine lange Nase drehen zu können, will sich mir nicht erschließen. Konsequenterweise dürften solche Bilder in der deutschsprachigen Wikipedia nicht mehr eingebunden werden. Fazit: Unter der GFDL 1.2 nicht verwendbar in der deutschsprachigen Wikipedia, da keine gültige Lizenz und nicht in der deutschsprachigen Wikipedia erwünscht.

Es ist also gar nicht so schwer Bilder oder andere Medien auf Commons unter eine freie Lizenz zu stellen, ohne dass diese in der Wikipedia verwendbar wären. Vermutlich betrifft dies eine gehörige Menge an Bildern, die dennoch in die Artikel eingebunden werden. Bis vor kurzem bin ich ja auch davon ausgegangen, dass man alle Bilder aus Commons problemlos verwenden könnte. Dem ist offensichtlich nicht so.

Ich sehe nur eine Lösung des Problems, jedes Medium muss mindestens eine Lizenz haben, die es ermöglicht diese Medien in allen Wikimedia-Projekten problemlos einzusetzen, also kompatibel zur CC-BY-SA der Wikipedia ist. Andere freie Lizenzen, die nicht dazu kompatibel sind, dürfen nur zusätzlich vergeben werden. Unfreie, nicht völlig freie Lizenzen und irgendwelche Privatlizenzen sollten hingegen überhaupt nicht geduldet werden.

Der hier diskutierte Lizenz-Mix, es gibt sicherlich noch andere interessante Ideen in diese Richtung, ist in meinen Augen auch kein Versehen, sondern auf Grund der gewählten Lizenzen eindeutig Absicht. Es geht hier darum, für die Nachnutzung möglichst hohe Hürden aufzubauen, so dass eine sinnvolle Nutzung nicht mehr möglich ist. Die Inhalte sollen möglichst exklusiv für die Wikipedia sein, ohne dass Andere daran partizipieren können.

Für mich ist das eine Verhöhnung der Grundsätze Freier Inhalte. Dass dabei auch die Möglichkeit der Nutzung der Inhalte in der Wikipedia als Kollateralschaden auf der Strecke bleibt, mag sicherlich unbeabsichtigt sein, wird aber offenbar in Kauf genommen. Dass damit auch viele nützliche und sinnvolle Verwendungen verhindert werden, scheint sowieso vollkommen egal zu sein.

Episoden, Charaktere und Pseudodeutsch

Vor einigen Tagen entspann sich im Blog nebenan eine Diskussion rund um das Thema Populärkultur in der Wikipedia. In den Kommentaren äußerte AndreasP folgendes (Hervorhebung, wie auch bei allen folgenden Zitaten, von mir):

Ich persönlich hätte auch in en.wikipedia viel lieber einen guten Sammelartikel über Serien, der über die üblichen DVD-Veröffentlichungsdaten, Einschaltquoten und Trivia hinausgeht, und dann vielleicht noch einen Sammelartikel über die Figuren (pseudodeutsch: Charaktere) und je einen über alle Folgen (pseudodeutsch: Episoden) einer Staffel, anstatt mich durch hunderte, oft genug redundante Kurzartikel über einzelne Figuren und Folgen durchklicken zu müssen.

Den Inhalt seines Kommentars kann ich insgesamt sogar zustimmen, aber stutzig machte mich seine Kennzeichnung der Worte Charakter für eine Figur in einem Film oder einer Fernsehserie und Episode für eine Fernsehfolge als pseudodeutsch. Nach seiner Meinung gibt es diese Worte in diesen Bedeutungen nicht und seien nur schlechte Übersetzungen aus dem Englischen, also vermeintlich schlechte Anglizismen, und sollten deshalb auch nicht in diesen Bedeutungen in der Wikipedia verwendet werden, dafür gäbe es bessere. Auch seien diese Bedeutungen nicht im gedruckten Duden zu finden (zum Online-Duden siehe weiter unten).

Da ich aber irgendwie das Gefühl beide Worte in den inkriminierten Bedeutungen auch weit vor Wikipedia-Zeiten gelesen und gehört zu haben, habe ich mich einfach mal auf die Suche gemacht und bin fündig geworden.

Charakter

Kommen wir zuerst zum Wort Charakter in der Bedeutung einer Figur, Person, Rolle in einem Film, einem literarischen Wern oder ähnlichem. Schauen wir also zuerst mal in die etwas älteren Lexika und Wörterbücher, um zu schauen, ob dieses Wort in der beanstandeten Bedeutung bzw. einer naheliegenden nicht schon etwas länger in Gebrauch ist. Zuerst lesen wir im Zedler:

Character, Kennzeichen, Merckmahl; solche sind nichts anders als von denen Künstlern erdichtete Figuren, die etwas bedeuten.

Das Wort Charakter in einem Satz mit Figur die von Künstlern erschaffen wurden. So weit ist das von der heutigen Verwendung nicht weg. Grimms Wörterbuch kennt das Wort in der Bedeutung einer fiktiven Figur allerdings nicht.

Aber in einem Artikel in der Allgemeinen Deutschen Biografie über den Schriftsteller Heinrich Laube wird für die Darstellung seiner Werke selbstverständlich Charakter für die Figuren in einem seiner Romane verwendet:

„Die Poeten“ nannte sich dieser Roman, der erste Theil der Trilogie „Das junge Europa“. Er ist völlig der breiten Entwicklung der einzelnen Charaktere gewidmet, die Briefform des Ganzen muß als primitives [766] Hülfsmittel dienen, die Erlebnisse der Einzelnen werden dürftig mit einander verflochten, die Einheit wird nur erzielt durch den Mittelpunkt jenes Schlosses, dem sie Alle zustreben; eine sicher arbeitende Hand bewies L. bereits in der Skizzirung derCharaktere, bei denen unter der Perspective einer Trilogie die Möglichkeit einer Entwicklung sorgsam vorgesehen ist, und der Roman schließt einheitlich damit, daß gewissermaßen jeder einzelne Charakterad absurdum geführt wird, einen völligen Wandel durchmacht und ganz neue Sphären sich öffnen müssen.

Auch sonst wurde im 19. Jahrhundert das Wort im Sinne von Figur oder Rolle verwendet. Das Werk „Ueber den Charakter Richard’s III. bei Shakespeare“ ist ein schönes Beispiel dafür. Und dass nicht der Charakter der Figur Richards III. gemeint ist, sondern die Figur selbst zeigt diese Seite. Ein Beispiel:

Mannichfaltigkeit der Charaktere! — Es ist wahr, wer den Versuch macht, alle Gestalten, die dieser Geist geboren, aufzurufen und vor sich zu versammeln — er vermag sie kaum zu überschauen, so erweitert sich vor seinen Blicken der Horizont und scheint sich in’s Unendliche zu verlieren.

Moderne Verwendungen, auch in Fachliteratur, liefert Google Books haufenweise. Einige wenige Beispiele:

Mode im Film: zur Kulturanthropologie zweier Medien – Seite 301 (Populärwissenschaftliches Werk von Daniel Devoucoux, Historiker, (frz.) Germanist und Skandinavist, lehrt an der Uni Dortmund)

In einer Kultur der dauernden Veränderung liefert der Film, vor allem der Un- terhaltungsfilm, noch relativ stabile Bilder, in denen die Welt klar geordnet erscheint und wo jeder Charakter klar gekennzeichnet und zu erkennen ist.

Contemporary costume design: Dress Codes und weibliche Stereotype … – Seite 15 (Dissertation)

 Obwohl generell alle Charaktere im Film unabhängig von ihrem Geschlecht „kostümiert“ sind, schreibt Jane Gaines speziell den weiblichen Kostümen eine prominentere Indikatorrolle zu.

„Man wird halt wieder Lieschen Müller.“- Der Weg deutschsprachiger … – Seite 44 (Magisterarbeit)

Das Rollenspektrum und seine Ausprägungen im Film waren so klar strukturiert, daß ein ambivalent gespielter Charakter den Zuschauer verunsicherte, wenn dieser am Ende des Films feststellte, daß sein Sympathieträger der Bösewicht war.

Und viele weitere Fundstellen mehr.

Und zum Schluss klappern wir noch die etwas jüngeren Wörterbücher ab:

Wiktionary führt auf [4] Theater: Rolle, die einen besonders ausgeprägten Charakter [2] aufweist. Duden.de kennt diese Bedeutung nicht. Das Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache auch nicht. Hingegen findet sich im Pons die Bedeutung: 3. LIT (Figur). Auch das Wortschatz-Portal der Uni Leipzig führt als signifikante Konkurrenz und als Bedeutungsgruppe Figur auf.

Bei den Wörterbüchern ist das sicherlich ein etwas uneinheitliches Bild, aber nicht so, dass man behaupten könnte diese Bedeutung sei nun etwas völlig ungewöhnliches.

Insgesamt bleibt zu konstatieren, dass die hier untersuchte Bedeutung des Wortes Charakter in der deutschen Sprache bereits seit mindestens 250 Jahren etabliert ist und seitdem regelmäßig verwendet wird. Es mag sein, dass die Verwendung in letzter Zeit durch den Einfluss der amerikanischen und japanischen Popkultur (Computerspiele, Film, Fernsehen und Manga) wieder zugenommen hat, aber deshalb ist dies noch lange kein Pseudodeutsch und auch kein schlecht übersetztes Englisch.

Episode

Beim zweiten Wort Episode als Synonym für Serienfolge im Fernsehen oder in ähnlichen Medien, ist aus meiner Sicht ein Blick in das Spiegel-Archiv völlig ausreichend (Disclaimer: Der Spiegel-Verlag ist mein Arbeitgeber und Teile der Archivfunktion sind von mir programmiert worden. Deshalb weiß ich auch, dass man da vernünftig drin suchen kann ;-). Ich hatte auch ebenfalls versucht das Archiv des gedruckten Stern und der gedruckten  Zeit zu durchsuchen, was mir aber mangels angebotener Funktionalität nicht gelang (mag auch sein, dass ich einfach zu blöd bin die entsprechenden Funktionen zu finden).

Hier nur die frühesten Treffer aus dem Spiegel für den Suchterm „episode fernsehen“. Viele weitere lassen sich mühelos finden:

Der Spiegel 46/1972: Das Prinzip Unheil:

Deshalb ist das Grundprinzip aller Seifen-Opern zutiefst pessimistisch. Es kommt immer noch schlimmer, bevor es besser werden kann, und die als Möglichkeit stets vorhandene glückliche Lösung wird Tag für Tag weiter in eine unbestimmte Zukunft hinausgeschoben. Jede Tagesepisode — am Montag dieser Woche beispielsweise die 5499. von „As the world turns“ — endet mit einer dunklen Prophezeiung weiteren Unglücks.

Der Spiegel 45/1972: Zyniker auf der Hundehütte:

Charlie Brown und seine Freunde sind da: Letzten Sonntag sendete das ZDF die erste Episode einer siebenteiligen „Peanuts“-Serie.

Der Spiegel 51/1970: Gute Partner:

Die ARD bestellt für ihr „vorabendliches Unterhaltungsprogramm“ jährlich 330 dieser verlogenen Sendungen bei in- und ausländischen Filmgesellschaften. Eine Auswahlkommission der sieben Regional-Programme vergibt die Aufträge und entscheidet, welche Episode — Stückpreis bis zu 150 000 Mark — ausgestrahlt wird.

Der Spiegel 18/1970: Wacht auf:

Zum Beginn einer geplanten Kuba-Serie präsentiert es den besten und längsten (160 Minuten) Spielfilm der Castro-Ära: „Lucia“ von Humberto Solás, 27 (Montag, 27. April, 21 Uhr). Das Drei-Episoden-Werk ist ein Lehrstück über kubanische Geschichte und die Freuden der gewonnenen Revolution

Und hier der früheste Treffer. Bei etwas abgewandeltem Suchterm fänden sich vielleicht auch frühere Belege für die Verwendung von Episode im Sinne einer Serienfolge, was aber am End-Ergebnis nicht viel ändern würde.

Der Spiegel 34/1969: Sprint nicht an:

Der Intendant, die bereits vollendete und vom Rundfunkrat genehmigte „Bergmann“-Episode „Der Autokauf“ belegt es, hat nicht übertrieben

Wie man also sieht ist das Wort Episode in dieser Verwendung schon seit mehr als 40 Jahren normaler Bestandteil der deutschen Sprache. Vielleicht nicht ganz so häufig, das habe ich nicht geprüft, wie das Wort Folge, aber dennoch so häufig verwendet, dass es mühelos als Bestandteil des deutschen Wortschatzes betrachtet werden kann.

Außerdem verstehe ich nicht was an diesem Wort in Zusammenhang mit einer Fernsehserie falsch sein soll. Zwar definiert auch der Online-Duden das Wort in Bedeutung 4 als einzelne Folge einer Fernsheserie, aber zuallerst als

flüchtiges Ereignis innerhalb eines größeren Geschehens; unbedeutende, belanglose Begebenheit 

Aber selbst wenn man nur diese Definition hinzuziehen würde, dann ist die Verwendung für die Bezeichnung einer Fernsehserienfolge nicht ganz abwegig. In vielen Fällen werden ja kein allzu tiefschürfenden Begebenheiten in den einzelnen Folgen einer Serie erzählt. Man denke, besonders wenn man den zweiten Teil der Definition beachtet, da nur an die ganzen Soaps und Ähnliches. Und selbst wenn man eine Tatortfolge als Episode bezeichnet, so ist doch der erzählte Fall im Leben des fiktiven Kommissar doch wohl meist auch nur eine Episode.

Zusammenfassend also auch hier kein Pseudodeutsch und erst recht kein neumodischer Anglizismus oder eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen.

Wikisource hat einen Wert von 96.300 Dollar

Wenn man dieser Statistik bzw. Berechnung Glauben schenken darf (wobei ich nicht weiß wie die zustande kommt), hätte Wikisource derzeit das Potential täglich 256 Dollar an Werbeeinnahmen zu generieren und damit einen angenommen Wert von 96.300 Dollar. Wikipedia könnte tägliche Werbeeinnahmen von  396.264 $ verbuchen und hätte einen Wert von 141 Mio. $. Ich vermute aber, dass der wahre Wert der Marke Wikipedia um einiges höher liegen dürfte. Spielereien von Suchmaschinenoptimierern eben.

Herr K. labert mal wieder

Ein in der Wikipedia allgemein bekannter Rechtsanwalt, Blogger und Telepolis-Autor (die Reihenfolge sagt nichts über die Wertigkeit seiner jeweiligen Tätigkeit aus) kommentiert in einem Telepolis-Artikel das aktuelle Urteil des Landgericht Hamburgs zur Störerhaftung von Wikimedia Deutschland für Inhalte in der deutschsprachigen Wikipedia. Dass er dabei wie üblich mehr oder minder komisches Zeugs erzählt, verwundert mich nicht wirklich.

Ein paar Zitate:

… denn faktisch dominiert Wikimedia e.V. sehr wohl die Inhalte der Wikipedia, weil das Führungspersonal des Vereins zu einem Großteil mit den deutschen Admins identisch ist

Wenn er mit Führungspersonal den Vorstand meint, dann ist es doch schon sehr verwunderlich, dass maximal 10 Hansel der Großteil der deutschen Admins sein sollen. Vll. meint er ja auch einfach bloß, dass der Großteil des Führungspersonal Admins sind. Dann soll er es aber hinschreiben.

Er [der Kläger, Finanzer] berief sich auf die von Wikimedia durchgeführte „Wikimedia Academy“ zur Rekrutierung neuer Autoren mit Wikipedia-Karriere-Aussichten.

Ui, Wikipedia-Karriere-Aussichten. Ich wüsste nicht, dass sowas jemals Thema auf den Academys war. Aber man kann ja bekanntlich nicht überall sein und vielleicht habe ich ja einen wichtigen Vortrag verpasst.

… oder der vom Verein gepflegten Wikipedia-Stammtische.

Och ne. Dass der Hamburger Stammtisch vom BND unterwandert ist, wussten wir ja schon ne Weile. Das mit dem Verein ist zumindest mal ne neue Variante.

Update: Auf Grund einer Abmahnung habe ich zwei Kommentare zu diesem Beitrag gelöscht.

Zwei hochwertige Stücke deutscher Poesie

Als kleine Ergänzung für den neuesten Artikel von Felistoria Datei:Kladderadatsch1878.423..reichshund.2.jpgüber den Reichshund, habe ich mich bereit erklärt zwei kurze Gedichtlein über die Hunde von Bismarck abzutippseln. Und wie von ihr angedroht, sind es wahrlich zwei hochwertige Exemplare der deutschen Dichtkunst des 19. Jahrhunderts.

Als erstes das Gedicht An den Reichshund aus der Satirezeitschrift Kladderadatsch. Die Hintergründe zu dem Gedicht sind im Artikel gut erklärt.

Aedler Sultan, Hund der Hunde,
Von dem das Wochenblättlein spricht
Im kleinsten Nest der Erdenrunde,
O Sultan, du gefällst mir nicht!
Ich kann das Beißen gar nicht leiden,
Das dir im wilden Blute steckt;
Und läßt es sich ganz vermeiden,
So wähl’ doch besser dein Object.

Man weiß, wie beim Congreß dolose
Getrieben du dein schlimmes Spiel,
Und wie dir Rußlands Gala-Hose,
Die stattliche, zum Opfer fiel.
Vor Knickebeinen, die zum Gehen
Zu schwach sind, wichst du nicht zurück;
O Sultan, du mußt selbst gestehen,
Fürwahr, das war kein Heldenstück!

Dann hast mit frevelhaften Bissen
Der Herrin, die dir wild gebeut,
Du tückisch das Gewand zerrissen
Und zähnefletschend sie bedräut.
Die Dame, welche du vor Allen
Ein Freund und Schützer solltest sein,
In blindem Wüthen anzufallen,
Das, Sultan, scheint mir recht gemein!

Als du den Herrn zur salz’gen Quelle
Begleitet an der Saale Strand,
Schritt täglich über seine Schwelle
Ein Mann in schwärzlichem Gewand.
Zur Tafel war er mitgenommen;
Allein so oft dies auch geschah,
Nicht hat dein Herr ihn satt bekommen,
Stets war der Würd’ge wieder da.

Stets trat die prallste aller Waden
Im Seidenstrumpf zu dir herein;
Ach, diese Seidenstrümpfe laden
Zum Anbiß gar verlockend ein!
Doch nichts hört man von neuen Fehden,
Es sprach von dir nicht ein Gericht;
Du Krone aller Quadrupeden,
O Sultan, ich versteh’ dich nicht!

Kladderadatsch

und das zweite etwas kürzere von Karl Henckell aus der Abteilung Aus einem Notizbüchlein der Liebe:

Der Kaiser ist heiser, der Reichshund bellt,
Bald geht aus den Fugen die ganze Welt.

Wir sitzen auf freier Brüstung und schau’n
Auf lächelnde Thäler, auf sonnige Au’n.

Ein Blick in die Ferne, ein Blick nach dir,
Der Himmel dort oben, der Himmel hier.

In diese Himmel wollen wir lugen,
Und ginge die ganze Welt aus den Fugen.

Warum hier der Reichshund auftaucht und was uns dieses Gedichtlein sagen möchte, wird wohl ewig ein Geheimnis des Dichters bleiben.

Interessensgemeinschaft der Wikipedia-AutorInnen

Vor wenigen Minuten hat der Wikipedia-Autor Andreas Kemper auf der Wikipedia-Mailingliste einen Aufruf zur Gründung einer Interessengemeinschaft der Wikipedia-AutorInnen veröffentlicht. Einen Entwurf der Ziele dieser IG findet sich in der Wikipedia.

Laut der Mail soll der neue Verein die Interessen der Autoren gegenüber der Foundation vertreten, aber auch Rechtsberatung und Aufgaben übernehmen, wenn Autoren auf Grund ihrer Tätigkeit in der WP rechtlichen Problemen gegenüber stehen.

Erste Interessenten haben sich bereits auf der Wikipedia-Seite eingetragen.

Beitragsersuch

Das Bremer Sprachblog berichtet in einem Beitrag über einen Fall der Theorietablierung, in diesem Falle muss man wohl eher von Begriffsetablierung sprechen, durch die Wikipedia. Wenn auch eher klein, ist das trotzdem ärgerlich. Der 17 zusätzliche Vorname eines neuen Wirtschaftministers fällt irgendwann auf, in randständigeren Themen setzt sich sowas alleine schon durch die zahlreichen Wikipedia-Klone im ganzen Netz fort.

Kurz zu den Hintergründen der Geschichte: Der Autor des Blogs, der Bremer Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, suchte gestern eine griffige Übersetzung für den englischen Ausdruck Call for Papers und fand im  Wikipedia-Artikel zu diesem Begriff dafür die deutsche Übersetzung Beitragsersuch. Stefanowitsch weist aber nach, dass dieser Ausdruck erst durch die Wikipedia in die Welt kam.

Mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass das seit längerem übliche Verlangen von Nachweise für Aussagen in Artikeln kein leeres Gerede gelangweilter Autoren und Admins ist.

Update:

Mittlerweile wurde das schöne Wort Beitragsersuch aus dem Artikel entfernt.

Drei Banken in Hamburg

Wenn es drei iranische Banken in Hamburg gibt, eine Google-Suche legt dies nahe, dann habe ich alle drei seit heute auf Bild gebannt. Und Schuld dran ist Elya und ihre Liste der Bauwerke von Gottfried Böhm in der Wikipedia. Gottfried Böhm ist ein deutscher Architekten, der hierzulande einiges gebaut hat. Er ist der bisher einzige deutsche Träger des Pritzker-Preises, der bedeutendsten Auszeichnung in der Architektur. Und er hat auch ein Gebäude in Hamburg gebaut. Das einer iranischen Bank. Soviel wusste Elya schonmal und schickte mich vor zwei, drei Wochen erstmal in die Deichstraße hier in Hamburg, in der zwei iranische Banken residieren.

Also ein paar Tage abgewartet bis hier Hamburg mal die Sonne schien und hingelaufen und die beiden Gebäude fotografiert. Und am Abend dann das Ergebnis stolz im Chat vermeldet. Aber nix war, es waren die falschen Banken. Die richtige Bank, die Europäisch-Iranische Handelsbank, steht ganz woanders, nämlich im Kontorhausviertel, Deppenau 2 (dass einige Straßen hier Hamburg so komische Namen haben, dafür kann ich nichts). Zum Glück befinden sich alle drei Banken in kurzer Entfernung zu meiner Arbeitsstelle, so dass die Bilder nur wenige Minuten Zeit beanspruchten. Und eine kleine Ergänzung der Bildergalerie zu Hamburg hier im Blog verdankt der Ausflug in die Deichstraße auch.

Nun gut, also wurde bei nächster sonniger Gelegenheit, was ein schweres Unterfangen hier in Hamburg sein kann, nun auch die dritte und letzte iranische Bank fotografiert und das Bild auf Commons hochgeladen. Und deshalb kann ich hier nun voller Stolz die Galerie der iranischen Banken in Hamburg präsentieren (die Nummer 2 war das eigentlich Objekt der Begierde):

[nggtags gallery=3Banken template=caption]

Und wie ich heute abend im Chat erfuhr, beschäftigt elya mit der Bildbeschaffung der Gebäude des Herrn Böhm, so einige Wikipedianer. Dabei kommt es auch zu einigen fotografischen Kollisionen, wie man der Diskussionsseite der oben erwähnten Liste entnehmen kann.

Bertelsmann nicht mehr an Spiegel Wissen beteiligt

In einem Interview für den Horizont hat der Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe bekanntgegeben, dass Bertelsmann seit Anfang des Jahres nicht mehr an der Spiegel Wissen Gmbh beteiligt ist. Der Content den Bertelsmann, in Form seines Lexikons und anderer Produkte ,beigesteuert hat, bleibt aber dem Portal erhalten. Der Kern von Spiegel Wissen, das Archiv des Spiegels und der anderen Produkte des Verlages, soll nun unter dem Dach von Spiegel Online alleine weitergeführt werden.

So können wilde Verschwörungstheorien die zuhauf in der WP über Spiegel Wissen, in dem ja auch die Wikipedia inklusive Logo integriert ist, in sich zusammenfallen. Aber Realitäten waren den S… F…, An.. und Co. ja schon immer wurscht. Insofern werden sie sicherlich neue stricken.

Kein Versehen mehr

Autor: Jerry7171, cc-by-sa 2.0
Fotograf: Jerry7171, CC-BY-SA 2.0

Frank hat mich gestern auf eine interessante Mediawiki-Erweiterung aufmerksam gemacht, die sich derzeit auf dem Testwiki in der Erprobung befindet. Demnächst gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn einem aus Versehen, oder weil Katze, Hund oder sonstiges Hausgetier über die Tastatur latschen, ein Artikelentwurf verloren geht. Denn Trevor Parscal, der neue Software Entwickler der Foundation, hat die sogenannte Draft Extension geschrieben, also eine Erweiterung für Artikelentwürfe.

Bei Bearbeitung eines Artikels  wird alle 2 Minuten automatisch ein Entwurf gespeichert und ist nach einem eventuellen Mißgeschick auf der Edit-Seite des entsprechenden Artikels wieder abrufbar. Außerdem können alle eigenen Entwürfe auf einer Spezialseite eingesehen werden. Nicht endgültig abgespeicherte Entwürfe werden nach 30 Tagen entfernt. Es wird also  keine Datenmüllhalde angelegt.

Weiter Einzelheiten und Screenshot kann man im Blog von leŭksman nachlesen.